Was macht die Arbeit heute noch aus?

Eine Untersuchung der historischen, heutigen und zukünftigen Entwicklungen des Arbeitsbegriffs


Hausarbeit, 1999

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Was macht die Arbeit heute noch aus? Eine Untersuchung der historischen, heutigen und zukünftigen Entwicklungen des Arbeitsbegriffs mit Fokus auf die Erwerbs-, Eigen- und Schwarzarbeit

2 Philosophische, etymologische Definition und historische Sicht der Arbeit
2.1 Philosophische Definition
2.2 Etymologische Bestimmung der Arbeit
2.3 Historische Sicht
2.3.1 Antikes Griechenland und antikes Rom/Römerzeit
2.3.2 Feudalismus/Mittelalter
2.3.3 Die Industrialisierung – der Weg zur Erwerbs-/Lohnarbeit

3 Der gegenwärtige Arbeitsbegriff
3.1 Erwerbs-/Lohnarbeit
3.1.1 Lohnarbeit
3.1.2 Erwerbsarbeit
3.2 Eigenarbeit
3.3 Schwarzarbeit
3.4 Zusammenfassung und Vergleich der drei Arbeitsformen Erwerbs-, Eigen- und Schwarzarbeit

4 Zukünftige Entwicklungen der Arbeit: Wie sieht die Arbeit in Zukunft aus?

5 Literaturverzeichnis

1 Was macht die Arbeit heute noch aus?
Eine Untersuchung der historischen, heutigen und zukünftigen Entwicklungen des Arbeitsbegriffs mit Fokus auf die Erwerbs-, Eigen- und Schwarzarbeit

Ausgangspunkt dieser Seminararbeit ist die These vom Ende der Arbeit. Anhand historischer Grundkategorien soll untersucht werden, ob diese These sich halten läßt. Der Arbeitsbegriff ist eine Grundkategorie der Soziologie (Hillmann, 1994), so daß von Interesse ist, wie dieser gegenwärtig bestimmt ist und wie er sich weiterentwickelt.

Dabei interessieren die folgenden sieben verschiedenen historischen Grundkategorien der Arbeit, die im zweiten Kapitel vorgestellt werden: der Doppelcharakter der Arbeit, die Arbeitszeiten und -bedingungen, Eigentum an Produktionsmitteln, Einbezug der Frauen in die Arbeit, Hierarchien bezüglich der Arbeit, Spezialisierung der Arbeit und Trennung der Wohn- von der Arbeitsstätte.

Sie werden ausgehend von den etymologisch-philosophischen Grundlagen über die Antike, Mittelalter bis zur Industrialisierung über die geschichtlichen Entwicklungen der Arbeit dargestellt. Dabei bauen Lohn- und Erwerbsarbeit auf der Industrialisierung auf.

Diese Grundlagen werden im dritten Kapitel wieder aufgegriffen und auf die relativ dominanten Arbeitsformen Erwerbs- bzw. Lohn-, Eigen- und Schwarzarbeit bezogen. Diese drei Formen werden, da sie zeitgenössische Erscheinungen sind, genauer untersucht und definiert. Am Ende des dritten Kapitels werden die Ergebnisse zusammengefaßt, dabei werden die Unterschiede zwischen Erwerbs- und der zur informellen Ökonomie gehörenden Eigen- und Schwarzarbeit herausgestellt. Die Form der Bürgerarbeit bzw. ehrenamtlichen Tätigkeit gehört auch zum Begriff der informellen Wirtschaft bzw. Arbeit. Sie soll, da nicht Untersuchungsziel dieser Arbeit, ausgeklammert werden. Im weiteren wird sie nur zur Klärung von Detailfragen erwähnt werden.

Im letzten Kapitel werden die Positionen der Befürworter der These vom Ende der Arbeit bzw. der Arbeitsgesellschaft denen der Gegner gegenübergestellt. Anhand der Argumente beider Seiten versuche ich dann zu erörtern ob der Erwerbsarbeitsbegriff weiterhin realitätsnah ist. Abschließend werden zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten der Arbeit beschrieben.

2 Philosophische, etymologische Definition und historische Sicht der Arbeit

2.1 Philosophische Definition

Im Philosphischen Wörterbuch von H. Schmidt (1991) wird die Arbeit als etwas charakterisiert, das auf den Widerstand einer Sache stößt, wobei Kraft aufgewendet wird und der Sache „das Erstrebte“ ab- oder aufgerungen wird. Der Mensch versucht, Herr über die Arbeit zu werden. Damit ist die philosophische Definition eine übergreifende Definition, bei der etwas zielgerichtet verändert wird.

