Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Talentförderungssystem in Deutschland im Bereich Fußball. Dabei soll zunächst erläutert werden, was Talent überhaupt ist und welche verschiedenen Arten es gibt. Anschließend wird näher auf die Talentförderung in Deutschland eingegangen. Hierbei soll die Relevanz einer guten Förderung beleuchtet sowie auf die Förderstrukturen und den Aufbau des DFB eingegangen werden. Des Weiteren sollen auch die verschiedenen Ausbildungsstufen des DFB betrachtet werden.
Im zweiten Teil der Arbeit soll sich kritisch mit der Talentförderung in Deutschland auseinandergesetzt und vor allem auf die Durchlässigkeit von Talenten näher eingegangen werden. Nach dieser kritischen Erörterung werden Verbesserungsansätze vorgestellt, welche zur Talentförderung im deutschen Fußball beitragen sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Leistungsdruck im Fußball
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Was ist Talent ?
2.1 Statisches Talent
2.1 Dynamisches Talent
2.3 Fußball Talent
2.4 Relative Age Effect (RAE)
2.6 Welche Faktoren verbessern ein Talent ?
3. Talentförderung in Deutschland
3.1 Die Relevanz von einer guten Förderung von Talenten
3.2 Förderstrukturen und Aufbau des DFB
3.3 Ausbildungsstufen des Deutschen Fußball Bundes
4. Kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Talentförderung
4.1 Statistik über Talent
4.2 Durchlässigkeit von Talenten
5. Ideen zur Verbesserung der Talentförderung in Deutschland
5.1 Kleinere Kader
5.2 Aufstockung des Trainerstabs
5.3 Kommunikation mit Talenten
5.4 Externe Nachwuchsliga
5.5 Kick and Rush
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das deutsche Talentförderungssystem im Fußball unter besonderer Berücksichtigung des Leistungsdrucks, der biologischen Entwicklungsunterschiede (Relative Age Effect) und struktureller Schwächen. Ziel ist es, konkrete Optimierungsvorschläge zu erarbeiten, um die Durchlässigkeit vom Jugend- in den Profibereich zu erhöhen und die individuelle Entwicklung junger Fußballer in den Vordergrund zu stellen.
- Der Einfluss von Leistungsdruck und Schmerzmittelmissbrauch im Nachwuchsfußball.
- Die theoretische Differenzierung zwischen statischen und dynamischen Talentbegriffen.
- Analyse des "Relative Age Effect" (RAE) und dessen Auswirkungen auf die Selektion.
- Strukturelle Bewertung des deutschen Talentförderungssystems des DFB.
- Innovative Lösungsansätze für Ausbildung, Kadergröße und Wettkampfformen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Leistungsdruck im Fußball
Es ist der 09.06.2020, als die ARD die Doku „Pillenkick – Schmerzmittelmissbrauch im Fußball“ ausstrahlt. Die Reportage zeigt auf wie viele Sportler im Profi- und aber auch Amateurbereich Medikamente zu sich nehmen, um ihre Leistung bringen zu können beziehungsweise überhaupt auf dem Platz stehen zu können. In den Ergebnissen der Sportschau sind es aus 1142 Spielern 47%, die regelmäßig Schmerzmittel konsumieren und 21%, welche einmal pro Monat Pillen einnehmen. Die Problematik dabei ist, dass ein regelmäßiger Schmerzmittelkonsum starke Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Betäubt man einen Schmerz zu lange, kann es passieren, dass der Körper an bestimmten Stellen kein Blutplasma mehr produziert. Die Folge: der Schmerz wird chronisch. Der bekannteste Fall zu Schmerzmittelkonsum im Fußball ist Ivan Klasnic. Bereits in der Saison 2004/2005 werden bei Klasnic immer schlechtere Nierenwerte festgestellt. Dennoch erhält er von seinem Teamarzt weiter das Schmerzmittel Diclofenac. Im Dezember 2006 steigt sein Kreatinwert auf ein neues Hoch. Da seine eigene Niere mit der Verarbeitung und Ausscheidung des Kreatins nicht mehr hinterherkommt, zieht Klasnic sich seiner ersten Nierentransplatation unter. Inzwischen ist Klasnic 40 Jahre alt, lebt mit seiner dritten Spenderniere und ist optisch von den vielen Operationen gezeichnet.
