Thomas Mann ist nicht nur als Autor fiktionaler Texte bekannt, sondern auch als Verfasser zahlreicher Essays zu politischen und gesellschaftlichen Themen1. In dieser Arbeit wird die These vertreten, dass essayistische Schreibweisen sich auch im
Roman „Der Zauberberg“ finden lassen.
Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ war zur Zeit seines Erscheinens (1924) gerade aufgrund des von vielen Kritikern bemängelten diffusen „Essayismus“ so neuartig, dass er vom Publikum zunächst ablehnend aufgenommen wurde. Erstaunlicherweise gibt es in der Forschung zum Zauberberg aber kaum konkrete Nennungen dessen, was an dem Roman denn nun essayistisch sei.
Diese Arbeit beschäftigt sich daher zunächst mit der Frage, was
ein Essay ist und was unter „Essayismus“ verstanden werden kann. Neben der Form des Essays gibt es auch ein Schreibverfahren des Essayismus, das auch in anderen Formen, Gattungen und Genres als dem Essay Verwendung finden kann.
Nachdem typische Kennzeichen von Essay und Essayismus festgestellt worden sind, können diese Merkmale schließlich an Thomas Manns Zauberberg angelegt werden (Kapitel 3). Dabei soll geprüft werden, inwiefern und auf welche Weise im Zauberberg
„Essayismus“ zu finden ist.
Es ist naheliegend, dabei eine Unterscheidung zu treffen: Gibt es Passagen, die essayartig sind? Gibt es essayistische Teile? Oder ist gar der ganze Roman essayistisch oder beispielsweise ein „Essayroman“? Dem Thema des Essayistischen entsprechend, werden
hier nur exemplarisch einzelne Beispiele herausgegriffen, die die Bandbreite der essayistischen Anteile im Roman nicht abbilden können, aber eine Idee davon vermitteln, wie Thomas Mann wissenschaftliche und geistige Exkurse in den Roman einbettet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Essay und Essayismus
2.1 Kernmerkmale des Essays
2.2 Essayismus
2.3 Essayismus im Roman
3 Essayismus in Thomas Manns Zauberberg
3.1 Essayhafte Passagen im Zauberberg
3.2 Essayistische Passagen im Zauberberg
3.3 Essayistisches in der Anlage des Zauberberg
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die These, dass sich in Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ essayistische Schreibweisen nachweisen lassen, und analysiert, wie diese Elemente in den narrativen Kontext des Romans eingebettet sind.
- Grundlagen des Begriffs Essay und Essayismus
- Wechselbeziehung zwischen der Gattung Roman und essayistischen Elementen
- Analyse essayhafter und essayistischer Passagen im „Zauberberg“
- Untersuchung der essayistischen Gesamtstruktur des Werks
- Beurteilung der Integration wissenschaftlicher und diskursiver Exkurse in die Fiktion
Auszug aus dem Buch
3.1 Essayhafte Passagen im Zauberberg
In Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ gibt es einige wenige Passagen, die man mit nur geringfügigen Änderungen auch aus dem Roman herausnehmen und als Essay veröffentlichen könnte. In Frage dafür kommen insbesondere die zunächst von Settembrini allein vorgetragenen, später von diesem und Naphta im Streitgespräch ausgetragenen philosophischen und politischen Ausführungen sowie die wissenschaftlichen Exkurse zu Biologie, Medizin, Technik – und der Zeit.
Das Unterkapitel „Strandspaziergang“ (siebtes Kapitel) kann hierfür als Beispiel dienen. Es ist eine Reflexion über das Empfinden von Zeit und über den Versuch, Zeit erzählerisch darzustellen. Obwohl Figuren des Romans erwähnt werden und die Betrachtungen immer wieder in Bezug zur äußeren Handlung des Romans gesetzt werden, wäre dieses Unterkapitel auch ohne diese Einordnungen eine aussagekräftige Abhandlung über die Zeit, die ihre Argumentation schrittweise entwickelt.
Wie allgemein gehalten die Betrachtungen sind, wird u.a. daran deutlich, dass hier der Erzähler in der ersten Person Plural spricht: „nichts würde uns [. . . ] vor dem Versinken in tiefste Unwissenheit über den Zeitverlauf und also über unser Alter bewahren.“ (Mann, 2007, S. 744)1
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die These ein, dass der „Zauberberg“ essayistische Schreibweisen enthält und stellt den Forschungsbedarf hinsichtlich der Definition von Essayismus im Roman fest.
2 Essay und Essayismus: Dieses Kapitel erarbeitet die theoretischen Grundlagen des Essays, definiert den Begriff des Essayismus als Denk- und Schreibverfahren und beleuchtet die historische Nähe zwischen Roman und Essay.
3 Essayismus in Thomas Manns Zauberberg: Das Hauptkapitel untersucht konkret, wo und wie sich essayistische Elemente, angefangen bei expliziten Passagen bis hin zur strukturellen Anlage, im Roman manifestieren.
4 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Thomas Mann essayistische Elemente gezielt zur Vertiefung und Reflexion in seinen Roman integriert hat, ohne jedoch die epische Struktur vollständig aufzugeben.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Der Zauberberg, Essayismus, Essay, Literaturwissenschaft, Romanform, Essayroman, Diskurs, Erzähltechnik, Wissenschaftlichkeit, Interdiskursivität, Moderne, Hans Castorp, Settembrini, Naphta
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Vorkommen und die Bedeutung essayistischer Schreibweisen innerhalb von Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Essays und des Essayismus sowie deren Anwendung auf die fiktionale Struktur des Romans, insbesondere in Bezug auf philosophische und wissenschaftliche Diskurse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, nachzuweisen, dass Thomas Mann essayistische Verfahren bewusst in den Roman einsetzt, um geistige Konflikte und theoretische Exkurse abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, bei der definitorische Merkmale des Essays auf Textstellen des Romans angewandt werden, ergänzt durch den Vergleich mit Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von essayhaften Passagen, essayistischen Diskussionen zwischen den Figuren und die Untersuchung der essayistischen Gesamtanlage des Werks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Essayismus, Thomas Mann, Der Zauberberg, Diskurs, Erzähltechnik und Moderne einordnen.
Wie unterscheidet der Autor zwischen „essayhaften“ und „essayistischen“ Passagen?
Während „essayhafte“ Passagen als fast eigenständige Abhandlungen aus dem Roman gelöst werden könnten, zeichnen sich „essayistische“ Passagen durch eine stärkere Einbindung in die Dialogführung und Dialektik der Romanfiguren aus.
Welche Rolle spielen die Figuren Settembrini und Naphta?
Ihre Dialoge dienen als Ort, an dem dialektische Schlüsselbegriffe und widersprüchliche Weltanschauungen durch essayistisches Argumentieren gegeneinander abgewogen werden.
- Citar trabajo
- Stefan Großmann (Autor), 2009, Essayismus in Thomas Manns Roman "Der Zauberberg", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134009