Seit geraumer Zeit ist Landwirtschaft wieder in aller Munde. Was auch kein Wunder ist: Schließlich zeigen sich die wohl größten Auswirkungen von Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum gegenwärtig in der Ernährungsfrage. Aufgrund steigender Preise und der zunehmenden Verknappung der Lebensmittel, auch infolge gesteigerter Ansprüche und global wachsendem Fleischkonsums, wird der Ruf nach einer Ausweitung des Anbaus gentechnisch veränderter Lebensmittel immer lauter.
Angesichts der aktuellen Hungerkrise in vielen Entwicklungsländern wird die sogenannte Grüne Gentechnik zunehmend als entscheidende Möglichkeit genannt, den Hunger zu reduzieren.
Dabei ist die Frage der Risiken und ihrer Haftung insbesondere auf internationaler Ebene weiterhin weitgehend ungeklärt.
Auf der vierten UN-Konferenz zur Biologischen Sicherheit vom 12. bis 16. Mai 2008 in Bonn haben sich 147 Staaten nun immerhin darauf verständigt, dass Hersteller gentechnisch veränderter Organismen (GVO) für Schäden haften müssen, die durch den Einsatz von GV-Saatgut und GV-Nutzpflanzen entstehen. Rechtstechnische Einzelheiten zu den Haftungs- und Wiedergutmachungsregeln sollen in den nächsten zwei Jahren in weiteren Gesprächen von Juristen ausgearbeitet und ein internationales Haftungsabkommen auf der Nachfolgekonferenz im Oktober 2010 beschlossen werden.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
BERECHTIGTE ÄNGSTE: RISIKEN DER GRÜNEN GENTECHNOLOGIE
GLOBAL PLAYER MONSANTO – KONTROLLE ÜBER DAS SAATGUT
DAS NEUE GESETZ
STRENGERE HAFTUNGSREGELUNGEN – OHNE VERSICHERUNG
BESSERE KENNZEICHNUNG
SCHLEICHENDER VORMARSCH VON GENPRODUKTEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die rechtlichen und ökonomischen Herausforderungen im Kontext der grünen Gentechnologie in Deutschland, beleuchtet die Rolle dominanter Konzerne und bewertet die Auswirkungen der aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen auf Haftungsfragen und Verbraucherschutz.
- Risiken der grünen Gentechnologie für Umwelt und Gesundheit
- Marktmacht und Strategien internationaler Saatgutkonzerne wie Monsanto
- Entwicklung und Auswirkungen des neuen deutschen Gentechnikgesetzes
- Haftungsrisiken und Probleme bei der Koexistenz unterschiedlicher Anbauformen
- Herausforderungen bei der Kennzeichnung "ohne Gentechnik"
Auszug aus dem Buch
Global Player Monsanto – Kontrolle über das Saatgut
Bei der grünen Gentechnik sind neben Monsanto vor allem Bayer CropScience, Syngenta und DuPont international tätig. Weltweit stammen allein ca. 90 % aller angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen vom US-amerikanischen Konzern Monsanto. Das Unternehmen ist damit Weltmarktführer bei gentechnisch verändertem Saatgut.
Monsanto besitzt zudem enge Kontakte zum US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium. Mitarbeiter US-amerikanischer Bundesbehörden sind wiederholt zu Monsanto und zurück in die Politik gewechselt. Bei dieser Allianz geht es ersichtlich weniger um die Bekämpfung des gravierenden Welternährungsproblems, als vielmehr um die Monopolisierung lebensnotwendiger Ressourcen durch ein privates Unternehmen und die Schaffung eines Marktes hierfür.
