Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit soll die Arbeitsmarktpolitik der zwei mitteleuropäischen Länder Niederlande und Deutschland nebeneinander gestellt und einer vergleichenden Betrachtung unterzogen werden. Diese Betrachtung wird vor allem unter dem Aspekt interessant, dass die Arbeitsmarktpolitik in Deutschland im europäischen Vergleich in der Vergangenheit wenig erfolgreich gewesen ist (vgl. Mehrländer, Brandherm, 2004, 5) und die Niederlande innerhalb dieses Vergleichs aufgrund ihrer reformfreudigen und erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik der 1980er u. 1990er Jahre bekannt geworden ist. Um einer vergleichenden Länderdarstellung bei einem so komplexen sozialpolitischen Thema wie dem der Arbeitsmarktpolitik Rechnung tragen zu können, soll im Kontext dieser Hausarbeit die vergleichende Betrachtung anhand eines wesentlichen Vergleichspunktes ausgerichtet werden. Nach einer einleitenden Begriffsklärung von Arbeitsmarktpolitik sollen holzschnittartig die anfänglichen arbeitsmarktpolitischen Reformbemühungen der letzten beiden Dekaden und deren gesellschafts-politischen und -historischen Hintergründe bzw. Auslöser benannt und verglichen werden. Auch bei dieser Eingrenzung sei darauf verwiesen, dass die Darstellung nicht den Anspruch auf Vollständigkeit einlösen wird. Vielmehr soll es darum gehen, Erfolgs- bzw. Misserfolgskonzeptionen der beiden Länder herauszufiltern und die Reformbemühungen auch zu der in der Vorlesung thematisierten Typologisierung von Wohlfahrtsstaaten nach Esping- Andersen in Bezug zu setzen. Diese Arbeit abschließend soll im Rahmen einer kritischen Betrachtung heutiger und wie sich herausstellen wird, durchaus der Privatisierung bzw. Liberalisierung verpflichteter wohlfahrtsstaatlicher Gesamtkonzeptionen auch eine Annäherung an die persönliche Meinung des Verfassers zum Thema gelingen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arbeitsmarktpolitik – eine begriffliche Annäherung
2.1 Aktive Arbeitsmarktpolitik
2.2 Passive Arbeitsmarktpolitik
3. Arbeitsmarktpolitik im Vergleich und die gesellschaftshistorischen Bedingungen vor den anfänglichen arbeitsmarktpolitischen Reformen
3.1 Die Notwendigkeit von frühen arbeitsmarktpolitischen Reformen in den Niederlanden
3.2 Deutschland und die verspäteten Reformbemühungen
4. Arbeitsmarktpolitische Reformbemühungen der beiden Länder Niederlande und Deutschland
4.1 Das zentrale Leitmotiv „from welfare to work“ und die Abkehr von der kollektiven Solidarität
4.2 Zentrale Paradigmenwechsel in der deutschen Arbeitsmarktpolitik
5. Die arbeitsmarktpolitischen Reformbemühungen von den Niederlanden und Deutschland im Spiegel der wohlfahrtsstaatlichen Typologie von Esping – Andersen
5.1 Sozialpolitik im internationalen Vergleich
5.2 Die wohlfahrtsstaatliche Typologie von Esping – Andersen
5.2.2 Niederlande
5.2.3 Deutschland
6. Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die arbeitsmarktpolitischen Reformbemühungen in den Niederlanden und Deutschland einer vergleichenden Betrachtung zu unterziehen, um Erfolgs- sowie Misserfolgskonzeptionen herauszuarbeiten und diese im Kontext der wohlfahrtsstaatlichen Typologie nach Esping-Andersen zu analysieren.
- Vergleich der arbeitsmarktpolitischen Entwicklung in den Niederlanden und Deutschland.
- Analyse des Leitmotivs „from welfare to work“ und der damit verbundenen Abkehr von kollektiven Sicherungssystemen.
- Untersuchung der gesellschaftshistorischen Hintergründe und Auslöser für arbeitsmarktpolitische Reformen seit den 1980er/1990er Jahren.
- Einordnung der Reformen in die wohlfahrtsstaatliche Typologie nach Esping-Andersen.
- Kritische Reflexion der Reformbemühungen aus wirtschaftsethischer Perspektive.
Auszug aus dem Buch
3.2 Deutschland und die verspäteten Reformbemühungen
Die Zeiten der Vollbeschäftigung und damit die Realität einer günstigen Arbeitsmarktalge ist seit etwa Mitte der 70er Jahre Vergangenheit. Die Vollbeschäftigung wurde „abgelöst durch ein hohes und steigendes Maß an Unterbeschäftigung – eine Entwicklung, die noch in den 1960er und 1970er Jahren unter dem Eindruck hoher Wachstumsraten und knapper Arbeitskräfte für unmöglich gehalten wurde“ (Bäcker, Naegele, Bispinck, Hofemann, Neubauer, 2008, 482). Ebenso wie die Niederlande sorgte die Ölpreiskrise von 1974/75 für einen Wirtschaftseinbruch, wodurch die Arbeitslosenzahl von mehr als eine Million überschritten wurde. „Die Arbeitslosigkeit konnte seit dieser Zeit zwar in konjunkturellen Aufschwungphasen abgebaut werden, doch der verbleibende Sockel stieg von Krise zu Krise an, so dass in Deutschland seit dreißig Jahren eine hohe und überzyklisch steigende Arbeitslosigkeit besteht“ (ebd., 482).
