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Zwischen Rittertum und Magie. Die Phantastik im Artusroman "Wigalois" von Wirnt von Grafenberg

Titel: Zwischen Rittertum und Magie. Die Phantastik im Artusroman "Wigalois" von Wirnt von Grafenberg

Masterarbeit , 2021 , 60 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Karin Frank (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Literaturwissenschaft werden im Zusammenhang mit der Erforschung verschiedener Texte immer wieder neue Begriffe entwickelt. Phantastik ist ein solch kontrovers diskutierter Terminus, der vor ca. 50 Jahren erst Eingang in die deutsche Literaturwissenschaft fand. Es gibt maximalistische und minimalistische Strömungen innerhalb der Forschung. Todorov war der erste, der versuchte, eine konkretere, minimalistische Definition der Phantastik bzw. der phantastischen Literatur vorzunehmen. Jedoch grenzt diese die Anzahl der zugehörigen Texte nicht nur extrem ein, sondern reglementiert auch den zeitlichen Abschnitt, in dem solche Texte überhaupt vorliegen bzw. geschrieben worden sein sollen. Demzufolge drängen sich diverse Fragen auf: Lässt sich dieser Terminus auf Literatur aus älteren Epochen anwenden? Müssen eventuell Modulationen vorgenommen werden? Oder verbietet sich die Anwendung des Begriffs beispielsweise auf mittelalterliche Literatur?

Anhand des mittelalterlichen Artusnachfolgeromans "Wigalois" von Wirnt von Grafenberg wird den Fragen auf den Grund gegangen bzw. eine Klärung dieser versucht. Der Roman erzählt die Geschichte eines krisenlosen Helden, der, um sich zu bewähren und zu qualifizieren, einige Aventiuren bestehen muss und dabei mannigfaltigen Situationen ausgesetzt ist. Zu Beginn wird kurz die Geschichte seiner Eltern thematisiert. Wigalois wächst vaterlos auf und begibt sich, als er alt genug ist, auf Vatersuche. Der Rezipient ist im Gegensatz zu dem Protagonisten darüber im Bilde, dass Gawein sein Vater ist. Am Hof König Artus scheinen sich Vater und Sohn nicht zu erkennen. Die Vatersuche tritt im weiteren Verlauf der Geschichte gänzlich in den Hintergrund. Nach Wigalois' Ausbildung und Schwertleite verschaffen der Zufall und seine Dreistigkeit (er verlangt von König Artus die Gewährung einer nicht näher dargelegten Bitte) ihm Bewährungsabenteuer und die "'entscheidende' Abenteuerreihe der Korntin-Abenteuer, plus dem 'Bestätigungsabenteuer' des Kriegszugs gegen Lion".

Im Folgenden werden einzelne, ausgewählte Episoden auf ihren Phantastikgehalt hin untersucht. Wirnt verfasste sein Werk zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Dem Phantastikbegriff Todorovs folgend würde der Wigalois demnach nicht der phantastischen Literatur zugerechnet werden können. Gerade deswegen soll hier der Versuch unternommen werden, mit Hilfe der Beantwortung der oben genannten Fragen das Gegenteil darzulegen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

2.1. Forschungsperspektive

2.1.1 Minimalistische Definition nach Todorov

2.1.2 Maximalistische Definition

2.2. Arbeitsdefinition

3. Weltsicht im Mittelalter

3.1 Geschichtliche Rahmenbedingungen

3.2 Mittelalterliche Karten

4. Phantastik im Wigalois

4.1 Vorgeschichte

4.2 Ankunft am Artushof

4.3 Bewährungsâventiuren

4.4 Vorgeschichte Korntins und Führung durch das wunderbare Tier

4.5 Kampf mit dem Drachen Pfetan

4.6 Waldweib Ruel

4.7 Karrioz und Schwertrad-Brücke

4.8 Marrien und Ankunft vor dem Tor

4.9 Burg Glois und Kampf gegen Roaz

5. Exkurs

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung, ob der moderne Literaturbegriff der Phantastik auf mittelalterliche Texte, speziell den Artusroman Wigalois von Wirnt von Grafenberg, angewendet werden kann, wobei die Forschungsfrage auf die historische Einordenbarkeit und die etwaige Modifikation des Terminus zielt.

  • Analyse minimalistischer und maximalistischer Definitionen der Phantastik
  • Untersuchung des mittelalterlichen Weltbildes und dessen Einfluss auf die Rezeption des Wunderbaren
  • Erarbeitung einer eigenen Arbeitsdefinition der Phantastik
  • Phantastische Analyse ausgewählter Episoden des Wigalois
  • Vergleichender Exkurs zu modernen Fantasy-Romanen wie Tolkiens Der kleine Hobbit

Auszug aus dem Buch

4.5 Kampf mit dem Drachen Pfetan

Bevor Wigalois — „sîn sorge was vil manicvalt“ (V. 4990) — dem Drachen entgegenreitet „nam er ûz der taschen sîn daz brôt und daz blüemelîn“ (V. 4991-4992). Die Zauberblume gibt ihm Zuversicht und das Brot große Kraft. Außerdem bekreuzigt sich der Held, als er des Ungeheuers ansichtig wird, um sich Gottes Segen und Unterstützung zu vergewissern. Wigalois ist sich bewusst, dass er sozusagen dem Tod geweiht ist (V. 4907, 5088), und trotzdem lässt er sich immer wieder auf neue Aventiuren ein.