Harry Braverman (1985) bezieht sich auf die Definition der Arbeit von Karl Marx. Dabei wird zwischen menschlicher und tierischer Arbeit unterschieden. “Die Arbeit des Menschen ist bewußt und zweckbestimmt, wogegen die Arbeit der anderen Tiere instinktiv ist. [...] Bei der menschlichen Arbeit dagegen ist der lenkende Mechanismus die Vorstellungskraft, ...” (Braverman, 1985, S.46).

2.2 Etymologische Bestimmung der Arbeit

Aus etymologischer Sicht ist der Begriff der Arbeit laut Alheit (1990, S. 12) mit dem lateinischen Wort avrum, das gepflügter Acker bedeutet, und der germanischen Bezeichnung arba (= der Knecht) verwandt. Arbeit wird in fast allen europäischen Kultursprachen von der Antike bis zur Gegenwart durch zwei Bezeichnungen gekennzeichnet: “ponein und ergazesthai im Griechischen, laborare und facere im Lateinischen, travailler und ouvrer im Französischen, schließlich labour und work im Englischen (...)” (Alheit, 1990, S. 13, kursiv im Original). Diese Bezeichnungen drücken den Doppelcharakter der Arbeit aus, d.h. „‘Arbeit’ ist also Mühsal und Qual ganz ebenso wie Tugend und Werk“ (a.a.O., S. 13). Anders gesagt, teilt sich der Begriff der Arbeit auf in Existenzerhaltung und Lebenssinn. Der Mensch akzeptiert die Arbeit, je mehr sie mit dem Lebenssinn verbunden ist. Im Gegenzug wird sie verabscheut, je mehr sie mit der Existenzerhaltung einhergeht (vgl. Drescher, 1996, S. 7).

2.3 Historische Sicht

2.3.1 Antikes Griechenland und antikes Rom/Römerzeit

(basierend auf: Drescher, 1996; Mikl-Horke, 1994, S.7ff.)

In der Antike waren die Gesellschaften Sklavenhaltergesellschaften. Für die niederen körperlichen Arbeiten wurden die Sklaven und Frauen, d.h. Unfreie, Nicht-Bürger einer Stadt, herangezogen. Die freien Bürger der polis, d.h. der städtischen öffentlichen Gemeinschaft sollten sich der geistigen und sittlichen Entfaltung widmen. Ihnen waren die politischen, philosophischen und künstlerischen Tätigkeiten vorbehalten. Einerseits wurde die körperliche Arbeit verachtet, andererseits wurde das Leben auf Kosten der Allgemeinheit verurteilt.

2.3.2 Feudalismus/Mittelalter

(basierend auf: Eggebrecht et. al., 1980)

Im Feudalismus gab es die Landarbeit der Bauern auf dem Land und das Handwerk in der Stadt. Arbeitsplatz und Wohnstätte bildeten eine Einheit, z.B. lebten Bauern auf ihrer zu bearbeitenden Scholle, und Handwerker arbeiteten in ihrem Wohnhaus. Die Arbeit war diskontinuierlich; es wurde während des Arbeitstages von Sonnenauf- bis -untergang nach dem eigenen Rhythmus gearbeitet. Die Tätigkeiten des Bauern waren vor allem von Wetter und Jahreszeit abhängig. Die Handwerker bestimmten ihre Arbeitszeit selbst, d.h., der Arbeitstag wurde nach Belieben durch Pausen unterbrochen. Es gab keine festen Arbeitszeiten. Handwerker und Bauern besaßen eigene Arbeitsmittel. Tagelöhner waren im Mittelalter nicht unbekannt, sie arbeiteten im Handwerk sowie auf den Bauernhöfen. Eine weitere Arbeitsform bestand in der Heim- oder Verlagsarbeit, bei der zu Hause aus Vorprodukten des „Arbeitgebers” Endprodukte gefertigt wurden, z.B. wurden aus Wolle Fäden gesponnen.

Die Menschen lebten in einer Familia, zu der alle in einem Haushalt lebenden, wie Eltern, Kinder, Gesinde, Gesellen, Lehrlinge, etc. gehörten. „Die Arbeit aller Familienmitglieder war nötig, damit die Familie als Ganzes bestehen konnte, und umgekehrt konnte man nur im Familienverband das Leben überstehen” (Schmid, 1990, S. 260). Es wirkten alle an der Arbeit mit. Nur bei den Bauern hatten Männer und Frauen gleiche Arbeiten zu verrichten. Im Handwerk war der Mann als Handwerker der Bestimmende, die Familia half bei der Arbeit mit. Es gab aber im „Haushalt“ für Frauen vorbehaltene Tätigkeiten.

