Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Begriffen Arbeit und Arbeitslosigkeit. Sie beleuchtet die Auswirkungen, welche durch die Folgen der Arbeitslosigkeit für den Einzelnen und die Gesellschaft entstehen können. Es wird untersucht, inwieweit die Motivierende Gesprächsführung ein Mittel darstellt, um diese Folgen zu minimieren bzw. Menschen aus der Erwerbslosigkeit in eine sinnstiftende Tätigkeit zu begleiten. Veränderungswillen und Motivation der Klienten sind auf diesem Weg entscheidende Faktoren. Ganz konkret ist es das Ziel herauszuarbeiten, mit welchen Techniken und Strategien die Motivierende Gesprächsführung es schafft, Motivation und Veränderungswillen zu fördern.
„Arbeitslos zu werden, ist für die meisten Menschen eine der einschneidendsten negativen Erfahrungen mit einer Vielzahl von Folgen für das subjektive Wohlbefinden.“ Arbeitslosigkeit bedeutet mehr als eine sinnvolle Tätigkeit und den Einkommenserwerb zu verlieren, denn Arbeit hat viele Funktionen. „Sie verleiht der Zeit – dem Tag, der Woche, den Monaten und Jahren – eine klare Struktur, lässt Menschen sinnvoll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und erlaubt es ihnen, produktive Bedürfnisse zu befriedigen.“ Die Abwesenheit von nutzbringender Arbeit kann also im Umkehrschluss zum Verlust von Alltagsstruktur, sozialer Teilhabe und damit verbunden zu Rückzug und Isolation führen. Markus Promberger drückt es noch treffender aus: „Durch Arbeitslosigkeit verursachte Defizite können zu psychischen und in der Folge zu somatischen Defiziten werden: Arbeitslosigkeit kann krank machen.“
Die motivierende Gesprächsführung, ursprünglich als Beratungskonzept für die Suchthilfe entwickelt, besitzt das Potenzial Menschen zu unterstützen, ihre eigene Leistungsfähigkeit und ihre Stärke zu entdecken um Veränderungen anzubahnen und Motivation für einen neuen Start in die Arbeitswelt aufzubauen. „Motivational Interviewing ist ein kooperativer Gesprächsstil, mit dem wir einen Menschen in der Motivation zur und seinem eigenen Engagement für Veränderung stärken können.“
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung
2.1 Begriffsklärungen
2.1.1 Motivierende Gesprächsführung
2.1.2 Veränderung – Motivation – Ambivalenz im Konzept von Motivierender Gesprächsführung
2.2 Grundhaltung der Motivierenden Gesprächsführung
2.3 Ziele der Motivierenden Gesprächsführung
2.4 Prozesse der Motivierenden Gesprächsführung
3 Anwendung der Motivierenden Gesprächsführung bei der Begleitung von Arbeitssuchenden
3.1 Arbeit und Erwerbslosigkeit
3.1.1 Funktion von Arbeit
3.1.2 Auswirkungen/Folgen von Erwerbslosigkeit
3.2 Motivierende Gesprächsführung mit Erwerbslosen - Motivation zur Arbeitssuche stärken, am Beispiel der Prozessphase Beziehungsgestaltung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Motivierenden Gesprächsführung als Beratungsansatz, um Arbeitssuchende in ihrem Veränderungsprozess zu unterstützen, Ambivalenzen abzubauen und ihre Eigenmotivation zur Reintegration in den Arbeitsmarkt zu stärken.
- Grundlagen und Definitionen der Motivierenden Gesprächsführung
- Bedeutung von Arbeit und Auswirkungen der Erwerbslosigkeit
- Prozessphasen der Motivierenden Gesprächsführung in der Beratung
- Einsatzmöglichkeiten im Kontext der Arbeitsvermittlung
- Kommunikationsstrategien zur Stärkung der Veränderungsbereitschaft
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Motivierende Gesprächsführung
Eine einheitliche Definition von Motivierender Gesprächsführung gibt es in der Literatur von Miller und Rollnick, den Begründern der Motivierenden Gesprächsführung, nicht. So wie die Motivierende Gesprächsführung einem ständigen Prozesse der Anpassung und Veränderung unterliegt, so befindet sich auch deren Definition in ständigem Wandel. „Das Problem ist Teil der Komplexität von MI“, wie es Miller und Rollnick sehr treffend in ihrem Werk ausdrücken. In der dritten Auflage „Motivierende Gesprächsführung“ stellen sie drei verschiedene Definitionsstufen dar.
