Hauptstadt-Berichterstattung des privaten Informationssenders F.A.Z. Business-Radio


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
58 Seiten, Note: sehr gut (1,3)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Typologie des Senders
2.1 Zulassung und Gesellschafter
2.2 Verbreitungsgebiet
2.3 Zielgruppe und Konkurrenz
2.4 Programm und Sendestruktur

3. Untersuchung der Hauptstadt-Berichterstattung
3.1 Methode und Operationalisierung
3.2 Begriffsklärung „Hauptstadt-Berichterstattung“
3.3 dpa-Meldungen als Referenzbasis
3.3.1 Referenzmaterial und Kategorisierung
3.3.2 Themenkomplexe des Referenzmaterials
3.3.2.1 Themenkomplex 1: Politik
3.3.2.2 Themenkomplex 2: Wirtschaft
3.3.2.3 Themenkomplex 3: Justiz
3.3.2.4 Themenkomplex 4: Sonstiges
3.4 Vergleich des Referenz- und Untersuchungsmaterials
3.4.1 Themenkomplexe des Untersuchungsmaterials
3.4.1.1 Themenkomplex 1: Politik
3.4.1.2 Themenkomplex 2: Wirtschaft
3.4.1.3 Themenkomplexe 3 & 4: Justiz & Sonstiges
3.4.1.4 Hauptstadtthemen F.A.Z. Business-Radio – nicht DPA
3.5 Themenkarriere am Beispiel „Konjunkturprognose“

4. Auswertung

5. Zusammenfassung

6. Fazit / Resümee

7. Nachwort vom 20. Februar 2003

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

Hauptstadt-Berichterstattung des privaten

Informationssenders „F.A.Z. Business-Radio“

1. Einleitung

Die Behandlung journalistischer Berichterstattung stand im Mittelpunkt des Seminars „Hauptstadt-Berichterstattung“ im Wintersemester 2001/2002. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Rahmen dieser Veranstaltung mit einer Untersuchung des privaten Informationssenders „F.A.Z. 93,6 Berlin. Das Business-Radio“.

Begonnen wurde in der ersten Sitzung mit einer kurzen Erarbeitung theoretischer Grundlagen zum Begriff „Nachricht“: Aspekte wie Wesensmerkmale und Kriterien einer Nachricht, deren Quellen, Ursprung, unterschiedliche Verarbeitungs- und Wirkungsweisen wurden erläutert. Im Vordergrund des Seminars stand jedoch der Vergleich und die empirische Untersuchung verschiedener journalistischer Medien am Beispiel eines ausgewählten Tages: Es sollte aufgezeigt werden, wie sich Zeitungen von Hörfunk und Fernsehen unterscheiden, aber auch, was tagesaktuelle Produktionen von Wochen-Periodika, was lokale von nationalen und private von öffentlich-rechtlichen Medien trennt. Die Untersuchungen erfolgten in geteilten Arbeitsgruppen, den jeweiligen publizistischen Einheiten entsprechend, die dann in den Sitzungen vorgestellt und miteinander verglichen wurden. Kompetente Medienvertreter, vorzugsweise Hauptstadt-Korrespondenten, ergänzten den Kurs.

Ziel des Seminars war die Erarbeitung eines Kriterien-Kataloges, an dem sich entscheidet, was eine Nachricht ausmacht und warum nicht. Mit einem Besuch im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin-Mitte fand das Seminar seinen Abschluss.

Themenschwerpunkt am 29. November 2001: Printmedium versus Hörfunkmedium – der Vergleich einer speziellen Sparte, in diesem Falle: Information mit Wirtschaftsschwerpunkt. Den Bereich Zeitung deckte das „Handelsblatt“, größte täglich erscheinende Wirtschafts- und Finanzzeitung in Deutschland ab, für den Bereich Radio wurde „F.A.Z. 93,6 Berlin. Das Business-Radio“ ausgewählt. Die Arbeit und Ergebnisse der das Radioprogramm untersuchenden Arbeitsgruppe sollen hier dargestellt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Wie geschieht bei dem ausgewählten Radiosender Hauptstadt-Berichterstattung?

