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"Minna oder Madame"

Über die Entsendung von Dienstmädchen nach Deutsch-Südwest im Auftrag der deutschen Kolonisation

Title: "Minna oder Madame"

Term Paper , 2009 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dr. med. Guenter Rutkowski (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Summary Excerpt Details

„Das globalisierte Dienstmädchen“ lautete ein Artikel in DIE ZEIT, worin die Migration von Ausländerinnen nach Deutschland am Beispiel einer Philippina, die trotz akademischer Ausbildung zu Hause ihre Familie nicht unterhalten konnte, beschrieben wird.. In Deutschland stösst die Immigration auf geteilte Freude. Die Angst vor „Überfremdung“ durch Osteuropäer, Moslems oder „Chinesen“ sorgt seit Jahren für emotionsgeladene Debatten in den Medien.
Dabei haben vor gerade einmal einhundert Jahren die Deutschen selber das getan, was ihnen heute in der Heimat große Furcht einflößt: Fremde Länder besiedelt. Im Unterschied zum Dienstmädchen aus Manila, von dem täglich etwa 1900 ihre Heimat verlassen, betrug die Zahl der insgesamt in die deutschen Kolonien Schwarzafrikas emigrierten Frauen nur wenige Hundert. Auch will die moderne fremde Kraft nur Geld verdienen, während die deutsche Frau der Kaiserzeit ans Herrschen und Verbreiten des „Deutschtums“ dachte. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Frau als gebildete Bürgersfrau im Gefolge deutscher Missionare, Beamten oder Offiziere in Afrika erschien oder als Dienstmädchen per Vertrag mit dem Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft.
Diese Arbeit beschreibt die Entsendungspraxis von Dienstmädchen durch den vorgenannten Frauenbund. Was machte eine im Kaiserreich unterprivelegierte Berufsgruppe für die Entsender so attraktiv, dass sie große Geldsummen nicht scheuten, um Werbung für die Kolonien, Überfahrt und Betreuung zu finanzieren? Als regionaler Schwerpunkt wurde „Deutsch-Südwestafrika“ als der eigentlichen Siedlungskolonie des deutschen Reiches ausgewählt..
Als hauptsächliche Primärquelle diente das Vereinsorgan des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft „Kolonie und Heimat“. Allerdings erschien dieses erst ab 1907, was den Untersuchungszeitraum auf die Zeit von etwa 1907 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 begrenzt.
Zwar prägten auch Missionarinnen und Krankenschwestern das Bild der „weißen“ Frau erheblich. Wegen ihrer andersartigen Vorgeschichte und Lebensformen bleiben diese Frauengruppen hier unberücksichtigt.
In der modernen Forschung wird das Wirken der deutschen Kolonialfrau mit bis heute bestehenden Misständen in Afrika in Zusammenhang gebracht. Das koloniale Selbstverständnis, das diesen Eindruck prägte, wird im zweiten Abschnitt detaillierter untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung, Eingrenzung des Themas

1.1. Migration; ein aktuelles Thema

1.2. „Deutschlands Beruf“ und das Wirken der Frau als „Komplizin“

2. Die Auswanderung von Dienstmädchen nach Deutsch-Südwest

2.1. Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft

Exkurs 1: Koloniale Schreckgespenste: „Mischehe“, „Mischlingskinder“, „Verkafferung“