Wirnts Beschreibung des Drachens (V. 5028-5042 u. 5055-5079) lässt Pfetan vor den Augen des Rezipienten bildhaft erscheinen und Zweifel aufkommen, ob ein Mensch einen Zusammenstoß mit ihm überleben kann. Der Lindwurm erscheint absolut phantastisch, eben ein Wesen aus einer anderen, sagenhaften sowie märchenhaften Welt. „In der Antike wurde er [allerdings] für ein reales Wesen angesehen“ und „in der christlichen Mythologie symbolisiert der Drache den Teufel und das Böse“.

Letzteres scheint Wigalois ebenfalls zu denken, denn als er ein kurzes Stoßgebet an Gott richtete, spricht er im Zusammenhang mit Pfetan von „tievels bot“ (V. 5080). Nach dem Buch der Natur von Konrad von Megenberg gehört der Drache den schlangenartigen Tieren an. Er ist sehr groß, hat Flügel, ein „tôtpringendez anûchen oder anplâsen auz seinem hals“, einen Elefanten kann er besiegt und Teile von ihm können zu Arzneimitteln verarbeitet werden. Mit anderen Worten aus mittelalterlicher Sicht ist ein Drache ein real existierendes, todbringendes Wesen. Im Wigalois weist er Elemente von einem Eber, Krokodil, Hahn, Maultier, Greif, Bär, Pfau sowie Steinbock auf und ist gigantisch groß.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darlegung der Thematik und Forschungsabsicht, den Phantastikbegriff anhand des Wigalois zu prüfen.

2. Begriffsbestimmung: Theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Strömungen der Phantastikforschung und Herleitung einer Arbeitsdefinition.

3. Weltsicht im Mittelalter: Skizzierung des mittelalterlichen Weltbildes und dessen Rezeption des Übernatürlichen als Hintergrund für das Verständnis des Romans.

4. Phantastik im Wigalois: Detaillierte Untersuchung spezifischer Episoden des Wigalois auf ihre phantastischen Elemente und deren Wirkung.

5. Exkurs: Vergleichende Analyse von Motiven im Wigalois mit modernen Fantasywerken zur Verdeutlichung phantastischer Kontinuitäten.

6. Resümee: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfragen und Schlussfolgerungen zur Anwendbarkeit des Phantastikbegriffs auf ältere Literatur.

Schlüsselwörter

Phantastik, Mittelalter, Wigalois, Wirnt von Grafenberg, Artusroman, Minimalistische Definition, Maximalistische Definition, Wunderbares, Fiktionalität, Literaturwissenschaft, Drache, Metamorphose, Anderswelt, Mittelalterliches Weltbild, Aventiure

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des modernen Literaturbegriffs der Phantastik auf den mittelalterlichen Versroman Wigalois von Wirnt von Grafenberg.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Definition und Forschungsperspektiven zur Phantastik, das mittelalterliche Weltbild und die Analyse phantastischer Elemente in spezifischen Episoden des Wigalois.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu klären, ob der Terminus der Phantastik, der oft als neuzeitlich gilt, sinnvoll auf ältere Epochen wie das Mittelalter übertragen werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Verfasserin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Definitionen (Todorov u.a.) mit der historisch-kontextuellen Betrachtung des mittelalterlichen Romans verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert diverse Aventiuren des Wigalois, wie den Kampf gegen den Drachen Pfetan oder die Begegnung mit Marrien, im Hinblick auf ihren Phantastikgehalt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Phantastik, Anderswelt, Wunderbares, Mittelalterliches Weltbild und Fiktionalität innerhalb der Artusepik.

Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung des Wigalois heute von der im Mittelalter?

Die Verfasserin argumentiert, dass viele im Roman beschriebene Wunder damals aufgrund eines tiefverwurzelten Gottes- und Aberglaubens eher als Teil der Realität akzeptiert wurden, während sie einen heutigen Leser phantastisch und unwahrscheinlich anmuten.

Warum wird im Exkurs ein Vergleich zu modernen Fantasy-Romanen herangezogen?

Der Vergleich mit Werken wie Tolkiens Der kleine Hobbit dient dazu, Parallelen in den Motiven aufzuzeigen und die phantastische Kontinuität über Jahrhunderte hinweg zu verdeutlichen.

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zwischen Rittertum und Magie. Die Phantastik im Artusroman "Wigalois" von Wirnt von Grafenberg
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Karin Frank (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
60
Katalognummer
V1341510
ISBN (PDF)
9783346853479
ISBN (Buch)
9783346853486
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Todorov Phantastik Literatur Epoche Mittelalter Roman Helden Vatersuche Abenteuer Märchen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Karin Frank (Autor:in), 2021, Zwischen Rittertum und Magie. Die Phantastik im Artusroman "Wigalois" von Wirnt von Grafenberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1341510
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Leseprobe aus  60  Seiten
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