Im Verlauf der Arbeit muss grundsätzlich erst einmal geklärt werden, was unter dem Terminus „Hauptstadt-Berichterstattung“ zu verstehen ist. Als Instrument zur Durchführung des Forschungsprozesses findet die empirische Inhaltsanalyse Anwendung, eine in der Sozialforschung häufig verwendete und bewährte Methode, bereits von vielen Empirikern beschrieben1. – Zunächst wird jedoch zum besseren Verständnis (als notwendige Bezugsbasis für die Analyse) ausführlich in die typologischen Merkmale des Senders eingeführt: Neben den Senderdaten, dem Verbreitungsgebiet und der Zielgruppe richtet sich das Augenmerk vor allem auf Programm und Sendestruktur. Kern der empirischen Untersuchung im zweiten Teil: Vor allem der Vergleich und die Analyse der aufgezeichneten und protokollierten Ausstrahlung des Radioprogramms mit den Meldungen der Deutschen Presse-Agentur als Basis- bzw. Referenzmaterial. – Um der Fülle von ausgewerteten Daten Rechnung tragen zu können, erfolgt zunächst ein gröberer Überblick und eine Analyse des gesamten Untersuchungsmaterials, kategorisiert in Themenkomplexe. Vorgestellt wird dann die im Rahmen der Untersuchung entwickelte sogenannte „Themenkarriere“. Sie zeigt als Beispiel Stellung, Wertigkeit und den Inhalt eines ausgewählten Themas, beobachtet über den gesamten Tag im Programm. Dadurch gelangt man zu validen Aussagen über die Hauptstadt-Berichterstattung in „F.A.Z. 93,6 Berlin. Das Business-Radio“.

Diese Seminararbeit ist in zwei Teile gegliedert: Sie beschreibt zunächst ausschließlich den Sender und seine Strukturen. Im Anschluss daran geht es ausschließlich um die eigne geleistete Forschungstätigkeit, daher sind im zweiten Teil umfangreiche Literaturbezüge weniger zu finden2 – die Ausführungen sind inhaltlich äquivalent zu der im Rahmen des Seminars durchgeführten Präsentation vom 29.11.2001. Die Arbeit beschäftigt sich dabei ausschließlich mit Hauptstadt-Berichterstattung im untersuchten Berliner Sender, ein Vergleich mit anderen Medien kann aufgrund der Komplexität an dieser Stelle nicht geleistet werden, wäre jedoch als Weiterführung in einer Magister- oder Diplomarbeit nicht uninteressant.

Vorab noch drei weitere Bemerkungen:

1. Der offizielle Name des Senders lautet „F.A.Z. 93,6 Berlin. Das Business-Radio“, der Einfachheit halber wird im Verlauf der Arbeit jedoch auf „F.A.Z. Business-Radio“ verkürzt.
2. Es liegt bedauerlicherweise in der Natur der Sache, dass die schriftliche Darstellung eines Hörmediums weniger anschaulich ist, als in einem Vortrag mit akustischen Beispielen und Folien. Durch eine Einarbeitung der benutzten Präsentationsfolien und Grafiken wurde versucht, dieses ein wenig zu kompensieren.
3. Während der Analysephase bestand die Arbeitsgruppe aus zwei Teammitgliedern: XXX und Torsten Schaletzke. Beide untersuchten und referierten gemeinsam zum Thema.

2. Typologie des senders

2.1 Zulassung und Gesellschafter

Sendebeginn von F.A.Z. Business-Radio war der 20. November 2000, nachdem am 4. September 2000 der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) als Genehmigungsbehörde den Beschluss über die Vergabe der UKW-Frequenz 93,6 MHz gefasst hatte.3,4 Somit war die Sendelizenz für ein Programm erteilt, dessen wesentliche Merkmale als „ein Informationsprogramm (...) mit hoher journalistischer Qualität und bundesweiten Perspektiven“ festgelegt wurden. „Die besondere Funktion Berlins als Bundeshauptstadt“5 sollte berücksichtigt werden, das Format wie folgt bestimmt: Ein Nachrichten-, Wirtschafts- und Serviceradio ohne Musik.

