Es gibt Modewörter, die verschwinden genauso schnell, wie sie gekommen sind. So dachte man vielleicht auch schon vor Jahrzehnten über den Begriff „Kreativität“. Nur hält sich dieses Modewort seit Jahrzehnten in unserem Sprachgebrauch, sodass man kaum noch von einem Modewort sprechen kann und es scheint, als ob die Hochkonjunktur noch gar nicht erreicht sei. Es vergeht kaum ein Monat, ohne dass ein Politiker in den Nachrichten mit Nachdruck mehr "Kreativität" in deutschen Schulen fordert. Ja, es wird sogar in unserem doch so arg gebeutelten Schulsystem nach PISA und anderen "Tests" von „Kreativitätsförderung“ gesprochen.
Die "Kreativitätswelle" bringt einige Probleme mit sich. Wer oder Was ist denn eigentlich kreativ? Was steckt hinter "Kreativität"? Zwei Pädagogen aus den neuen Ländern, Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn, beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit dem Begriff der "Kreativität". Sie gründeten 1997 in Leipzig ihre erste „Kreativitätsschule“ für Schüler, wo Fächer wie „Entedecken, Erfinden, Erforschen“ oder „Schach“ auf dem Stundenplan stehen. Ziel sei es, die Kreativität von Kindern zu fördern.
In dieser Arbeit wird der Begriff "Kreativität" näher untersucht: Nach einer kurzen wissenschaftlichen Diskussion und Definition von "Kreativität" werden die Kreativitätsschulen der Mehlhorns (s. o.) kritisch beäugt: Wie und Was wird unterrichtet? Welches sind die Leitfäden der Kreativitätsschulen? Wie sieht die Infrastruktur einer solchen Schule aus? Diese Reflexion nimmt die Kreativitätsschulen sowohl aus subjektiver als auch aus wissenschaftlicher Sicht unter die Lupe und geht so der Frage nach, ob Kreativität lern- bzw. lehrbar ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kreativität – ein schillernder Begriff
2.1 Versuch einer Definition
3. Kreativitätsschule: Die BIP-Schule
3.1 Was wäre wenn... Eine Idee nimmt ihren Lauf: Das Leipziger Projekt
3.2 Die BIP-Schulen heute – Vorstellung eines Schulkonzeptes
3.3 Erfolge und Ergebnisse der BIP-Schule
3.4 Standorte BIP-Einrichtungen sowie Lehrerausbildung
4. Kritik
4.1 Kritik der Autoren an den BIP-Schulen
4.2 Ist Kreativität le(h)r (n)bar?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der sogenannten Kreativitätsschulen des Ehepaares Mehlhorn und analysiert kritisch, ob und inwiefern der Begriff der Kreativität in diesem pädagogischen Modell tatsächlich gefördert oder lediglich durch effizienzorientierte Lernstrategien ersetzt wird.
- Grundlagen und Etymologie des Kreativitätsbegriffs
- Historische Entwicklung und pädagogisches Konzept der BIP-Schulen
- Kritische Reflexion der pädagogischen Methoden und elitären Ausrichtung
- Neurobiologische und kognitionspsychologische Perspektiven auf die Lernbarkeit von Kreativität
Auszug aus dem Buch
3.1 Was wäre wenn...Eine Idee nimmt ihren Lauf: Das Leipziger Projekt
Die Gründer der BIP-Schulen sind Hans-Georg Mehlhorn und seine Frau Gerlinde Mehlhorn. BIP steht für Begabung, Intelligenz, Persönlichkeit. Bereits zu DDR-Zeiten beschäftigte sich das Ehepaar Mehlhorn mit Kreativität. Hans Georg Mehlhorn (Jahrgang 1940) studierte in den 60er Jahren Pädagogik, Geschichte und Germanistik in Leipzig. Dort fertigte er auch zusammen mit seiner Frau eine Habilitationsschrift über Kreativität und Begabung an. Doch die Leipziger Universität verweigerte aus politischen Gründen die Annahme dieser Arbeit. Davon ließen sich die Mehlhorns aber nicht entmutigen. Sie forschten weiter und befragten die hellsten Köpfe des Arbeiter- und Bauernstaates nach ihrer Kindheit. Dabei kam heraus, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Kreativität und geistiger Höchstleistung bestehe: Kreative Persönlichkeiten wuchsen stets „in einem anregenden geistig-kulturellen Klima“ auf. Solche Persönlichkeiten malten in ihrer Kindheit z. B. viel, sie musizierten oder experimentierten in unterschiedlichster Weise. Das Ehepaar Mehlhorn stellte sich die Frage, was passieren würde, wenn alle Kinder so stimuliert würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Popularität des Begriffs Kreativität im Bildungswesen und führt in die Fragestellung zur Arbeit der Mehlhorns ein.
2. Kreativität – ein schillernder Begriff: Dieses Kapitel widmet sich der etymologischen und begrifflichen Herleitung sowie den theoretischen Dimensionen von Kreativität.
2.1 Versuch einer Definition: Hier wird der Versuch unternommen, eine praktikable Definition von Kreativität für die Zwecke dieser Arbeit zu extrahieren, wobei Persönlichkeit, Prozess und Produkt unterschieden werden.
