Thomas Mann hat seinen Roman Doktor Faustus selber bezeichnet als „religiöse[s] Buch“, als „Lebensbeichte“, als „Epochen-Roman“, als „Gesellschaftsroman“, als „verkappten Nietzsche-Roman“ und als „Roman der Musik in dem versucht werde, Musik mit Sprache wiederzugeben“. Die Arbeit untersucht Letzteres und betrachtet den Roman im Fokus der Musik, wobei auch analysiert werden soll, was Thomas Mann dazu bewegt hat, dieses Werk als Musikroman zu schreiben.
Um dies zu bearbeiten werden die Stationen im Leben der Hauptfigur Adrian Leverkühn abgehandelt, die mit dem Aspekt der Musik in engster Verbindung stehen. Hierzu gehören seine ersten Begegnungen mit seinem späteren Musiklehrer und Mentor Wendell Kretzschmar, sein Pakt mit dem Teufel und seine beiden Hauptwerke Apocalipsis cum figuris und Doktor Fausti Wehklag. Die genannten Themen können hierbei nur angesprochen, nicht jedoch vollständig erläutert werden, da jeder Einzelaspekt Material für eine eigene Arbeit liefern würde. Dies liegt an der speziellen Arbeitsweise Thomas Manns, die es erschwert ein Thema lediglich kurz zu umreißen: Bei der Beschäftigung mit jedem einzelnen Punkt werden immer neue Unterpunkte und Forschungsansätze ersichtlich, die im Zuge dieser Arbeit leider nicht vollständig berücksichtigt werden können. Aus diesen Schwierigkeiten resultiert auch der Untertitel zu dieser Arbeit, da sich die vielen einzelnen Aspekte wie ein Mosaik zusammenfügen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Adorno als Berater Thomas Manns
1.2. Schönberg als Vorbild Leverkühns
2. Kretzschmar
2.1. Kretzschmar und seine Vorträge
2.2. Die Rolle Beethovens
3. Pakt
3.1. Die Rolle Sören Kierkegaards
3.2. Die Rolle der Zwölftontechnik
4. Hauptwerke
4.1. Apocalipsis cum figuris
4.1.1. Inhalt des Oratoriums
4.1.2. Bedeutung für Leverkühn
4.1.3. Übergang zur Doktor Fausti Wehklag
4.2. Doktor Fausti Wehklag
4.2.1. Aufbau der symphonischen Kantate
4.2.2. Anspielungen auf das Faust-Volksbuch
4.2.3. Die Rolle Beethovens
5. Schlussbemerkungen
5.1. Das Hauptwerk als Widerspiegelung des Romans
5.2. Die Rolle des Nationalsozialismus
6. Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht Thomas Manns Roman Doktor Faustus primär im Fokus der Musik. Ziel ist es zu analysieren, welche Motive und biografischen Hintergründe Thomas Mann dazu bewegten, das Werk als „Musikroman“ zu konzipieren, und wie die musikalische Thematik mit der Lebensgeschichte der Hauptfigur Adrian Leverkühn sowie den historischen Kontexten verknüpft ist.
- Analyse des Einflusses von Theodor W. Adorno und Arnold Schönberg auf den Roman.
- Untersuchung der Rolle musiktheoretischer Konzepte wie der Zwölftontechnik und deren Verbindung zum „Pakt“ mit dem Teufel.
- Detaillierte Betrachtung der Hauptwerke Apocalipsis cum figuris und Doktor Fausti Wehklag.
- Erörterung des Zusammenhangs zwischen deutscher Musikgeschichte, deutscher Identität und dem Aufstieg des Nationalsozialismus.
- Darstellung der musikalischen Struktur als Spiegel der literarischen Handlung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Adorno als Berater Thomas Manns
Der Frankfurter Musikkritiker und Philosoph Theodor W. Adorno war einer der ersten Berater Thomas Manns und stellte für ihn eine verlässliche Quelle für musikalisches Expertenwissen dar. Adorno hat Thomas Mann von Anfang an mit Materialien versorgt, so zum Beispiel seinem eigenen Essay über den Spätstil Beethovens, der im Roman reichlich Verwendung fand. Außerdem war seine Rolle bei der Konzeption und Ausführung von Leverkühns späten Kompositionen so stark, dass in einigen Quellen sogar von einer „Mitautorschaft“ Adornos die Rede ist.