Der Veranstalter des Programms ist das Unternehmen F.A.Z. 93,6 Berlin GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin (Kurfürstendamm 207-208, 10719 Berlin). Einziger Gesellschafter ist die F.A.Z. Electronic Media GmbH (FEM), deren einzige Gesellschafterin wiederum die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH setzt sich wie folgt zusammen6:

- 56,4 % FAZIT-Stiftung gemeinnützige Verlagsgesellschaft
- 27,6 % Frankfurter Societät-Druckerei GmbH
- 4,7 % Herausgeber
- 11,3 % eigene Anteile

Die F.A.Z. Electronic Media GmbH wird nach Angaben der Medienanstalt Berlin-Brandenburg ihre Anteile auf die noch zu gründende F.A.Z. Radio Beteiligungs- GmbH & Co. KG übertragen, deren einzige Kommanditistin sowie einzige Gesellschafterin der Komplementär GmbH die F.A.Z. Electronic Media GmbH sein wird.7

Vorgänger von F.A.Z. Business-Radio auf der Frequenz 93,6 MHz war das Wortprogramm „Berlin aktuell“. Die Frequenz war neu ausgeschrieben worden, nachdem die bisherigen Betreiber von „Berlin aktuell“ den Betrieb an die Tochtergesellschaft der FAZ verkauft hatten. Die Ausschreibung und das Auswahlverfahren gaben der Medienanstalt Gelegenheit, das Konzept der FAZ für die Fortführung zu überprüfen und mit anderen Anträgen zu vergleichen. Einer der ausschlaggebenden Faktoren für die Lizenzvergabe an F.A.Z. Business-Radio war nach Angaben der MABB auch die zu erwartende hohe journalistische Qualität.8 9

In jüngster Zeit sind mit Bayern und Hessen zwei weitere Sendestandorte errichtet worden: Seit dem 29.08.2001 sendet „F.A.Z. 92,4 Business-Radio München“ im Großraum der bayerischen Landeshauptstadt, jedoch im Frequenzsplitting mit zwei anderen, kleineren Betreibern.10 11 Aufsichtführende Anstalt ist dort die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM). – Mit der Aufnahme des terrestrischen Sende-betriebes in Frankfurt seit dem 29. April 200212, sowie ab Mitte 200213 im Wetzlar-Gießener und Bensheim-Mannheimer Raum wird nun auch die Stammregion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung versorgt; nachdem Ende De- zember die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) die Zulassung für „F.A.Z. 97,1 Frankfurt Business-Radio“ mit der Auflage eines Schwerpunktes auf Wirtschaftsberichterstattung erteilt hatte.14 Gegenüber dem Berliner „Mutterhaus“ sind die Gesellschafteranteile leicht verändert, Hauptveranstalter und somit federführend ist wieder FEM, in Bayern mit 87%15 und in Hessen mit 80%.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Karte von Berlin-Brandenburg. Grau unterlegt: Das UKW- Sendegebiet von F.A.Z. 93,6 Berlin. Das Business-Radio.

Edmund Keferstein, in Personalunion Geschäftsführer der F.A.Z. Electronic Media GmbH und der F.A.Z. GmbH machte nach der Zulassung für Hessen seine Strategie und Zukunftsvision für F.A.Z. Business-Radio deutlich: „Mit dieser Entscheidung nimmt unser nationales Radio-Netzwerk konkrete Gestalt an.“17

2.2 Verbreitungsgebiet

F.A.Z Business-Radio stehen derzeit vier verschiedene Verbreitungsmöglichkeiten zur Verfügung:

