Die folgende Hauptseminarsarbeit beschäftigt sich unter besonderer Berücksichtigung der Weltwirtschaftskrise 1929 mit der instabilen Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den Jahren von 1923 bis 1932. Den Schwerpunkt dieser Arbeit soll die vom damals amtierenden Reichskanzler Heinrich Brüning (1930-1932) verfolgte „Deflationspolitik“, zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Krise in Deutschland, bilden. Durch eine strukturierte Darstellung soll so der Zusammenhang von sowohl wirtschaftlicher, sozialer, als auch politischer Entwicklung aufgezeigt werden. Der Schlußteil dieser Arbeit soll dann durch eine kurze Bewertung der brüningschen „Deflationspolitik“ durch Stimmen aus der gegenwärtigen Forschung abgerundet werden.
Im ersten Teil dieser Arbeit wird zunächst auf die Ausgangslage Deutschlands, wie sie sich vor Beginn und mit Einbruch der Weltwirtschaftskrise zeigte, eingegangen werden. Es scheint mir richtig, mit der Beendigung der Inflation zu beginnen, denn bereits hier werden Wege eingeschlagen, welche für die weiter verlaufende Entwicklung maßgeblich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangssituation: wirtschaftliche und sozialpolitische Aspekte
2.1 Stabilisierung der Währung
2.2 Der Dawes-Plan
2.3 Wirtschaftliche Entwicklung in den Goldenen Zwanziger Jahre
2.4 Der Young-Plan
3. Weltwirtschaftskrise
4. Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise
4.1 Verschärfung der Bankkrise
4.2 Wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft
5. Regierung Brüning
5.1 Bildung der Regierung Brüning
5.2 Ziele und Maßnahmen seiner Deflationspolitik
5.3 Notverordnungen
6. Folgen der brüningschen Sparmaßnahmen
6.1 Wirtschaftliche Auswirkungen
6.2 Sozial- politische Auswirkungen
7. Scheitern der Regierung Brüning
8. Schlußbetrachtung
Bewertung der brüningschen Deflationspolitik
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die instabile wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im Zeitraum von 1923 bis 1932 und analysiert dabei kritisch die von Reichskanzler Heinrich Brüning verfolgte Deflationspolitik zur Bewältigung der Weltwirtschaftskrise sowie deren sozioökonomische und politische Konsequenzen.
- Die wirtschaftliche Ausgangslage Deutschlands vor und während der Weltwirtschaftskrise.
- Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf das Bankensystem und die Landwirtschaft.
- Die Ziele, Maßnahmen und die Umsetzung der brüningschen Deflationspolitik.
- Die wirtschaftlichen und sozialpolitischen Folgen der drastischen Sparmaßnahmen.
- Der Zusammenhang zwischen der Krisenpolitik und der politischen Radikalisierung in der Weimarer Republik.
Auszug aus dem Buch
2.1 Stabilisierung der Währung
1923 zeigte sich deutlich, daß die alte Währung (Mark) nicht mehr funktionierte. Es war zu einer erheblichen Geldentwertung gekommen, daß zum einen Bargeld so schnell wie möglich in Sachgüter umgesetzt und zum anderen Sachgut nur noch mit Sachgut getauscht wurde. Mit dem Plan zur Stabilisierung der Währung, den Reichswährungskommissar Hjalmar Schacht und Finanzminister Hans Luther 1923 ausgearbeitet hatten, wurde die deutsche Rentenbank gegründet (Grundkapital 3,2 Mrd. Rentenmark) und die Rentenmark, die an die Goldmark gekoppelt wurde, eingeführt. Die Rentenmark wurde nicht zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel, sondern war eine Übergangslösung, zu deren Annahme Privatleute nicht, wohl aber öffentliche Kassen verpflichtet waren. Auf diese Weise sollte das Geldvolumen (für eine Billion deutsche Mark wurde eine Rentenmark ausgegeben) reduziert werden. Langfristig wurde eine Stabilisierung der Währung aber erst dadurch möglich, daß man zusätzlich den Geldstrom, der von der Reichsbank ausgehend über die öffentlichen Kassen in den volkswirtschaftlichen Kreislauf gelangte, unterband.
Die Reichsbank erhielt einen Kredit über 1,2 Mrd. Rentenmark, wovon allein 0,3 Mrd. zur Beseitigung öffentlicher Schulden verwendet wurden, denn eine Stabilisierung der Staatsfinanzen war für die Einführung einer neuen stabil bleibenden Währung unumgängliche Voraussetzung. Da man das Kreditvolumen der Reichsbank einschränkte, konnten nicht mehr Kredite ausgegeben, als auch zurückgezahlt werden.
