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Die Singbarkeit von Epik am Beispiel des 'Liedes vom hürnen Seyfrid'

Title: Die Singbarkeit von Epik am Beispiel  des 'Liedes vom hürnen Seyfrid'

Term Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Christoph Höbel (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

„Hierinn findt jr ein schönes Lied“ , so lautet der erste Vers des Titels des Heldenepos‚ ‚Das Lied vom hürnen Seyfrid’. In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit Musik, singe gerne und bin durch moderne Neufassungen von Stücken Walthers von der Vogelweide der Band ‚In Extremo’ auch mit mittelhochdeutscher Dichtung in Berührung gekommen. Auch sang ich bei einer Aufführung der Vertonung der ‚Carmina Burana’ von Carl Orff, aufgeführt vom Chor der Universität Trier, als Tenor mit. Auf anderem Weg kam ich mit mittelalterlicher Musik in Kontakt, als ich in der mündlichen Abiturprüfung in Musik die Buchmalereien zum Beispiel des Walthers von der Vogelweide oder des Tannhäusers in der Manessischen Liederhandschrift – dem Codex Manesse – als Prüfungsthema hatte. Deshalb finde ich das Thema der Epenmelodien im Rahmen des Proseminars ‚Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters’ interessant.
Die Verwendung des Begriffs ‚Lied’ im Titel zum ‚Lied des hürnen Seyfrid’ führt zu der Frage, ob Heldenepen des Mittelalters gesungen wurden – zur Frage nach der Singbarkeit von Epik. Walther Lipphardt schreibt hierzu: „um unser Wissen, ob epische Dichtungen des Mittelalters wirklich gesungen wurden, ist es noch schlecht bestellt“ . Diese Arbeit versucht anhand der Ausführungen mehrerer Autoren die These des gesungenen Vortrags der Heldenepen zu untermauern. Dabei stütze ich mich auf folgende Aufsätze: ‚Epenmelodien’ und ‚Strukturprobleme der Epenmelodien’ von Horst Brunner, ‚Zum sanglichen Vortrag mhd. strophischer Epen’ von Karl H. Bertau und Rudolf Stephan, ‚Das mittelalterliche Epos und die Musik’ von Ewald Jammers und ‚Epische Liedweisen des Mittelalters in schriftlicher Überlieferung’ von Walther Lipphardt.
Weiter wird anhand von Beispielen einiger überlieferter Strophenformen der Zusammenhang zwischen Text und Melodie beziehungsweise der Strophenstruktur beleuchtet und die Entwicklung der Strophenformen, aus denen neue Strophenformen entstanden, beschrieben. Dies geschieht durch die Betrachtung des ältesten überlieferten Heldenepos ‚Das Nibelungenlied’, das leider ohne Melodie überliefert ist. Es wird der Versuch unternommen, anhand der Textstruktur und von Vergleichen mit ähnlichen Strophenformen Anhaltspunkte für eine Rekonstruktion der Melodie zu sammeln. Schließlich werden die Beziehungen zwischen dem Text des ‚Lieds vom hürnen Seyfrid’ und der Melodie des in ihm zu verwendenden ‚Hildebrandstons’ herausgearbeitet.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wurden Heldenepen gesungen?

3. Das Verhältnis zwischen Melodie und Text

3.1. Das Nibelungenlied

3.2. Der Hildebrandston

3.3. Die Heunenweise

3.4. Der Berner-Ton

3.5. Der Herzog-Ernst-Ton

4. Vom ‚Hürnen Seyfrid’ und dem ‚Hiltebrandes thon’

4.1. Der Titel

4.2. Melodie und Text

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die zentrale Frage nach der Singbarkeit mittelalterlicher Heldenepen und beleuchtet dabei das historische Zusammenspiel von Textstruktur und melodischer Vortragsweise. Anhand des Heldenepos ‚Das Lied vom hürnen Seyfrid’ und unter Einbeziehung ausgewählter Fachliteratur wird analysiert, wie strophische Formen und spezifische Liedweisen die epische Dichtung prägten.

  • Singbarkeit von Heldenepik im Mittelalter
  • Verhältnis zwischen Textstruktur und Epenmelodien
  • Funktion und Entwicklung von Strophenformen (z.B. Hildebrandston)
  • Wandel von der Vortrags- zur Leseliteratur durch den Buchdruck
  • Analytische Betrachtung des ‚Hürnen Seyfrid’

Auszug aus dem Buch

4.2. Melodie und Text

Um das Verhältnis zwischen Text und Melodie untersuchen zu können, genügt es in dieser Arbeit, sich auf die ersten drei Strophen zu konzentrieren, da diese den handelnden Hauptcharakter der Erzählung – Seyfrid – vorstellen, dem Rezipienten den familiären Hintergrund der Figur schildern und die dritte Strophe als Einführung in den Verlauf der Handlung gesehen werden kann.

Der Hildebrandston ist zweiteilig mit zwei Langzeilenpaare. Dies entspricht dem Aufbau der Strophen des Textes des ‚Hürnen Seyfrid’, der in der Regel nach jeweils vier (vom Druckbild gegebenen) Kurzzeilen oder Halbzeilen eine Pause im Textfluss hat. So hängt der jeweils zweite Teil einer Strophe mit dem ersten insofern zusammen, dass sie die Aussagen des ersten Teils genauer bestimmen. In der ersten Strophe wird im ersten Teil der König Sigmund eingeführt und im zweiten Teil dessen Sohn Seyfrid. Diese ruhende Position im Handlungsfluss wird in der Melodie durch das „spannungslose[...] Zur-Ruhe-Kommen der Melodie auf F – das nicht Finalis ist!“ unterstrichen. Weiterhin wird dies in der zweiten Strophe nochmals deutlich, als im ersten Teil die Verdrossenheit der Eltern beschrieben wird und im zweiten Teil die Gründe dafür durch das Verhalten von Seyfrid dargelegt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Singbarkeit von Epik ein und begründet das Interesse am ‚Lied vom hürnen Seyfrid’ aus literaturwissenschaftlicher und musikalischer Perspektive.

