Das Thema dieser Arbeit ist die Untersuchung des literaturwissenschaftlichen Phänomens "Intertextualität" am Beispiel des Romans "Die Nibelungen - Ein deutscher Stummfilm" von Felicitas Hoppe. Im ersten Teil der Arbeit werden Konzepte, Theorien, Formen, Funktionen, Rezeption und Geschichte der Intertextualität vorgestellt und zusammengefasst. Anschließend wird der Roman der Autorin vorgestellt und ausgewählte Analysekategorien der Intertextualität am Roman von Hoppe untersucht. Die Ergebnisse und Ausblicke der Arbeit werden in einem Fazit zusammengefasst.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zum einen mit dem theoretischen Konzept von Intertextualität und zum anderen mit ihrer praktischen Anwendbarkeit in einem konkreten literarischen Text. Als solcher ist der Roman „Die Nibelungen – Ein deutscher Stummfilm“ von Felicitas Hoppe ausgewählt worden. Der 2021 veröffentlichte Text ist die Neuerzählung des Nibelungenliedes, das uns aus dem 13. Jahrhundert schriftlich überliefert ist.
Als einer der zentralen Texte, mit denen sich die Germanistik auseinandersetzt, ist die intertextuelle Beschäftigung mit Hoppes Roman für den Fachbereich der Neueren deutschen Literatur ein relevanter Aspekt, da auf diesem Wege ein Stück Gegenwartsliteratur nicht nur textanalytisch, sondern auch in Bezug auf ihren literaturhistorischen Kontext untersucht werden kann. Diese Arbeit möchte Erkenntnisse über die Theorie, den Einsatz und die Rezeptionsmöglichkeiten von Intertextualität an dem konkreten Beispiel von Felicitas Hoppes Roman sammeln.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Vorstellung des Themas und Relevanz der Arbeit
1.2 Methode und Aufbau der Arbeit
1.3 Anmerkungen
2 Intertextuelle Theorie
2.1 Konzepte der Intertextualität
2.1.1 Michail Bachtin und das Konzept der Dialogizität
2.1.2 Julia Kristeva und das Universum der Texte
2.1.3 Gérard Genette und die Transtextualitätstheorie
2.1.4 Broich/Pfister und die Systematisierung des Intertextualitätsbegriffes
2.1.5 Susanne Holthuis und die Interaktion zwischen Text und Leser
2.1.6 Peter Stocker und der Einzeltext- und Textklassenbezug
2.1.7 Hardarik Blühdorn und die Sprache der Intertextualität
2.2 Intertextuelle Formen und Markierungen
2.2.1 Einzeltext- und Systemtextreferenz nach Broich und Pfister
2.2.2 Intertextuelle Typologie nach Gérard Genette
2.2.3 Referenz ‚in praesentia‘ und Referenz ‚in absentia‘ bei Susanne Holthuis
2.2.4 Progressionsskala intertextueller Markierungen nach Jörg Helbig
2.3 Interfiguralität
2.4 Funktionen der Intertextualität
2.4.1 Entwicklung und Probleme des Funktionsbegriffes
2.4.2 Intertextualität als kommunikatives Phänomen
2.4.3 Funktionsrichtungen von Intertextualität
2.5 Textverarbeitung und intertextueller Leseprozess
2.6 Intertextualität und Intermedialität
2.7 Zwischenfazit
3 Der Roman von Felicitas Hoppe
4 Untersuchungsergebnisse zur Intertextualität im Roman
4.1 Das Gesamtwerk der Autorin als intertextueller Rahmen
4.2 Die Paratexte – Begleitende Intertextualität
4.2.1 Der Buchtitel
4.2.2 Das Coverbild
4.2.3 Die Zueignung
4.2.4 Die Motti
4.2.5 Das Inhaltsverzeichnis und der Abspann
4.2.6 Die Kapitelüberschriften
4.3 Interfiguralität im Roman von Felicitas Hoppe
4.3.1 Siegfried, RvP und der böse Onkel Hagen
4.3.2 Der Zeuge im Beiboot
4.3.3 Die Rollen und Geister der Nibelungen
4.3.4 Das dreifache G
4.3.5 Figuren und Rollen
4.3.6 Die interfigurale Personifikation
4.4 Intertextueller Rezeptionsanspruch des Romans
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das theoretische Konzept der Intertextualität und dessen praktische Anwendung im Roman „Die Nibelungen – Ein deutscher Stummfilm“ von Felicitas Hoppe. Ziel ist es, die intertextuellen Verknüpfungen des Romans zu erforschen, zu identifizieren, wie Autorin und Leser durch Paratexte und Interfiguralität in einen Dialog treten, und zu bestimmen, welche Voraussetzungen an das Vorwissen des Lesers geknüpft sind, um das volle intertextuelle Potenzial der Neuerzählung zu begreifen.
- Theoretische Fundierung der Intertextualität (Bachtin, Kristeva, Genette).
- Analyse des intertextuellen Rahmens im Gesamtwerk von Felicitas Hoppe.
- Untersuchung der Paratexte und ihrer Funktion als Begleit-Intertextualität.
- Darstellung der Interfiguralität und der spezifischen Personifikation des Todes.
- Erörterung der Rezeptionsanforderungen an den idealen Leser des Romans.
Auszug aus dem Buch
4.3.6 Die interfigurale Personifikation
Wie sich zeigt, hat Felicitas Hoppe jede Möglichkeit genutzt, ihre Figuren intertextuell einzusetzen. Allerdings hat es sich bei allen bisherigen Beispielen immer um die Wiederverwendung oder den interfiguralen Bezug von einer belebten fiktionalen Figur zu einer anderen belebten fiktionalen Figur gehandelt.