1. Terrestrisch: In Berlin und angrenzendem Umland (Abb. 1) über die UKW-Frequenz 93,6 MHz, bzw. in München und Frankfurt über die dortigen lokalen Frequenzen. – Im Ballungsraum Berlin und Umland leben derzeit etwa vier Millionen Menschen,18 in Hessen können den Frankfurter Sender theoretisch etwa 1,9 Millionen Hörer einschalten,19 im Münchner Raum sind schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen über Radiogeräte empfangsbereit20.
2. Über das Breitbandkabelnetz der Deutschen Telekom AG an alle angeschlossenen Haushalte der Region21.
3. Via Satellit „Eutelsat Hot Bird 5“ in weiten Teilen Europas.22
4. Weltweit im Internet über Livestream unter: www.fazbusinessradio.de23,24

2.3 Zielgruppe und Konkurrenz

In Publikationen der MABB wird als Kernzielgruppe lediglich die Altersgruppe der 25- bis 49-jährigen genannt.25 Das Publikum scheint in vielen Bereichen über dem Durchschnitt, abgehoben vom Mainstream zu liegen: Eigenen Angaben zufolge ist die Zielhörerschaft informations-, wirtschafts- und börsenorientiert, und an den Neuen Medien, sowie an Theater und Kultur interessiert. F.A.Z. Business-Radio möchte die Entscheider ansprechen, Meinungsführer mit höherem Bildungsabschluss und Double Income. Pendler und – in Abweichung zu den Daten der MABB – einen Rezipientenkreis mit einer Altersstruktur von 25 bis 55 Jahren soll erreicht werden.26 Nach den Vorstellungen der Werbezeitverkäufer des Senders schalten anspruchsvolle, moderne Konsumenten, service-, trend- und konsumorientiert, mit überdurchschnittlich ausgeprägtem Markenbewusstsein das Programm ein, glaubt man den Ausführungen der Broschüre „Tarife und Programme 2002“.27

Umfassende, eindeutige Aussagen zur Hörerentwicklung können noch nicht gegeben werden. Die Gestaltung der Programmmacher schien die Hörer jedoch zu erreichen: Bereits kurz nach dem Start entfielen nach Media-Analyse (MA) 2001 Radio II durchschnittlich 30.000 Hörer auf F.A.Z. 93,6 Berlin. Das Business-Radio.28 Der Sender kommt jedoch in der jüngsten Erhebung vom September 2001, der MA 2002 I (Anfang März veröffentlicht) nicht über die Messbarkeitsgrenze hinaus und taucht dort gar nicht auf.29 Georg Gafron, damaliger (und unlängst abgesetzter) Geschäftsführer des Konkurrenten „Hundert,6“, geizt deshalb auch nicht mit Schadenfreude: „Wieder einmal zeigt sich“, so sagt er, „dass das Machen einer Qualitätszeitung nicht gleichzeitig bedeutet, auch im elektronischen Bereich Erfolge aufzuweisen (sind).“30 Wenig befriedigend erscheint dieses Ergebnis unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl Berlins, der statistisch möglichen Hörerschaft und der Werte der Konkurrenzsender auf den ersten Blick schon. – 30.000 Zuhörer sind angesichts zweier im Sendegebiet seit langen Jahren etablierter Konkurrenzprogramme mit ähnlicher Ausrichtung (dem öffentlich-rechtlichen „Inforadio“ von SFB und ORB und dem privaten „Hundert,6“) dennoch eine nicht zu unterschätzende Leistung. Zudem muss gerade im Großraum Berlin eine besondere Gesamtsituation berücksichtigt werden: Im Berliner Äther sind weitere 26 UKW-Frequenzen vergeben31, teilweise gesplittet an mehrere Anbieter. Hier kann man derzeit von einem der am stärksten umkämpften Radiomärkte Europas sprechen.

