Diese Arbeit befasst sich mit den Potenzialen der Kindergrundsicherung und der Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland. Die Ungleichbehandlung drückt sich unter anderem mit dem Vorteil aus, den besserverdienende Familien über den steuerlichen Kinderfreibetrag erhalten. Spitzenverdiener können, gegenüber Familien mit geringem Einkommen, bis zu 25.000 Euro mehr pro Kind bis zur Volljährigkeit geltend machen.
Dieser Benachteiligung und weiteren Widersprüchen bei familienpolitischen Maßnahmen soll die Kindergrundsicherung entgegentreten, die bereits Anfang der 2000er Jahre in der politischen Diskussion erwähnt wurde und im Jahr 2025 zum ersten Mal ausgezahlt werden soll. Kinderarmut in Deutschland ist so relevant wie nie zuvor. Im letzten Jahrzehnt ist die Anzahl von armutsbetroffenen Kindern auf 2,8 Millionen angestiegen. Das bedeutet mehr als jedes fünfte Kind wächst in Armut auf. Im Zuge der Corona-Krise, gestiegener Inflation und der Wirtschaftskrise ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Die Auswirkungen von Armut können für die Kinder verheerend sein.
Die zentrale Frage inwiefern die Kindergrundsicherung ein adäquates Mittel für die Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland sein kann, ist Gegenstand dieser Arbeit. Positive Aspekte der Kindergrundsicherung werden analysiert sowie mögliche Probleme und Herausforderungen bei einer Einführung herausgearbeitet. Im Übrigen wird die Frage beantwortet, wie sich die Kindergrundsicherung auf die Soziale Arbeit und ihre Tätigkeit mit armutsbetroffenen Menschen, insbesondere Kindern, auswirkt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen von Armut und Armutskonzepte
2.1 Absolute Armut
2.2 Relative Einkommensarmut
2.3 Relative Armut
2.4 Soziokulturelles Existenzminimum
2.5 Lebenslagenansatz
2.6 Materielle Deprivation
3 Kinderarmut in Deutschland
3.1 Kindbezogenes Armutskonzept
3.2 Entwicklungen und Risikofaktoren von Kinderarmut in Deutschland
3.3 Armutsfolgen für Kinder anhand der Lebenslagedimensionen
4 Kinder- und Familienförderung in Deutschland
5 Kindergrundsicherung
5.1 Von der Idee zur Einführung
5.2 Grundidee und Ziele
5.3 Ausgestaltung und Konzepte
5.4 Kritik und Herausforderungen
6 Armut, Soziale Arbeit und Kindergrundsicherung
6.1 Armutsbekämpfung durch die Soziale Arbeit
6.2 Auswirkungen der Kindergrundsicherung auf die Soziale Arbeit
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial der Kindergrundsicherung als Instrument zur wirksamen Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland und analysiert dabei, wie sich dieses neue Leistungssystem auf die Praxis und Möglichkeiten der Sozialen Arbeit auswirkt.
- Analyse aktueller Armutskonzepte und ihre Bedeutung für die Definition von Kinderarmut.
- Untersuchung der strukturellen Ursachen und Folgen von Kinderarmut in verschiedenen Lebenslagedimensionen.
- Kritische Bewertung des bestehenden familienpolitischen Förder- und Leistungssystems.
- Vergleichende Analyse verschiedener Konzepte zur Einführung einer Kindergrundsicherung.
- Erörterung der Rolle der Sozialen Arbeit bei der Prävention von Armut und der Implikationen einer Systemreform.
Auszug aus dem Buch
3.3 Armutsfolgen für Kinder anhand der Lebenslagedimensionen
Kinder werden durch Armut in fast allen Lebensbereichen benachteiligt. Teilhabemöglichkeiten, die gesundheitliche Entwicklung sowie die Zukunftschancen sind deutlich eingeschränkt (vgl. Chassé 2021, S. 257). Kinderarmut kann sich je nach Alter unterschiedlich auf die Betroffenen auswirken. Die meisten Studien zu den Folgen von Kinderarmut beziehen sich auf Grundschulkinder, es gibt jedoch ebenfalls Untersuchungen zum Vorschul- sowie Jugendalter. Armut wird als zentrales Entwicklungsrisiko angesehen, da häufig multiple Problemlagen für die Familien und jungen Menschen entstehen (vgl. Zander 2016, S. 75–76). Die Auswirkungen variieren je nachdem, über welche Resilienz und Bewältigungsstrategien ein Kind verfügt. Des Weiteren ist das familiäre und soziale Umfeld von Bedeutung. Das Modell der Deprivationsspirale greift dies auf. Es beschreibt, dass Armut während des Aufwachsens die Entwicklung beeinträchtigen kann. Das ist jedoch von persönlichen Ressourcen und dem sozialen Umfeld abhängig ist. Sind keine Hilfsangebote verfügbar, oder können diese aufgrund einem aus fehlender Selbstwirksamkeit entspringenden Ohnmachtsgefühl nicht angenommen werden, entsteht eine Abwärtsspirale, welche in multipler Deprivation, also Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen, endet (vgl. Holz 2019, S. 10–11).
