Die Jagd in der frühen Neuzeit

Bäuerliches Leid – herrschaftliche Machtdemonstration


Hausarbeit, 2009
15 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Schwerpunkt der Arbeit
1.2 Forschungsstand

2. Die Jagdverhältnisse im frühen Mittelalter
2.1 Das allgemeine Jagdrecht der Bevölkerung
2.1.1 Der Forstbann
2.1.2 Der Wildbann
2.2 Die Regalien

3. Die Jagd als exklusives Vergnügen
3.1 Die Bedeutung der Jagd für den Adel

4. Die Belastungen des exklusiven adligen Jagdrechts auf die Bauern
4.1 Die Auswirkungen für die Bauern
4.1.1 Frondienste
4.1.2 Flurschäden

5. Schluss

6. Literaturliste

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Schwerpunkt der Arbeit

Die Jagd wird von dem Zeitpunkt an, an dem sie nicht mehr als eine lebenserhaltende Notwendigkeit angesehen wird, vor allem von den Privilegierten ausgeübt. Die Auseinandersetzungen und Interessenskonflikte zwischen bäuerlichen Bevölkerung und Adel haben sich seit dem Mittelalter, im Bezug auf die Jagd, verschärft. Regelungen und Verbote seitens des Adels an die Bauern häuften sich und erschwerten ein friedliches Zusammenleben.

Der Themenschwerpunkt, weshalb sich der Adel das Vorrecht zur Jagd sicherte und welche Belastungen die Untertanen dadurch erdulden mussten, sollen in der vorliegenden Arbeit untersucht werden. Ich versuche einen Überblick zu geben, auf welche Ansprüche sich das Jagdrecht gründete, warum der Adel es für sich in Anspruch nahm und wie es sich in der frühen Neuzeit entwickelte.

Die Bedeutung der Jagd für den Adel und welche Interessen mit der Durchführung verfolgt werden, soll ebenso behandelt werden, wie die mit der Jagd verbundenen Belastungen, wie Frondienste und Wildschäden.

Die verschiedenen Jagdmittel und der genaue Aufbau einer Jagd werden hier nur nebenbei betrachtet. Die verschiedenen Formen und Ausprägungen von Jagdarten werde ich nicht weiter beleuchten.

1.2 Forschungsstand

Das Themengebiet „Die herrschaftliche Jagd“ ist in der geschichtswissenschaftlichen Literatur bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts nur einseitig betrachtet worden. Die Jagdgeschichte wurde des Öfteren im Zusammenhang mit der Forstgeschichte untersucht. Durch diese Untersuchungen entstanden eine Menge Handbücher, die in einem Band das Gebiet der Jagd – und Forstgeschichte zusammenfassten.[1]

In der geschichtlichen Jagdforschung lag der Schwerpunkt in wissenschaftlichen Monographien auf dem Jagdrecht. Zwar wurden die historischen Bedeutungen dieses Rechts hervorgehoben, aber kein wissenschaftliches Schrifttum erörterte und/oder untersuchte die Auswirkungen im Bezug auf die sozialökonomischen Grundlagen und Auswirkungen für die Bauern. Die herrschaftliche Jagd wurde nach der deutschen Nationalversammlung 1848/49 in der Geschichtswissenschaft nur noch als eine Randerscheinung betrachtet.

Der Jagdforscher Hans Wilhelm Eckhardt meint, dass es keine wissenschaftlich übergreifenden Untersuchungen der Thematik Jagd stattfanden. Selbst Untersuchung des Bauernkrieges, in welchem sehr wohl heftige Diskussionen über die Jagdprivilegien des Adels stattfanden, fehlen.[2]

Die Rede von Professor Dr. Anton Bühler, aus dem Jahr 1911, „Wald und Jagd zu Anfang des 16. Jahrhunderts und die Entstehung des Bauernkrieges“, gehalten am Geburtsfest seiner Majestät des Königs Wilhelm II. von Württemberg, gab ebenfalls Aufschluss über die fehlende Literatur: „[…] Es entstand der Bauernkrieg von 1525. Über seine Ursache ist eine reiche Literatur vorhanden; in dieser ist jedoch die Bedeutung der Orderung der Bauern, soweit sie sich auf Wald und Jagd beziehen, nicht genügend berücksichtig worden.“[3]

Die heutige Jagdforschung ist jedoch auch nicht besonders ausgeprägter, dies lässt sich an den wenig erschienen Werken zu diesem Themenkomplex festmachen. Unverständlich ist dies, da die Jagd im direkten Zusammenhang mit den zahlreichen Konflikten, die der Adel mit dem dritten Stand hatte, steht. Exemplarisch für die Zeit des Früh- und Hochmittelalters bilden die Quellen, Chroniken, Annalen und Urkunden eine dünne Quellenlage für historische Untersuchungen. Ab dem Spätmittelalter sieht die Quellenlage weit aus günstiger aus, als in der vorhergehenden Zeit.

