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Deutsche Geschichte in Heiner Müllers "Germania Tod in Berlin". Literarische Konzepte der Katastrophen- und Gewalterfahrung

Titel: Deutsche Geschichte in Heiner Müllers "Germania Tod in Berlin". Literarische Konzepte der Katastrophen- und Gewalterfahrung

Bachelorarbeit , 2019 , 37 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christopher Trinks (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Angelehnt an Brechts Konzeption von einem Theater als „Lusthaus und Schreckenskammer“ schuf Heiner Müller eine extreme Dramaturgie, welche die bisherigen Wahrnehmungsmuster zur deutschen Geschichte infrage stellte. Nach Norbert Otto Eke zielte Müllers Theatergestaltung bewusst darauf ab, „die ,Gesellschaft an ihre Grenzen zu bringen‘, das ,Kontinuum der Normalität‘ aufzusprengen und den Zuschauer in Entscheidungssituationen zu bringen.“ Die vorliegende Arbeit untersucht eben jene literarischen Techniken, mit denen Müller sein Geschichtsdrama konzeptioniert. Vor dem Hintergrund der Einflüsse Walter Benjamins und Ernst Bloch auf Müllers geschichtsphilosophische Denkweise soll die folgende Analyse dabei hervorheben, auf welche Weise er Brechts pädagogisches Theater umsetzt und welches Deutschlandbild Müller aus der Historie zeichnet.

Unter dem Titel "Spielen Schriftsteller eine Rolle?" eröffnete Hans Magnus Enzensberger 1964/65 seine Gastdozentur an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Im Rahmen der Frankfurter Poetikvorlesungen befasste sich der deutsche Dichter und Publizist besonders mit der Rolle des Schriftstellers in der Gegenwart. Konkret ging es dabei um die Verantwortung und die Aufgabe, welche dieser als Beobachter und moralische Gewissensinstanz der gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Epoche wahrnehmen muss. Insbesondere der Frage, ob sich Literatur als Geschichtsschreibung überhaupt eigne, widmete Enzensberger eine ganze Vorlesung. Unter anderem verglich er dabei eine Beschreibung der sozialen Lage in Deutschland 1928 aus der Sicht des Historikers Golo Mann in seinem Werk Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz.

Auch der deutsche Dramatiker Heiner Müller setzte sich mit den Anforderungen einer literarischen Geschichtsschreibung auseinander. Anders als Enzensberger beließ er es jedoch nicht bei einer theoretischen Untersuchung, sondern rückte in seinen Theaterstücken die Vergangenheitsbewältigung in der deutschen Bevölkerung in den Fokus. Besonders in seinem 1971 fertig gestellten Stück "Germania Tod in Berlin" werden seine geschichtsphilosophischen Überzeugungen deutlich.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schriftsteller als Geschichtsschreiber – Hans Magnus Enzensberger

3. Heiner Müllers Geschichtsphilosophie

3.1 Autobiographische Wurzeln

3.2 Der Einfluss Walter Benjamins

3.3 Ernst Blochs Utopie bei Heiner Müller

4. Müllers Dramenkonzeption

4.1 Ein postmodernes Drama?

4.2 Exkurs: Das Müllersche Vorbild – Bertolt Brecht

5. Deskriptive Analyse

5.1 Struktur

5.2 Sprache

6. Inhaltliche Analyse

6.1 Motiv der Totenbeschwörung

6.2 Anachronismus

6.3 Intertextualität

6.4 Das Motiv der Gewalt

6.5 Das Deutschlandmotiv

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschichtsdrama Germania Tod in Berlin von Heiner Müller. Ziel ist die Analyse der literarischen Techniken und geschichtsphilosophischen Konzepte, durch die Müller die deutsche Geschichte als ein Panoptikum von Katastrophen und Gewalterfahrungen darstellt und dabei den Zuschauer zu einer aktiven, kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zwingt.

  • Geschichtsphilosophische Einflüsse (Benjamin, Bloch) auf das Werk Müllers
  • Strukturelle Besonderheiten und Montagetechnik im Drama
  • Analyse zentraler Motive: Totenbeschwörung, Gewalt und Deutschlandbild
  • Vergleich und Abgrenzung zu Bertolt Brechts didaktischem Theaterkonzept

Auszug aus dem Buch

3.1 Autobiographische Wurzeln

Eine Analyse von Müllers Dramaturgie-Konzeption in Germania Tod in Berlin kann bezüglich seiner Geschichtsauffassung jedoch nur dann Erkenntnisse offenbaren, wenn zuvor auch seine spezielle Denkweise, die als Grundlage seines literarischen Schaffens diente, umrissen werden konnte. Hierzu hilft zunächst ein Blick auf den biographischen Hintergrund seiner Person sowie auf einige geschichtsphilosophische Gedankengänge von Walter Benjamin und Ernst Bloch, an denen sich Müller orientierte und welche er in sein literarisches Geschichtsbild einbaute.

