Schwarze und weiße Farmer zur Zeit des New Deal in den USA

Ein historischer und literarischer Vergleich


Seminararbeit, 2009
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Vergleich
2.1. Die Lage der weißen Farmer
2.1.1. Situation und Probleme vor dem New Deal
2.1.2. Der New Deal und die Folgen
2.2. Die Lage der schwarzen Farmer
2.2.1. Situation und Probleme vor dem New Deal
2.2.2. Der New Deal und die Folgen
2.3. Vergleich der Situationen vor, während und nach dem New Deal

3. Literarischer Vergleich
3.1. John Steinbeck: Die Früchte des Zorns
3.1.1. Zusammenfassende Darstellung
3.1.2. Biographischer Hintergrund
3.1.3. Darstellung der Farmer
3.2. Richard Wright: Black Boy
3.2.1. Zusammenfassende Darstellung
3.2.2. Biographischer Hintergrund
3.2.3. Darstellung der Farmer
3.3. Vergleich der literarischen Darstellungen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Zeit der Großen Depression und dem New Deal in den USA von 1929 bis 1940. Als Große Depression wird die Wirtschaftskrise in den USA bezeichnet, die mit dem amerikanischen Börsencrash im Oktober 1929 begann. Die Ursachen wurden lange Zeit kontrovers diskutiert. Heute geht man davon aus, dass die Krise vor allen Dingen durch Überspekulation und Überproduktion verursacht wurde. Diese Überproduktion kam u.a. zustande, da die USA in der Zeit des Ersten Weltkrieges ihre agrarische Produktion stark ausgeweitet hatten, um die Nachfrage der europäischen Staaten, die kriegsbedingt ausfielen, zu befriedigen. Diese nahmen jedoch nach Kriegsende ihre Produktionen wieder auf. Hierdurch kam ein Überangebot agrarischer Produkte auf dem Weltmarkt zustande, was in einem starken Preisverfall mündete. Eine der Folgen war, dass Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden konnten und so viele in der Landwirtschaft tätige Amerikaner ihre Häuser und ihr Land verloren. Da auch viele Unternehmen von dieser Krise betroffen waren, stieg die Zahl der Arbeitslosen unaufhaltsam an, bis sie am Ende des Jahres 1932 ungefähr 13 Millionen betrug. Durch diese wahre Flut der Bedürftigen gingen den Wohlfahrtsorganisationen bald die Mittel aus und die Regierung musste hilflos zusehen, wie Armut und Furcht über die Bevölkerung triumphierten.

Ein Ende dieser Zustände sollte die Wahl Präsident Franklin D. Roosevelts bringen, der die neuen Aufgaben der Regierung mit den drei „R“s, relief, recovery und reform (Linderung der Not, Gesundung der Wirtschaft, Reform der Gesellschaft)[1], umriss. Er versicherte der Bevölkerung, „the only thing we have to fear, is fear itself“ und versprach in seinen berühmten Radioansprachen einen „New Deal for America“[2]. Um dies zu erreichen wurden zwischen März und Juni 1933 zahlreiche provisorische Programme und Behörden eingerichtet, mit denen die Zeit des New Deal anbrach. Die bemerkenswerteste Entwicklung im wirtschaftlichen Bereich war, das in diesem Ausmaß bisher nicht praktizierte Eingreifen des Staates, der fast alle Bereiche regelte: von Energiefragen über Gewerkschaftsaktivitäten bis zur Farmproduktion. Die Schnelligkeit und der Wagemut dieser Maßnahmen ließen in der Bevölkerung wieder Hoffnung auf Besserung keimen.

Ein weiteres großes Problem dieser Zeit, welches vor allem auf den Süden der USA zutraf, war die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung und die sogenannte Segregation, die strikte Trennung schwarzer und weißer Menschen. Da Roosevelt des Öfteren betonte, dass die Maßnahmen des New Deal allen Bürgern der USA gleichermaßen zugute kommen sollten, gilt es hier nun zu untersuchen, inwieweit dies auch auf die schwarze Minderheit zutraf, deren Anzahl zur Zeit des New Deal ca. 27 Millionen betrug[3].

