Diese Arbeit widmet sich der Beantwortung der Fragen, welche Bedeutung Lehrende und Schüler*innen den Persönlichkeitsmerkmalen von Lehrpersonen beimessen. Hierfür wurde aus der Psychologie das Persönlichkeitsmodell der "Big Five" entlehnt, welches den Charakter von Personen mit Hilfe der Dimensionen Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit zu beschreiben versucht.
Zunächst erfolgen Definitionen zentraler Begriffe wie "Person", "Persönlichkeit", "Diagnose und Diagnostik", "Faktorenanalyse" und "Konstruktivismus". Daran anknüpfend werden Persönlichkeitsmodelle der Psychologie, insbesondere im Hinblick auf die "Lehrerpersönlichkeit", dargestellt. Danach werden die "Faktorenanalyse" und das Konzept des Big Five-Persönlichkeitsmodells vorgestellt, sowie der Unterschied zwischen Konstruktivismus und Instruktivismus erörtert. Weiters wird auf "evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung" (EMU) eingegangen. Für den empirischen Teil der Arbeit wurden zehn Lehrende mittels Leifadeninterview hinsichtlich den Persönlichkeitsmerkmalen der „Big Five“ befragt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Zusätzlich wurden Schüler*innen (n = 176) mittels Onlinefragebögen befragt, welche Bedeutung sie unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen bei ihren idealen Lehrenden beimessen.
Inhaltsverzeichnis
Abstract
Kurzzusammenfassung
1 Einleitung
Theorie
2 Klärung der Grundbegriffe und Definitionen
2.1 Wortherkunft „Person“
2.2 Abgrenzung der Begrifflichkeit „Persönlichkeit“
2.2.1 Bedeutung von „Persönlichkeit“ aus heutiger Sicht
2.2.2 Kritik am Persönlichkeitsbegriff
2.3 Diagnose, Diagnostik
2.4 Faktorenanalyse
2.5 Konstruktivismus
2.6 Resümee
3 Lehrerpersönlichkeit
3.1 Grundlegende Persönlichkeitsmodelle
3.1.1 Grundlagen zur Psychologie der Lehrerpersönlichkeit
3.1.2 Faktorenanalytisches Beschreibungsmodell
3.1.2.1 „Big Five“ der Lehrerpersönlichkeit
3.1.3 Konstruktivistische Sichtweisen
4 Unterrichtsdiagnostik
4.1 Einleitung
4.2 EMU – Evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung
4.2.1 Modell Perspektivenabgleich
4.2.2 Theoretische Grundlage: Metaanalyse von Hattie
Empirie
5 Einleitung
5.1 Forschungsfragen
5.2 Forschungsdesign
5.2.1 Qualitative Methoden
5.2.1.1 Leitfadeninterviews
5.2.1.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
5.2.1.3 Qualitatives Leitfadeninterview Lehrende
5.2.2 Quantitative Methoden
5.2.2.1 Onlinefragebogen
5.2.2.2 Quantitative Auswertung
5.2.2.3 Quantitative Onlinefragebögen Schüler*innen
6 Auswertung und Darstellung der Ergebnisse
6.1 Ergebnisse Befragung - Lehrkräfte
6.2 Ergebnisse Befragung – Schüler*innen
6.3 Vergleich und Interpretation der Forschungsergebnisse
7 Conclusio – Schlussfolgerungen für die Schulpraxis
8 Zusammenfassung der Bachelorarbeit
12 Anhang
12.1 Anhang 01 – Tabelle Big Five, Facetten, Eigenschaften
12.2 Anhang 02 – Tabelle NEO-FFI-30, Items, Ergebnisse
12.3 Anhang 03 – Tabelle Konstruktivistisch-Instruktivistisch
12.4 Anhang 04 – Leitfadeninterviews Lehrer*innen
12.4.1 Codierung Lehrer*inneninterviews
12.4.2 Interviewfragen Lehrer*innen
12.4.3 Transkripte Lehrer*inneninterviews
12.5 Anhang 05 – Tabelle Inhaltsanalyse nach Mayring
12.6 Anhang 06 – Fragen Schüler*innenfragebogen
12.7 Anhang 07 – Auswertung Schüler*innenfragebogen – Block I
12.8 Anhang 08 – Auswertung Schüler*innenfragebogen – Block II
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Persönlichkeitsmerkmalen der „Big Five“ (Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit) für die Unterrichtstätigkeit, sowohl aus Sicht der Lehrpersonen selbst als auch aus der Perspektive der Schüler*innen, um daraus Implikationen für die Professionalisierung von Lehrkräften abzuleiten.
- Analyse der Lehrerpersönlichkeit anhand des faktorenanalytischen Modells der „Big Five“.
- Untersuchung konstruktivistischer versus instruktivistischer Lehransätze.
- Evaluation evidenzbasierter Methoden der Unterrichtsdiagnostik (EMU).
- Durchführung qualitativer Leitfadeninterviews mit Lehrkräften sowie quantitativer Onlinebefragungen bei Schüler*innen.