Die Zusammenarbeit der beiden Männer kam aufgrund ihrer übereinstimmenden Überzeugung zustande, „dass zwischen den politischen Prozessen, die den Nationalsozialismus zeitigten, und den kulturellen Prozessen insbesondere auf dem Gebiet der Musik ein enger Nexus besteht“. Dass die beiden außerdem eine enge Freundschaft verband, gilt aber als Legende. Es handelte sich wohl lediglich um ein Zweckbündnis zu beider Vorteil und so kam es gegen Ende der Zusammenarbeit immer öfter zu Konflikten. Diese waren auch der Grund dafür, warum Mann Adorno im Pakt-Kapitel als eine der Teufelsinkarnationen, als Musikkritiker mit Hornbrille, auftreten ließ: „ein Intelligenzler, der über Kunst, über Musik, für die gemeinen Zeitungen schreibt, ein Theoretiker und Kritiker, der selbst komponiert, soweit eben das Denken es ihm erlaubt.“
Dies ist doch ein recht gehässiges Bild seines einstigen Beraters, schon wenn man bedenkt, dass Adorno nur wenig komponiert hat und in diesem Zusammenhang schon von einem „Trauma“ sprach, einer Schreibblockade vergleichbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des „Musikromans“ und Vorstellung der methodischen Herangehensweise an die Lebensstationen von Adrian Leverkühn.
2. Kretzschmar: Analyse der Rolle von Wendell Kretzschmar als Mentor und der Bedeutung seiner Vorträge über Beethoven für die künstlerische Entwicklung Leverkühns.
3. Pakt: Untersuchung der diabolischen Komponente und der philosophischen sowie musiktheoretischen Einflüsse von Kierkegaard und der Zwölftontechnik auf den Pakt.
4. Hauptwerke: Detaillierte Analyse der Entstehung, Struktur und Bedeutung der beiden zentralen Werke Apocalipsis cum figuris und Doktor Fausti Wehklag.
5. Schlussbemerkungen: Zusammenführende Betrachtung der Spiegelung von Lebensgeschichte, Romanstruktur und der historischen Rolle des Nationalsozialismus in der Musik.
6. Fazit: Kritische Reflexion der Forschungsliteratur und abschließende Bewertung der Verbindung von deutscher Musik und nationalsozialistischer Ideologie im Roman.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Doktor Faustus, Adrian Leverkühn, Musik, Zwölftontechnik, Arnold Schönberg, Theodor W. Adorno, Beethoven, Pakt mit dem Teufel, Apocalipsis cum figuris, Doktor Fausti Wehklag, Nationalsozialismus, Musiktheorie, Literatur und Musik, deutsche Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Thomas Manns Roman Doktor Faustus unter dem speziellen Aspekt seiner Konzeption als Musikroman und untersucht, wie Musiktheorie, Lebenslauf der Hauptfigur und Zeitgeschichte ineinandergreifen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Einfluss historischer Persönlichkeiten auf den Text, die Rolle der Zwölftontechnik, der symbolische Gehalt von Leverkühns Hauptwerken sowie die politische Dimension deutscher Musik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, welche Beweggründe Mann hatte, das Werk als Musikroman zu verfassen, und wie sich die musikalische Struktur des Romans als „Mosaik“ aus verschiedenen biografischen und historischen Einflüssen zusammensetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman im Kontext von zeitgenössischer Musiktheorie (insb. Adorno, Schönberg) und historischer Quellen (Faust-Volksbuch, Beethoven-Rezeption) betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die prägenden Figuren (Kretzschmar, Schönberg, Adorno), die theoretischen Fundamente (Kierkegaard, Zwölftontechnik) und die detaillierte inhaltliche Analyse der beiden Hauptwerke Leverkühns.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Doktor Faustus, Adrian Leverkühn, Zwölftontechnik, Musikroman, Nationalsozialismus und der Einfluss von Adorno und Schönberg.
Wie beeinflusste Adorno die Entstehung des Romans?
Adorno fungierte als musikalischer Berater, der Thomas Mann mit Expertenwissen versorgte und dessen Essay über Beethovens Spätstil direkt in den Roman einfloss.
Welche Rolle spielt das Faust-Volksbuch für die musikalische Gestaltung der Werke?
Das Volksbuch dient als inhaltliche Vorlage für die Klagemotive und die symbolische Abwendung von Gott, was besonders in der Wehklag musikalisch umgesetzt wird.
Inwiefern spiegelt das Hauptwerk die Situation während des Nationalsozialismus wider?
Die im Roman dargestellte Verzweiflung und der Rückgriff auf mythische Ordnungssysteme werden als Parallelen zur politischen Stimmung in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs interpretiert.
Warum bricht Leverkühn während der Uraufführung zusammen?
Der Zusammenbruch symbolisiert sowohl den psychischen Verfall der Figur (Demenz) als auch das Scheitern des Künstlers, der durch den Pakt die absolute Kontrolle anstrebt, aber letztlich im Dämonischen endet.
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- Birgit Stubbe (Autor), 2008, Thomas Manns "Doktor Faustus" im Fokus der Musik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134307