»Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist.«
Mit diesen Worten drückte es Kurt Tucholsky vor knapp neunzig Jahren aus. Die Landknechtstrommel allerdings ist veraltet, denn heutzutage ist das Tippen auf dem Computer lauter zu vernehmen als jede Trommel der Welt. Beißen, lachen und pfeifen kann die Satire jedoch wie eh und je, nur ihre Anliegen und ihr Ton haben sich verändert.
Diese Arbeit soll sich mit der Gegenwartssatire beschäftigen und dabei ihre Funktion und ihre Merkmale in den Fokus der Betrachtung rücken. Ebenfalls soll sie dieser Arbeit als Grundlage des kreativen Schreibprozesses dienen, der wiederum seine Anwendung in den modernen Medien finden wird. Ein aktuelles Thema erfordert aktuelle Darstellungsformen. Diese soll in dieser Arbeit das Internet, genauer gesagt: das Weblog sein.
Die Gegenwartssatire legt ihren Wert nicht mehr zwangsläufig auf das Verändern der Gesellschaft und der Politik, wie es die ursprüngliche Form tat. Sie ist zu einem Unterhaltungsmedium geworden und durch diese Wandlung haben sich Inhalte, Zielpublikum als auch das Autorenimage geändert.
Diese Arbeit stellt im ersten Teil den Versuch dar, das Terrain der » Gegenwartssatire« zu bestimmen. Aus diesem Grund wird es nötig sein, den Blick in verschiedene Subkulturen und moderne Erscheinungsformen der Literatur schweifen zu lassen.
Die Auseinandersetzung mit den Satirikern der Gegenwart wird sich auf einige ausgewählte Autoren beschränken. Da es sich bei der Gegenwartssatire um eine aktuelle Erscheinungsform der Literatur handelt, ist die Zahl der aktiven Autoren verhältnismäßig hoch. Die Arbeit wird sich deshalb auf die erfolgreichsten Autoren dieses Genres beziehen.
Das zweite Kapitel wird sich mit dem kreativen Schreiben einer (Gegenwarts-)Satire auseinandersetzen und dabei besonders auf die Themenfindung eingehen, indem einige Techniken und Herangehensweisen vorgestellt werden. Ebenfalls sollen die nötige Sprache und Stilistik für satirisches Schreiben thematisiert werden.
Die modernen Medien – mit dem Schwerpunkt Weblogs – sollen das Anliegen des dritten Teils sein. Erörtert sollen hierbei die Fragen werden, was die Möglichkeiten und Chancen der modernen Medien sind, inwiefern sie einem unbekannten Autor helfen einen Bekanntheitsgrad zu erringen und publizieren zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Gegenwartssatire
2.1. Die Gegenwartssatire – Eine Begriffssuche
2.2. Die Gegenwartssatire als bloße Unterhaltungsform
2.3. Merkmale der Gegenwartssatire
2.4. Fazit
3. Kreatives Schreiben
3.1. Die Themenfindung
3.2. Stilistik und Sprache
3.3. Die Korrektur
3.3.1. Die Eigenkorrektur
3.3.2. Die Korrektur durch Erstleser
4. Das Internet als Publikationsplattform
4.1. Wie können unbekannte Autoren gelesen werden? Das Weblog
4.2. Das Weblog als Sprungbrett in die Riege bekannter Autoren?
4.3. Myspace und Co – Mitmach-Internet in Zeiten des Web 2.0
4.3.1. Myblog.de und Blogger.com
4.3.2. Neon.de und Jetzt.de
4.3.3. Myspace
5. Abschluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die moderne Gegenwartssatire, analysiert deren Merkmale sowie Funktionen und verknüpft diese mit den Anforderungen und Techniken des kreativen Schreibprozesses. Ein zentrales Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Internetmedien – insbesondere Weblogs – als zeitgemäße Publikationsplattformen für neue Autoren dienen können.
- Wandlung der Satire von gesellschaftspolitischer Kritik zum Unterhaltungsmedium.
- Methoden der Themenfindung und des stilistischen Schreibens für satirische Texte.
- Bedeutung des Korrekturprozesses (Eigen- und Fremdkorrektur) für die Textqualität.
- Analyse des Weblogs als Sprungbrett und Publikationsraum für unbekannte Autoren.
- Vergleich verschiedener Social-Media- und Blog-Plattformen in Bezug auf ihre Funktionalität.
Auszug aus dem Buch
2.3. Merkmale der Gegenwartssatire:
Wie in dem Kapitel zuvor erörtert wurde, soll die Gegenwartssatire unterhalten. Das gelingt ihr, indem sie »Phänomene des Alltagslebens in den Blickwinkel« rückt und sich »ironisch oder kritisch« absetzt. Durch den feuilletonistischen Ton gewinnt der Autor eine Überlegenheit gegenüber seines »Opfers«. Auf der anderen Seite wirkt die Sprache alltäglich und leicht verständlich. Dieser schmale Grat, der begangen wird, ist ebenfalls in den divergierenden Lebenswelten der Autoren wieder zu finden. So besteht ihre Lebenswelt aus Popmusik und Kultur, ihre innerliche Kindlichkeit trifft auf das zu kultivierende Individuum ihrer selbst und ihr Lebensstil ist eine Mischung Rebell und Bohème.
