Egalisierung und Enthierarchisierung der Geschlechterordnung und Geschlechterpolitik in Dänemark


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungen und Tabellen

1. Egalisierung und Enthierarchisierung
1.1 Geschlechterordnung
1.2 Geschlechterpolitik

2. Geschlechterordnung und -politik in Dänemark
2.1 Familienstruktur und Einkommensverteilung
2.2 Der Arbeitsmarkt
2.3 Das System sozialer Sicherung
2.4 Politische Partizipation
2.5 Selbstbestimmungsmöglichkeiten der Frau

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungen und Tabellen

Abbildung 1:

Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied 2006..

Abbildung 2:

Beschäftigungsquote nach Geschlecht

Abbildung 3:

Hochschüler nach Geschlecht 2005.

Abbildung 4:

Teilzeitbeschäftigte nach Geschlecht 2006.

Abbildung 5:

Arbeitslosenquoten auf Dauer 2006

Tabelle 1:

Rentenvergleich in Dänemark früher und heute..

Tabelle 2:

Schwangerschaftsabbruch, gesetzlicher Status nach Indikationen..

Tabelle 3:

Fruchtbarkeitsziffer 2005..

1. Egalisierung und Enthierarchisierung

1.1 Geschlechterordnung

Egalisierung

Die folgenden Faktoren sind für die sich kontinuierlich egalisierenden Geschlechterordnung Dänemarks entscheidend. Als ersten wichtigen Schritt wird die historische Entwicklung Dänemarks als Agrar- bzw. Handelsstaat und die späte Industrialisierung, sowie der schnelle Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft angeführt.

In einer Agrargesellschaft gibt es keine Einverdienerfamilien und die Geschlechterrollen sind in ländlicheren Gebieten weniger ausgeprägt. Der Haushalt war die Grundordnung der Gesellschaft. Die Frau trägt hier ebenfalls wie der Mann zum Lebensunterhalt bei. Handelsstaaten[1] haben in der Regel liberal bürgerliche Kräfte, was der Egalität dienlich ist. Eine stabile demokratische Entwicklung steht im Kontext des Interesses aller gesellschaftlichen Kräfte. Dies fördert auch ein fortlaufendes hohes Interesse des Staates an der Demokratisierung. Darüber hinaus ist das in verschiedenen Strömungen unterteilte bürgerliche Lager dienlich, welches überwiegend liberal ist und nicht (christlich) konservativ dominiert wie in anderen europäischen Ländern (insbesondere der Süden). Es gab schon früh ein starkes politisches Lager der Arbeiter und Bauern, welches sich später in ein linkes politisches Lager wandelte, welches aus verschiedenen Strömungen besteht, die miteinander koalieren. In einer Sozialdemokratie, die stark auf die Werte Gleichheit und Gerechtigkeit setzt, ist es leichter die Legitimität der Geschlechtergleichheit zu erlangen. Dieser Faktor verstärkt sich, wenn die Sozialdemokratie so stark ist, dass sie Klassenkompromisse zu ihren Gunsten aushandeln kann und es damit geschafft hat die politische Mitte bei der Sozialdemokratie anzusiedeln. Kompromisse sind mit außerparlamentarischen Kräften oder parteiinternen Strömungen wie die Frauenbewegung, leichter möglich, wenn häufig sozialdemokratisch geführte Koalitionsregierungen zustande kommen, die politische Kompromisse von allen Lagern fordern.

Ebenso ist auch der hohe Stellenwert des politischen Konsens und soziale Inklusion ein förderlicher Faktor in Dänemark. Weiterhin ist die internationale politische Neutralität Dänemarks ein förderlicher Faktor. Im Kriegsfall wären Restaurationsphasen zu überstehen, welche die Wirtschaft, aber vor allem die Gesellschaft, aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Darüber hinaus ist die kulturelle und religiöse Homogenität ein egalisierender Faktor. Der Protestantismus ist traditionell liberaler eingestellt als der Katholizismus.

Das offene und reformgeübte politische System Dänemarks spricht für sich, ebenso wie die Inklusivität, so dass jede gesellschaftliche Gruppe ihre Interessen geltend machen kann.

Enthierarchisierung

Als ein zentraler Faktor zur Enthierarchisierung der Geschlechterordnung in Dänemark ist die relativ frühe Einführung geschlechtsneutraler sozialer Rechte zu nennen. Dies geschah zum Teil schon bei der Rentenreform vom 1891.

