Wie der Titel dieser Arbeit aussagt, wird sie sich mit den Nachwirkungen der Romanze in der neueren spanischen Literatur befassen. Aufgrund des in einer Seminararbeit begrenzten Platzes, wird dies exemplarisch an einem Werk einer der Hauptgestalten der Generación del 98 geschehen. Die Rede ist von Antonio Machado (* 26. Juli 1875 Sevilla - † 22. Februar 1939, Collioure, Südfrankreich), der als Übersetzer, Französischlehrer und freier Schriftsteller in Paris, Soria, Baeza, Madrid, Segovia und Rocafort bei Valencia lebte.
In der Mitte April 1912 erschienenen Erstauflage von Campos de Castilla (CC), die Machado unmittelbaren Erfolg und Lob von Autorenkollegen wie José Ortega y Gasset, José Martínez Ruiz („Azorín“) und Miguel de Unamuno einbrachte, nimmt eine Romanze einen großen Platz ein, um welche es in dieser Arbeit gehen soll: La tierra de Alvargonzález (LtdA). Diese Romanze ist seit 1912 fester Bestandteil der
CC.
Bevor es jedoch an eine eingehende Analyse dieser Romanze, oder vielmehr dieser Serie von Romanzen, geht, sollen im nächsten Teil der Arbeit zunächst einige Grundcharakteristika der Romanzengattung erarbeitet werden, um im darauf folgenden Teil eine Antwort auf die Fragestellung finden zu können, wie Antonio Machado die traditionelle Romanzenform durch LtdA in seine Zeit überführt hat. Behält er bei seinem Versuch, einen neuen „Romancero“ zu schreiben eher Traditionelles bei, oder dominieren in LtdA moderne Züge?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Romanze als literarische Gattung
2.1 Terminus und Ursprung
2.2 Metrik
2.3 Einteilung der Romanzen anhand thematischer Gesichtspunkte
3. Die Wiederentdeckung der Romanzendichtung
3.1 Die Romanzenforschung
3.2 Die Wiederentdeckung der Romanze durch die Generación del 98
4. La tierra de Alvargonzález von Antonio Machado
4.1 Das Romanzenverständnis Antonio Machados
4.2 La tierra de Alvargonzález
4.2.1 Strukturelle Aspekte von La tierra de Alvargonzález
4.2.2 Einordnung der Romanze in das Schaffen Machados
4.2.3 Inhaltliche Aspekte der Romanze
4.2.4 Die besondere Rolle der Erde in La tierra de Alvargonzález
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Nachwirkung der traditionellen Romanzenform in der modernen spanischen Literatur, fokussiert auf das Werk "La tierra de Alvargonzález" von Antonio Machado. Ziel ist es zu analysieren, wie Machado diese literarische Form nutzt, um zeitlose menschliche Themen in den Kontext seiner Epoche zu überführen und zur geistigen Erneuerung Spaniens beizutragen.
- Evolution und Charakteristika der spanischen Romanze als Gattung.
- Die Rolle der Generación del 98 bei der Wiederentdeckung literarischer Traditionen.
- Das spezifische Romanzenverständnis Antonio Machados im Vergleich zur Moderne.
- Strukturelle und inhaltliche Analyse von "La tierra de Alvargonzález".
- Die symbolische Bedeutung der kastilischen Erde als "Akteur" im Werk.
Auszug aus dem Buch
4.2.4 Die besondere Rolle der Erde in La tierra de Alvargonzález
Um an dieser Stelle nun noch einmal explizit herauszuarbeiten, warum sich Antonio Machado für LtdA auf das Terrain der Romanzendichtung begeben hat, soll die Bedeutung der Erde in LtdA analysiert werden. Blickt man bei LtdA hinter die offensichtliche Fassade, das thematisierte Verbrechen, welches man sich auch gesungen als eine Romance de ciego vorstellen könnte, so wird deutlich, dass Machado, vor dem Hintergrund seinen Ansichten über Dichtung und seiner Zugehörigkeit zur Generación de 98 mehr mit der Romanze aussagen will.