Als eine Stabilisierung erreicht war, wurde als gesetzliches Zahlungsmittel die Reichsmark [RM] eingeführt, welche im Verhältnis 1:1 (1 Rentenmark = 1 Reichsmark) ausgegeben wurde. Bis die vorhandenen Währungen (Mark und Rentenmark) vollständig in die neue, gültige Währung (Reichsmark) umgetauscht waren, befanden sich somit drei (!) Währungen im Umlauf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der schwierigen Rahmenbedingungen der Weimarer Republik nach 1918 und Einführung in die Zielsetzung der Arbeit.
2. Ausgangssituation: wirtschaftliche und sozialpolitische Aspekte: Analyse der Währungsstabilisierung, des Dawes-Plans, der wirtschaftlichen Entwicklung der 1920er Jahre und des Young-Plans.
3. Weltwirtschaftskrise: Erläuterung des Ausbruchs der Krise und der damit verbundenen allgemeinen Panik, die den labilen wirtschaftlichen Zustand Deutschlands verschärfte.
4. Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise: Untersuchung der Bankenkrise und der schwierigen Lage der Landwirtschaft unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise.
5. Regierung Brüning: Behandlung der Regierungsbildung unter Brüning sowie der theoretischen Ansätze und der gesetzgeberischen Umsetzung seiner Deflationspolitik.
6. Folgen der brüningschen Sparmaßnahmen: Analyse der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen und der tiefgreifenden sozialpolitischen Belastungen für die Bevölkerung.
7. Scheitern der Regierung Brüning: Darstellung der politischen Differenzen zwischen Brüning und Hindenburg, die zum Ende der Regierung führten.
8. Schlußbetrachtung: Kritische Bewertung der brüningschen Politik hinsichtlich ihrer Ziele, der verpassten Alternativen und ihrer Rolle bei der Destabilisierung der Weimarer Republik.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Weltwirtschaftskrise, Heinrich Brüning, Deflationspolitik, Reparationen, Young-Plan, Bankenkrise, Landwirtschaft, Sparmaßnahmen, Notverordnungen, Radikalisierung, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die deutsche Wirtschaftspolitik während der Weltwirtschaftskrise und untersucht dabei insbesondere das Handeln der Regierung unter Reichskanzler Heinrich Brüning.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Weimarer Republik, die Auswirkungen der globalen Krise auf Deutschland und die spezifischen Auswirkungen der Deflationspolitik auf Wirtschaft und Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der staatlichen Finanzpolitik, der ökonomischen Verschlechterung und der daraus resultierenden politischen Radikalisierung in Deutschland zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine strukturierte Darstellung historischer Entwicklungen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen und forschungsgeschichtlichen Einschätzungen der brüningschen Politik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ausgangslage, die Analyse der Krisenauswirkungen auf Banken und Landwirtschaft, die Erläuterung der Sparmaßnahmen Brünings und deren Folgen für die Bevölkerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Weimarer Republik, Weltwirtschaftskrise, Deflationspolitik, Heinrich Brüning und politische Radikalisierung.
Warum war der Young-Plan für die deutsche Regierung so bedeutsam?
Die Regierung erhoffte sich durch die Revision der Reparationslasten im Young-Plan mehr finanzielle Selbständigkeit und eine Räumung des Rheinlands, auch wenn Deutschland dadurch langfristig stärker an die Zahlungen gebunden wurde.
Wie wirkte sich die Deflationspolitik auf den sozialen Frieden aus?
Die Politik der Lohnsenkungen und Sparmaßnahmen löste Massenarbeitslosigkeit, Kaufkraftverlust und sozialen Unmut aus, was den Nährboden für radikale politische Kräfte, insbesondere die Nationalsozialisten, bereitete.
Hätte die Regierung Brüning eine andere Wahl gehabt?
In der Forschung wird diskutiert, ob Brüning durch ein aktives Arbeitsbeschaffungsprogramm statt der strikten Deflationspolitik eine wirtschaftliche Erholung hätte fördern und die politische Destabilisierung hätte verhindern können.
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- MA Ariane Jäger (Author), 2006, Wirtschaftspolitik in der Krise: Das Problem der Deflationspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134274