Ein anderer zentraler Faktor ist der Universalismus des sozialen Sicherungssystems. Staatliche Leistungen sind nicht an gezahlte Beiträge gekoppelt. Es besteht eine Individualisierung statt einer Familienzentriertheit, wie z.B. in Deutschland. Dies bedeutet, dass in Dänemark auch verheiratete Frauen (bzw. Männer) als einzelne Einheit angesehen werden. Sozialleistungen sind nicht an dem Familienstatus geknüpft. Das macht die Frau beispielsweise unabhängiger vom Ehemann und dessen Arbeit bzw. Sozialversicherung. Darüber hinaus sind die beanspruchten Sozialleistungen individuell einklagbar.

Weiterhin hat der Staat reproduktive Verantwortung übernommen. Es besteht im Allgemeinen ein hohes Maß an staatlicher Verantwortung für das Wohlergehen der Bürger und Bürgerinnen, besonders im Bezug auf die Umverteilungsfreudigkeit auch zwischen verschiedenen sozialen Schichten. Dies legitimiert die hohen Sozialleistungen, die wiederum insbesondere Frauen zu Gute kommen.

Der relativ frühe und umfangreiche Ausbau des öffentlichen Dienstes seit den 1960er Jahren macht den Staat zum Kinderbetreuer und Frauenarbeitgeber. Dies sorgt für eine hohe Frauenerwerbsquote. In diesem Zusammenhang steht auch der nüchterne Umgang mit der Frage nach aushäusiger Kinderbetreuung und der damit verbundenen Legitimität berufstätiger Elternschaft.

Das steuernfinanzierte soziale Sicherungssystem ist leichter politisch regulierbar, so dass neue Gruppen schneller einbezogen werden können. In Dänemark hat das Ideal der Freiheit einen hohen Stellenwert, welches das Recht auf freie Entscheidung über Abtreibung legitimiert und sicherstellt.

In Dänemark gibt es, anders als in anderen EU-Staaten, kein Frauenministerium[2], sondern ein Gleichstellungsgremium, welches im Endeffekt auch einflussreich wie ein Ministerium ist. Ein wichtiger Vorteil bei dieser Entwicklung war wohl auch die relativ frühe politische Partizipation der Frauen (seit 1915). Darüber hinaus ist sich die Frauenbewegung im Bezug auf das langfristige Ziel der Gleichheit im Sinne der Ressourcenumverteilung in sich einig.

1.2 Geschlechterpolitik

Mit der Geschlechterpolitik ist hier die Politik gemeint, welche die Stabilisierung oder Veränderung des Geschlechterverhältnisses von und für Frauen erwirken. Dabei kann man zwischen Gleichstellungspolitik und Frauenpolitik unterscheiden. Letzteres beschäftigt sich mit der Umverteilung von Gütern zu Gunsten der Frauen. Gleichstellungspolitik hingegen konzentriert sich af die Machtumverteilung zwischen Männern und Frauen.

Die ersten Frauenbewegungen waren bestrebt mehr politische und soziale Rechte, sowie verbesserte berufliche Möglichkeiten und das Wahlrecht zu erlangen. Nach der Einführung des Frauenwahlrechts 1915 in Dänemark verringerten sich die Ambitionen der Frauenbewegung. Erst in den 1970er Jahren wurde die Frauenbewegung erneuert. Sie beschäftigte sich mit der gesellschaftlichen Situation der Frau im Allgemeinen.[3] Dabei wurden verschiedene Frauenrollen thematisiert. Auf der einen Seite gab es die Muterrolle und auf der anderen Seite die Rolle als Erwerbstätige und auch als Staatsbürgerin. Es wurde vor allem die Spannungen zwischen den verschieden Rollen diskutiert. In diesem Kontext konnte die Frauenbewegung auch ihre Selbstbestimmungsmöglichkeiten erweitern und liberalisieren (z.B. Abtreibungsgesetz). Es gab zwei unterschiedliche Flügel der Frauenbewegung. Der radikalfeministische Flügel wollte die ‚patriarchalische Gesellschaft’ grundlegend in ihren Wurzeln verändern, wohingegen der andere Flügel es vorzog durch Veränderungen in den bereits bestehenden Institutionen die Situation der Frauen zu verbessern. In den 1980er Jahren wurden die Unterschiede der beiden Flügel geringer. Die Frauenbewegung konnte dann auch ‚geschlossen’ agieren, was jedoch nur teilweise gelang.[4] In den sozialdemokratischen Parteien Dänemarks gab es, anders als in anderen Sozialdemokratien, keine eigenständigen Frauenorganisationen. Es wurden lediglich dezentrale Frauenkomitees gebildet. Diese Komitees sollten die Frauen in die Parteipolitik integrieren. Dieses Vorgehen stellt eine sozialregulative Gleichstellungspolitik dar. Als antreibender Faktor der Parteien war unter anderem ein ökonomischer. Es ging um die gleichstellungsspezifische Einkommenssituation von Frauen und Männern. In den ersten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg waren die Einkommensunterschiede ein zentrales politisches Thema. Der dänische Staat hat in den 1970er Jahren die Reproduktionsaufgaben wie z.B. die Kinderbetreuung übernommen, damit Frauen eine Erwerbstätigkeit erleichtert werden sollte.

