Die Sprechakte und ihre Aktivität


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

16 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist eine Handlung und worin besteht Aktivität bei einem Akt?

3. Sprechakte
3.1. Die Theorie nach John L. Austin
3.2. Ergänzungen durch John R. Searle
3.3. Wie man mit Worten handelt

4. Aktivität und Sprechakte
4.1. Was ist die Aktivität?
4.2. Die Abhängigkeit von Sprache

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

There are no dusty cassette-tape fragments among the ancient bones, for example, to tell us how language was back in the early stages. Perhaps because of this absence of direct physical evidence, there has been no shortage of speculation about the origins of human speech.[1]

Es gibt also keine Hinweise darauf, wie Sprache seit ihrer Entstehung vor mehreren tausend Jahren auf die Menschen gewirkt hat. In unserem Sprachgebrauch gehen wir davon aus, dass man spricht oder handelt: Man soll den Worten Taten folgen lassen oder man soll nicht nur leere Phrasen produzieren, sondern auch handeln.

Wir unterscheiden also zwischen der Aktivität und dem Sprechen. Jemand, der viel redet und nichts arbeitet, wird eher als faul angesehen, als jemand, der schweigsam ist und ständig irgendwelche Dinge produziert.

Wie steht es aber nun mit der sogenannten Theorie der Sprechakte? Was ist ein Sprechakt? Franz von Kutschera fast die von John L. Austin und John R. Searle ausgearbeitete Sprechakttheorie kurz zusammen, indem er die Grundthese beschreibt: „Wenn man spricht, sprachliche Ausdrücke anwendet, d.h. Sprachhandlungen vollzieht, so sind das Tätigkeiten, mit denen man wie mit nichtsprachlichen Handlungen (Rasen Mähen, Sägen und dergl.) etwas leistet.[2] Man geht also davon aus, dass man die sprachliche Äußerung im Hinblick auf ihre Aktivität untersuchen kann – und dies nicht nur, indem man versucht herauszufinden, wie die Laute produziert werden, sondern dadurch, dass Sprachäußerungen Handlungen vollziehen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass „das Verständnis der Funktion von sprachlichen Ausdrücken und ihrer Bedeutung [...] nun dadurch erschwert [wird], daß man sie meist als Objekte ansieht, statt von den Sprachhandlungen auszugehen“[3].

In einem ersten Schritt wird zu klären versucht, was man unter Aktivität und unter einer Handlung oder einem Akt zu verstehen hat. Daraufhin wird die Sprechakttheorie in einem weiteren Kapitel untersucht, bevor abschließend Überlegungen über die Aktivität bei Sprechakten angestellt werden.

2. Was ist eine Handlung und worin besteht Aktivität bei einem Akt?

Handlung und Aktivität sind zwei Begriffe, die man schlecht voneinander trennen kann. Wenn man handelt, wird man aktiv.

Wann ist etwas aktiv? Aktivität bedeutet, dass etwas vonstatten geht, dass eine Veränderung von einem Zustand in einen nächsten eintritt, dass sich etwas bewegt. Passivität beschreibt den Zustand des Stillstandes. Nichts verändert sich und die Gegebenheiten verharren in Bewegungs- und Veränderungslosigkeit. Wenn jedoch Aktivität eintritt, also die aktive Veränderung, so kann das Gegebene nicht mehr verharren: Etwas wechselt seinen Zustand – ob es nun der Ort, die Form, die Zusammensetzung oder sonstige physische Qualitäten oder auch Quantitäten wie Lautstärke, Geruch, Geschmack sind, etwas muss sich verändern, wenn Aktivität eintritt. Also hat Aktivität einen Einfluss auf die physische Welt. Aktivität bedeutet physische Bewegung. Ein (menschlicher) Körper ist inaktiv, wenn er auf der Stelle verharrt (wobei man den Schlaf außen vor lassen muss). Auch Computer gelten als inaktiv, wenn sie kein Programm ausführen und somit keinen Fortschritt und keine Veränderung erzielen. Die Erscheinungsform der Aktivität wird als Handlung oder als Akt angesehen.