2.2. Das Leitbild: Die Aufgaben der Entsandten

2.3. Deutsche Sitten - deutsche Prügel

2.4. Deutsche Kulturmission

2.5. Übersiedlung der Dienstmädchen

Exkurs 2: Lebensbedingungen von Dienstmädchen um 1900 im Deutschen Reich

3. Die Wirklichkeit in Deutsch-Südwest: Begegnung Kolonisten und Kolonisierte

3.1. Die Stellung der Dienstmädchen: „Minna“ oder „Madame“?

3.2. Zur Reaktion der Kolonisierten auf den Kolonialisierungsprozess

4. Machtfragen, Zusammenfassung und Fazit:

4.1. Durchsetzung der Macht in den Kolonien Schwarzafrikas

4.2. Ausnutzung einer vermeintlichen Machtsstellung durch die „weiße“ Frau

4.3. Könnte kolonialistisches Eingreifen auf dem Boden einer „Kulturmission“ heute wieder passieren?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft bei der Entsendung von Dienstmädchen in die Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Dabei wird analysiert, inwiefern diese Frauen als „Kulturträgerinnen“ instrumentalisiert wurden, um das koloniale Prestige zu sichern und das Entstehen von „Mischehen“ zu verhindern, während sie gleichzeitig ihre eigene prekäre soziale Lage im Kaiserreich durch die Auswanderung verbessern wollten.

  • Die Praxis und Motivation der Entsendung von Dienstmädchen durch den Frauenbund.
  • Die Konstruktion der „weißen“ Frau als moralische und kulturelle Instanz in den Kolonien.
  • Die soziale Realität und das Machtgefüge zwischen deutschen Siedlern und der lokalen Bevölkerung.
  • Die Auswirkungen von kolonialen Stereotypen und Machtstrukturen auf das tägliche Leben in Deutsch-Südwestafrika.

Auszug aus dem Buch

2.3. DEUTSCHE SITTEN-DEUTSCHE PRÜGEL

Nicht formuliert wurde, was deutsch war. Waren es das deutsche Vereinsleben, Bierabende, Technik, Schulen oder Gebräuche wie die deutsche Weihnacht? Offensichtlich war es damals für alle Beteiligten auch ohne Diskussion klar, was unter deutsch zu verstehen war. Allerdings klafften Welten zwischen dem, was die Kolonialherren als deutsch ansahen und dem, was die Kolonialsubjekte als deutsch spürten. Die Schwarzafrikaner erfuhren durch die Deutschen immer wieder militärische Gewalt sowie bei allen Beschäftigungen ein strenges Strafreglement, das von der beliebten körperlichen Züchtigung bis zum Einsperren in Ketten und Aufhängen ging. Dabei prügelten nicht nur Männer, sondern auch deren Frauen eifrig mit.

Das Auspeitschen diente der Unterdrückung jeglichen persönlichen Widerspruchs. Es wurde ebenso regelmäßig angewendet, um – von den „Weißen“ beschlossene Zwangsarbeiten – durchzusetzen und wurde in allen afrikanischen Kolonien praktiziert. Selbst ein durch die Prügelpraxis ausgelöster Aufstand konnte die Unsitte nicht bremsen, die bis zum Verlust der Kolonien gegen den Widerstand der Reichsregierung praktiziert wurde. Wurden im Einzelfall „weiße“ Auspeitscher vor Gericht gezogen, kamen sie meist mit geringen Strafen davon, wenn sie nicht gar ganz straffrei blieben. Diese Art der Herrschaftspraxis ist nach der Übernahme der Kolonien durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges öffentlich kritisiert worden, was die Deutschen der Weimarer Republik später mehrheitlich als „koloniale Schuldlüge“ zurückwiesen.

Die Art der Herrschaft mit der Knute wirft ein deutliches Licht auf das „Rassenverständnis“, zumal „schwarze“ Häuptlinge (meistens), Araber und Inder sowie „weiße“ Ausländer von der Prügelstrafe ausgenommen blieben. Die eigentlich Drangsalierten waren die farbigen Angestellten, Arbeiter und Dienstboten, die sich schon aufgrund ihrer untergeordneten Dienststellung schlecht wehren konnten. Sie wurden von ihren Dienstherren vielfach nicht als Menschen betrachtet, sondern wie ein Möbelstück in die Kategorien „brauchbar-unbrauchbar besserungsfähig“ sortiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung, Eingrenzung des Themas: Diese Einleitung beleuchtet die historische Relevanz der Auswanderung von Dienstmädchen und definiert den Fokus auf die Entsendungspraxis des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft.

2. Die Auswanderung von Dienstmädchen nach Deutsch-Südwest: Das Kapitel analysiert die Rekrutierung, die ideologischen Hintergründe der Auswanderung und die Rolle der „weißen“ Frau als Akteurin in der Kolonialmission.