2. Wurden Heldenepen gesungen?: Dieses Kapitel diskutiert die Forschungsdebatte zur Aufführungspraxis mittelhochdeutscher Heldenepik und führt Argumente für die Existenz gesungener Vorträge an.

3. Das Verhältnis zwischen Melodie und Text: Es werden verschiedene Epenmelodien und Strophenformen analysiert, um die strukturelle Verbindung zwischen musikalischer Form und literarischem Inhalt aufzuzeigen.

3.1. Das Nibelungenlied: Das Kapitel untersucht Ansätze zur Rekonstruktion der Nibelungenmelodie und beleuchtet die Bedeutung der Schlussverse für den Handlungsverlauf.

3.2. Der Hildebrandston: Hier wird die historische Einordnung und Verbreitung des Hildebrandstons als eine der prägenden Liedweisen der Heldenepik erörtert.

3.3. Die Heunenweise: Das Kapitel beschreibt die Entwicklung der Heunenweise und ihre Verbindung zu den Meistersingerhandschriften.

3.4. Der Berner-Ton: Die Analyse konzentriert sich auf die flexible Verwendung dieser Melodie in verschiedenen literarischen Werken.

3.5. Der Herzog-Ernst-Ton: Es wird die Entstehung dieses Tons aus dem Schema des Bernertons und die spezifische Anpassung an den Herzog-Ernst-Stoff dargestellt.

4. Vom ‚Hürnen Seyfrid’ und dem ‚Hiltebrandes thon’: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Grundlagen mit einer konkreten Analyse des ‚Hürnen Seyfrid’.

4.1. Der Titel: Die Untersuchung des Titels zeigt, wie der Autor die Vortragsform explizit nennt und die Transformation zur Lektüre thematisiert.

4.2. Melodie und Text: Das Kapitel analysiert die ersten drei Strophen des Werkes im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen metrischem Bau und melodischem Verlauf.

5. Schluss: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Existenz von Epenmelodien den sanglichen Vortrag als historisches Phänomen belegt.

Schlüsselwörter

Heldenepik, Singbarkeit, Epenmelodien, Mittelalter, Nibelungenlied, Hildebrandston, Hürnen Seyfrid, Strophenformen, Rezitativ, Vortragspraxis, Buchdruck, Literaturgeschichte, Musikgeschichte, Kanzone, Text-Melodie-Beziehung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die historische Praxis des Gesangsvortrags von mittelhochdeutschen Heldenepen anhand spezifischer Beispiele.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Schwerpunkte sind die Verbindung von Text und Melodie, die Entwicklung epischer Strophenformen und der Wandel der Vortragsweise durch das Aufkommen des Buchdrucks.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob Heldenepen des Mittelalters tatsächlich gesungen wurden und wie sich die musikalische Struktur in die Textform einschrieb.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die zentrale musikwissenschaftliche und germanistische Aufsätze heranzieht, ergänzt durch textanalytische Untersuchungen der Strophenstrukturen.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert verschiedene Liedweisen wie den Hildebrandston oder den Bernerton und untersucht deren Anwendung in Epen wie dem ‚Lied vom hürnen Seyfrid’.

Was charakterisiert diese Arbeit inhaltlich?

Die Kombination aus literarischer Formanalyse und der musikhistorischen Perspektive auf den sanglichen Vortrag macht die Arbeit aus.

Welche Rolle spielt der Hildebrandston?

Der Hildebrandston dient als primäres Fallbeispiel für eine Liedweise, die zur Strukturierung und gesanglichen Überlieferung von Heldenepen genutzt wurde.

Was zeigt der Vergleich zwischen ‚Nibelungenlied’ und ‚Hürnen Seyfrid’?

Der Vergleich verdeutlicht eine Vereinfachung der Stoffe und Formen sowie die Übernahme von Überleitungsstrategien zwischen den Strophen zur Sicherung eines flüssigen Vortrags.

Welche Auswirkung hatte der Buchdruck laut der Arbeit?

Der Buchdruck förderte den Wandel von einer primären Vortragsliteratur (das hörende Ohr) hin zur Leseliteratur (das lesende Auge).

Warum wurden die Epenmelodien oft nicht aufgezeichnet?

Aufgrund ihrer Einfachheit und weiten Verbreitung waren die Melodien dem Publikum allgemein bekannt, weshalb eine explizite schriftliche Fixierung meist als unnötig erachtet wurde.

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Details

Title
Die Singbarkeit von Epik am Beispiel des 'Liedes vom hürnen Seyfrid'
College
University of Trier  (Fachbereich II Germanistik)
Course
Proseminar: Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters. Das Lied vom Hürnen Seyfrid.
Grade
2,3
Author
Christoph Höbel (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V134013
ISBN (eBook)
9783640416479
ISBN (Book)
9783640412013
Language
German
Tags
Das Lied vom hürnen Seyfrid Ältere deutsche Literatur Ältere deutsche Philologie Epenmelodien Horst Brunner Berner Ton
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Höbel (Author), 2003, Die Singbarkeit von Epik am Beispiel des 'Liedes vom hürnen Seyfrid', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134013
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