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Das Moment der (kulturellen) Identität in der ’deutsch-türkischen’ Gegenwartsliteratur

Am Beispiel von Emine Sevgi Özdamar, Feridun Zaimoglu und Yadé Kara

Title: Das Moment der (kulturellen) Identität in der   ’deutsch-türkischen’ Gegenwartsliteratur

Thesis (M.A.) , 2009 , 105 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sibel Sen (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Texte von Autoren, die ihre Werke in Deutschland und in deutscher Sprache veröffentlichen, ‚ius sanguinis’ jedoch keine ‚deutschen’ Schriftsteller sind, stellen diejenigen, die darüber sprechen möchten, vor das Problem der Benennung. Wie sind die Texte einzuordnen? Welchen Namen gibt man einer solchen relativ jungen und sich entwickelnden Literatur? Muss bzw. kann man sie in einer Kategorie zusammenfassen? Reicht die Herkunft der Elterngeneration als sinnvolles Kriterium aus? Wird ihr das Zusammenfügen unter einem Titel gerecht oder marginalisiert sie das zu einer „Literatur mit Aufenthaltsberechtigung“, die so zwar Anerkennung, aber doch keine Aufnahme in die deutsche Literatur findet?

Mit den ersten Veröffentlichungen so genannter Gastarbeiter in Deutschland in den 1960er und 70er Jahren beginnt die Suche nach einem Namen für Literatur nicht ‚deutschstämmiger’ Autoren. Dieser Prozess der Etikettierung begleitet seither die literarische Produktion derer, die oder deren Eltern nicht deutscher Herkunft sind, bis heute in die so genannte zweite und dritte Generation, die selbst nie migrierte. Von der Forschung wird sie – geleitet von der Versuchung, mit einem Schlagwort Homogenität innerhalb einer in sich sehr heterogenen Literatur zu konstruieren – als ‚multi’-, ‚inter’- oder ‚transkulturelle’, ‚hybride’, ‚nicht nur deutsche’, früher auch ‚Migrations’-, ‚Ausländer’-, ‚Minderheiten’-‚ ‚Gast’- oder ‚Gastarbeiterliteratur’ bezeichnet.

Diese Begriffe - wie der des Interkulturellen – konstituieren teilweise Modelle, die in der Regel das Werk ‚deutsch-türkischer’ Autoren mit neuen oder neu benannten Be- und Einschränkungen von der ‚normalen’ zeitgenössischen Literatur abgrenzen wollen. Die Untersuchung der Literatur nach ästhetischen Kriterien ist hier in der Regel zweitrangig.

Die auf Staats- oder in diesem Verständnis Kulturzugehörigkeit basierende Kategorisierung scheint Priorität vor der ästhetischen Einordnung eines Textes zu haben.
Die vermeintliche Notwendigkeit einer eigenen Kategorie leitet sich von der Vorstellung ab, dass die Autoren in irgendeiner Form einer anderen Kultur angehören oder zumindest nicht eindeutig einer einzigen Kultur – der deutschen oder der türkischen – zuzuordnen sind und somit nicht als einwandfreie Repräsentanten deutscher Literaturschaffender zu sehen sein können. Identität wird zum zentralen Punkt dieser Literatur und ihres Diskurses.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Versuch, etwas „Anderes“ zu benennen

1.1. Die Entwicklung eines Namens

1.2. Kultur und Identität

1.2.1. Der dynamische Kulturbegriff

1.2.2. Kulturelle Identität

1.3. Trans, Inter und Hybrid

2. Textauswahl

2.1. Emine Sevgi Özdamar: Die Karawanserei

2.1.1. „Schreiben mit Akzent“

2.1.2. Identität im Durchgang

2.2. Feridun Zaimoglu: Vom Rande der Gesellschaft

2.2.1. „Der Kanake hat das Wort“. Für ein „weder noch“

2.2.2. Liebesmale – Der Versuch einer „Auswilderung“

2.3. Yadé Kara: Das Durchlässigwerden der Grenzen

2.3.1. Selam Berlin. Räume und Transit

2.3.2. Transkulturalität in „Selam Berlin“. Den Türken gibt es nicht.

3. Ist Migration ein hinreichendes Genremerkmal?

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeption von (kultureller) Identität in der ‚deutsch-türkischen’ Gegenwartsliteratur. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob eine Kategorisierung von Autoren und Texten anhand des Herkunftskriteriums oder des Bindestrichs zwischen ‚deutsch’ und ‚türkisch’ wissenschaftlich sinnvoll ist oder ob diese Modelle die tatsächliche hybride Realität der Identitätsbildung verfehlen.

  • Analyse der begrifflichen Entwicklung und Kategorisierung ‚deutsch-türkischer’ Literatur.
  • Untersuchung von Identitätskonzepten bei Emine Sevgi Özdamar, Feridun Zaimoglu und Yadé Kara.
  • Diskussion der Bedeutung von Raum, Transit und kultureller Hybridität in ausgewählten Romanen.
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Modellen des Inter- und Transkulturellen sowie des Postkolonialismus.
  • Beleuchtung der Rolle von Fremd- und Selbstwahrnehmung bei der Konstruktion kultureller Identität.

