Mit der Frage, was den Menschen bewegt und motiviert, alltägliche oder extreme Leistungen zu bewältigen, beschäftigten sich viele Forscher. Dabei versuchten sie, anhand von Theorien zu erklären, warum der Mensch handelt bzw. nicht handelt. Manche begründen Handlungsweisen mit Hilfe biologisch-physiologischer Ansätze, denen zufolge Menschen von Hunger angetrieben werden, Nahrung zu suchen. Andere Ansätze begründen eine Handlungsausführung mit Instinkten oder Trieben. Neben persönlichkeitstheoretischen Ansätzen, welche die Individualität des Menschen mit seinen Eigenschaften, wie z. B. der Leistungsbereitschaft, berücksichtigen, entwickelten Forscher die kognitiv-handlungstheoretischen Ansätze. Danach ist der Mensch kein reagierendes sondern ein planendes, auf die Zukunft gerichtetes und sich entscheidendes Wesen. Eine bedeutende Frage dabei ist, inwieweit sich der Mensch beeinflussen und motivieren lässt, bestimmte Handlungen auszuführen.
In der Institution Schule, die auf Grund der Schulpflicht für die Schüler mit einem gewissen Zwang verbunden ist, spielt diese Frage im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden eine besondere Rolle. So sollen die Lernenden von der Institution Schule mit ihren Lehrenden auf das Leben vorbereitet werden, müssen dazu viele neue Sachverhalte lernen und ihre Lernleistung regelmäßig überprüfen lassen. Trotz dieses Zwangsverhältnisses lernen sie zuweilen durchaus motiviert und liefern manchmal gute und manchmal weniger gute Leistungen ab. Die Motivation wird dabei als ein maßgeblicher Faktor angesehen, die Lernenden zu schulischen Leistungen zu bewegen. Daraus ergibt sich die Frage, wie sie sich selbst motivieren und wie fremde Motivation ihren Leistungsprozess unterstützt. Dem Lehrenden obliegt dabei die Aufgabe, die Lern- und Leistungsbereitschaft bei den Lernenden zu fördern und zu erhöhen. Ziel dieser Seminar ist es, anhand von empirischen Erkenntnissen zu zeigen, welchen Einfluss der Lehrende als extrinsischer Motivator auf die Leistungsmotivation der Lernenden haben kann und welche Konsequenzen sich aus den Erkenntnissen für seinen Unterricht und für ihn selbst ergeben. Im folgenden werden Begriffe (Motivation, Motiv etc) definiert, detailiert auf die Verstärkungstheorie und kognitive Theorie erläutert und auf die Rolle des Lernenden eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Motivationstheorien
2.1.1 Verstärkungstheorien
2.1.2 Kognitive Theorien
2.2 Empirische Untersuchungen von Einflussfaktoren auf die Leistungsmotivation
2.2.1 extrinsische Einflussfaktoren
2.2.1.1 Ursachenzuschreibung der Lehrenden
2.2.1.2 Erwartungen der Lehrenden
2.2.1.3 Bekräftigung
2.2.1.4 Unterrichtsimpulse
2.2.1.5 Veranschaulichung und Medien
2.2.2 intrinsische Einflussfaktoren
2.2.2.1 Interesse und Selbstbestimmung
3 Abschlussteil
3.1 Fazit
3.1.1 Zusammenfassung der Ergebnisse: Der Einfluss des Lehrenden als extrinsischer Motivator auf die Leistungsmotivation der Lernenden
3.1.2 Konsequenzen für das Verhalten des Lehrenden im Unterricht
3.1.3 Konsequenzen für den Lehrenden selbst
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Einfluss des Lehrenden als extrinsischen Motivator auf die Leistungsmotivation von Lernenden im schulischen Kontext unter Berücksichtigung verschiedener psychologischer Theorien und empirischer Erkenntnisse.