Dafür steht auch das jüngste Beispiel: „Aufgrund der Insolvenz der Kirch-Media ist der bisherige Alleingesellschafter der „Hundert,6 Medien GmbH“, Herr Thomas Kirch, nicht mehr in der Lage, den Betrieb von Hundert,6 weiter zu finanzieren,“32 lautete es in der Pressemitteilung der MABB vom 29. April 2002. Zur Fortführung des Senders müssten neue Gesellschafter einsteigen, was gemäß Medienstaatsvertrag der Länder Berlin und Brandenburg unzulässig ist und zur Neuausschreibung der Lizenz führte.33 Das Konzept des Ballungsraumradios im Verbund, wie es F.A.Z.-Geschäftsführer Keferstein mit den drei F.A.Z. Business-Radio-Sendern im kleinen Maßstab bereits umgesetzt hat,34 könnte finanziell bessere Chancen haben, denn ein zentraler Sender liefert quasi die Module für das Rahmenprogramm, die von den regionalen Standorten übernommen und lediglich mit lokalen Angeboten ergänzt würden (à siehe dazu Kapitel 2.4 „Programm und Sendestruktur“, ab S. 11, insbesondere Beispiel auf S. 13). Noch bilden Radios mit bundesweitem Sendekonzept eine Ausnahme35, die Produktionskosten wären aber bei einem Verbund insgesamt niedriger und man könnte es sich leisten, am jeweiligen Standort weniger Zuhörer zu erreichen, was bei der eingeschränkten Zielgruppe eines Spartenradios immer der Fall ist. – Sollte „Hundert,6“ die Sendelizenz nicht zurückerhalten, bliebe wohl als direkter Konkurrent nur Inforadio, das seine Wirtschaftsberichterstattung bereits verstärkt und seinen als Ruf als „seriös und ausgewogen“36 halten konnte. Ohnehin darf eine Deckung der Zielgruppe zwischen „Hundert,6“ und F.A.Z. Business-Radio angezweifelt werden. Mit teils aggressiver Meinungsmache und vielfach nachgewiesener Tendenzberichterstattung37 gilt „Hundert,6“ als „journalistisch bedenklich“. Eine gehobene Zielgruppe, die Wert auf eine ausgewogene, seriöse Berichterstattung legt, dürfte sich im „Höralltag“ weniger angesprochen fühlen. Zudem entschloss sich der Sender Anfang des Jahres, vom Live-Konzept abstand zu nehmen und wiederholt nun weitestgehend vorproduzierte Nachrichtensendungen.38

Neben der direkten Konkurrenz muss sich F.A.Z. Business-Radio ebenfalls noch auf anderen Ebenen behaupten: Es steht auch im Wettbewerb mit Internet, Print und Fernsehen. Radio hat beispielsweise den entscheidenden Vorteil, schneller als die Tageszeitung zu sein und einen aktualitätsnahen Redaktionsschluss zu besitzen, aber auch den Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Fernsehen, keine Bilder transportieren zu können. Dieser Aspekt soll jedoch an dieser Stelle nicht weiter verfolgt werden, da eine Auseinandersetzung damit den gesteckten Rahmen sprengen würde. Außerdem trifft dieses Problem ja auch auf alle Radiosender zu.

2.4 Programm und Sendestruktur

Das Programm teilt sich in drei inhaltliche „Grundsäulen der Programmstruktur“39 auf: News / Wirtschaft und Börse / General Interest. Eine grafische Darstellung Diese drei gleichwertigen Bereiche ist nachstehend in Abbildung 2 verzeichnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das Programm von F.A.Z. Busness-Radio – es ist in die drei inhaltlichen Schwerpunkte aufgeteilt: Nachrichten, Börse und Wirtschaft, sowie General Interest.

In der Aufteilung nach inhaltlichen Schwerpunkten deutlich erkennbar: die Bereiche Nachrichten, Wirtschaft und Service, exakt dem Format und den Zulassungsauflagen der MABB entsprechend (vgl. à 2.1, Seite 6).

Wie aber findet die praktische Umsetzung im Sendealltag statt? – Die Macher von F.A.Z. Business-Radio haben hier ein stündlich wiederkehrendes System entwickelt, die sogenannte „Sendeuhr“40, grafisch aufbereitet in Abbildung 3.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die Sendeuhr – sie verdeutlicht die einzelnen fest positionierten Elemente der sich stündlich stets wiederholenden Sendestruktur.

Sendungen mit nachrichtlichem oder tagesaktuellem Charakter sind blau gefärbt, Börsensegmente grün, Wetter- und Verkehrsservice gelb und Werbung ist mit roter Kolorierung versehen. Wechselnde Themen dominieren das violett gefärbte Segment: Unter „Rubrik“ können die Rezipienten Sport-, Kultur-, Computer-, Lifestyle- und Verbraucherinformation oder Ausstrahlungen mit ähnlichen Inhalten hören.