3. Die Wirklichkeit in Deutsch-Südwest: Begegnung Kolonisten und Kolonisierte: Hier wird der tägliche Umgang und das Machtgefälle zwischen deutschen Dienstherren und der lokalen Bevölkerung kritisch untersucht.

4. Machtfragen, Zusammenfassung und Fazit: Dieser Teil fasst die strukturelle Durchsetzung kolonialer Herrschaft zusammen und diskutiert das Fortbestehen kolonialer Denkmuster bis in die heutige Zeit.

Schlüsselwörter

Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, Dienstmädchen, Deutsch-Südwestafrika, Kolonialisierung, Kulturmission, Mischehe, Rassenverständnis, Sozialer Aufstieg, Kolonialpropaganda, Kaiserreich, Weiße Überlegenheit, Siedlungskolonie, Preußische Tugenden, Machtstrukturen, Migrationsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entsendung von deutschen Dienstmädchen in die Kolonie Deutsch-Südwestafrika durch den Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die koloniale Frauenpolitik, die Konstruktion nationaler Identität durch die „weiße“ Frau sowie die Machtverhältnisse zwischen Kolonisten und der afrikanischen Bevölkerung.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu analysieren, welche Motive hinter der Entsendung standen, warum diese Berufsgruppe als Werkzeug der Kolonisation diente und wie sie ihre Machtposition gegenüber der lokalen Bevölkerung ausübte.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Quellen wie dem Frauenbund-Organ „Kolonie und Heimat“, zeitgenössischer Kolonialliteratur sowie wissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Kolonial- und Frauengeschichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rekrutierungskriterien, die ideologische Vorbereitung der Frauen auf ihre Rolle als „Gehilfinnen“ und die Untersuchung der tatsächlichen Lebens- und Herrschaftsbedingungen in Deutsch-Südwestafrika.

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit maßgeblich?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Kulturmission“, „Mischehe“, „Verkafferung“, „Weißsein“ und die soziokulturelle Rolle der „weißen“ Frau als Trägerin deutscher Werte charakterisiert.

Inwiefern beeinflusste die Angst vor „Mischehen“ die Arbeit des Frauenbundes?

Der Frauenbund nutzte das „Gespenst“ der Mischehe als eines der Hauptargumente, um die Entsendung „weißer“ Frauen zu forcieren, da diese als Vorbeugungsmittel gegen die vermeintliche kulturelle Entartung des „weißen“ Mannes angesehen wurden.

Wie unterschied sich die Lebensrealität in den Kolonien von der im Kaiserreich?

Obwohl die Arbeit körperlich schwer blieb, genossen die Frauen in den Kolonien einen höheren sozialen Status durch ihr „Weißsein“ und konnten teilweise als Vorgesetzte gegenüber der lokalen Bevölkerung Macht ausüben, was ihnen im heimischen Arbeitermilieu verwehrt blieb.

Was schlussfolgert der Autor bezüglich der „Kulturmission“ heute?

Der Autor zieht Parallelen zwischen den historischen kolonialen Dominanzvorstellungen und modernen tagespolitischen Begriffen, wobei er davor warnt, dass koloniale Denkmuster in neuer Form fortbestehen könnten.

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Details

Title
"Minna oder Madame"
Subtitle
Über die Entsendung von Dienstmädchen nach Deutsch-Südwest im Auftrag der deutschen Kolonisation
College
University of Hagen  (Institut für Geschichte)
Course
Afrikanische Geschichte
Grade
1,3
Author
Dr. med. Guenter Rutkowski (Author)
Publication Year
2009
Pages
27
Catalog Number
V134301
ISBN (eBook)
9783640401918
ISBN (Book)
9783640402038
Language
German
Tags
Kolonialgeschichte Kolonie und Heimat Deutsch-Südwestafrika Deutsche Kolonien Deinstmädchen Colonial studies Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. med. Guenter Rutkowski (Author), 2009, "Minna oder Madame", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134301
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