Um diese Frage zu beantworten, werden in der vorliegenden Arbeit die Ausgangssituationen, die Maßnahmen des New Deal und deren Auswirkungen am Beispiel schwarzer und weißer Farmer dargestellt und miteinander verglichen. Dieser Vergleich wird im Folgenden auf zwei verschiedenen Ebenen durchgeführt. Auf der historischen Ebene werden die Situationen vor, während und nach dem New Deal anhand wissenschaftlicher Literatur überprüft. Bei der zweiten Ebene handelt es sich um einen kulturwissenschaflichen bzw. literaturwissenschaftlichen Vergleich, anhand zweier zeitgenössischer literarischer Quellen. Bei der ersten, die die Situation der verarmten weißen Farmer zum Inhalt hat, handelt es sich um John Steinbecks Früchte des Zorns[4]

Die zweite Quelle, die die Situation der Schwarzen und der schwarzen Farmer in den Südstaaten der USA beinhaltet, ist Richard Wrights Autobiographie Black Boy[5]. Um diese Quellen näher zu untersuchen, wird jeweils zuerst eine kurze Zusammenfassung der Quelle gegeben, dann der biographische Hintergrund des Autors beschrieben und im Anschluss daran die Darstellung der Farmer in der jeweiligen Quelle untersucht.

2. Historischer Vergleich

2.1. Die Lage der weißen Farmer

2.1.1. Situation und Probleme vor dem New Deal

Die Krise auf dem Land war in dieser Zeit auch das Ergebnis staatlicher Eingriffe. Wie oben bereits erwähnt, war die agrarische Produktion der USA während des Ersten Weltkrieges stark angekurbelt worden, um die Nachfrage der europäischen Länder zu befriedigen. Nach dem diese jedoch ab 1918 ihre Produktion wieder aufgenommen hatten, kam es zu einem Überangebot agrarischer Produkte auf dem Weltmarkt, was die Preise für landwirtschaftliche Produkte stetig fallen ließ. Weizen brachte seinen Farmern zum Beispiel nur noch 0,49 Dollar per bushel anstatt 1,18 Dollar vor der Rezession. Das Nettoeinkommen der Landwirte fiel zwischen 1929 und 1932 von 7 auf 2,5 Milliarden Dollar und so sank die Kaufkraft der Landwirte, trotz sinkender Industriepreise, um ca. 40%[6] Dies hatte eine zunehmende Verarmung der Farmerfamilien zur Folge.

Desweiteren führten externe Faktoren, wie anhaltende Hitze- und Trockenperioden und die Katastrophe der sogenannten Dust Bowl, eines Staubsturms, der sich in den 1930er Jahren über große Teile der sogenannte Great Plains legte, zu immer größeren Ernteausfällen. Die Gründe für diese Katastrophe waren einerseits die schon angesprochenen klimatischen Bedingungen, die dem Boden empfindlich zugesetzt hatten. Andererseits war die Dust Bowl aber auch durch die Farmer entstanden, die durch die Rodung des Präriegrases, durch Monokultur und durch nicht-umweltbewusste Anbaumethoden die Erde ausgelaugt hatten.

All dies führte dazu, dass die verarmten Farmer und kleineren Pächter weder die laufenden Kosten noch ihre Kredite bezahlen konnten und so in großer Anzahl ihr Land verlassen mussten.

2.1.2. Der New Deal und die Folgen

Präsident Roosevelt glaubte, dass die Große Depression eng mit dem Niedergang der amerikanischen Landwirtschaft zusammenhing, da

[...] etwa die Hälfte unserer Bevölkerung, fünfzig bis sechzig Millionen Menschen, in der Landwirtschaft beschäftigt sind oder in Kleinstädten leben, deren Existenz direkt von den Farmbetrieben abhängt.[7]

Aus diesem Grunde betrafen zahlreiche Programme, Behörden und Gesetze des New Deal die Landwirtschaft. Hierzu gehörten u.a. der Agricultural Adjustment Act, die Farm Credit Administration, die Resettlement Administration (RA), der Soil Conservation Act und der Domestic Allotment Act.

