In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit dem Thema „Gewalt und Aggression in der Berliner Schule unter Berücksichtigung des Migrationshintergrunds“ auseinander setzen. Dieses Thema passt in den aktuellen Trend der Berichterstattung über Jugendgewalt. Die Medien widmen sich diesem Thema seit Beginn der 1990er Jahre, da es durch zahlreiche Gewaltvorfälle an Schulen in das öffentliche Interesse geraten ist. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand am 26. April 2002 eine der schlimmsten Tragödien, die je an einer Schule in Deutschland geschehen ist. Der 19-jährige Robert Steinhäuser lief an diesem Tag Amok. Dabei tötete er am Erfurter Johann-Gutenberg-Gymnasium mit einer Pumpgun 16 Mitschüler und Lehrer, anschließend tötete er sich selbst. Der Hintergrund: Robert war im Februar der Schule verwiesen worden aufgrund von gefälschten ärztlichen
Attesten, mit denen er vermeiden wollte an anstehenden Prüfungen teilzunehmen. Nachdem dieser Täuschungsversuch festgestellt wurde, musste Robert die Schule ohne Abschluss verlassen, denn wer in Thüringen nach der 12. Klasse die Abiturprüfungen nicht erfolgreich absolviert, hat weder einen Realschul- noch einen Hauptschulabschluss. Schon vor der Tragödie ereigneten sich weltweit in anderen Schulen ähnliche Taten, die Robert eventuell als Vorbild gedient haben. Zu den spektakulärsten Fällen aus der Vergangenheit gehören die Amokläufe in einer Grundschule in
der japanischen Stadt Ikeda (2001), in der ein vermutlich psychisch kranker Mann acht Kinder tötete sowie 13 Schüler und zwei Lehrer verletzte. 1999 stürmen zwei mit Gewehren und Sprengstoff bewaffnete Jugendliche in die Columbine High School in Littleton im US-Bundesstaat Colorado und töten 12 Schüler und einen Lehrer. Anschließend erschießen sich die 17 und 18 Jahre alten Täter selbst. 1998 locken in der Stadt Jonesboro im US-Bundesstaat Arkansas zwei Jungen im Alter von 11 und 13 Jahren mit einem falschen Feueralarm die Schüler aus der Westside Middle School und eröffnen dann das Feuer aus einem Gebüsch: vier Mädchen und eine Lehrerin sterben. Anlass dieses Vorfalls: Der 13-jährige war von seiner Freundin verlassen worden. ...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problembestimmung
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Materialbasis
1.4 Verlauf der Arbeit
2. Begriffsklärung: „Gewalt“ und „Aggression“
2.1 Definitionen von Gewalt
2.2 Definitionen von Aggression
2.3 Arten von Aggressionen
2.4 Das Verhältnis zwischen den Begriffen „Gewalt“ und „Aggression“
3. Theoretische Erklärungsansätze für das Entstehen von Gewalt und Aggression
3.1 Klassische psychologische Erklärungsansätze
3.1.1 Psychoanalytische Triebtheorie
3.1.2 Ethologische Triebtheorie
3.2 Die Frustrations-Aggressions-Theorie
3.3 Lernpsychologische Theorien
3.3.1 Klassisches Konditionieren
3.3.2 Operantes Konditionieren
3.3.3 Lernen am Modell
3.4 Schlussfolgerungen aus den theoretischen Erklärungsansätzen
4. Gewalt und Aggression an Berliner Schulen
4.1 Entwicklungen in den letzten Jahren
4.2 Gewalt in verschiedenen Schulstufen
4.3 Kulturelle Herkunft der Täter
4.4 Gewaltentwicklung gegen Lehrer
5. Empirische Befunde an zwei Berliner Schulen
5.1 Vorbereitung
5.1.1 Auswahl der Schulen
5.1.2 Aufbau des Interviewleitfadens
5.2 Durchführung der Interviews
5.2.1 Das Profil der Grundschule
5.2.2 Das Profil der Haupt-/Realschule
5.3 Auswertung der Interviews
5.3.1 Interviews an der Grundschule
5.3.2 Interviews an der Haupt-/Realschule
5.3.3 Vergleichende Betrachtung
6. Resümee
6.1 Zusammenfassung und Ursachenanalyse der empirischen Befunde
6.2 Intervention und Prävention in der Berliner Schule
6.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Gewalt und Aggression an Berliner Schulen unter besonderer Berücksichtigung des Migrationshintergrunds. Ziel ist es, theoretische Erklärungsmodelle mit empirischen Befunden aus Lehrerinterviews abzugleichen, um Ursachen für gewalttätiges Verhalten zu identifizieren und effektive Interventions- sowie Präventionsmöglichkeiten abzuleiten.
- Theoretische Fundierung der Begriffe „Gewalt“ und „Aggression“.
- Psychologische Erklärungsansätze für aggressives Verhalten.
- Analyse von Gewaltsignalen an Berliner Schulen anhand offizieller Statistiken.
- Empirische Untersuchung des subjektiven Erlebens und Umgangs von Lehrkräften mit Gewalt.
- Diskussion von Präventionsansätzen unter Einbeziehung von Schule, Eltern und Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problembestimmung
In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit dem Thema „Gewalt und Aggression in der Berliner Schule unter Berücksichtigung des Migrationshintergrunds“ auseinander setzen. Dieses Thema passt in den aktuellen Trend der Berichterstattung über Jugendgewalt. Die Medien widmen sich diesem Thema seit Beginn der 1990er Jahre, da es durch zahlreiche Gewaltvorfälle an Schulen in das öffentliche Interesse geraten ist.
Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand am 26. April 2002 eine der schlimmsten Tragödien, die je an einer Schule in Deutschland geschehen ist. Der 19-jährige Robert Steinhäuser lief an diesem Tag Amok. Dabei tötete er am Erfurter Johann-Gutenberg-Gymnasium mit einer Pumpgun 16 Mitschüler und Lehrer, anschließend tötete er sich selbst. Der Hintergrund: Robert war im Februar der Schule verwiesen worden aufgrund von gefälschten ärztlichen Attesten, mit denen er vermeiden wollte an anstehenden Prüfungen teilzunehmen. Nachdem dieser Täuschungsversuch festgestellt wurde, musste Robert die Schule ohne Abschluss verlassen, denn wer in Thüringen nach der 12. Klasse die Abiturprüfungen nicht erfolgreich absolviert, hat weder einen Realschul- noch einen Hauptschulabschluss.
Schon vor der Tragödie ereigneten sich weltweit in anderen Schulen ähnliche Taten, die Robert eventuell als Vorbild gedient haben. Zu den spektakulärsten Fällen aus der Vergangenheit gehören die Amokläufe in einer Grundschule in der japanischen Stadt Ikeda (2001), in der ein vermutlich psychisch kranker Mann acht Kinder tötete sowie 13 Schüler und zwei Lehrer verletzte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Gewalt an Schulen ein, verknüpft es mit medialen Debatten sowie spektakulären Einzelfällen und definiert die Zielsetzung der vorliegenden Untersuchung.
2. Begriffsklärung: „Gewalt“ und „Aggression“: Dieses Kapitel differenziert wissenschaftlich zwischen den Begriffen Gewalt und Aggression und stellt verschiedene Definitionen und Kategorisierungen vor.
3. Theoretische Erklärungsansätze für das Entstehen von Gewalt und Aggression: Hier werden zentrale psychologische Theorien, wie die Triebtheorie, die Frustrations-Aggressions-Theorie und lernpsychologische Ansätze, auf ihren Erklärungswert für aggressives Verhalten geprüft.
4. Gewalt und Aggression an Berliner Schulen: Das Kapitel liefert eine statistische Analyse von Gewaltsignalen und Deliktentwicklungen in Berliner Schulen unter Berücksichtigung verschiedener Schulstufen und der kulturellen Herkunft.
5. Empirische Befunde an zwei Berliner Schulen: Dieser Teil präsentiert die Durchführung und Auswertung von Lehrerinterviews an einer Grundschule sowie einer Haupt-/Realschule und vergleicht die Ergebnisse.
6. Resümee: Das Abschlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen, führt eine Ursachenanalyse durch und entwirft Empfehlungen für Interventions- und Präventionsstrategien.
Schlüsselwörter
Gewalt, Aggression, Migrationshintergrund, Schule, Berliner Schulen, Jugendgewalt, Gewaltprävention, pädagogische Intervention, Lernpsychologie, Triebtheorie, Frustration, Lehrererfahrung, Schulklima, verbale Gewalt, soziale Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik von Gewalt und aggressivem Verhalten an Berliner Schulen und untersucht, inwiefern der Migrationshintergrund als Einflussfaktor eine Rolle spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf theoretischen Erklärungsmodellen für Gewalt, der statistischen Auswertung von Gewaltdaten in Berlin sowie der empirischen Erhebung von Lehrerperspektiven an zwei unterschiedlichen Schulformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen von Gewalt an Schulen zu entwickeln und auf Basis von Lehrerbefragungen Ansätze für eine erfolgreiche Prävention und Intervention aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturrecherche zu psychologischen Theorien mit einer deskriptiven Auswertung statistischer Daten der Berliner Senatsverwaltung sowie einer qualitativen empirischen Studie in Form von Lehrerinterviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine quantitative Bestandsaufnahme der Gewalt an Berliner Schulen und den empirischen Teil, der subjektive Wahrnehmungen von Lehrkräften an einer Grund- sowie einer Haupt-/Realschule analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gewalt, Aggression, Migrationshintergrund, Schulpädagogik, Gewaltprävention und soziale Kompetenz.
Wie unterscheidet sich die Gewalt an einer Grundschule von der an einer Haupt-/Realschule laut den Interviewten?
Die befragten Lehrkräfte berichten, dass Gewalt an Haupt-/Realschulen oft schwerwiegender ist und häufiger verbale und körperliche Übergriffe beinhaltet, während an Grundschulen primär verbale Gewalt im Vordergrund steht.
Welche Rolle spielt laut den Lehrern der Migrationshintergrund?
Die Lehrkräfte sehen einen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Gewalt, betonen jedoch gleichzeitig, dass auch soziale Schichtzugehörigkeit, mangelnde Sprachkenntnisse und familiäre Hintergründe entscheidende Faktoren sind.
Welchen Stellenwert haben Gespräche als Konfliktlösung?
Die befragten Lehrkräfte bevorzugen das persönliche Gespräch mit den Schülern als primäres Mittel der Konfliktlösung, da sie Strafen als wenig lösungsorientiert bewerten.
- Quote paper
- Arzu Cetinkaya (Author), 2008, Gewalt und Aggression in der Berliner Schule unter Berücksichtigung des Migrationshintergrunds, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134435