- Motivationstheorien (Verstärkungs- und kognitive Theorien)
- Extrinsische Einflussfaktoren wie Ursachenzuschreibung, Erwartungen und Lob/Tadel
- Die Rolle von Unterrichtsimpulsen und Medieneinsatz bei der Lernmotivation
- Bedeutung von Interesse und Selbstbestimmung als intrinsische Faktoren
- Pädagogische Konsequenzen für das Verhalten und das Selbstverständnis von Lehrenden
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Kognitive Theorien
Kognitive Theorien werden mit Denkprozessen in Verbindung gebracht. Sie erklären, wie eine Person sich und die Umwelt wahrnimmt und wie diese Informationen verarbeitet werden. Kognitive Theorien wurden anhand menschlicher Probanden entwickelt und gehen immer von der subjektiven Wahrnehmung der Person aus. Die Theorien lassen sich folgendermaßen unterscheiden: der kognitive Trieb nach AUSUBEL, das Leistungsmotiv nach McCLELLAND, das Anreizmotiv nach ATKINSON und das Motiv nach Vermeidung kognitiver Dissonanz nach FESTINGER.
Von zentraler Bedeutung ist für HECKHAUSEN die Erwartung, die mit dem Gütemaßstab verbunden ist und die entweder erfüllt oder nicht erfüllt wird. Entsprechend des eingetretenen Handlungsresultats treten Gefühle wie Freude oder Ärger auf. HECKHAUSEN entwickelte McCLELLANDs Messinstrument weiter, indem er die Faktoren „Erfolg“ und „Misserfolg“ in die Messung mit aufnahm. Anhand der Daten ermittelte HECKHAUSEN Variablen persönlichkeitsspezifischer Natur, mit denen sich die Leistungsmotivation errechnen ließ.
Die Leistungsmotivation, als deren Pionier D.C. McCLELLAND gilt, wird seit 1940 erforscht. Um die Leistungsmotivation zu erforschen, entwickelte McCLELLAND ein Messinstrument, welches Erkenntnisse in Bezug auf Bedürfnisse und Zielerwartungen liefern sollte. Dabei charakterisiert McCLELLAND Leistungsmotivation als Leistungsbedürfnis, worunter er jede Auseinandersetzung mit einem Gütemaßstab versteht. Dieser Gütemaßstab kann durch Konflikte mit anderen, durch das Setzen eigener oder durch das Imitieren fremder Maßstäbe bestimmt werden. Seine Forschungsergebnisse und -ansätze wurden von ATKINSON und HECKHAUSEN übernommen, untersucht und weiterentwickelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Leistungsmotivation im schulischen Kontext ein und formuliert das Ziel der Arbeit, den Einfluss des Lehrenden als extrinsischen Motivator zu untersuchen.
2 Hauptteil: Der Hauptteil erläutert theoretische Grundlagen der Motivation und analysiert empirisch extrinsische sowie intrinsische Faktoren, die die Leistungsmotivation beeinflussen können.
2.1 Motivationstheorien: Dieses Kapitel stellt verschiedene psychologische Erklärungsansätze für motiviertes Verhalten vor, unterteilt in Verstärkungs- und kognitive Theorien.
2.1.1 Verstärkungstheorien: Hier werden behavioristische Ansätze behandelt, die Verhalten als Reaktion auf äußere Reize und Verstärkungen erklären.
2.1.2 Kognitive Theorien: Dieser Abschnitt fokussiert auf Denkprozesse und die subjektive Wahrnehmung der Person als zentrale Elemente der Motivation.
2.2 Empirische Untersuchungen von Einflussfaktoren auf die Leistungsmotivation: Dieses Kapitel verknüpft theoretische Erkenntnisse mit empirischen Befunden zu motivationsfördernden Faktoren im Unterricht.
2.2.1 extrinsische Einflussfaktoren: Hier werden externe Instrumente des Lehrenden, wie etwa Bewertungen oder Impulse, auf ihre motivierende Wirkung hin untersucht.
2.2.1.1 Ursachenzuschreibung der Lehrenden: Das Kapitel thematisiert, wie die Attribution von Leistungen durch die Lehrkraft die Motivation der Schüler beeinflusst.
2.2.1.2 Erwartungen der Lehrenden: Es wird die Wirkung von Lehrererwartungen, insbesondere der Pygmalion-Effekt, auf die Leistungen der Lernenden erörtert.
2.2.1.3 Bekräftigung: Dieser Teil befasst sich mit der Wirksamkeit von Lob und Tadel als verbale Methoden der Motivationssteuerung.
2.2.1.4 Unterrichtsimpulse: Es wird analysiert, wie verbale Anstöße des Lehrers im Unterricht den Lernprozess und die Motivation vorantreiben können.