Sprachlich gesehen sind die Worte Akt und Handlung synonym. Auch im philosophischen Verständnis gibt es Überschneidungen. Der Akt „ist die Tätigkeit, durch die eine Fähigkeit ‚aktualisiert’ wird, oder die Verwirklichung einer Möglichkeit“[4]. Das heißt, dass der Akt eine Aktivität darstellt, die eine Gegebenheit aus ihrer Möglichkeit heraus in eine andere Gegebenheit überführt und diese somit ‚aktualisiert‘ und verändert (wenn man eine Internet-Seite aktualisiert, ist nach dem Akt immer noch die gleiche Seite zu sehen, aber nicht mehr dieselbe). Die Gegebenheit muss also bestimmte Qualitäten oder Quantitäten aufweisen, die einer Veränderung unterliegen können. So muss es zum Beispiel möglich sein, dass die Lautstärke geändert werden kann, die Tür geschlossen wird oder die Meinung eines Gesprächspartners geändert wird – wobei bei der Gegebenheit der Meinung die Untersuchung der Veränderung gewisse Schwierigkeiten mit sich bringt. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass

bei Husserl [...] A[kt] ein intentionales Erlebnis [ist], das auf einen Gegenstand gerichtet ist – im Gegensatz zum Sinneneindruck (Sinnesdatum), der bloß das Erlebnismaterial (griech. hyle) für das Gegenstandserlebnis bedeutet. Mit der Verwendung des Begriffs A[kt] bekundet Husserl, daß die Gegenstandserfahrung eine Tätigkeit enthält.[5]

Der Akt ist also ein geplantes Eingreifen in die Gegebenheiten und durch deren Veränderung werden die Gegenstände aktiv erfahren, während sie bei den Sinneneindrücken nur passiv rezipiert werden.

Im Anschluss daran ist auch der Begriff der Handlung zu verstehen, der im Gegensatz zu einem bloßen Ereignis, dass das Subjekt lediglich aufnehmen und erleben kann, steht: Die Handlung sei nach Aristoteles „Ausdruck eines Dahinterliegenden [...], das die Form einer mehr oder weniger bewußten Absicht oder Meinung der Person hat“[6] und „der Begriff H. wird hauptsächlich in Verbindung mit Beschreibungen des Verhaltens von Personen verwendet und dient der Unterscheidung zwischen dem, was eine Person tut, und dem, was einer Person bloß geschieht.“[7]

Aktivität bedeutet also, dass durch eine intendierte Handlung eine Veränderung in einem Objekt hervorgerufen wird. Das Vehikel für Aktivität muss jedoch physisch sein, da wir in einer physischen Welt leben (wie sieht es mit Akten in der eigenen Vorstellungskraft aus?). Man kann als agierendes Subjekt ein Objekt in seinem Zustand nur verändern, wenn man auf irgendeine Art und Weise eine Brücke zu dem Objekt schlägt. Diese Brücke muss physisch geschlagen werden: Ob durch körperliche Berührung bei einer Tür, durch das Ausscheiden von Geruch für die witternde Hundenase, ob durch das Reflektieren von Licht für das Auge des Betrachters, ob durch das Ausscheiden von Geschmack – oder eben durch das Abgeben von Geräuschen. Diese Geräusche können unartikuliert sein, durch unbewusste Bewegungen des Körpers verursacht werden (was wiederum die Intention einer Handlung in Frage stellen könnte) oder eben das bewusste Sprechen und somit das intendierte Beeinflussen des Objektes darstellen.

Laut Hannah Arendt bilden das „ Handeln und Sprechen [...] den herrschaftsfreien Raum, in dem Menschen sich aufeinander beziehen, verhandeln und überzeugen“[8]. Sie setzt Handeln und Sprechen gleichwertig. Sie geht also davon aus, dass durch das Verwenden von Sprache und die verbale Kommunikation mit anderen Individuen (zählen Spracherkennungsmaschinen auch dazu?) Handlungen aktiv vollzogen werden.

Wenn man nun aber davon ausgeht, dass eine Handlung eine Veränderung eines Zustandes verursacht und man die Sprache betrachtet, so stellt sich die Frage, was es bedeutet, wenn Sprache eine Handlung vollzieht. Wie verursacht Sprache eine Veränderung in einer Gegebenheit? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Sprechakttheorie, die auf den Vorlesungen Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with Words) von John L. Austin basiert. Doch stellt sich nun die Frage, was die Aktivität bei den Sprechakten ist.

