Eine der festgestellten Folgen von übermäßigem Social-Media-Konsum ist die körperdysmorphe Störung (BDD), bei der Betroffene ein gestörtes Verhältnis zur Wahrnehmung ihres eigenen Körpers und Erscheinungsbildes entwickelt haben und auf dem Weg der Selbstoptimierung nach immer höheren Zielen und letztlich absolutem Perfektionismus streben, diese jedoch schon allein aufgrund ihrer Wahrnehmung nie erreichen. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Parteien an dieser Dynamik beteiligt sind und welche Verantwortung ihnen jeweils für die Folgen und das Finden potenzieller Lösungsansätze zukommt. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Corporate-Social-Responsibility; dem Gedanken, dass Unternehmen, die durch die Gesellschaft funktionieren und Wachstum erfahren, auch abseits von monetären Maßnahmen wie Steuern einen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten haben – und sei es bloß durch Unterlassen schädlicher Praktiken.
Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst erläutert, was BDD ist und wie sie entsteht. Anschließend wird anhand von Beispielen verdeutlicht, wie normalisiert der ständige Vergleich mit anderen, und auch der Abgleich der eigenen Erscheinung mit gesellschaftlich verankerten Schönheitsidealen, ist. Der darauffolgende Abschnitt beleuchtet Rechenschafts- und Verantwortungsbeziehungen zwischen den unterschiedlichen Parteien, bevor abschließend in Form eines Fazits der Versuch angestellt wird, die Fragestellung zufriedenstellend zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. KÖRPERDYSMORPHE STÖRUNG (BDD) UND IHRE URSACHEN
3. GESELLSCHAFTLICHE VERANKERUNG DES VERGLEICHENS
3.1 BEAUTY-FILTER
3.2 NEUE SCHÖNHEITSIDEALE
3.3 DAS DILEMMA DER INFLUENCER:INNEN
4. VERANTWORTUNG
4.1 WERBENDE
4.2 INFLUENCER:INNEN
4.3 BETREIBER
4.4 BILDUNGSINSTITUTIONEN
4.5 ELTERN
4.6 KONSUMENT:INNEN
5. LÖSUNGSANSÄTZE
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychischen Auswirkungen von durch soziale Medien geprägten Schönheitsidealen auf Jugendliche, insbesondere im Hinblick auf das Entstehen einer körperdysmorphen Störung (BDD). Dabei wird ein komplexes Geflecht an Verantwortlichkeiten zwischen verschiedenen Akteuren der digitalen Welt analysiert, um zu klären, wer in welcher Form zur Prävention schädlicher Praktiken beitragen kann.
- Psychologische Folgen von Social-Media-Nutzung und digitalem Bildvergleich
- Körperdysmorphe Störung (BDD) als Folge von Perfektionismus und verzerrten Körperbildern
- Ethische Verantwortung von Unternehmen, Influencer:innen und Plattformbetreibern
- Die Rolle der Medienkompetenz und Bildung zur Stärkung der Resilienz bei Jugendlichen
- Ansätze für einen verantwortungsbewussteren Umgang mit Beauty-Filtern und bearbeiteten Inhalten
Auszug aus dem Buch
Beauty-Filter
In der Pop-Kultur ist es scheinbar völlig normalisiert worden, nicht nur kommerzielle Fotos, sondern auch Privataufnahmen durch unterschiedliche Nachbearbeitung zu optimieren. Ein Artikel der britischen „Readers Digest“ titelt mit den „Best Instagram Beauty Filters in 2022“ und listet diverse AR-Filter mit Beschreibungen auf. Zur Verdeutlichung der Akzeptanz von unechten Fotos auf Social-Media folgen nun einige Zitate:
„Want to know if long lashes suit you? Masks with eyelashes can help you answer this question. First, decorate your photos with this simple but beautiful mask. Then, share the results with friends and subscribers.”
An dieser Stelle wird Nutzer:innen ein Beauty-Filter angepriesen, der verlängerte Augenbrauen ermöglicht. Eingeleitet wird die Erklärung mit dem beispielhaften Zweck, die Verlängerung der eigenen Wimpern vor der eigentlichen Prozedur digital auszutesten, um so zu beurteilen, ob das Ergebnis den eigenen Vorstellungen entspricht. Anschließend jedoch wird dazu aufgefordert, das Ergebnis mit Freunden und Abonnenten des eigenen Instagram-Kontos zu teilen.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit sozialer Medien im Alltag Jugendlicher und führt in die Problematik des ständigen sozialen Vergleichs ein, der zu Unzufriedenheit und psychischen Folgen führen kann.
