Das internationale Drogengeschäft ist die weltweit drittgrößte Ökonomie, direkt hinter den Volkswirtschaften der USA und Japan. Dies stellt die internationale Staatengemeinschaft vor ein großes Problem. Die Auswüchse des globalen Drogenhandels nehmen kontinuierlich zu, und die Gewinnspannen, die mit ihm erzielt werden können, sind mit keinem anderen Gut auf der Welt zu erreichen. Dabei spielt Kolumbien in Bezug auf den internationalen Kokainhandel die zentrale Rolle. Dies spiegelt sich in erster Linie an der Menge des produzierten Kokains und den weitläufigen Verflechtungen der kolumbianischen Drogenhändler wider. An der weltweiten Kokainproduktion hält Kolumbien einen Anteil von 62%. Das Gros der Aktivitäten, die im Zusammenhang mit dem Drogenhandel stehen, erstreckt sich auf gut strukturierte, netzwerkartige Organisationen. Dies sind im Falle Kolumbiens die Guerilla (FARC) und paramilitärische Verbände (AUC), sowie die Drogenkartelle. Des weiteren müssen auch die Kokabauern, sowie korrupte Staatsbeamte und Politiker als Teil des Gebildes mit einbezogen werden. Der Kokainmarkt wird ebenso von Angebot und Nachfrage bestimmt, wie jeder andere freie Markt der Welt. Wenn Kolumbien für den Großteil des Angebots auf dem Markt verantwortlich ist, so sind in diesem Fall die USA für die stärkste Nachfrage nach Kokain zu identifizieren.
Der Aufbau dieser Arbeit wird sich in zwei thematische Blöcke teilen: Der erste, einleitende Teil wird sich auf die Entwicklungen des globalen Kokainmarktes konzentrieren. Wie haben sich Anzahl und Lage der Kokaanbauflächen verändert, und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Wie verhält sich die Produktion im Vergleich zu Staaten wie Bolivien und Peru? Haben sich neue Märkte gebildet, und inwiefern wandeln sich die bestehenden?
Der zweite Teil, der Kern dieser Arbeit sein wird, beschäftigt sich mit den Akteuren und Strukturen der Drogenhandels. Hierbei wird die Arbeits- und Funktionsweise der unterschiedlichen Akteure durchleuchtet, und deren Verflechtungen und Abhängigkeiten untereinander werden analysiert. Welche Organisationsstrukturen weisen die Haupt- und Nebenakteure auf? Wer übernimmt welchen Part im globalen Geschäft mit Kokain, das vom Anbau bis zum Verkauf reicht? Beherrscht ein Akteur die gesamte Prozesskette oder gibt es eine Aufgabenteilung?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretischer Rahmen und Methodik
2. Aktuelle Entwicklungen auf dem globalen Kokainmarkt
2.1. Produktion
2.2. Konsum
3. Akteure
3.1. Kokabauern
3.2. Drogenkartelle
3.3. Guerilla
3.4. Paramilitärs
3.5. Staatliche Akteure
3.6. Distributoren
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Strukturen und Akteurskonstellationen des globalen Kokainhandels mit einem spezifischen Fokus auf die Rolle Kolumbiens. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Arbeits- und Funktionsweise der verschiedenen am Drogenhandel beteiligten Akteure sowie deren gegenseitigen Abhängigkeiten und netzwerkartigen Verflechtungen innerhalb einer globalisierten Schattenwirtschaft.
- Analyse der globalen Marktveränderungen (Produktion und Konsum)
- Untersuchung der Akteure von den Kokabauern bis zu den internationalen Distributoren
- Bewertung des Einflusses von Guerilla-Organisationen und Paramilitärs
- Rolle korrupter staatlicher Akteure innerhalb der Drogenökonomie
- Kritische Betrachtung von Antidrogenpolitiken wie dem "Plan Colombia"
Auszug aus dem Buch
3.2. Drogenkartelle
Kolumbien ist heutzutage das Zentrum der globalen Kokainindustrie. Es gab jedoch auch eine Zeit davor, als Kolumbien noch nicht auf der ganzen Welt zuallererst mit Kokain in Verbindung gebracht wurde. Die rasante Entwicklung, die innerhalb weniger Jahre ein ganzes Land in ihren Sog brachte, hat ihren Ursprung in einer prominenten Figur: Pablo Escobar. Seine persönliche Geschichte mag zu vernachlässigen sein, wäre er nicht von zentraler Bedeutung für das Aufblühen der kolumbianischen Drogenkartelle und des internationalen Kokainhandels gewesen.