Klar erkennbar ist die eindeutige Strukturierung der einzelnen Programmelemente: Nachrichten, Wirtschaft, Service und Werbung lösen einander in fester Reihenfolge ab. Im in 60 Minuten aufgeteilten Kreisdiagramm „Sendeuhr“ liegen die Sendungen stets gegenüber. Das bedeutet eine Wiederkehr des gleichen Programmelementes spätestens nach 30 Minuten – um sich ein Bild über die aktuelle Weltlage verschaffen zu können, darf also auch später eingeschaltet werden: Der Hörer erfährt halbstündlich Deutschland- und Weltnachrichten, Rubriken wie „News Regional“ ergänzen das Angebot darüber hinaus, Segmente wie „Interview / Reportage“ vertiefen es. – Viel auffälliger die besonders häufige Ausstrahlung von Wirtschafts- und Börsensendungen (grün): Die Zeitspanne zwischen zwei Sendungen liegt bei sechs bis maximal elf Minuten, im Durchschnitt kehrt das Sendeschema nach etwas mehr als acht Minuten zu einer Wirtschaftssendung zurück. Offensichtlich trägt man hier dem Servicecharakter und der Ausrichtung auf den Bereich Wirtschaft und Börse, (zweiter Programm-Bereich in Abbildung 2), sowie der gegenwärtig vorherrschenden Funktion des Radios als Begleitmedium41 42 Rechnung und richtet sich nach der zuvor in Kapitel 2.3 beschriebenen Zielgruppe aus. – Natürlich lässt sich eine scharfe Abgrenzung im Sendealltag nicht immer vornehmen: So können – abhängig von der Nachrichtenlage – beispielsweise auch Wirtschaftsthemen zu Nachrichten werden und umgekehrt ebenso, besonders in „Interview / Reportage“.

Erstellt und gesendet wird bisher ein einheitliches Mantelprogramm aus dem Berliner „Mutterhaus“, bestehend aus den Programmsegmenten, welche von den „Geschwisterstandorten“ übernommen werden. Ausnahmen bilden beispielsweise die beiden Regionalblöcke „News Regional“, jeweils um xx.16 und xx.46. In dieser Zeit werden von den lokalen Redaktionen in München und Frankfurt eigene Programminhalte verbreitet. Natürlich liefern die lokalen Redaktionen auch Beiträge mit überregionalem Interesse zur Verbreitung im gesamten Gebiet.43

Eine Aufwertung erfuhr der Sendestandort Frankfurt durch den Aufbau der dortigen Redaktion Wirtschaft und Finanzen. Sie ergänzt sich nun mit dem bereits vorhandenen Studio in Berlin gleichgewichtig und wechselseitig. Beide Standorte sollen als Kompetenzzentren das Rückgrat eines angestrebten Verbundes bilden. Während aus Berlin vornehmlich die bundespolitische Entwicklung journalistisch begleitet werden soll, entsteht in der Banken- und Börsen-Stadt Frankfurt das Berichterstattungszentrum für Wirtschaft und Finanzen.44

An dieser Stelle soll dem zweiten Teil der Arbeit nicht weiter vorgegriffen, sondern es sollte nur zum besseren Verständnis in das Programm eingeführt werden. Es besteht also aus einer Struktur mit sich stetig wiederholenden Elementen. Bei der Auseinandersetzung damit ergab sich automatisch die Frage, ob dies auch mit einer inhaltlichen Wiederholung oder gar erneut ausgestrahlten Sendemitschnitten einhergeht. Auch dazu mehr im Rahmen der Untersuchung der Hauptstadt-Berichterstat-tung im nächsten Teil.

[...]


1 Folgende Standardwerke der Sozialforschung dienten der Arbeit als Grundlage: 1.: Schnell, Hill, Esser 1995, S. 298, 372ff / 2.: Kromrey 1995, S. 232 / 3.: Diekmann 1997, S. 169ff u. 481ff / 4.: Früh 1998 / 5.: Benninghaus 1998.

