Vermehrt besteht der Eindruck, die Mären Heinrich Kaufringers würden vor allem ein Thema behandeln, nämlich den Ehebruch. Oft handele es sich um ein Geschlechterverhältnis, innerhalb dessen die weiblichen Figuren durch ihre List auffallen, mithilfe derer sie ihre Männer regelmäßig hinters Licht führen und dem öffentlichen Spott preisgeben würden. In der nachfolgenden Arbeit soll diesem Thema genauer auf den Grund gegangen werden. Im Fokus steht hierbei die Analyse der weiblichen Hauptfiguren und des allgemeinen Frauenbildes innerhalb der Mären Heinrich Kaufringers. Alle folgenden Untersuchungen haben also das Ziel, zur Beantwortung folgender Leitfrage beizutragen: Lässt sich innerhalb der Mären Kaufringers ein allgemeines Frauenbild erkennen und wie stimmt dies mit dem märentypischen Frauenbild überein?
Zu diesem Zweck werden drei verschiedene Mären genauer betrachtet. Hierzu zu zählen "Die unschuldige Mörderin", "Drei listige Frauen (B)“ und "Der Zehnte von der Minne“. Diese drei Werke bieten sich vor allem deshalb an, da die weiblichen Hauptfiguren aus ganz unterschiedlichen Beweggründen heraus zu einer sogenannten Weiberlist greifen, was es wiederum ermöglicht, einen umfassenden Überblick über die Frauen in Kaufringers Mären zu erhalten.
Zur Beantwortung der Leitfrage wird wie folgt vorgegangen. Zunächst wird anhand der Texte verschiedener Autor*innen ein allgemeiner Überblick über die Charakteristika von Frauen innerhalb von Mären gegeben, anhand dessen dann später die drei Mären abgeglichen werden sollen. Hier wird der Fokus vor allem auf das negative Spektrum gelegt, innerhalb dessen vor allem der Begriff der Weiberlist eine wichtige Rolle spielt. Zur weiteren Einordung der weiblichen Hauptfiguren in Kaufringers Texten wird dann auf eine Kategorisierung nach Müller (1984) zurückgegriffen. Anschließend widmet sich die vorliegende Arbeit dann dem ersten Kaufringer Text mit dem Titel „Die unschuldige Mörderin“.
Im nächsten Schritt stehen dann die Kaufringer Texte „Drei listige Frauen (B)“ und "Der Zehnte von der Minne“ im Fokus der Analyse. Im letzten Gliederungspunkt erfolgt dann das Fazit. Hier werden zunächst noch einmal alle gesammelten Erkenntnisse zusammengefasst und miteinander verglichen, bevor dann auf der Basis dieser Untersuchung eine Beantwortung der anfangs gestellten Leitfrage erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frauen in den Mären
3. Die unschuldige Mörderin
3.1 Inhalt
3.2 Frauenbild
3.3 Zwischenfazit
4. Drei listige Frauen (B)
4.1 Inhalt
4.2 Frauenbild
4.3 Zwischenfazit
5. Der Zehnte von der Minne
5.1 Inhalt
5.2 Frauenbild
5.3 Zwischenfazit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild in den Mären von Heinrich Kaufringer, um zu prüfen, ob sich ein allgemeines Frauenbild identifizieren lässt und wie dieses mit den märentypischen Vorstellungen korrespondiert.
- Analyse des Frauenbildes in ausgewählten Mären Kaufringers
- Untersuchung des Phänomens der sogenannten "Weiberlist"
- Vergleichende Analyse der drei Werke "Die unschuldige Mörderin", "Drei listige Frauen (B)" und "Der Zehnte von der Minne"
- Kategorisierung der weiblichen Figuren nach wissenschaftlichen Kriterien
- Beurteilung der Übereinstimmung mit dem klassischen, negativen Mären-Frauenbild
Auszug aus dem Buch
3.1 Inhalt
In Kaufringers „Die unschuldige Mörderin“ steht eine Gräfin im Fokus der Handlung, die zur Verschleierung ihrer Taten mehrere Morde begeht. Die junge Gräfin sollte den König heiraten, da nur sie ihm ebenbürtig war und auch hinsichtlich ihres Standes zu ihm passte. Doch noch vor der Hochzeit behauptet der Knecht eines Ritters des Königs, dass die Gräfin Unzucht getrieben habe.
Infolgedessen verschafft der Ritter sich, unter dem Vorwand, ihr zukünftiger Ehemann zu sein, Zutritt zu dem Zimmer der Gräfin. Hier schafft er es, die Gräfin zu täuschen und zu überreden, Geschlechtsverkehr mit ihm zu haben. Doch nach einem Versprecher seinerseits, wartet sie, bis er eingeschlafen ist und erkennt dann, dass es sich nicht um den König handelt. Daraufhin schneidet sie ihm den Kopf ab und bittet den Pförtner ihr bei dem Verstecken der Leiche zu helfen. Dieser erteilt seine Zustimmung aber nur unter der Voraussetzung, dass er den Liebeslohn von der Gräfin erhält. Als er ihr daraufhin bei der Entledigung des Leichnams hilft und ihn hierzu in die Zisterne werfen möchte, stößt die Gräfin ihn ebenfalls hinunter. Am folgenden Morgen findet dann auch der Knecht, der dem Ritter von der Unzucht der Gräfin erzählt hatte, den Tod, als er im Wald auf die Rückkehr des Ritters wartet. Als man ihn mit den herrenlosen Pferden findet, wird er für einen Dieb gehalten und aufgehangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Ehebruch und Geschlechterrollen in Kaufringers Mären sowie Definition der zentralen Forschungsfrage.