Auszug aus dem Buch

1. Der Versuch, etwas „Anderes“ zu benennen

Nicht nur in der Literatur, sondern auch in der gesellschaftlichen Realität herrscht fünf Jahrzehnte, nachdem die ersten Türken größtenteils noch als Gastarbeiter in die Bundesrepublik kamen, vor allem Ungewissheit darüber, wie die Identität von Menschen, die in Deutschland leben, ohne dass ihre Eltern und Großeltern hier geboren wurden, zu begreifen ist, und weiter, wie ihre Repräsentanten nun zu benennen sind. So ist man auf der Suche nach Möglichkeiten definitiver Ein- und Zuordnung und findet Begriffe, deren Funktion es laut Stuart Hall vor allem ist, „uns eine ungestörte Nachtruhe zu verschaffen.“8

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Es wird die Problematik der Benennung und Kategorisierung von Literatur deutschsprachiger Autoren türkischer Herkunft erläutert sowie das Ziel der Arbeit, Identitätskonzepte zu untersuchen, definiert.

1. Der Versuch, etwas „Anderes“ zu benennen: Dieses Kapitel zeichnet die begriffliche Entwicklung von Gastarbeiterliteratur hin zu neuen Kategorien nach und diskutiert theoretische Ansätze von Kultur und Identität, wie den postkolonialen Ansatz.

2. Textauswahl: Hier werden die Romane von Emine Sevgi Özdamar, Feridun Zaimoglu und Yadé Kara als Fallbeispiele herangezogen, um ihre unterschiedlichen Entwürfe von Identität und Kulturzugehörigkeit zu analysieren.

3. Ist Migration ein hinreichendes Genremerkmal?: Das Fazit hinterfragt die Validität der Kategorisierung ‚deutsch-türkischer’ Literatur und argumentiert, dass Hybridität ein allgemeines Merkmal kultureller Identität ist und nicht auf Migranten beschränkt bleibt.

Schlüsselwörter

Deutsch-türkische Literatur, Identität, kulturelle Hybridität, Migration, Postkolonialismus, Transkulturalität, Interkulturalität, Identitätsbildung, Raumkonzepte, Kanak Sprak, Gastarbeiterliteratur, Performativität, Fremdwahrnehmung, Selbstwahrnehmung, dritte Generation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie in der modernen ‚deutsch-türkischen’ Literatur kulturelle Identität konzipiert und dargestellt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Problematik der Literaturbenennung, die Konstruktion von Identität in einer hybriden Gesellschaft und die Analyse spezifischer narrativer Strategien in drei ausgewählten Romanen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die Einordnung von Literatur nach Herkunftskriterien sinnvoll ist oder ob sie ein homogenisierendes Konstrukt darstellt, das der Realität nicht gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert eine diskursanalytische Betrachtung der Begrifflichkeiten mit tiefgehenden Textanalysen der ausgewählten Romane unter Einbeziehung postkolonialer und kulturwissenschaftlicher Theorien.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Werke von Emine Sevgi Özdamar, Feridun Zaimoglu und Yadé Kara detailliert analysiert, wobei besonders der Sprachgebrauch, die Bedeutung von Raum und die performative Identitätskonstruktion im Vordergrund stehen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Hybridität, ‚deutsch-türkisch’, Identität, Transkulturalität, Migration und performative Identitätsbildung.

Wie unterscheidet sich die literarische Darstellung des „Kanaken“ bei Zaimoglu?

Zaimoglu entwirft den „Kanaken“ in „Kanak Sprak“ und „Liebesmale, scharlachrot“ als eine bewusste, performative Selbstbehauptung gegen etablierte Fremdbilder, wobei Sprache als identitätsstiftendes Idiom genutzt wird.

Welche Rolle spielt der Begriff des „Dritten Raums“ nach Homi K. Bhabha in der Analyse?

Der „Dritte Raum“ dient als theoretisches Werkzeug, um zu erklären, wie Autoren sich aus der binären Logik von „deutsch“ oder „türkisch“ lösen und eine hybride Identität jenseits festgefahrener Repräsentationen artikulieren können.

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Details

Title
Das Moment der (kulturellen) Identität in der ’deutsch-türkischen’ Gegenwartsliteratur
Subtitle
Am Beispiel von Emine Sevgi Özdamar, Feridun Zaimoglu und Yadé Kara
College
University of Bonn  (Germanistisches Seminar)
Grade
1,3
Author
Sibel Sen (Author)
Publication Year
2009
Pages
105
Catalog Number
V134323
ISBN (eBook)
9783640410279
ISBN (Book)
9783640410309
Language
German
Tags
deutschtürkische Literatur kulturelle Identität transkulturelle Literatur interkulturelle Literatur Hybridität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sibel Sen (Author), 2009, Das Moment der (kulturellen) Identität in der ’deutsch-türkischen’ Gegenwartsliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134323
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