Empathieentwicklung - Chance und Grenze für antirassistische Erziehung


Seminararbeit, 2000
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Von der Notwendigkeit antirassistischer Erziehung

2. Hauptteil
2.1 Das Phänomen des Rassismus
2.1.1 Ursachen und Funktionen für Rassismus bzw. Rechtsextremismus
2.2 Zum Begriff der Empathie
2.2.1 Psychologischer Exkurs
2.2.2 Empathieentwicklung – Ein Prozeß interkultu- rellen Lernens
2.2.3 Empathieentwicklung – Chance für antirassisti- sche Erziehung Empathieentwicklung – Grenze für antirassisti- sche Erziehung

3. Schlußteil
3.1 Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Von der Notwendigkeit antirassistischer Erziehung

Die Bevölkerung Deutschlands hat sich infolge vergangener und gegenwärtiger Migrationen unübersehbar von einer überwiegend monoethnischen und monokulturellen zu einer multiethnischen und multikulturellen Gesellschaft entwickelt. (vgl. Essinger/Ucar 1984, IX)

Zwischen den Bevölkerungsgruppen existieren demnach logischerweise unterschiedliche Werte, Traditionen und Ausdrucksweisen, kurz Verschiedenheiten in der Kultur. Doch noch immer oder gerade deshalb existieren zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen erhebliche Machtunterschiede, woraus Spannungen, die nicht selten mit Verachtung und Gewalt gegenüber ethnischer Minderheiten verbunden sind, resultieren. Rassismus heißt dabei das noch immer verstärkt beobachtbare Phänomen, welches eine bedeutende Rolle zwischen den Beziehungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen spielt. (vgl. Batelaan. In: Borelli/Hoff 1988, 12 ff.)

Und genau diese feindseligen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind es, die interkulturelles Lernen zu einer Notwendigkeit werden lässt. Interkulturelles Lernen meint hier jenes Lernen, welches

„[...] Verständnis, Duldsamkeit und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen und religiösen Gruppen [...]“ (Führing/ Mané 1994, 57)

fördern soll.

Antirassistische Erziehung ist somit ein wesentlicher und bedeutender Bestandteil interkulturellen Lernens. Antirassistische Erziehung versteht sich in diesem Zusammenhang als eine Chance, das Zusammenleben der Menschen in einer multiethnischen und multikulturellen Gesellschaft zu ermöglichen, und somit „eine Veränderung einer tiefverwurzelten Mentalität“ (Larcher 1991, 59) herbeizuführen.

Doch welche Möglichkeiten bestehen für eine solche Bewusstseinsveränderung mit dem Ziel einer antirassistischen Erziehung bzw. Denkweise? Ich möchte mich in folgender Arbeit mit der Möglichkeit der Empathieentwicklung auseinandersetzen, und in diesem Zusammenhang die Chancen und Grenzen der Empathieentwicklung für eine antirassistische Erziehung erörtern. Das Thema vorliegender Arbeit lautet dementsprechend: „Empathieentwicklung – Chance und Grenze für antirassistische Erziehung.“

Im Vorfeld werde ich mich außerdem mit dem Phänomen des Rassismus auseinandersetzen.

2. Hauptteil

2.1 Das Phänomen des Rassismus

Laut lexikalischer Begriffsbestimmung wird der Rassismus als

„die Ideologie, Angehörige einer gesellschaftlichen Gruppe aufgrund ihr physischen und sozialen Merkmale als minderwertig und unterlegen anzusehen und daraus ein ‚naturgegebenes Recht‘ zur Diskriminierung, Unterdrückung, Vertreibung oder sogar Vernichtung abzuleiten“ (Bäumer, R. 1993, 723),

definiert.

Nach Memmi (1987) ist Rassismus durch eine negative Wertung der Unterschiede aus einer bestimmten Interessenlage heraus gekennzeichnet. Er definiert Rassismus folgendermaßen:

„[...] Rassismus besteht in einer Hervorhebung von Unterschieden, in einer Wertung dieser Unterschiede und im schließlichen Gebrauch dieser Wertung im Interesse und zugunsten des Anklägers“ (Memmi 1987, 44).

Ihm zufolge ist Rassismus

„[...] die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher und fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder Aggressionen gerechtfertigt werden sollen“(Memmi 1987, 164).

Den „Mythos im rassistischen Denken“ (Memmi 1987, 56) beschreibt er wie folgt:

„Sofern es einen Unterschied gibt, wird er interpretiert, gibt es ihn jedoch nicht, so wird er erfunden“ (Memmi 1987, 56).