2 Zudem erfolgt an einigen Stellen der Literaturbezug aus Krankheits- und Zeitgründen ausnahmsweise über das Internet.

3 vgl.: „Beschluß des Medienrates zur Auswahl eines Veranstalters für die UKW-Hörfunkfrequenz 93,6 MHz vom 4. September 2000“ unter: http://www.mabb.de/aktuell/beschl000904-se.doc

4 Die Auswahl aus den getroffenen Anträgen und die Entscheidung für F.A.Z. Business-Radio erfolgte bereits am 03. Juli 2000, durch Pressemitteilung veröffentlicht unter: http://www.mabb.de/aktuell/pm000704.html

5 vgl.: „Beschluß des Medienrates zur Auswahl eines Veranstalters für die UKW-Hörfunkfrequenz 93,6 MHz vom 4. September 2000“ unter: http://www.mabb.de/aktuell/beschl000904-se.doc, S. 3

6 vgl. a.a.O., S. 2 und gegenwärtige Situation unter: http://www.mabb.de/radio/faz.html

7 vgl. ebd.

8 vgl. Pressemitteilung der MABB vom 03.07.2000 unter: http://www.mabb.de/aktuell/pm000704.html

9 Offensichtlich wurde das Programm den Anforderungen der MABB gerecht, denn in einer Pressemitteilung der MABB vom 22.01.2002 heißt es: „FAZ Business Radio wird künftig in Frankfurt/Oder, Neuruppin und Belzig/Wiesenburg zu hören sein.“ – vgl.: http://www.mabb.de/start.cfm?content=presse&template=pressemeldungsanzeige&id=108

10 vgl. Hörfunk-Informationen der BLM unter: http://www.blm.de/hoerfunk/sender/81.htm

11 Die Sendezeiten von „F.A.Z. 92,4 Business-Radio München“ sind: „Mo-Fr 00.00 - 19.00, Sa 00.00 - 08.00, So 00.00 - 08.00 Uhr. In der übrigen Sendezeit wird das Programm von Radio Lora bzw. Radio Feierwerk gestaltet“. (http://www.blm.de/hoerfunk/sender/81.htm)

12 vgl.:.http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=radio/radio_location.asp&rub={2CDF8F9C-A57A-4C54-894A-0445843CF6DD}

13 vgl. Pressemitteilung des F.A.Z.-Verlages vom 29.04.2002 unter: http://www.faz-verlag.de/IN/INtemplates/Verlag/overview.asp?rub={F1B72B51-3783-11D4-A3AA-009027BA22E4}

14 vgl. Entscheidung der LPR Hessen unter: www.lpr-hessen.de und www.radiointern.de im Wortlaut nachzulesen unter: http://www.digitv.de/meldungen/1008053734,47250,.shtml

15 vgl. Hörfunk-Informationen der BLM unter: http://www.blm.de/hoerfunk/sender/81.htm

16 vgl. Neue Züricher Zeitung, Artikel unter: http://www.nzz.ch/2001/12/14/em/page-article7UN1M.html

17 So Edmund Kieferstein in w&v online, veröffentlicht am 11.12.2001 unter: http://www.radiomanager.de/21stcentury/News6.htm

18 vgl.: http://www.diw.de/deutsch/publikationen/wochenberichte/docs/98-14-2.html#HDR2

19 vgl.: http://www.digitv.de/meldungen/1008053734,47250,.shtml

20 vgl.: http://www.blm.de/hoerfunk/sender/81.htm

21 vgl.: http://www.mabb.de/radio/faz.html

22 vgl.: http://www.digitv.de/news/viewnews.cgi?newsid982846186,71861,

23 vgl.: http://www.digitv.de/news/viewnews.cgi?newsid979398068,35369,

24 vgl.: www.fazbusinessradio.de

25 vgl. MABB unter: http://www.mabb.de/radio/faz.html

26 vgl. unter: http://www.faz-em.de/download/FAZNET_Preisliste_2.pdf

27 vgl. ebd.