Die Bemühungen der Regierung gingen besonders dahin, den Produktionsüberhang abzubauen. Der Agricultural Adjustment Act vom 12. Mai 1933 sollte der Stabilisierung der Preise für landwirtschaftliche Produkte dienen. Der Grundgedanke hierbei war, die Kaufkraft der Farmer im Vergleich zur übrigen Bevölkerung auf das Durchschnittsniveau der Jahre 1909 bis 1914 zu bringen[8]. Hierfür wurden die systematische Verkleinerung der Anbauflächen und der Produktion und die Verwendung bodenverbessernder Produkte staatlich subventioniert. Zur Durchführung wurde eine neue Behörde, die Agricultural Adjustment Administration (AAA) geschaffen. Da die nächste Ernte beim Inkrafttreten des Gesetzes schon gepflanzt war, forderte die AAA die Farmer dazu auf, ein Viertel der Baumwolle unterzupflügen und auch das Weizen-, Mais- und Fleischangebot zu reduzieren. Fast sechs Millionen Schweine und Ferkel wurden hierfür geschlachtet und zum größten Teil zu Düngemitteln verarbeitet[9]. Diese systematische Zerstörung von Nahrungsmitteln, während ein Großteil des Landes hungerte, zog natürlich den Zorn der Bevölkerung auf sich und die AAA geriet in den Fokus der Kritik.

Die Farmer bekamen zum Ausgleich Prämien und günstigere Kredite, die von der Farm Credit Administration für verschuldete Farmer vergeben wurden. Von diesen profitierten jedoch vor allem die Großgrundbesitzer. Diese konnten, im Gegensatz zu den kleinen Pächtern, größere Flächen stilllegen, ohne den Betrieb ganz einzustellen oder gar zu hungern. So nahmen sie ihr bisher verpachtetes Land aus der Produktion, um die Prämien zu kassieren. Hinzu kam, dass sie mit den Subventionsgeldern noch mehr Maschinen, wie z.B. Traktoren, kaufen konnten und so weitere Kleinbauern und Pächter verdrängten[10]

With one hand the cotton landlord takes agricultural subsidies and rental benefits from his government, with the other he pushes his tenants on relief.[11]

Der Agricultural Adjustment Act wurde so unwillentlich zu einem der Faktoren, welche die großen Wanderungen nach Westen in der Mitte der 1930er Jahre auslösten.

Die Bevölkerungszahlen in den landwirtschaftlichen Gebieten, vor allem in Oklahoma und Arkansas, verringerte sich unter diesem Druck von Vertreibung, Dürre und Elend um die Hunderttausende. Aus ehemaligen Pachtfarmern waren arme Wanderarbeiter geworden, die ihr Heim und die ihnen vertraute Umgebung zurücklassen mussten. Diese begaben sich auf den langen Weg nach Westen, vor allem nach Kalifornien, um Arbeit zu finden. Jedoch gab es auch in Kalifornien nicht genug Arbeit für diese wahre Flut von Arbeitskräften und die Kalifornier waren wenig begeistert von den Migrantenströmen, die sie verächtlich als „Okies“ und „Arkies“ bezeichneten[12]. Die menschenunwürdigen Bedingungen und die Hoffnungslosigkeit in den Auffanglagern und Hoovervilles werden u.a. durch die Fotographien von Dorothea Lange für das Fotoprogramm der Farm Security Administration (FSA) dokumentiert.

Der AAA wurde 1936 durch ein Urteil des Supreme Court für verfassungswidrig erklärt, da eine derartige Regulierung der Produktion und der Preise nicht zu den Aufgaben der Regierung zählte. 1938 kam es jedoch, durch den New Farm Act, zu einer Neuauflage. In diesem herrschte, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, das demokratische Prinzip vor, da die Absatzquoten nun durch Abstimmungen unter den Farmern zustande kamen.

Ab 1935 kümmerte sich die Resettlement Administration (RA), deren Nachfolgerin ab 1937 die Farm Security Administration (FSA) wurde, um die Umsiedlung und Wiederansiedlung von verarmten Kleinbauern und Pächtern. Hierfür kaufte die Regierung Farmen auf, die nicht mehr existenzfähig waren und versuchte auf diesen die Landwirtschaft zu kollektivieren. Hier sollten die Farmer unter Anleitung von Regierungsmitarbeitern zusammenleben und neue Techniken ausprobieren, indem sie den gemeinsamen Landbesitz bearbeiteten. Im Endeffekt schlug dieses Programm allerdings fehl, da die Farmer sich mit dieser Art der Arbeitsteilung nicht anfreunden konnten und lieber Eigentümer sein wollten. Das Programm wurde daher umgewandelt und hatte nun zum Ziel, die Farmer beim Kauf von Land zu unterstützen.