Somit kann konstatiert werden, dass die Notwendigkeit arbeitsmarktpolitischer Reformbemühungen ähnlich wie in den Niederlanden schon früh hätte beginnen können. Dennoch ist erst mit dem Wechsel des Arbeitsförderungsgesetzes zum SGB III 1998 der Beginn der arbeitsmarktpolitischen Reformen in Deutschland zu verzeichnen. Ein wesentlicher Unterschied hinsichtlich der arbeitsmarktpolitischen Reformen der beiden Länder Niederlande und Deutschland wird ohne Bezugnahme auf eine inhaltliche Ausgestaltung anhand des zeitlichen Beginns der Reformen offenkundig. Der Grund für diese verspätet wirkenden Reformen in Deutschland macht Knuth (2004, 7) anhand der lang anhaltenden Innenperspektive von Deutschland fest. Zum einen sei Deutschland in der Arbeitsförderung international bis dato eher Vorreiter als Nachzügler gewesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Vergleich der Arbeitsmarktpolitik von Deutschland und den Niederlanden ein und skizziert die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit.
2. Arbeitsmarktpolitik – eine begriffliche Annäherung: Es erfolgt eine Klärung der Begriffe aktive und passive Arbeitsmarktpolitik und deren Bedeutung im sozialpolitischen Kontext.
3. Arbeitsmarktpolitik im Vergleich und die gesellschaftshistorischen Bedingungen vor den anfänglichen arbeitsmarktpolitischen Reformen: Das Kapitel beleuchtet die wirtschaftlichen Krisenzeiten der 70er und 80er Jahre und deren Einfluss auf die Notwendigkeit von Reformen in beiden Ländern.
4. Arbeitsmarktpolitische Reformbemühungen der beiden Länder Niederlande und Deutschland: Hier werden die konkreten Reformen wie der Wandel „from welfare to work“ und der Paradigmenwechsel im deutschen Sozialstaat detailliert beschrieben.
5. Die arbeitsmarktpolitischen Reformbemühungen von den Niederlanden und Deutschland im Spiegel der wohlfahrtsstaatlichen Typologie von Esping – Andersen: Die Reformen werden theoretisch anhand der Typologie von Esping-Andersen eingeordnet und bewertet.
6. Persönliche Stellungnahme: Der Verfasser reflektiert die Ergebnisse kritisch vor dem Hintergrund eigener beruflicher Erfahrungen und wirtschaftsethischer Ansätze.
Schlüsselwörter
Arbeitsmarktpolitik, Niederlande, Deutschland, Reformbemühungen, Sozialstaat, wohlfahrtsstaatliche Typologie, Esping-Andersen, aktive Arbeitsmarktpolitik, from welfare to work, Eigenverantwortung, Arbeitslosigkeit, Korporatismus, Liberalisierung, soziale Absicherung, Beschäftigungsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die arbeitsmarktpolitischen Reformbemühungen der Niederlande und Deutschlands, um zu verstehen, wie beide Länder auf wirtschaftliche Herausforderungen reagiert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die aktive und passive Arbeitsmarktpolitik, der Wandel von kollektiven Wohlfahrtssystemen hin zu mehr Eigenverantwortung („from welfare to work“) sowie die Einordnung dieser Entwicklungen in die Typologie von Esping-Andersen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Erfolgs- und Misserfolgskonzeptionen der Arbeitsmarktpolitik beider Länder herauszufiltern und kritisch zu hinterfragen, inwieweit diese den Anforderungen an soziale Gerechtigkeit entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden Länderanalyse und einer theoretischen Einordnung in wohlfahrtsstaatliche Idealtypen nach Esping-Andersen, ergänzt durch eine kritische wirtschaftsethische Betrachtung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Hintergründe für Reformen, die spezifischen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie die Abkehr von kollektiver Solidarität und der Paradigmenwechsel zum SGB III in Deutschland sowie das niederländische Modell analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitsmarktpolitik, wohlfahrtsstaatliche Typologie, Eigenverantwortung, from welfare to work, soziale Absicherung und Kommodifikation.
Welchen Einfluss hatte das „Abkommen von Wassenaar“ auf die Niederlande?
Das Abkommen von 1982 markierte den Beginn einer zentralen Verschiebung der Sozialpolitik hin zu „from welfare to work“, indem Lohnzurückhaltung gegen Arbeitszeitverkürzung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze getauscht wurde.
Warum bewertet der Autor die aktuelle Arbeitsmarktpolitik kritisch?
Der Autor argumentiert aufgrund seiner beruflichen Erfahrung, dass die aktuelle Politik die Ursachen für Arbeitslosigkeit zu stark auf das Individuum verlagert und grundlegende strukturelle sowie ethische Fragen der Gerechtigkeit vernachlässigt.
- Citar trabajo
- Jan Hochthurn (Autor), 2008, Arbeitsmarktpolitische Reformbemühungen im mitteleuropäischen Vergleich - Holland und Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134432