KÖRPERDYSMORPHE STÖRUNG (BDD) UND IHRE URSACHEN: Dieses Kapitel definiert BDD und zeigt auf, wie Perfektionismus und ein verzerrtes Selbstbild in Verbindung mit Social-Media-Nutzung zu schweren psychischen Problemen führen können.
GESELLSCHAFTLICHE VERANKERUNG DES VERGLEICHENS: Das Kapitel analysiert, wie moderne Bildbearbeitung durch AR-Filter Schönheitsideale verzerrt und warum dieses Dilemma insbesondere für Influencer:innen einen Druck erzeugt, ihre Erscheinung stetig zu optimieren.
VERANTWORTUNG: Hier wird diskutiert, wie sich die Verantwortung für die gesundheitlichen Folgen der Mediennutzung auf Werbende, Influencer:innen, Plattformbetreiber, Bildungsinstitutionen, Eltern und Konsument:innen verteilt.
LÖSUNGSANSÄTZE: Dieses Kapitel erörtert Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation, unter anderem durch Medienkompetenz-Bildung, technologische Ansätze zur Kennzeichnung bearbeiteter Fotos und präventive Kampagnen.
FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Problematik der Schönheitsideale zwar komplex ist, jedoch durch ein Umdenken aller Beteiligten und insbesondere durch eine verstärkte Verantwortung der Werbetreibenden langfristig eingegrenzt werden kann.
Schlüsselwörter
Social Media, Jugendliche, Körperdysmorphe Störung, BDD, Beauty-Filter, Selbstwertgefühl, Schönheitsideale, Influencer-Marketing, Medienethik, Medienkompetenz, Verantwortung, Corporate Social Responsibility, Selbstinszenierung, Algorithmen, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die negativen Einflüsse von sozialen Medien auf das Körperbild Jugendlicher und wie dadurch psychische Erkrankungen wie die körperdysmorphe Störung (BDD) begünstigt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Normalisierung des digitalen Bildvergleichs, die Funktionsweise von Beauty-Filtern, das Dilemma von Influencer:innen bezüglich Authentizität sowie die ethische Verantwortungszuschreibung in der digitalen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Beteiligten an dieser Dynamik zu identifizieren und zu erörtern, in welchem Ausmaß bei ihnen Verantwortung für die Folgen des Social-Media-Konsums liegt und welche Lösungsansätze existieren.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf medienethische Konzepte, unter anderem auf das Verantwortungsmodell von Funiok, sowie auf utilitaristische Ansätze und aktuelle Studien zur psychischen Gesundheit Jugendlicher.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Ursachen und Erscheinungsformen der BDD beleuchtet, anschließend die Rolle von Filtern und Schönheitsidealen analysiert und schließlich die ethische Verantwortung der verschiedenen Akteure detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Social Media, BDD, Beauty-Filter, Medienkompetenz, Selbstbild, Verantwortlichkeit und Schönheitsideale.
Welche Rolle spielen Beauty-Filter für das Selbstbild?
Beauty-Filter fungieren als Werkzeuge, die ein idealisiertes, teils unerreichbares Abbild der eigenen Erscheinung in Echtzeit erzeugen, was bei Anwender:innen zur subjektiven Wahrnehmung der eigenen Person als unzureichend führen kann.
Wie unterscheidet sich die Verantwortung von Influencer:innen gegenüber Werbenden?
Während Influencer:innen durch die suggerierte Authentizität eine parasoziale Vertrauensbeziehung aufbauen, sind Werbende als Unternehmen für die Auswahl des Kanals und die ethische Ausrichtung der Kampagnen verantwortlich, auf denen Influencer:innen tätig werden.
Warum ist das Bildungssystem hier gefordert?
Das Bildungssystem ist gefordert, Medienkompetenz zu vermitteln, damit Jugendliche resilient gegenüber manipulativen Einflüssen und unrealistischen digitalen Schönheitsidealen werden und nicht auf Selbstversuche zurückgreifen müssen.
Welche Rolle spielen Eltern?
Eltern haben die Pflicht zur Aufsicht und Erziehung, was in einer digitalisierten Welt bedeutet, zunehmend das Nutzungsverhalten ihrer Kinder im Internet zu begleiten und bei der Entwicklung eines gesunden Medienkonsums zu unterstützen.
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- Mitja Polacek (Author), 2022, Schönheitswahn in sozialen Medien. Körperdysmorphe Störung bei Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1340925