Im Folgenden werden die Auswirkungen der Kinderarmut anhand der materiellen, sozialen, kulturellen sowie gesundheitlichen Lebenslagedimension beleuchtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Themenwahl aufgrund der hohen Kinderarmutszahlen und führt in die Fragestellung ein, ob die Kindergrundsicherung ein adäquates Mittel zur Armutsbekämpfung darstellt.
2 Definitionen von Armut und Armutskonzepte: Dieses Kapitel erläutert verschiedene wissenschaftliche Armutsbegriffe wie absolute und relative Armut, den Lebenslagenansatz sowie materielle Deprivation, um eine Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
3 Kinderarmut in Deutschland: Es wird ein kindgerechtes Armutsverständnis entwickelt, die Risikofaktoren analysiert und die diversen negativen Auswirkungen von Armut auf die Lebenslagedimensionen von Kindern detailliert beschrieben.
4 Kinder- und Familienförderung in Deutschland: Das Kapitel bietet einen Überblick über das bisherige familienpolitische System, kritisiert dessen Intransparenz, hohe bürokratische Hürden und die mangelnde Zielgenauigkeit.
5 Kindergrundsicherung: Hier werden die Grundideen, politische Ziele sowie die verschiedenen Modelle zur Kindergrundsicherung ausführlich vorgestellt, verglichen und kritisch hinterfragt.
6 Armut, Soziale Arbeit und Kindergrundsicherung: Dieses Kapitel beleuchtet das Spannungsfeld der Sozialen Arbeit zwischen Kontrolle und Hilfe und diskutiert, welche neuen Möglichkeiten ein vereinfachtes System der Kindergrundsicherung für die Fachkräfte bietet.
7 Fazit und Ausblick: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, das Potenzial der Reform bewertet und ein Ausblick auf die weitere politische Entwicklung gegeben.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Kindergrundsicherung, Soziale Arbeit, Familienpolitik, Existenzminimum, Lebenslagenansatz, materielle Deprivation, soziale Teilhabe, Armutsfolgen, Bildungs- und Teilhabepaket, Transferentzug, Armutsprävention, Sozialpolitik, Kinderzuschlag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit hauptsächlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit der geplanten Kindergrundsicherung zur Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland und bewertet, welchen Stellenwert dieses Vorhaben für die betroffenen Kinder und die Soziale Arbeit hat.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Armutsforschung bei Kindern, eine Kritik am aktuellen komplexen Familienfördersystem, die Analyse verschiedener Reformvorschläge zur Kindergrundsicherung sowie die Rolle und Veränderung der Sozialen Arbeit im Kontext einer solchen Reform.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu analysieren, inwiefern die Kindergrundsicherung ein adäquates Mittel sein kann, um Kinderarmut effektiv zu bekämpfen und das Leben betroffener Kinder nachhaltig zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die verschiedene Fachstudien, Berichte von Forschungsinstituten und politische Reformpläne zusammenführt, analysiert und kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Armut, die Analyse der Situation armer Kinder in Deutschland, die kritische Evaluation der derzeitigen Transferleistungen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Konzepten der Kindergrundsicherung.
Welche Schlagwörter charakterisieren diese Bachelorarbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kindergrundsicherung, Kinderarmut, soziale Gerechtigkeit, Lebenslagenansatz und Reform des Sozialstaates charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Kindergrundsicherung vom bisherigen Bildungs- und Teilhabepaket?
Während das bisherige System als zu komplex, bürokratisch und stigmatisierend kritisiert wird, zielt die Kindergrundsicherung auf eine automatisierte, unbürokratische Auszahlung ab, um die Nichtinanspruchnahme von Leistungen zu vermeiden.
Welche Bedeutung hat das politische Mandat der Sozialen Arbeit in diesem Zusammenhang?
Sozialarbeitende sollen nicht bloß Transferleistungen verwalten, sondern das Wissen aus ihrer Praxis einbringen, um politische Prozesse zu beeinflussen und sich aktiv für die Bedürfnisse Betroffener einzusetzen.
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- Mika Dantona (Author), 2022, Potenziale der Kindergrundsicherung. Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1341917