Später wird in der Ermittlung des Falls Klasnic in Gutachteraussagen das Medikament Diclofenac als Grund für den dramatischen Verlauf der Krankheit verantwortlich gemacht. In der Doku nehmen viele ehemalige Profis dazu Stellung, warum Spieler dennoch auch heute „Pillen wie Smarties“ einnehmen. Die Kernaussage – Leistungsdruck. Viel Druck entsteht durch den Spieler häufig selbst, da er auf seinem höchsten Niveau spielen möchte und lieber eine Woche mit betäubtem Schmerz spielt, als der Gefahr ausgesetzt zu sein, seinen Stammplatz zu verlieren. Weiterer Druck folgt vom Trainer, welcher seine Stammspieler stets so schnell wie möglich zur Verfügung haben möchte um seine eigenen Anforderungen und Ziele als Trainer zu erreichen. Diese Methoden sind nicht nur im Profigeschäft vorzufinden. Bereits in den Nachwuchsleistungszentren stehen Talente teilweise so unter Druck, dass sie zu solchen Hilfsmitteln greifen (2020, o.S.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet den Leistungsdruck und Schmerzmittelkonsum als Analogie für strukturelle Fehlentwicklungen und definiert das Ziel, den Druck in den NLZs zu verringern.
2. Was ist Talent ?: Theoretische Auseinandersetzung mit statischen und dynamischen Talentbegriffen sowie die Analyse der Faktoren für sportliche Begabung inkl. des Relative Age Effects.
3. Talentförderung in Deutschland: Detaillierte Darstellung der DFB-Förderstrukturen, von den Stützpunkten bis hin zu den Nachwuchsleistungszentren und Eliteschulen.
4. Kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Talentförderung: Kritik an der Überbetonung von Statistiken gegenüber echtem Talent und der mangelnden Durchlässigkeit für junge Spieler.
5. Ideen zur Verbesserung der Talentförderung in Deutschland: Vorstellung konkreter Maßnahmen wie Kaderverkleinerung, Athletiktrainer, externe Nachwuchsligen und die Abkehr vom "Kick and Rush".
Schlüsselwörter
Talentförderung, Nachwuchsleistungszentrum, DFB, Relative Age Effect, Leistungsdruck, Spielzeit, Ausbildung, Kadergröße, Nachwuchsfußball, Trainerqualität, Talentbestimmung, Kick and Rush, Professionalisierung, Fußballtraining, sportliche Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das aktuelle Talentförderungssystem in Deutschland, identifiziert kritische Schwachstellen im Umgang mit jungen Talenten und schlägt Reformansätze vor.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Talentdefinition, dem Einfluss des "Relative Age Effect", der Strukturierung der Nachwuchsausbildung durch den DFB und neuen Ideen zur Leistungsoptimierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung von Strategien zur Reduzierung des Leistungsdrucks auf Jugendliche und die Verbesserung der Durchlässigkeit vom Jugend- in den Profibereich.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung von Statistiken und Dokumentationen sowie der persönlichen Erfahrung des Autors im Jugendleistungsfußball.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Talents, die Darstellung bestehender DFB-Strukturen, eine kritische Hinterfragung der aktuellen Praxis und fünf praxisnahe Verbesserungsvorschläge.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Talentförderung, Relative Age Effect, Nachwuchsleistungszentren, Leistungsdruck und individuelle Spielerentwicklung.
Wie erklärt die Arbeit das Phänomen der "verlorenen" Talente?
Die Arbeit argumentiert, dass durch den "Relative Age Effect" und den Fokus auf kurzfristige statistische Erfolge (wie Körpergröße oder Statistiken) viele biologisch jüngere Talente nicht die nötige Spielzeit erhalten, um sich zu entfalten.
Welche konkrete Idee hat der Autor für die Spiele in der Jugend?
Der Autor schlägt unter anderem "externe Nachwuchsligen" vor, in denen Vereine ohne Abstiegsdruck agieren können, um den Spielern mehr Spielzeit und Trainern mehr Raum für taktisches Experimentieren zu bieten.
Warum lehnt der Autor den "Kick and Rush" Fußball ab?
Der Autor warnt davor, dass dieser rein physisch geprägte Spielstil nur kurzfristig erfolgreich ist und junge Spieler daran hindert, die für den Profibereich essenzielle technische Finesse zu erlernen.
- Arbeit zitieren
- Nureddin El Sayed (Autor:in), 2020, Betrachtung des Talentförderungssystem im deutschen Fußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1341977