28 vgl. www.radiomarkt.net - Media-Analyse Radio 2002 I - Pressemitteilungen

29 vgl.: http://www.ard-werbung.de/services/basics/radio/ und http://www.ard-werbung.de/showfile.phtml/ma2002iberlin_brandenburg.pdf?foid=2397

30 vgl.: http://www.agma-mmc.de/popup/detail_press.php?lang=de&id=57 Artikel zu finden im Pressespiegel der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse, erschienen am 07.03.2002 in der Berliner Morgenpost (dort über das Archiv der Zeitung unter www.berlinermorgenpost.de)

31 vgl.: http://www.mabb.de/frequenzen/berlin.html

32 Pressemitteilung der MABB vom 29.04.2002, veröffentlicht unter: http://www.mabb.de/aktuell/pm020429.html

33 vgl.: ebd.

34 vgl.: Edmund Kieferstein in w&v online, veröffentlicht am 11.12.2001 unter: http://www.radiomanager.de/21stcentury/News6.htm

35 vgl.: Breunig 2001, S. 451

36 vgl.: Meldung des Evangelischen Pressedienstes (epd), Ressort Medien vom 21. Januar 2002 unter: http://www.epd.de/medien/1998/4leiter.htm

37 vgl. diverse Artikel und Quellen, in Auswahl:
a)Artikel vom 13. März 2002 unter: www.rbi-aktuell.de/Medien/21012002-01/13022002-05/13022002-05.html
b)Artikel vom 29.09.2001 in „Telepolis“ unter: www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/9678/1.html
c)„Tagesspiegel“ vom 20.09.2001 unter: http://www2.tagesspiegel.de/archiv/2001/09/19/ak-me-4413243.html
d)„Tagesspiegel“ vom 27.04.2001 unter: www2.tagesspiegel.de/archiv/2001/04/26/ak-me-225353.html
e)„Der Spiegel“ vom 22. Januar 2001 unter: www.spiegel.de/spiegel/0,1518,114425,00.html
f)Artikel in „GRIP22“ Ausgabe 2/2000 unter: http://www.filmhaus-frankfurt.de/seiten/grip/grip22/grip_forum5_bd.htm
g)„Berliner Zeitung“ vom 19.09.1997 unter: www.berlinonline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/1997/0919/medien/0038/
h)Chronologie zum Thema in „radionews“ unter http://www.radionews.de/230402-01.html Anmerkung: Bewusst wird bei dieser Aussage nur auf eine Auswahl möglichst sachlicher Bezugsquellen verwiesen – um nicht den Eindruck von Parteinahme entstehen lassen.

38 vgl.: Der Tagesspiegel vom 12.01.2002 unter: http://www2.tagesspiegel.de/archiv/2002/01/11/ak-me-6610222.html

39 vgl.: http://www.faz.net/dynamic/download/mediendaten_national_2002.pdf

40 vgl.: http://www.faz.net/dynamic/download/mediendaten_national_2002.pdf

41 vgl. Tonnemacher 1996, S. 164

42 vgl. Noelle-Neumann, Schulz, Wilke 1997, S. 498

43 vgl.: http://www.radioszene.de/news/faz2.htm

44 vgl.: Pressemitteilung LPR Hessen unter: http://www.radiomarkt.net/News/102000/PM1/pm1.html

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Hauptstadt-Berichterstattung des privaten Informationssenders F.A.Z. Business-Radio
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Hauptstadt-Berichterstattung
Note
sehr gut (1,3)
Autor
Jahr
2003
Seiten
58
Katalognummer
V13438
ISBN (eBook)
9783638191050
Dateigröße
881 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
F.A.Z. Business-Radio hat seinen Sendebetrieb am 01.12.2002 eingestellt.
Schlagworte
Hauptstadt-Berichterstattung, Informationssenders, Business-Radio
Arbeit zitieren
Torsten Schaletzke (Autor), 2003, Hauptstadt-Berichterstattung des privaten Informationssenders F.A.Z. Business-Radio, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13438

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