3. Kreativitätsschule: Die BIP-Schule: Das Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über die Gründung und Struktur der BIP-Schulen.
3.1 Was wäre wenn... Eine Idee nimmt ihren Lauf: Das Leipziger Projekt: Es wird der Ursprung der BIP-Idee in der DDR und das darauf aufbauende Leipziger Forschungsprojekt beschrieben.
3.2 Die BIP-Schulen heute – Vorstellung eines Schulkonzeptes: Vorstellung der aktuellen praktischen Umsetzung des BIP-Konzepts, inklusive Fächerkanon und Tagesstruktur.
3.3 Erfolge und Ergebnisse der BIP-Schule: Zusammenstellung der empirischen Erfolge und Bildungsbiografien der Schüler im BIP-Modell.
3.4 Standorte BIP-Einrichtungen sowie Lehrerausbildung: Überblick über die Verbreitung der BIP-Standorte und die Ausbildung zum Kreativitätspädagogen.
4. Kritik: Ein kritischer Diskurs über die Methoden und die philosophische Grundhaltung der BIP-Schulen.
4.1 Kritik der Autoren an den BIP-Schulen: Die Autoren reflektieren subjektiv Aspekte wie Elitenförderung, Disziplinierungsmethoden und den Umgang mit Leistungsdruck.
4.2 Ist Kreativität le(h)r (n)bar?: Eine wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung mit der Lehrbarkeit von Kreativität unter Einbeziehung neurobiologischer Erkenntnisse.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Konzepts mit dem Ergebnis, dass der Name „Kreativitätsschule“ kritisch zu hinterfragen bleibt.
Schlüsselwörter
Kreativität, Kreativitätsschulen, BIP-Schulen, Mehlhorn, Begabtenförderung, Pädagogik, Lernbarkeit, Schule, Bildung, Kognition, Leistungsfähigkeit, Elitenförderung, Hirnforschung, Intelligenz, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung, dem Konzept und der kritischen Bewertung der sogenannten BIP-Schulen, die eine spezielle Form der Kreativitätsförderung praktizieren.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Klärung von Kreativität, der Vorstellung des BIP-Schulkonzepts, der kritischen Reflexion pädagogischer Methoden und einer wissenschaftlichen Diskussion zur Lernbarkeit von Kreativität.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Autoren?
Die Autoren hinterfragen, ob die BIP-Schulen tatsächlich „Kreativität“ fördern oder ob es sich bei dem Begriff eher um eine Marketingbezeichnung für ein effizientes, aber rigides Leistungskonzept handelt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse, dem Studium von Projektberichten sowie einer kritischen Gegenüberstellung pädagogischer und neurobiologischer Erkenntnisse basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Publikation im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Mehlhornschen Schule (Konzept, Ziele, Ergebnisse) sowie einen ausführlichen kritischen Teil, der sowohl die eigene subjektive Sicht der Autoren als auch den wissenschaftlichen Diskurs (u.a. von Franz Weinert und Gerhard Roth) umfasst.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit essenziell?
Besonders relevant sind die Begriffe Kreativitätspädagogik, BIP (Begabung, Intelligenz, Persönlichkeit), Elitenförderung, divergentes Denken und die Unterscheidung zwischen dem kreativen Prozess und der Arbeitsproduktivität.
Wie bewerten die Autoren die Disziplinierungsmethoden an den BIP-Schulen?
Die Autoren äußern deutliche Kritik an Methoden, bei denen Kinder beauftragt werden, Störungen im Unterricht zu protokollieren, da sie darin eine unangemessene pädagogische Kontrolle sehen, die dem eigentlichen Ziel der freien Entfaltung entgegensteht.
Welche Rolle spielt die Hirnforschung im Diskurs der Autoren?
Die Hirnforschung dient als Kontrastpunkt zur pädagogischen Euphorie der BIP-Schulen; sie mahnt zur Vorsicht bei der Behauptung, Kreativität sei beliebig lehr- und trainierbar, da neurobiologische Prozesse komplex und nur begrenzt beeinflussbar seien.
Was ist das „Kreativitätszeugnis“ in den BIP-Schulen?
Neben dem regulären Zeugnis für Lehrplanfächer erhalten Schüler ein zweites Zeugnis, das ihre Leistungen in den spezifischen „Kreativitätsfächern“ wie EEE (Entdecken, Erfinden, Erforschen), Musik oder Schach bewertet.
Kommt die Arbeit zu einer abschließenden Empfehlung für das staatliche Schulsystem?
Die Autoren erkennen zwar die Erfolge der BIP-Schulen an, betonen jedoch, dass der Name „Kreativitätsschule“ irreführend ist und viele der dortigen Ansätze theoretisch auch in staatlichen Schulen umsetzbar wären, sofern der Fokus auf einer intelligenten Wissensbasis und einer anregenden Umgebung liegt.
- Quote paper
- Björn Hochmann (Author), Jennifer Schridde (Author), 2007, Kreativitätsförderung am Beispiel der BIP-Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134280