Eine erste Definition lautet:
„Motivational Interviewing ist ein kooperativer, zielorientierter Gesprächsstil mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Sprache der Veränderung.“
Eine weitere Definition lautet:
„Motivational Interviewing ist ein personenzentrierter therapeutischer Ansatz, der sich dafür eignet, mit dem häufigsten Problem der Ambivalenz gegenüber Veränderung umzugehen.“ Wie in dieser Definition deutlich wird, benötigt es eine besondere Haltung des Therapeuten, um mit den Herausforderungen der Ambivalenz im Veränderungsprozess umgehen zu können. Das wird in der Weiterführung der vorangegangenen Definition sichtbar:
„Dieser Stil ist daraufhin konzipiert, die persönliche Motivation für und die Selbstverpflichtung auf ein spezielles Ziel zu stärken, indem er die Motive des Menschen, sich zu ändern, in einer Atmosphäre von Akzeptanz und Mitgefühl herausarbeitet und erkundet.“
Der vornehmliche Zweck der Motivierenden Gesprächsführung besteht darin, die Motivation zur Veränderung zu stärken. Sie ist in erster Linie ein Gespräch über Veränderung und es ist immer ein kooperierendes Gespräch, niemals eine Belehrung oder ein Monolog. Es geht mehr um Geleiten als um Lenken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Arbeitslosigkeit weit mehr als den Verlust von Einkommen bedeutet und diskutiert das Potenzial der Motivierenden Gesprächsführung zur Unterstützung der Betroffenen.
2 Das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, die Grundhaltung sowie die Definitionen und Prozesse, die dem Beratungskonzept zugrunde liegen.
3 Anwendung der Motivierenden Gesprächsführung bei der Begleitung von Arbeitssuchenden: Hier wird die Brücke zur Praxis geschlagen, indem die Auswirkungen von Erwerbslosigkeit beleuchtet und der konkrete Einsatz der Motivierenden Gesprächsführung in der Beziehungsgestaltung mit Arbeitssuchenden dargestellt wird.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Motivierenden Gesprächsführung für die Soziale Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit, Veränderungsmotivation durch den Abbau von Ambivalenzen zu fördern.
Schlüsselwörter
Motivierende Gesprächsführung, Arbeitslosigkeit, Ambivalenz, Motivation, Veränderungsprozess, Beziehungsgestaltung, Erwerbslosigkeit, Arbeitsförderung, Soziale Arbeit, Beratungskonzept, Eigenmotivation, Selbstwirksamkeit, Kommunikation, Arbeitsvermittlung, Sozialgesetzbuch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendbarkeit des Beratungskonzepts „Motivierende Gesprächsführung“ im Kontext der Unterstützung von Arbeitssuchenden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen der Motivierenden Gesprächsführung, der psychologischen Bedeutung von Arbeit sowie den Herausforderungen in der Beratung von Erwerbslosen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie durch spezifische Kommunikationstechniken und eine wertschätzende Grundhaltung die Veränderungsbereitschaft von Menschen ohne Anstellung gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der theoretischen Einordnung des Modells von Miller und Rollnick in den Kontext der Arbeitsvermittlung.
Welcher Aspekt wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil wird analysiert, welche Auswirkungen Arbeitslosigkeit auf den Menschen hat und wie die vier Phasen der Motivierenden Gesprächsführung gezielt bei der Beziehungsgestaltung genutzt werden können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Motivierende Gesprächsführung, Ambivalenz, Veränderungsmotivation und Arbeitslosigkeit.
Wie wird mit dem Problem der fehlenden Motivation bei Arbeitslosen umgegangen?
Das Konzept betrachtet das „Fehlen von Motivation“ nicht als Mangel an Willenskraft, sondern identifiziert dahinter liegende Ambivalenzkonflikte, die durch den Berater aufgelöst werden sollen.
Welche Rolle spielt die „Grundhaltung“ des Beraters in diesem Kontext?
Die Grundhaltung, bestehend aus Partnerschaftlichkeit, Akzeptanz, Mitgefühl und Evokation, ist die essenzielle Basis für den Erfolg der Beratung; ohne sie würde das Verfahren zur reinen Manipulation verkommen.
- Arbeit zitieren
- Kerstin Wonneberger (Autor:in), 2022, Das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung. Möglichkeiten bei der Begleitung von Arbeitssuchenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1340849