Die folgenden Faktoren sind für die sich kontinuierlich egalisierenden Geschlechterordnung Dänemarks entscheidend. Als ersten wichtigen Schritt wird die historische Entwicklung Dänemarks als Agrar- bzw. Handelsstaat und die späte Industrialisierung, sowie der schnelle Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft angeführt. In einer Agrargesellschaft gibt es keine Einverdienerfamilien und die Geschlechterrollen sind in ländlicheren Gebieten weniger ausgeprägt. Der Haushalt war die Grundordnung der Gesellschaft. Die Frau trägt hier ebenfalls wie der Mann zum Lebensunterhalt bei. Handelsstaaten haben in der Regel liberal bürgerliche Kräfte, was der Egalität dienlich ist. Eine stabile demokratische Entwicklung steht im Kontext des Interesses aller gesellschaftlichen Kräfte. Dies fördert auch ein fortlaufendes hohes Interesse des Staates an der Demokratisierung. Darüber hinaus ist das in verschiedenen Strömungen unterteilte bürgerliche Lager dienlich, welches überwiegend liberal ist und nicht (christlich) konservativ dominiert wie in anderen europäischen Ländern (insbesondere der Süden). Es gab schon früh ein starkes politisches Lager der Arbeiter und Bauern, welches sich später in ein linkes politisches Lager wandelte, welches aus verschiedenen Strömungen besteht, die miteinander koalieren. In einer Sozialdemokratie, die stark auf die Werte Gleichheit und Gerechtigkeit setzt, ist es leichter die Legitimität der Geschlechtergleichheit zu erlangen. Dieser Faktor verstärkt sich, wenn die Sozialdemokratie so stark ist, dass sie Klassenkompromisse zu ihren Gunsten aushandeln kann und es damit geschafft hat die politische Mitte bei der Sozialdemokratie anzusiedeln. Kompromisse sind mit außerparlamentarischen Kräften oder parteiinternen Strömungen wie die Frauenbewegung, leichter möglich, wenn häufig sozialdemokratisch geführte Koalitionsregierungen zustande kommen, die politische Kompromisse von allen Lagern fordern.
Ebenso ist auch der hohe Stellenwert des politischen Konsens und soziale Inklusion ein förderlicher Faktor in Dänemark. Weiterhin ist die internationale politische Neutralität Dänemarks ein förderlicher Faktor. Im Kriegsfall wären Restaurationsphasen zu überstehen, welche die Wirtschaft, aber vor allem die Gesellschaft, aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Darüber hinaus ist die kulturelle und religiöse Homogenität ein egalisierender Faktor. Der Protestantismus ist traditionell liberaler eingestellt als der Katholizismus.
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Inhaltsverzeichnis
1. Egalisierung und Enthierarchisierung
1.1 Geschlechterordnung
1.2 Geschlechterpolitik
2. Geschlechterordnung und -politik in Dänemark
2.1 Familienstruktur und Einkommensverteilung
2.2 Der Arbeitsmarkt
2.3 Das System sozialer Sicherung
2.4 Politische Partizipation
2.5 Selbstbestimmungsmöglichkeiten der Frau
3. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und strukturellen Faktoren, die in Dänemark zu einer fortschreitenden Egalisierung und Enthierarchisierung der Geschlechterordnung geführt haben, und analysiert die Rolle staatlicher Politik in diesem Prozess.
- Historische Entwicklung der dänischen Geschlechterrollen
- Einfluss des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaatsmodells
- Struktur des Arbeitsmarktes und Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Individualprinzip in der sozialen Sicherung
- Politische Partizipation und Selbstbestimmungsrechte von Frauen
Auszug aus dem Buch
1.1 Geschlechterordnung
Die folgenden Faktoren sind für die sich kontinuierlich egalisierenden Geschlechterordnung Dänemarks entscheidend. Als ersten wichtigen Schritt wird die historische Entwicklung Dänemarks als Agrar- bzw. Handelsstaat und die späte Industrialisierung, sowie der schnelle Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft angeführt.