«Es ist ein Schreiben im Anspruch auf Eleganz und Glaubwürdigkeit, die zu definieren nicht möglich, die zu erfüllen aber unbedingter Prüfstein ist.«
Das könnte als Leitmotiv für die Autoren der Gegenwartssatire gelten. Ihre Sprache – so alltäglich wie sie klingt – zeugt doch immer wieder von äußert großer Wortgewandtheit und auch die Beobachtungen, die die Satiriker im Alltag in Zusammenhang mit der Sprache tätigen, zeugen von dieser Eleganz, die Schütz erwähnt. So ist es weniger verwunderlich, dass Goldt von dem Deutschlandradio als »zuverlässiger Beobachter sprachlicher Verwerfungen« betitelt wird und die TAZ ihn als schlendernden »Spaziergänger im Landschaftspark der Sprache« bezeichnet. Für die Zeitschrift »Spex gilt Goldt gar als ›einer der größten deutsche Dichter‹ und für Literaturtheoretiker ist Goldt ein »begnadeter Stilist«. Fehler in der Sprache entdeckt und entlarvt er. Oder wie Baßler es formuliert »Jedes Sprachspiel, sobald es als solches ausgestellt wird, hat irgendwelche Stellen, an denen es leicht müffelt – und Goldt findet sie.«
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Gegenwartssatire ein, beleuchtet deren Wandel vom kritischen politischen Werk hin zur unterhaltenden Form und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. Die Gegenwartssatire: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Gegenwartssatire, untersucht ihre Merkmale wie den feuilletonistischen Ton und analysiert die Funktion von Satire in der modernen Medienlandschaft.
3. Kreatives Schreiben: Der Abschnitt erläutert Techniken zur Themenfindung sowie stilistische Vorgaben für satirisches Schreiben und beschreibt die Bedeutung von Eigen- und Fremdkorrekturprozessen.
4. Das Internet als Publikationsplattform: Hier wird untersucht, wie Weblogs und soziale Netzwerke unbekannten Autoren als Sprungbrett dienen können und welche spezifischen Vor- und Nachteile verschiedene Plattformen bieten.
5. Abschluss: Der Abschluss resümiert die Arbeit und betont die Notwendigkeit eines kritischen, bewussten Umgangs mit modernen Medientechniken im Kontext des kreativen Schreibens.
Schlüsselwörter
Gegenwartssatire, Weblog, Kreatives Schreiben, Popliteratur, Feuilleton, Blogosphäre, Satire, Medienkritik, Autorenschaft, Textkorrektur, Online-Publikation, Social Beat, Unterhaltungsmedium, Internetplattform, Stilistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Literaturform der Gegenwartssatire, ihren Merkmalen und ihrer Relevanz im Kontext moderner Internetmedien sowie des kreativen Schreibprozesses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Analyse von Gegenwartssatire, Schreibtechniken für satirische Prosa sowie die Nutzung digitaler Plattformen zur Veröffentlichung eigener Texte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Terrain der Gegenwartssatire zu bestimmen und aufzuzeigen, wie Schreibende moderne Medien wie Weblogs effektiv für die Publikation ihrer Arbeiten nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie die Auswertung von Fachliteratur zum kreativen Schreiben, ergänzt durch einen Vergleich aktueller Online-Publikationsformen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die Gegenwartssatire analysiert, gefolgt von einer detaillierten Darstellung von Schreibanlässen, Stilmitteln und Korrekturverfahren sowie einer Untersuchung von Internetportalen als Publikationsraum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gegenwartssatire, Weblog, Kreatives Schreiben, Popliteratur, Blogosphäre und Medienkritik.
Warum ist das Internet für Satiriker so bedeutsam?
Das Internet bietet einen Raum zur freien, zensurfreien Meinungsäußerung und ermöglicht es unbekannten Autoren, ohne den Druck traditioneller Verlage eine Leserschaft aufzubauen.
Welche Rolle spielt die Korrektur beim Schreiben einer Satire?
Die Korrektur ist essenziell, um die Botschaft präzise zu transportieren, Redundanzen zu entfernen und die sprachliche Qualität sowie die Wirkung der Pointen zu sichern.
Was macht Max Goldt zu einem zentralen Autor in dieser Arbeit?
Max Goldt wird als ein maßgeblicher Vertreter genannt, dessen feiner Beobachtungsstil und spezifische sprachliche Eigenheiten als Musterbeispiele für erfolgreiche Gegenwartssatire dienen.
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- Alexander Willrich (Author), 2008, Die Gegenwartssatire, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134175