Die Bauern unterstanden als Leibeigene einem Fürsten, der ihnen Schutz und Hilfe gewährte. Dafür mußten die Bauern das Land des Fürsten bestellen, an ihren Herrn Abgaben vom landwirtschaftlichen Ertrag zahlen und ihm für Arbeitsdienste, z.B. auf seiner Burg, zur Verfügung stehen. Die Handwerker lebten vor allem in der Stadt und waren folglich frei von herrschaftlichen Verhältnissen. Einzig die Handwerker auf dem Land waren in dem gleichen Abgabensystem, wie die Bauern, gefangen.

Das städtische Handwerk war arbeitsteilig in wenige Berufe eingeteilt. Fast jeder dieser Handwerksberufe war in Zünften organisiert, bei denen die Meister in Zunfträten Entscheidungen über die Arbeitsbedingungen und –entlohnungen sowie Warenabsatz, Ausbildung und Zugang zum Handwerk fällten. Die Zünfte regelten die statische Subsistenzwirtschaft, bei der für jeden gesorgt wurde und es keine Konkurrenz gab.

Die Handwerker und Bauern waren mit ihrer Arbeit und ihrem Produkt durch ihre Selbstbestimmtheit verbunden und stolz darauf (vgl. Mikl-Horke, 1994). Sinn und Existenzsicherung fielen zusammen.

Im Handwerk gab es Entwicklungen, an die die Industrialisierung anknüpfen konnte, wie z.B. Lohnarbeit in Form von Tagelöhnern, die Heimarbeit, die handwerkliche Spezialisierung (“Arbeitsteilung”), das Arbeiten des Handwerkers für den lokalen Markt, etc. Aus diesen Tendenzen, die in der Industrialisierung eine Weiterentwicklung erfuhren, entfaltete sich später die Lohn- und die Erwerbsarbeit.

2.3.3 Die Industrialisierung – der Weg zur Erwerbs-/Lohnarbeit

Die Industrielle Revolution kam durch mehrere Entwicklungstendenzen zustande. Einerseits bestanden als Vorformen der Fabriken die Manufakturen. Hinzu kamen verschiedene Erfindungen, die zu Maschinen führten sowie das Vorhandensein von Kapital. Andererseits gab es in der Anfangszeit der Industrialisierung ein stark steigendes Bevölkerungswachstum mit einem von der Subsistenzwirtschaft nicht zu ernährenden Bevölkerungsüberschuß. Zusätzlich setzte der Strukturwandel in der Landwirtschaft mit Produktivitätssteigerungen und der Verdrängung der ländlichen Heimarbeit viele Menschen frei. Diese Menschen wurden durch den Druck der Armut und des Hungers in die Fabriken getrieben, um zu überleben (Eggebrecht et. al., 1980, S. 209f.). Sie bekamen für den Einsatz ihrer Arbeitskraft Geld in Form von Lohn ausgezahlt.

Während dieser Zeit erfolgte ein Bruch mit den traditionellen Arbeitsgewohnheiten und –inhalten. Die Arbeit in der Fabrik war eine kontinuierliche Arbeit mit andauernd gleicher Leistung, in der die Pausen und der Arbeitsrhythmus von der Maschine vorgegeben wurden. Die Arbeitszeit in der Fabrik wurde von außen festgelegt, im Durchschnitt mindestens zwölf, meistens 14-15 Stunden. Diese an den Maschinen ausgerichtete Arbeit verlangte nach einer Disziplinierung der Arbeiter, die diese Arbeitsmoral nicht kannten. Dies erfolgte ausgehend vom Fabrikherrn über Überstunden, körperliche Strafen, Lohnabzug und Entlassungen. Den Arbeitern sollte der Sinn für Pünktlichkeit und ein Zeitbewußtsein eingepflanzt werden (vgl. Eggebrecht et. al., 1980). Die Kontrolle sollte nicht nur die Person des Arbeiters total erfassen, sondern auch seine Freizeit und Lebensbedingungen. Dieser Arbeitsethos, hervorgerufen durch Arbeitsbedingungen, -umwelt und Lebensführung, wurde im Laufe der Industrialisierung von den Industriearbeitern internalisiert. Sie definierten sich über ihre Arbeit in der Industrie. Dieser Wertewandel zur Disziplin breitete sich allmählich in der gesamten Gesellschaft aus (vgl. Braun, 1992,S.117f.; Treiber, 1990, S.149; Mikl-Korke, 1994, S. 45).

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Details

Titel
Was macht die Arbeit heute noch aus?
Untertitel
Eine Untersuchung der historischen, heutigen und zukünftigen Entwicklungen des Arbeitsbegriffs
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Soziologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
20
Katalognummer
V134173
ISBN (eBook)
9783640416981
ISBN (Buch)
9783640412600
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsbegriff, Erwerbsarbeit, Lohnarbeit, Eigenarbeit, Schwarzarbeit, Erwerbsarbeitsbegriff
Arbeit zitieren
Andreas Brand (Autor:in), 1999, Was macht die Arbeit heute noch aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134173

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