1975 wurde ein Gleichstellungsrat gegründet. Der Rat stellt innerhalb des politischen Systems Dänemarks die zentrale Instanz für Geschlechterfragen dar. In der Vergangenheit hat der Rat sich hauptsächlich mit Fragen der Lohngleichheit und der Gleichbehandlung von Männern und Frauen beschäftigt. Zwar verfügt der Rat nicht über Sanktionsmittel, jedoch entspricht es der dänischen Politik die Anliegen der Bürger und Bürgerinnen aufzunehmen und wenn möglich umzusetzen, denn man versucht politische Auseinandersetzungen zu umgehen.

Die relativ hohe Gleichheit zwischen Männern und Frauen sind zum einen durch die Frauenbewegung (politischer Druck von unten) begründet und zum anderen durch das Individualprinzip (politischer Druck von oben). Die Kultur der Skandinavischen Länder ist für die frühe Emanzipation der Frauen verantwortlich. Die Idee der sozialen Gleichheit und der Freiheit schließt im die Gleichheit und Freiheit der Frauen mit ein. Zudem haben sich Quotenregelungen nicht durchsetzen können.

In den 1990er Jahren war der allgemeine Gleichstellungsprozess der Frau so weit, dass die Frage nach Emanzipation der Männer zumindest im Bereich der Güterumverteilung aufkam. Man kann also sagen, dass der Gleichheitspolitik als Gleichstellungspolitik Rechnung getragen wurde.

2. Geschlechterordnung und -politik in Dänemark

Im internationalen Vergleich wurden die sozialen Rechte der Bevölkerung in Dänemark relativ früh und konfliktarm durchgeführt. Bereits im 19. Jahrhundert erwirkte die Rentenreform (1891) gleiche Rentenrechte für alle Staatsbürger, gleich welchen Geschlechts. Seit dem wurde bei sozialstaatlichen Reformen immer das Individualrecht[5] angewandt. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen wurde 1925 eingeführt. Charakteristisch ist ebenfalls die vergleichsweise relativ hohe Erwerbsbeteiligung der Frauen schon in den 1960er Jahren. 1984 wurde das letzte spezifische soziale Recht der Frau revidiert, die Witwenrente. Auf Grund der zunehmend geringen Geburtenrate versuchte der dänische Staat durch Optimierung der öffentlichen Kinderbetreuung sowie durch die Freistellung von der Arbeit bzw. der Wiedereingliederung der Frau in das Berufsleben, dieses Problem zu beheben. Daraus folgte auch eine zunehmende Gleichverteilung der Erziehungsarbeit zwischen Frau und Mann. Daher kann man sagen, dass in Dänemark traditionell eine große soziale Homogenität vorherrscht. „Geschlecht wird, was soziale Optionen angeht, immer weniger relevant.“[6]

[...]


[1] Im klassischen Sinne nach Rosecrance, Richard (1987): Der Neue Handelsstaat. Herausforderung für Politik und Wirtschaft. Campus Verlag, Frankfurt am Main.

[2] Ein Frauenministerium ist eine Institution zur Vertretung bzw. Förderung der Rechte der Frauen, eingegliedert in ein Ministerium oder als eigenständiges Ministerium. Ein Beispiel ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Deutschland

[3] Forderungen: Ausbildungsrecht für Alle, Bekämpfung der Geschlechterdiskriminierung, Gegen den Abbau des Sozialen- und Gesundheitssektors, Das Recht der Frauen auf Arbeit und wirtschaftlicher Unabhängigkeit.

[4] Frauenfront und Einheitsfront

[5] Beanspruchte Sozialleistungen sind einklagbar und nicht an einen Familienstand geknüpft.

[6] Fuhrmann, Nora (2005): Geschlechterpolitik im Prozess europäischer Integration. VS Verlag, Wiesbaden.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Egalisierung und Enthierarchisierung der Geschlechterordnung und Geschlechterpolitik in Dänemark
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Frauenerwerbstätigkeit im europäischen Vergleich
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V134345
ISBN (eBook)
9783640425884
ISBN (Buch)
9783640422890
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenerwerbstätigkeit, Dänemark, Egalisierung, Enthierarchisierung, Geschlechterordnung, Geschlechterpolitik, Europäische Union
Arbeit zitieren
B.A. Thomas Oeljeklaus (Autor), 2008, Egalisierung und Enthierarchisierung der Geschlechterordnung und Geschlechterpolitik in Dänemark, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134345

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