Den Ursachen und Funktionen des Phänomens des Rassismus möchte ich im Folgenden nachgehen.

2.1.1 Ursachen und Funktionen für Rassismus bzw. Rechtsextremismus

Deprivation und Desintegration heißen die beiden Begriffe, die sich in den letzten Jahren herausgebildet haben, um die Ursachen für Rassismus bzw. Rechtsextremismus zu erklären. (vgl. Fuchs-Heinritz/Lautmann 1994, 134)
Deprivation heißt im wörtlichen Sinne „Beraubung“ (Fuchs-Heinritz-Lautmann 1994, 134). In der Soziologie ist Deprivation die

„Bezeichnung für die Unterversorgung bestimmter Individuen oder Gruppen einer Gesellschaft mit lebenswichtigen oder für unbedingt notwendig gehaltenen Gütern, Dienstleistungen oder auch Einkommen, so daß das soziale Existenzminimum unterschritten wird“ (Fuchs-Heinritz/Lautmann 1994, 134).

Die Unzufriedenheit muß dabei nicht unbedingt durch eine Unterversorgung mit den lebensnotwendigen Gütern, Dienstleistungen, Einkommen (absolute Deprivation) gekennzeichnet sein, sondern kann auch im Mangel im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Personen/Gruppen (relative Deprivation) bestehen. Bei Deprivation handelt es sich um eine schwierige soziale oder auch psychische Situation, die Frustrationen hervorruft. Diese Frustrationen, so wird vermutet, begünstigen Rassismus bzw. Rechtsextremismus. Mit dem Erklärungsmuster der Deprivation wird der Rassismus demzufolge auf die Unzufriedenheit der Menschen mit ihrer eigenen Lage zurückgeführt. (vgl. Fuchs-Heinritz/Lautmann 1994, 134)

Desintegration, so das Lexikon zur Soziologie, ist der

„Prozeß der Auflösung der internen Struktur einer sozialen Gruppe oder eines sozialen Systems“ (Fuchs-Heinritz/Lautmann 1994, 135).

Desintegration meint den Verlust sozialer Bindungen und Beziehungen, aber auch den Verlust traditioneller Werte und Bezugspunkte und damit einhergehende Isolation und Anonymität. Dieser Verlust an „sozialer Integration“ (Fuchs-Heinritz/Lautmann 1994, 135) führe ebenso zu Ängsten und Unsicherheiten, die durch rassistischen Orientierungen und Gewalt kompensiert werden können. (vgl. Fuchs-Heinritz/Lautmann 1994, 135)

Die Funktionen bzw. Folgen des Rassismus möchte ich hier nur kurz nennen. Diese sind u. a.: Beurteilung der Fremden und der eigenen Gruppe, Ausgrenzung, Unterdrückung, Machtausübung sowie Stabilisierung dieser und darüber hinaus die Verschleierung gesellschaftlicher Probleme.

2.2 Zum Begriff der Empathie

Der Begriff der Empathie tauchte erstmals im 20. Jahrhundert auf und wird in vielen Lexika mit dem Begriff der Einfühlung übersetzt, was die Bereitschaft und Fähigkeit meint, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen. (vgl. Emme 1996, 19) Diese Beschreibung des Begriffs der Empathie reicht jedoch nicht aus, um zu beschreiben, was Empathie im linguistischen Sinne tatsächlich meint. Demnach ist Empathie die Fähigkeit der Perspektivenübernahme und Perspektivenkoordination in der Kommunikation mit anderen.

Eine spezielle Form der Empathie stellt dabei die interkulturelle Empathie dar, weil dabei die eigene kulturspezifische Denkweise zum Kommunikationsgegenstand gemacht wird, d. h. wir versetzen uns in die Position des anderen, um seine Perspektive von einer bestimmten Situation oder von einer bestimmten Sache, auf die auch wir intentional gerichtet sind, zu er- kennen und unser Handeln nach der Position des anderen zu gestalten. (vgl. Müller 1986, 33 ff.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Empathieentwicklung - Chance und Grenze für antirassistische Erziehung
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Philosophische Fakultät / Pädagogik)
Veranstaltung
Proseminar Multikulturalismus, Rassismus und Interkulturelle Pädagogik
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V13405
ISBN (eBook)
9783638190725
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empathieentwicklung, Chance, Grenze, Erziehung, Proseminar, Multikulturalismus, Rassismus, Interkulturelle, Pädagogik
Arbeit zitieren
Sandra Richter (Autor), 2000, Empathieentwicklung - Chance und Grenze für antirassistische Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13405

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