Von Beginn an war die Thematik der Geschichtsbewältigung zentral für Müllers Schaffensperiode. Waren sie in seinen früheren Werken noch geprägt vom sozialistischen Realismus, der sich mit den Härten und Umbrüchen der Alltagswirklichkeit der Nachkriegszeit befasste, widmete er sich nach der Eskalation um seine 1961 uraufgeführte Komödie Die Umsiedlerin und dem anschließenden Ausschluss aus dem Schriftstellerbund der DDR in den 60er-Jahren vermehrt der Adaption von Texten aus der Antike oder von Shakespeare, wie den Stücken Philoktet und Die Hamletmaschine, zu. Erst mit Germania Tod in Berlin kehrte Müller 1971 zu einem seiner Hauptaspekte zurück: Der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, in der Müller einen roten Faden der kontinuierlichen Gewaltexzesse und katastrophalen Entwicklungen herauskristallisiert. Besonders deutlich wird an diesem Stück, dass Müller den Faschismus der Jahre 1933 bis 1945 hierbei nicht als Endpunkt dieser Entwicklung betrachtet, sondern auch die Nachkriegsereignisse als Fortsetzung dieser Unglücksgeschichte zeichnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse sowie die Rolle des Schriftstellers als Geschichtsschreiber im Kontext von Enzensberger und Müller vor.

2. Schriftsteller als Geschichtsschreiber – Hans Magnus Enzensberger: Diskutiert die Gegenüberstellung von historischer Faktenorientierung und literarischer Deutungshoheit am Beispiel von Golo Mann und Alfred Döblin.

3. Heiner Müllers Geschichtsphilosophie: Erörtert die biographischen Prägungen Müllers sowie seinen theoretischen Rückgriff auf Walter Benjamin und Ernst Bloch.

4. Müllers Dramenkonzeption: Analysiert Müllers Abkehr vom klassischen Drama und die damit verbundene bewusste Distanzierung zu Brechts Lehrstück-Tradition.

5. Deskriptive Analyse: Beleuchtet die szenische Struktur und die extreme, auf Schockwirkung ausgerichtete Sprachgestaltung des Stücks.

6. Inhaltliche Analyse: Untersucht systematisch die zentralen Motive wie Totenbeschwörung, Anachronismus, Gewalt, Intertextualität sowie das Bild Deutschlands im Drama.

7. Fazit: Führt die Analyseergebnisse zusammen und begründet Müllers Inszenierung der deutschen Geschichte als bewusste Provokation zur kritischen Selbstreflexion.

Schlüsselwörter

Heiner Müller, Germania Tod in Berlin, Geschichtsphilosophie, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Postmoderne, Dramaturgie, Totenbeschwörung, Gewaltmotiv, Deutschlandbild, Vergangenheitsbewältigung, literarische Archäologie, Anachronismus, Intertextualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert das Drama Germania Tod in Berlin von Heiner Müller und beleuchtet, wie der Autor durch spezifische literarische Techniken und geschichtsphilosophische Bezüge eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte provoziert.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?

Zu den Hauptthemen zählen die Vergangenheitsbewältigung, die Kontinuität von Gewalt in der Historie und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Narrativen von der Antike bis in die DDR-Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Müllers Intention hinter der „Poetik des Schocks“ zu verstehen und aufzuzeigen, wie er den Rezipienten durch ein „offenes Denken“ zur kritischen Reflexion über Geschichte anregt.

Welche wissenschaftlichen Perspektiven bilden das Fundament?

Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf die Geschichtsphilosophien von Walter Benjamin (z.B. der „Engel der Geschichte“) und Ernst Bloch (Prinzip Hoffnung) sowie auf die Theaterkonzeptionen von Bertolt Brecht.

Was steht im Fokus der inhaltlichen Analyse?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit zentralen Stilmitteln wie Anachronismus, Intertextualität und einer gewaltgeladenen Sprache, die gemeinsam das Bild einer in Katastrophen verstrickten deutschen Bevölkerung zeichnen.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind u.a. literarische Archäologie, Doppelbildstruktur, Katastrophismus, dekonstruktivistische Dramaturgie und die Subjektivierung der Geschichtsauffassung.

Welche Bedeutung hat die „Doppelbildstruktur“ für den Leser?

Durch die Montage zeitlich weit entfernter Ereignisse, die sich in ihrer Struktur ähneln, möchte Müller verdeutlichen, dass Geschichte nicht linear verläuft, sondern in einem ständigen, oft gewaltvollen Wiederholungszwang gefangen bleibt.

Wie unterscheidet sich Müllers Theater von Brechts „Lehrstück“?

Während Brecht durch sein Theater explizit zur Erkenntnis und Meinungsbildung beitragen wollte, verweigert Müller geschlossene Antworten und setzt stattdessen auf Verstörung und die Provokation der eigenen Urteilskraft des Zuschauers.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Deutsche Geschichte in Heiner Müllers "Germania Tod in Berlin". Literarische Konzepte der Katastrophen- und Gewalterfahrung
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Christopher Trinks (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
37
Katalognummer
V1342442
ISBN (PDF)
9783346848123
ISBN (Buch)
9783346848130
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsche geschichte heiner müllers germania berlin literarische konzepte katastrophen- gewalterfahrung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christopher Trinks (Autor:in), 2019, Deutsche Geschichte in Heiner Müllers "Germania Tod in Berlin". Literarische Konzepte der Katastrophen- und Gewalterfahrung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1342442
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Leseprobe aus  37  Seiten
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