2.2.1.5 Veranschaulichung und Medien: Dieses Kapitel beleuchtet die Bedeutung von Anschauungsmaterialien und technischer Medien für das Interesse und die Lernmotivation.
2.2.2 intrinsische Einflussfaktoren: Hier wird der Fokus auf die innere Antriebskraft des Lernenden, insbesondere durch Interesse und Selbstbestimmung, gelegt.
2.2.2.1 Interesse und Selbstbestimmung: Dieser Abschnitt beschreibt, wie echtes Interesse und Autonomie die nachhaltigste Form der Motivation darstellen.
3 Abschlussteil: Der abschließende Teil fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und zieht pädagogische Schlussfolgerungen für die Lehrpraxis.
3.1 Fazit: Das Fazit resümiert die wesentlichen Erkenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen extrinsischer Motivation durch den Lehrenden.
3.1.1 Zusammenfassung der Ergebnisse: Der Einfluss des Lehrenden als extrinsischer Motivator auf die Leistungsmotivation der Lernenden: Hier werden die zentralen Ergebnisse zur Rolle des Lehrenden nochmals kompakt zusammengeführt.
3.1.2 Konsequenzen für das Verhalten des Lehrenden im Unterricht: Dieses Kapitel leitet konkrete Handlungsempfehlungen für die Gestaltung des Unterrichts ab.
3.1.3 Konsequenzen für den Lehrenden selbst: Abschließend wird auf das Selbstverständnis und die psychische Entlastung der Lehrkraft bei der Motivationsarbeit eingegangen.
Schlüsselwörter
Leistungsmotivation, Motivationstheorien, extrinsische Motivation, intrinsische Motivation, Lehrende, Lernende, Ursachenzuschreibung, Lehrererwartung, Bekräftigung, Lob und Tadel, Unterrichtsimpulse, Veranschaulichung, Medien, Selbstbestimmung, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Lehrende durch extrinsische Maßnahmen die Leistungsmotivation von Schülern im Schulalltag beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen Motivationstheorien, der Einfluss von Lehrerverhalten (Lob, Tadel, Erwartungen) sowie die Rolle von Medien und Unterrichtsimpulsen bei der Motivationsförderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis empirischer Erkenntnisse aufzuzeigen, wie Lehrende ihre Schüler effektiv motivieren können und welche Konsequenzen sich daraus für ihr eigenes Handeln ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf einer Zusammenführung und Analyse zahlreicher empirischer Studien aus der motivationspsychologischen Forschung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Motivationskonzepte und eine differenzierte Betrachtung spezifischer Einflussfaktoren, von der Ursachenzuschreibung bis zur Medieneinsatzplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Schlagworte sind Leistungsmotivation, extrinsische vs. intrinsische Faktoren, Lehrerrolle, pädagogische Praxis und Motivationsförderung.
Wie bewertet die Arbeit den Einsatz von Lob und Tadel?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Lob und Tadel komplexe Wirkungen haben, die stark von der individuellen Situation und der Interpretation durch den Schüler abhängen, weshalb sie nicht als einfache "Wundermittel" zur Motivationssteigerung zu verstehen sind.
Welche Rolle spielt die Selbstbestimmung für die Lernmotivation?
Selbstbestimmung gilt als Kern der intrinsischen Motivation; die Arbeit betont, dass Lehrkräfte zwar Rahmenbedingungen schaffen können, aber den Schülern Freiräume zur eigenen Entfaltung lassen müssen, um echte Eigenmotivation zu ermöglichen.
Wie soll ein Lehrender mit dem Scheitern von Motivationsversuchen umgehen?
Die Arbeit empfiehlt, das Nichterreichen aller Schüler nicht als persönliche Niederlage zu sehen, da viele unvorhersehbare Faktoren wie Tagesform oder individuelle Wahrnehmung eine Rolle spielen.
Was ist das Fazit bezüglich der verschiedenen Motivationsmethoden?
Das Fazit lautet, dass extrinsische Motivationsmethoden nur unterstützend eingesetzt werden sollten, wenn die intrinsische Motivation nicht ausreicht, wobei der Fokus stets auf dem Aufbau echter Lernfreude liegen sollte.
- Quote paper
- Christian Bodenstein (Author), 2009, Leistungsmotivation und die Rolle des Lehrenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134258