In ihrem Roman geht Hoppe noch einen Schritt weiter und verwandelt einen buchstäblich unbelebten Zustand in eine lebendige, am Geschehen der Geschichte teilnehmende, literarische Figur. Die Rede ist vom Tod.
Im Nibelungenlied und dem Stummfilm von Fritz Lang ist der Tod ein wiederkehrendes Motiv, welches die Figuren durch die gesamte Handlung hindurch begleitet. Gleich im ersten Vers des mittelhochdeutschen Epos wird angekündigt, dass in dieser Geschichte der Tod der Zustand ist, auf den alles hinausläuft.
„Ihretwegen [Kriemhild] mussten viele Ritter ihr Leben verlieren.“
Siegfrieds Ermordung ist eine vollständige 85 Vers lange Aventüre gewidmet, in der sein Tod detailliert beschrieben wird.
„Als Herr Siegfried über die Quelle gebeugt trank, schoss Hagen durch das Kreuz hindurch, so dass aus der Wunde viel Blut vom Herzen bis an Hagens Kleidung sprang. Eine so folgenschwere Untat wird nie wieder ein Held begehen. […] Hagen ließ ihm den Speer im Herzen stecken. […] Er [Siegfried] war bleich geworden und konnte nicht mehr stehen. Seine Körperkraft musste dahinschwinden, denn er trug das fahle Zeichen des Todes. […]“
Wie in diesem Auszug aus der entsprechenden Aventüre deutlich wird, ist der Tod ein Zustand, der die Figuren ereilt, keine eigenständig handelnde Entität, die aus Eigeninitiative eingreift oder die Hand desjenigen lenkt, der die tödliche Tat ausführt. Es ist Hagens Entscheidung, dass Siegfried getötet werden muss, und er wirft aus eigenem Vorsatz den Speer.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung führt in das Thema der Intertextualität ein, erläutert die Relevanz der Arbeit und legt die methodischen Grundlagen für die Analyse von Felicitas Hoppes Roman dar.
2 Intertextuelle Theorie: Dieses Kapitel präsentiert die wissenschaftlichen Grundlagen und wichtigsten Konzepte der Intertextualitätsforschung, von Bachtin bis hin zu modernen Ansätzen.
3 Der Roman von Felicitas Hoppe: Hier wird der Untersuchungsgegenstand, Felicitas Hoppes Roman sowie die Autorin selbst, kurz vorgestellt und in den literarischen Kontext eingeordnet.
4 Untersuchungsergebnisse zur Intertextualität im Roman: Dies ist der Hauptteil, der die theoretischen Erkenntnisse an vier spezifischen Kategorien auf den Roman anwendet: Gesamtwerk, Paratexte, Interfiguralität und Rezeptionsanspruch.
5 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Anwendbarkeit der theoretischen Konzepte auf das Werk von Hoppe.
6 Anhang: Dieser Abschnitt enthält visuelle Ergänzungen, wie Coverbilder und Kupferstiche, die für das Verständnis der Paratext-Analyse relevant sind.
7 Literaturverzeichnis: Hier werden alle in der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Literatur- und Filmbeispiele detailliert aufgelistet.
Schlüsselwörter
Intertextualität, Felicitas Hoppe, Nibelungenlied, Interfiguralität, Paratextualität, Intermedialität, Literaturwissenschaft, Rezeption, Erzähltheorie, Dialogizität, Autorintention, Zeuge im Beiboot, Erzähler, Bühnenstück.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das literaturwissenschaftliche Konzept der Intertextualität genutzt werden kann, um den Roman „Die Nibelungen – Ein deutscher Stummfilm“ von Felicitas Hoppe tiefergehend zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die theoretische Einordnung von Intertextualität, die Analyse des Gesamtwerkes der Autorin, die Bedeutung der Paratexte (wie Buchtitel oder Cover) sowie die interfigurale Darstellung der Figuren.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hoppe den Nibelungenstoff neu interpretiert und dabei gezielt auf Prätexte wie das mittelalterliche Heldenepos und den Film von Fritz Lang verweist, um eine neue, eigenständige Erzählung zu schaffen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden gängige literaturwissenschaftliche Methoden der Textanalyse angewandt, insbesondere Konzepte von Genette, Broich/Pfister und Wolfgang Müller zur Identifizierung und Kategorisierung intertextueller und interfiguraler Bezüge.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Kategorien: eine Gesamteinordnung im Hoppe-Kanon, eine detaillierte Analyse der Paratexte, die Untersuchung der interfiguralen Bezüge der Figuren und die Reflexion über die Rezeptionsanforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Intertextualität, Interfiguralität, Paratextualität, Intermedialität sowie natürlich der Name der Autorin Hoppe und der Nibelungenstoff.
Was ist das Besondere an Hoppes Umgang mit dem "Tod"?
Hoppe verwandelt den abstrakten Zustand des "Todes" in ihrem Roman in eine aktiv handelnde, personifizierte Figur, die sogar im Gespräch mit dem Erzähler auftritt, was eine kreative Erweiterung des Nibelungen-Stoffes darstellt.
Wie spielt die "Todesfuge" von Paul Celan in den Roman hinein?
Die Autorin baut durch die Formulierung „Der Tod ist ein Laie aus Worms“ ein Wortspiel ein, das einen bewussten, intertextuellen Bezug zu Celans Gedicht „Todesfuge“ herstellt, um die Zuschauerteilhabe an Geschichte und Gewalt zu thematisieren.
- Citar trabajo
- Lillian Götz (Autor), 2022, Intertextualität im Roman "Die Nibelungen - Ein deutscher Stummfilm" von Felicitas Hoppe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1341849