- Vergleich der Selbsteinschätzung der Lehrkräfte mit den Idealvorstellungen der Schüler*innen.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Faktorenanalytisches Beschreibungsmodell
Im Rahmen der Psychologie erfolgte fortwährend der Versuch, Ansätze zu entwickeln, um die Validität von Persönlichkeitsmerkmalen auf eine überschaubare und statistisch-replizierbare Anzahl an Dimensionen zu reduzieren (Haag & Streber, 2020, S. 19). Asendorpf (2005) betont, dass jener Versuch, die Vielfalt der alltäglich repräsentierten Eigenschaften auf wenige statistisch-unabhängige Dimensionen zu begrenzen, mit Hilfe der empirischen Methode der Faktorenanalyse gelingen könne (Simon, 2012, S. 2).
Hauptziel der Faktorenanalyse ist laut Überla (1971) die Ableitung hypothetischer Größen oder Faktoren aus einer Menge beobachteter Variablen, wobei jene Faktoren einerseits möglichst einfach sein müssen, andererseits müssen Beobachtungen hinreichend genau beschrieben und erklärt werden. Demnach ist die Hauptfrage der Faktorenanalyse, was die einfachste Struktur sei, mit welcher die jeweils vorliegenden Daten ausreichend genau reproduziert und erklärt werden können. Hierbei wird ersichtlich, dass die Faktorenanalyse stets von der Art und Anzahl der vorliegenden Daten abhängig ist (Andresen, 2015, S. 85).
Backhaus (2000) betont, dass wenn es tatsächlich gelinge, eine Vielzahl möglicher Variablen auf wenige, wichtige Einflussfaktoren reduzieren zu können, sich dadurch erhebliche Vorteile für empirische Untersuchungen realisieren lassen (Andresen, 2015, S. 85).
Zusammenfassung der Kapitel
2 Klärung der Grundbegriffe und Definitionen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Konzepte der Arbeit wie „Person“, „Persönlichkeit“, „Diagnose“ und „Konstruktivismus“ zur Vorbereitung der theoretischen Auseinandersetzung.
3 Lehrerpersönlichkeit: Hier werden Persönlichkeitsmodelle, insbesondere das „Big Five“-Modell, sowie konstruktivistische Lehrsichtweisen im Kontext des Lehrerberufs detailliert vorgestellt.
4 Unterrichtsdiagnostik: Das Kapitel erläutert aktuelle Strategien zur Unterrichtsentwicklung, insbesondere das Programm „EMU“ und die Bedeutung von Feedback und Perspektivenabgleich.
5 Einleitung: Diese Einleitung führt in den empirischen Teil der Arbeit ein, stellt die Forschungsfragen dar und erläutert die gewählten qualitativen sowie quantitativen Forschungsmethoden.
6 Auswertung und Darstellung der Ergebnisse: Die erhobenen Daten aus den Lehrerinterviews und Schülerbefragungen werden dargestellt, interpretiert und miteinander in Bezug gesetzt.
7 Conclusio – Schlussfolgerungen für die Schulpraxis: Das Kapitel vergleicht die Ergebnisse mit den theoretischen Anforderungen und leitet Konsequenzen für die Professionalisierung von Lehrkräften ab.
Schlüsselwörter
Lehrerpersönlichkeit, Big Five, Unterrichtsdiagnostik, Konstruktivismus, Faktorenanalyse, professionelle Entwicklung, Schülerfeedback, emotionale Stabilität, Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Verträglichkeit, Lehrer-Schüler-Beziehung, empirische Sozialforschung, Bildungsqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Charaktereigenschaften von Lehrpersonen anhand des „Big Five“-Modells und untersucht deren Bedeutung aus Sicht von Lehrkräften und Schüler*innen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Persönlichkeitspsychologie, den Lehrmethoden (konstruktivistisch vs. instruktivistisch) und der evidenzbasierten Unterrichtsdiagnostik.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und inwiefern die tatsächlichen Persönlichkeitsmerkmale der interviewten Lehrkräfte mit den Idealvorstellungen der Schüler*innen übereinstimmen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um einen Mixed-Methods-Ansatz: Qualitative Leitfadeninterviews mit Lehrkräften (ausgewertet durch Inhaltsanalyse) und quantitative Onlinebefragungen bei Schüler*innen.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil definiert Persönlichkeitsbegriffe, stellt Persönlichkeitsmodelle wie die „Big Five“ vor, beleuchtet Unterschiede in Lehr-Lern-Orientierungen und erläutert Diagnoseverfahren wie EMU.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Lehrerpersönlichkeit, Big Five, Unterrichtsdiagnostik, konstruktivistische Sichtweisen sowie professionelle Weiterentwicklung.
Welche Rolle spielt die emotionale Stabilität?
Die Studie zeigt, dass Lehrkräfte emotionale Stabilität als wichtig für den Unterricht erachten und dass auch Schüler*innen ein stabiles Auftreten der Lehrperson schätzen.
Warum ist das Ergebnis zur Gewissenhaftigkeit relevant?
Gewissenhaftigkeit stellt die wichtigste Kategorie für Schüler*innen dar, wobei die Lehrkräfte hier tendenziell hinter den sehr hohen Idealvorstellungen der Schüler*innen zurückbleiben.
- Arbeit zitieren
- Uwe Rottensteiner (Autor:in), 2022, Was macht einen guten Lehrer aus? Der Einfluss verschiedener Persönlichkeitsmerkmale auf die Lehrer-Schüler-Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1339881