3. Sprechakte

3.1. Die Theorie nach John L. Austin

John L. Austin ist der Begründer der modernen Sprechakttheorie, wobei er „eigentlich kein persönliches Manifest veröffentlicht, sondern ein wenig die Wege nachgezeichnet [hat], die die Philosophie hier und da schon eingeschlagen hat“[9]. Er erhebt also den Anspruch, keine neue Philosophie zu vertreten. Jedoch beziehen sich die nachfolgen Sprechakt-Theoretiker auf seine Theorie und versuchen, diese zu ergänzen und zu verbessern. Wie sieht nun die Sprechakttheorie aus?

Austin vermutet, dass es verschiedene Arten von Äußerungen gibt, für die er ein komplexes Schema entwickelt: Seine Theorie besagt zuerst, dass es konstative und performative Aussagen gibt, wobei er der klassischen Unterscheidung von wahr und falsch das Glücken oder das Verunglücken einer Aussage entgegenstellt. Konstative Aussagen sind solche Aussagen, die wahr oder falsch sein können und die etwas beschreiben, berichten oder behaupten.[10] Das heißt, dass die Aussagen eine Information über einen Gegenstand liefern, die verifiziert werden kann. Im Gegensatz dazu stehen die performativen Aussagen:

A. Sie beschreiben, berichten, behaupten überhaupt nichts; sie sind nicht wahr oder falsch.

B. das Äußern des Satzes ist, jedenfalls teilweise, das Vollziehen einer Handlung, die man ihrerseits gewöhnlich nicht als „etwas sagen“ kennzeichnen würde.[11]

Austin führt also eine Unterscheidung zwischen Aussagen ein, die besagt, dass die sprachlichen Aussagen eine Handlung vollziehen, die also nicht nur eine rein passive Information für den Gesprächspartner darstellt, sondern auch eine aktive Beeinflussung bedeuten kann. Jedoch gilt zu beachten, dass diese Unterscheidung nicht besagt, dass eine konstative Äußerung keine performative wäre. Viel mehr gilt: „Dass ich mit einer Äusserung eine Handlung vollziehe, steht nicht im Gegensatz dazu, dass ich mit einer Äusserung etwas über die Welt aussage, was wahr oder falsch ist“[12]. Man darf also die beiden Äußerungen nicht scharf trennen, sondern sollte sie als Hilfestellung beim Verständnis von Sprechakten ansehen.

[...]


[1] Yule, George: The study of language. 2. Aufl. Cambridge 2001, S. 1.

[2] Franz von Kutschera: Sprachphilosophie. 1. Aufl. München 1971 (=UTB), S. 254.

[3] Ebd., S. 254.

[4] Hügli, Anton und Poul Lübcke (Hg.): Philosophielexikon: Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbeck bei Hamburg 1995, S. 26.

[5] Hügli, S. 26.

[6] Ebd., S. 229.

[7] Ebd., S. 229.

[8] Kunzmann, Peter, Franz-Peter Burkard und Franz Wiedmann: dtv-Atlas Philosophie. 11. aktual. Aufl., München 2003, S 233.

[9] Austin, John Langshaw: Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with words). 2. Aufl. Stuttgart 2002 (=Reclam Universalbibliothek 9396), S 183.

[10] Vgl. Austin, S. 27 f..

[11] Ebd., S. 28.

[12] Linke, Angelika, Markus Nussbaumer und Paul R. Portmann: Sudienbuch Linguistik. ergänzt um ein Kapitel „Phonetik und Phonologie“ von Urs Willi. 4., unveränderte Aufl. Tübingen 2001 (=Reihe Germanistische Linguistik; 121 : Kollegbuch), S. 186.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Sprechakte und ihre Aktivität
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich I Philosophie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Kutschera - Sprachphilosophie
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V133997
ISBN (eBook)
9783640416400
ISBN (Buch)
9783640413140
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit besteht weitgehend aus dem Referat von einigen Nachschlagewerken. So wird zwar Ordnung und Übersichtlichkeit erreicht, aber um den Preis der Oberflächlichkeit. [...]
Schlagworte
John Langshaw Austin, John Searle, Franz von Kutschera, Illokution, Sprechakt, Akt, Perlokution
Arbeit zitieren
Christoph Höbel (Autor), 2007, Die Sprechakte und ihre Aktivität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133997

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