In einer Agrargesellschaft gibt es keine Einverdienerfamilien und die Geschlechterrollen sind in ländlicheren Gebieten weniger ausgeprägt. Der Haushalt war die Grundordnung der Gesellschaft. Die Frau trägt hier ebenfalls wie der Mann zum Lebensunterhalt bei.
Handelsstaaten haben in der Regel liberal bürgerliche Kräfte, was der Egalität dienlich ist. Eine stabile demokratische Entwicklung steht im Kontext des Interesses aller gesellschaftlichen Kräfte. Dies fördert auch ein fortlaufendes hohes Interesse des Staates an der Demokratisierung. Darüber hinaus ist das in verschiedenen Strömungen unterteilte bürgerliche Lager dienlich, welches überwiegend liberal ist und nicht (christlich) konservativ dominiert wie in anderen europäischen Ländern (insbesondere der Süden). Es gab schon früh ein starkes politisches Lager der Arbeiter und Bauern, welches sich später in ein linkes politisches Lager wandelte, welches aus verschiedenen Strömungen besteht, die miteinander koalieren. In einer Sozialdemokratie, die stark auf die Werte Gleichheit und Gerechtigkeit setzt, ist es leichter die Legitimität der Geschlechtergleichheit zu erlangen. Dieser Faktor verstärkt sich, wenn die Sozialdemokratie so stark ist, dass sie Klassenkompromisse zu ihren Gunsten aushandeln kann und es damit geschafft hat die politische Mitte bei der Sozialdemokratie anzusiedeln. Kompromisse sind mit außerparlamentarischen Kräften oder parteiinternen Strömungen wie die Frauenbewegung, leichter möglich, wenn häufig sozialdemokratisch geführte Koalitionsregierungen zustande kommen, die politische Kompromisse von allen Lagern fordern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Egalisierung und Enthierarchisierung: Dieses Kapitel erläutert die historischen und gesellschaftspolitischen Grundlagen, die den Weg zur Geschlechtergleichstellung in Dänemark geebnet haben.
2. Geschlechterordnung und -politik in Dänemark: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse spezifischer Felder wie Arbeitsmarkt, Sozialsystem, politische Mitbestimmung und reproduktive Rechte.
3. Fazit: Das Fazit fasst die demografische Entwicklung zusammen und bestätigt den Trend zum egalitären Wohlfahrtsmodell, in dem Individualrechte eine zentrale Rolle spielen.
Schlüsselwörter
Dänemark, Geschlechterordnung, Geschlechterpolitik, Egalisierung, Enthierarchisierung, Sozialdemokratie, Individualprinzip, Arbeitsmarkt, Frauenerwerbsquote, Wohlfahrtsstaat, Kinderbetreuung, politische Partizipation, Schwangerschaftsabbruch, soziale Sicherung, Geschlechtergleichheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Dänemark durch spezifische politische und historische Rahmenbedingungen eine weitgehend egalitäre Geschlechterordnung erreicht hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen das Sozialversicherungssystem, der dänische Arbeitsmarkt, die politische Teilhabe von Frauen sowie familienpolitische Leistungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, die in Dänemark zur Enthierarchisierung zwischen den Geschlechtern beigetragen haben.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und sozioökonomische Analyse unter Einbeziehung statistischer Daten aus dem Eurostat-Jahrbuch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Geschlechterordnung sowie eine empirische Untersuchung der dänischen Situation in verschiedenen Lebensbereichen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das Individualprinzip, der Universalismus des Sozialstaates und das egalitäre Wohlfahrtsstaatsmodell.
Welche Rolle spielt das Individualprinzip in Dänemark?
Es sorgt dafür, dass Sozialleistungen einklagbar und nicht an den Familienstand gekoppelt sind, was die Unabhängigkeit der Frau vom Ehemann stärkt.
Wie bewertet der Autor die dänische Familienpolitik?
Das dänische Modell wird als vorbildlich eingestuft, da es durch exzellente Kinderbetreuung eine hohe Erwerbsbeteiligung von Müttern ermöglicht.
- Quote paper
- B.A. Thomas Oeljeklaus (Author), 2008, Egalisierung und Enthierarchisierung der Geschlechterordnung und Geschlechterpolitik in Dänemark, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134345