Man kann auf ein beachtliches Fachschrifttum der Jagd zurückgreifen: Jagdbücher und Jagdtraktate geben Auskunft über verschiedenste Jagdtechniken, Jagdarten und Gebräuche, sowie die Gewohnheiten der Jäger.[4]

2. Die Jagdverhältnisse im frühen Mittelalter

2.1 Das allgemeine Jagdrecht der Bevölkerung

Die germanischen Stämme besassen das allgemeine Recht für ihre Existenzsicherung jagen zu dürfen. Durch das Sesshaftwerden der Menschen nahm die Nutzung des Ackerbaus und der Viehzucht stetig zu, die Jagd als Nahrungsquelle nahm indessen ab.

Es entstanden neue Lebenssituationen für die Menschen dieser Zeit. Dadurch verlor die Jagd im alltäglichen Leben an Bedeutung. In der frühesten Zeit galt die Jagd als Schutz vor Raub- und Wildtieren, Beschaffung von Fleischnahrung und als Erwerbsquelle von Tierhäuten und Pelzen, um daraus Kleidung herstellen zu können.[5]

Die erste rechtliche Einengung erfuhr die freie Jagd mit der beginnenden Einforstung durch die Merowingerkönige und ihrer Nachfolger.[6]

2.1.1 Der Forstbann

Hans Wilhelm Eckhardt unterteilt früh die Wälder, um den Verlauf des allgemeinen Jagdrechts hin zum landesherrlichen Jagdregal aufzuzeigen:

Eine Unterteilung in Volkswald (Gemeindeeigentum des Volkes), Marktwald (Gemeindeeigentum einer genossenschaftlich organisierten Gemeinschaft) und Privatwald (Sondereigentum eines Einzelnen).

Eckhardt dazu: „Im Volkswald durfte jeder frei jagen, der Marktwald stand in der gemeinsamen, andere ausschliessenden Nutzung der Gemeindemitglieder, im Privatwald war nur der Eigentümer jagdberechtigt.“[7]

Gegen Ende des 7. Jahrhunderts führte diese Entwicklung zur Bildung von Bannforsten, die das allgemeine Jagdrecht der Bevölkerung weiter einschränkten.[8] Der König und die ihm später unterstellte königliche Verwaltung, beanspruchten Gebiete die mit dem Forstbann belegt wurden, für sich allein. Das alleinige Nutzungsrecht, wozu auch das Jagdrecht gehörte, schloss Wälder, Wildnisse und Gewässer mit ein.

[...]


[1] Werner Rösener: Jagd und höfische Kultur im Mittelalter. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 1997. Seite 12

[2] Hans Wilhelm Eckhardt: Herrschaftliche Jagd, bäuerliche Not und bürgerliche Kritik. Zur Geschichte der fürstlichen und adligen Jagdprivilegien vornehmlich im südwestdeutschen Raum. Göttingen 1976; Vandenhoeck & Ruprecht. Seite 14/15

[3] Prof. Dr. Anton Bühler: Wald und Jagd zu Anfang des 16. Jahrhunderts und die Entstehung des Bauernkrieges. Tübingen 1911; Verlag von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Seite 4

[4] Rösener: Jagd und höfische Kultur im Mittelalter. Göttingen 1997. Seite 13

[5] Rösener: Die Geschichte der Jagd. Düsseldorf/Zürich 2004. Seite 76

[6] Rösener: Jagd und höfische Kultur im Mittelalter. Göttingen 1997. Seite 235

[7] Eckhardt: Herrschaftliche Jagd, bäuerliche Not und bürgerliche Kritik. Göttingen 1976. Seite 23

[8] Ebenda: Seite 23

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Jagd in der frühen Neuzeit
Untertitel
Bäuerliches Leid – herrschaftliche Machtdemonstration
Hochschule
Universität Basel  (Historisches Seminar)
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V134288
ISBN (eBook)
9783640417353
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jagd, Neuzeit, Bäuerliches, Leid, Machtdemonstration
Arbeit zitieren
Svenja Anderson (Autor), 2009, Die Jagd in der frühen Neuzeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134288

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