Aus der Erfahrung der ökologischen Katastrophen, wie z.B. der oben genannten Dust Bowl, resultierte der Soil Conservation Service (SCS), der ab 1935 damit begann die Farmer neue Anbaumethoden zu lehren, die sich weniger zerstörerisch auf das Ackerland auswirkten und auch eine Neubepflanzung der Great Plains vorsah. Gesetze, die hierfür verabschiedet wurden, waren der Domestic Allotment Act, welcher Prämien für den Anbau alternativer Produkte vergab, und der Soil Conservation Act von 1936 zum Schutze des Bodens. Beide Gesetze sollten die Bewahrung der Naturressourcen sicherstellen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass durch die Maßnahmen des New Deal die größten Probleme der amerikanischen Landwirtschaft dieser Zeit beseitigt oder wenigstens gemäßigt wurden. Trotzdem darf man dabei nicht übersehen, dass es sich hierbei vor allem um eine Zeit des großen Experimentierens gehandelt hat, in der auch viele Versuche fehlschlugen. Damit auch die kleinen Farmer und Pächter wieder aus den Tiefen der Depression herauskamen, bedurfte es erst des gesellschaftlichen Wandels, der während und nach der Zeit des Zweiten Weltkrieges eintrat.

2.2. Die Lage der schwarzen Farmer

2.2.1. Situation und Probleme vor dem New Deal

Um die Situation der schwarzen Farmer dieser Zeit im Süden der USA zu beschreiben, müsste eigentlich auf die gesamte Geschichte der Schwarzen in den Südstaaten eingegangen werden[13]. Die Rassentrennung war durch die sogenannten Jim Crow-Gesetze manifestiert worden.

[...]


[1] Vgl. Posener, Alan: Franklin Delano Roosevelt. Reinbek bei Hamburg 1999, S. 77.

[2] Roosevelt, F.D. beide Zitate nach Himmelberg, Robert F.: The Great Depression and the New Deal. London 2001, S. 12.

[3] Vgl. Raeithel, Gert: Geschichte der nordamerikanischen Kultur. Band 3: Vom New Deal bis zur Gegenwart 1930-1995. Frankfurt am Main 1997, S. 365.

[4] Steinbeck, John [1939]: Früchte des Zorns. Frankfurt am Main 1940.

[5] Wright, Richard [1945]: Black Boy. Bericht einer Kindheit und Jugend. Köln 1978.

[6] Zahlen nach: Sauter, Udo: Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Stuttgart 1976, S. 379-380.

[7] Roosevelt, F.D. zitiert nach Posener: Roosevelt, S. 82.

[8] Vgl. Sautter, Udo: Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, S. 381.

[9] Vgl. ebenda, S. 381.

[10] Vgl. Wessels Living History Farm, auf: http://www.livinghistory.farm.org.

[11] Vance, Rupert (amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe) zitiert nach Biles, Roger: The South and the New Deal. Kentucky 1994, S. 36.

[12] Vgl. Watkins, Tom H.: The Great Depression. America in the 1930s. Illinois 1993, S. 203.

[13] Vgl. z.B. Böhmert, Horst: Gleichheits- und Freiheitsbestrebungen der schwarzen Minorität in den USA. Geschichte ihrer politischen Vorstellungen und Strategien. Bielefeld 1980.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Schwarze und weiße Farmer zur Zeit des New Deal in den USA
Untertitel
Ein historischer und literarischer Vergleich
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Die USA in der New Deal-Ära
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V134309
ISBN (eBook)
9783640418121
ISBN (Buch)
9783640418312
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwarze, Farmer, Zeit, Deal, Vergleich
Arbeit zitieren
Birgit Stubbe (Autor), 2009, Schwarze und weiße Farmer zur Zeit des New Deal in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134309

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