Sobald das veränderte Saatgut zugelassen und sein Einsatz patentiert ist, versucht das Unternehmen, Abnehmer für sein Saatgut oder Lizenznehmer zu gewinnen. Jene Landwirte, die patentiertes, gentechnisch verändertes Saatgut von Monsanto beziehen, müssen dann jedes Jahr eine Gebühr entrichten, um neues Saatgut zu erhalten. Monsanto fordert solche Gebühren sogar von konventionell anbauenden Farmern ein, deren Felder durch transgene Pflanzen verunreinigt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung thematisiert die wachsende Bedeutung der grünen Gentechnik in Zeiten der Nahrungsmittelverknappung und die internationale Ungewissheit bezüglich Haftungsfragen bei GVO-Schäden.
BERECHTIGTE ÄNGSTE: RISIKEN DER GRÜNEN GENTECHNOLOGIE: Dieses Kapitel erläutert die Bedenken hinsichtlich gesundheitlicher Unwägbarkeiten sowie ökologischer und ökonomischer Risiken beim Einsatz genveränderter Pflanzen.
GLOBAL PLAYER MONSANTO – KONTROLLE ÜBER DAS SAATGUT: Der Fokus liegt auf der Marktdominanz des Konzerns Monsanto, dessen Patentstrategien und der daraus resultierenden Abhängigkeit der Landwirte.
DAS NEUE GESETZ: Hier werden die gesetzlichen Neuregelungen in Deutschland vor dem Hintergrund europäischer Vorgaben und der politischen Interessen der Großen Koalition analysiert.
STRENGERE HAFTUNGSREGELUNGEN – OHNE VERSICHERUNG: Das Kapitel behandelt die Haftungsproblematik bei Verunreinigungen und die Schwierigkeiten bei der Etablierung einer funktionierenden Versicherungslösung für Landwirte.
BESSERE KENNZEICHNUNG: Diskutiert werden die Hürden und die Ausgestaltung der "ohne Gentechnik"-Kennzeichnung sowie deren Bedeutung für die Transparenz gegenüber dem Verbraucher.
SCHLEICHENDER VORMARSCH VON GENPRODUKTEN: Das abschließende Kapitel beleuchtet, wie trotz Kontroversen gentechnisch veränderte Organismen zunehmend den Lebensmittel- und Futtermittelmarkt durchdringen.
Schlüsselwörter
Grüne Gentechnik, Gentechnikgesetz, Monsanto, Haftungsrecht, Koexistenz, GVO, Saatgut, Patentschutz, Umweltschutz, Verbraucherschutz, Kennzeichnungspflicht, Welternährung, Gentechnikfreie Lebensmittel, Landwirtschaft, Standortregister
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das deutsche Gentechnikgesetz und die Auswirkungen der grünen Gentechnik auf Landwirtschaft, Verbraucherrechte und internationale Handelsstrukturen.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Marktmacht von Saatgutkonzernen, Haftungsrisiken, das Standortregister, Kennzeichnungsvorgaben und die ökologische Koexistenz von Anbauformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die rechtliche Situation in Deutschland im Kontext globaler wirtschaftlicher Interessen und des Vorsorgeprinzips kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche und politische Analyse, die aktuelle Gesetzestexte, Studien und Berichte zur Gentechniknutzung auswertet.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die Risikodiskussion, die Monopolstellung großer Konzerne, die aktuelle Gesetzesnovelle sowie Probleme bei Kennzeichnung und Haftung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Text?
Hauptbegriffe sind Gentechnikgesetz, Monsanto, Koexistenz, Haftung, GVO-Verunreinigungen und Transparenz.
Welche Probleme ergeben sich bei der Kennzeichnung?
Die Kennzeichnung "ohne Gentechnik" wird in der Praxis kaum genutzt, da Produzenten eine Verunsicherung der Kunden fürchten und der Einsatz von GVO bei Zusatzstoffen die Transparenz erschwert.
Warum wird das Standortregister kritisiert?
Es besteht ein Interessenkonflikt zwischen Transparenzbedürfnissen einerseits und der Gefahr von Zerstörungsaktionen sowie bürokratischem Aufwand für Unternehmen andererseits.
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- Dr. Gerald G. Sander (Author), 2009, Das deutsche Gentechnikgesetz. Risiken der grünen Gentechnologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133986