Gleicht man die Romanze nämlich mit den schon im Prolog geäußerten poetischen Ansichten Machados ab, so wird Folgendes deutlich: Für Machado soll, wie in Abschnitt 4.1 gezeigt, die Vergangenheit nur um der Dinge willen erzählt werden, die auch heute Gültigkeit haben - Ziel soll die Identifikation des „elemental humano“ sein. Was lässt sich über die Menschen sagen - über ihre Emotionen, Motivationen, über ihre Sehnsüchte? Neben den Menschen mit ihren Leidenschaften und Sünden, ist aber auch in hohem Maße die magisch beseelte Erde, im weiteren Sinne die Natur im Ganzen, ein wichtiger „Akteur“ in der Romanze.
Diese Erde ist aufs Engste positiv mit dem Opfer des Mordes, Alvargonzález und dessen jüngstem Sohn Miguel, verbunden. Der Besitz der Ländereien reicht - auch wenn die Vatermörder diese dem äußeren Anschein nach geerbt haben - auch über seinen Tod hinaus, weitergeführt durch den jüngsten Sohn Miguel, dem die Erde freundlich gesinnt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Arbeit in den Kontext des Seminars "Spanische Romanzendichtung" und definiert das Ziel, Antonio Machados Werk "La tierra de Alvargonzález" exemplarisch zu untersuchen.
2. Die Romanze als literarische Gattung: Hier werden der etymologische Ursprung, die metrischen Besonderheiten und die thematische Einteilung der Romanze als Gattung dargelegt.
3. Die Wiederentdeckung der Romanzendichtung: Dieses Kapitel erläutert den wissenschaftlichen Diskurs um die Romanze und ihre Bedeutung für die Autoren der Generación del 98.
4. La tierra de Alvargonzález von Antonio Machado: Das Kernkapitel befasst sich mit Machados Romanzenverständnis, den strukturellen Aspekten seines Werks und der symbolischen Funktion der Erde.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass Machado die Romanzenform modernisiert, um überzeitliche Werte und gesellschaftliche Kritik im Kontext der spanischen Landschaft zu transportieren.
Schlüsselwörter
Antonio Machado, La tierra de Alvargonzález, Romanze, Generación del 98, spanische Literatur, Lyrik, Campos de Castilla, Romanzendichtung, Metrik, Assonanz, lo elemental humano, Landschaftssymbolik, Erzähltradition, Literaturwissenschaft, Modernismo.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Antonio Machado in seinem Werk "La tierra de Alvargonzález" die traditionelle spanische Romanzenform aufgreift und für die moderne Literatur adaptiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Gattungsgeschichte der Romanze, die literarischen Bestrebungen der Generación del 98 sowie die Analyse von Machados spezifischem Romanzenverständnis und der Rolle der Landschaft in seinem Werk.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob Machado bei seinem Versuch, einen neuen "Romancero" zu schreiben, traditionelle Elemente beibehält oder moderne Züge dominieren und wie er dadurch zur geistigen Erneuerung Spaniens beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung des theoretischen Rahmens zur Romanzendichtung und der Interpretation einschlägiger Machado-Experten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Romanze, deren Wiederentdeckung durch die 98er-Generation sowie eine detaillierte strukturelle und inhaltliche Untersuchung von "La tierra de Alvargonzález".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Generación del 98", "Romanze", "Campos de Castilla" und die literarische Auseinandersetzung mit dem "ewig Menschlichen" (lo elemental humano).
Welche Rolle spielt die Erde in dem untersuchten Werk?
Die Erde wird in "La tierra de Alvargonzález" als ein magisch beseelter "Akteur" dargestellt, der eng mit dem Opfer verbunden ist und durch Unfruchtbarkeit auf den Vatermord der Söhne reagiert.
Wie bewertet der Autor den Erfolg von Machados Romanzen-Projekt?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Machado keine archaisierende Nachahmung anstrebte, sondern eine Form fand, um moderne Themen in die Gegenwart zu transportieren, wobei Machado selbst laut Literaturquellen gegenüber dem eigenen Ergebnis sehr kritisch blieb.
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- Pierre Dombrowski (Author), 2008, 'La tierra de Alvargonzález' von Antonio Machado, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133980