2. Frauen in den Mären: Darlegung der allgemeinen Merkmale von Frauenfiguren in der Märengattung und Einführung in das Konzept der Weiberlist.
3. Die unschuldige Mörderin: Untersuchung der Gräfin, die für den Erhalt ihrer Ehre Morde begeht und dabei vom Autor als unschuldiges Opfer inszeniert wird.
3.1 Inhalt: Zusammenfassung der Handlung: Die Gräfin begeht mehrere Tötungsdelikte, um ihre vermeintliche Schande und Täuschungen zu verbergen.
3.2 Frauenbild: Analyse der positiven Charakterisierung der Gräfin durch den Erzähler trotz ihrer verbrecherischen Taten.
3.3 Zwischenfazit: Feststellung, dass die Figur der Gräfin nicht dem allgemeinen, negativen Frauenbild der Gattung entspricht.
4. Drei listige Frauen (B): Analyse dieses Werkes, in dem Bäuerinnen durch Wettstreit ihre Männer manipulieren.
4.1 Inhalt: Beschreibung der drei Frauen, die ihre Ehemänner durch Täuschungen demütigen und verstümmeln.
4.2 Frauenbild: Betrachtung der Frauenfiguren als listig, gemein und dominant, deren Handeln den Spott auf ihre Männer lenkt.
4.3 Zwischenfazit: Einordnung der Frauen in den Typus, der List als Mittel zur Durchsetzung von Macht und Trieben nutzt.
5. Der Zehnte von der Minne: Analyse einer Märe, in der die weibliche Hauptfigur eine untypische, naive Rolle einnimmt.
5.1 Inhalt: Schilderung, wie eine Bäuerin Opfer der Manipulation eines Pfarrers wird und der Ehemann daraufhin Rache übt.
5.2 Frauenbild: Herausarbeitung der Naivität und Rechtschaffenheit der Bäuerin im Gegensatz zur Listigkeit anderer Frauenfiguren.
5.3 Zwischenfazit: Reflexion über die Schwierigkeit, die Bäuerin in herkömmliche Kategorien der Weiberlist einzuordnen.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfrage mit dem Ergebnis, dass sich kein einheitliches Frauenbild in Kaufringers Werk abzeichnet.
Schlüsselwörter
Heinrich Kaufringer, Mären, Frauenbild, Weiberlist, Mittelalter, Ehebruch, Geschlechterrollen, Literaturanalyse, Novellistik, Täuschung, Ehre, Tugend, Unschuldige Mörderin, Drei listige Frauen, Der Zehnte von der Minne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Frauenbildern in ausgewählten Mären des Autors Heinrich Kaufringer.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Ehebruch, geschlechtsspezifischen Rollenbildern und die literarische Darstellung weiblicher List in der mittelalterlichen Schwankdichtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Leitfrage lautet, ob sich innerhalb der Mären Kaufringers ein allgemeines Frauenbild erkennen lässt und inwieweit dieses mit den typischen, in der Forschung bekannten Vorstellungen über Frauen in Mären übereinstimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine textanalytische Untersuchung durchgeführt, bei der drei ausgewählte Mären inhaltlich vorgestellt und anschließend hinsichtlich des Frauenbildes reflektiert und verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Werke "Die unschuldige Mörderin", "Drei listige Frauen (B)" und "Der Zehnte von der Minne", wobei bei jedem Text zunächst der Inhalt und dann das spezifische Frauenbild sowie eine Einordnung in existierende Kategorien erfolgt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen neben dem Autor Heinrich Kaufringer die Begriffe "Weiberlist", "Mären", "Geschlechterverhältnis" und "Ehebruch".
Warum wird die Gräfin in "Die unschuldige Mörderin" als positive Figur dargestellt?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Erzähler die Schuld von der Gräfin nimmt, indem er ihre Taten als Reaktion auf erlittenes Unrecht durch Männer darstellt, was beim Leser Sympathie wecken soll.
Inwiefern unterscheidet sich die Bäuerin in "Der Zehnte von der Minne" von anderen untersuchten Frauen?
Im Gegensatz zu den listigen und gemeinen Frauenfiguren der anderen Mären zeigt sich die Bäuerin hier als naiv und rechtschaffend, sodass sie eher als Spielball der Männer wahrgenommen wird.
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- Anonym (Autor), 2022, Das Frauenbild in den Mären Heinrich Kaufringers, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1340687