Ende der siebziger Jahre, einige Jahre nachdem Kokain einen phänomenalen Aufstieg in den Kosumentenkreisen der US-amerikanischen Drogenszene erlebte, kontrollierte Escobar mitsamt einiger Mitstreiter die Hälfte aller Kokainexporte Kolumbiens, die das Land in Richtung USA verließen. Medellín, Hauptstadt der an den Atlantik angrenzenden Provinz Antioquia, von wo aus seine Organisation operierte, wurde zum Namensgeber des Medellinkartells. Zu dieser Zeit wurde die Produktion von Kokain zum stärksten Wirtschaftszweig der kolumbianischen Nation. Mithilfe der Einnahmen aus dem Kokaingeschäft konnte Escobar es sich leisten Politiker und Staatsdiener jeglicher Position zu bestechen. Dies war von zentraler Bedeutung für das Funktionieren des Medellinkartells, denn die Beziehungen, die bis zum damaligen Präsidenten Alfonso López Michelsen reichten, ermöglichten es das schmutzige Geld aus dem Kokaingeschäft ohne Komplikationen bei der Zentralbank Kolumbiens rein zu waschen (vgl. ARNOLD 2005, S. 100).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Bedeutung des kolumbianischen Kokainhandels innerhalb der globalen Drogenökonomie eingeführt und die Problemstellung sowie das Vorgehen der Arbeit skizziert.
1. Theoretischer Rahmen und Methodik: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftliche Schwierigkeit, den kriminellen Sektor theoretisch zu erfassen und begründet den Fokus auf eine empirisch orientierte Akteursanalyse.
2. Aktuelle Entwicklungen auf dem globalen Kokainmarkt: Hier werden die Dynamiken von Angebot und Nachfrage sowie der "Balloneffekt" der Drogenproduktion in den Andenländern und deren Auswirkungen analysiert.
3. Akteure: Dieser Hauptteil durchleuchtet detailliert die verschiedenen Gruppen – von den Bauern über Guerilla und Paramilitärs bis hin zu staatlichen Akteuren und Distributoren – und deren Verflechtungen.
4. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass die Drogenökonomie durch ein hochflexibles, netzwerkartiges System geprägt ist, in dem Akteure voneinander profitieren und gegenseitige Abhängigkeiten den Fortbestand des Handels sichern.
Schlüsselwörter
Kolumbien, Kokainmarkt, Drogenkartelle, FARC, Paramilitärs, Plan Colombia, Balloneffekt, Schattenwirtschaft, Drogenökonomie, Kokabauern, globale Märkte, Korruption, Drogenhandel, Produktion, Konsum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des globalen Kokainhandels, wobei Kolumbien als zentraler Akteur und Produktionsstandort im Mittelpunkt steht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die ökonomischen Dynamiken des Drogenmarktes, die Rolle verschiedener illegaler und staatlicher Akteure sowie die Auswirkungen politischer Antidrogenmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Arbeitsweise und die netzwerkartigen Verflechtungen zwischen den verschiedenen Akteuren der kolumbianischen Drogenindustrie wissenschaftlich zu durchleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Da es an einer einheitlichen Theorie für den kriminellen Sektor mangelt, stützt sich die Arbeit auf eine empirisch basierte Analyse, um die Strukturen hinter dem untersuchten Phänomen zu erschließen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die verschiedenen Akteure – Kokabauern, Kartelle, Guerilla, Paramilitärs, korrupte staatliche Akteure und Distributoren – auf ihre spezifischen Funktionen und Abhängigkeiten hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Drogenökonomie, Kokainhandel, kolumbianische Akteure, netzwerkartige Strukturen und der sogenannte Balloneffekt.
Was besagt der in der Arbeit erwähnte Balloneffekt?
Der Balloneffekt beschreibt das Phänomen, dass bei der Unterdrückung von Drogenproduktion in einer Region (z.B. durch Besprühen von Feldern) die Produktion unweigerlich in andere Gebiete oder Länder ausweicht.
Welche Rolle spielen die Kokabauern in diesem System?
Die Kokabauern bilden die schwächste Akteursgruppe, die vom Drogenhandel am wenigsten profitiert und oft zwischen die Fronten der Guerilla und Paramilitärs gerät.
Warum ist der Kampf gegen den Drogenhandel laut Autor oft wenig erfolgreich?
Der Autor argumentiert, dass eine reine Fokussierung auf die Zerstörung von Anbauflächen (z.B. Plan Colombia) nicht ausreicht, da das Problem primär durch die Nachfrage in den Industrieländern getrieben wird.
- Arbeit zitieren
- Jakob Weber (Autor:in), 2009, Kolumbien als Zentrum der globalen Kokainindustrie: Entwicklung, Strukturen, Akteure, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134342