Ich führte in meinem Studienprojekt ein Zeitzeugenprojekt durch, welches die Wirksamkeit von verschiedenen Quellenmaterialen hinsichtlich des historischen Lernens überprüfte. Historisches Lernen hat im geschichtsdidaktischen Diskurs bereits seit den 70er/80er Jahren einen hohen Stellenwert erreicht und beschreibt den Prozess historisch denken zu erlernen. Das Studienprojekt wird hierbei auf dem FUER-Modell fundieren, welches in der aktuellen Forschung das bekannteste Modell zum historischen Lernen ist. Die Thematik hatte für meine Professionalisierung eine hohe Bedeutsamkeit, weil der Umgang mit Zeitzeugenquellen im Geschichtsunterricht einen großen Mehrwert im Gegensatz zu anderen Quellengattungen darstellen kann. Die Zeitzeugenquelle kann viel authentischer und persönlicher auf die Schüler*Innen (SuS) wirken, weshalb das geschichtliche Wissen über einen emotionalen Zugang von Geschichte erweitert werden kann. Demnach war es spannend zu erforschen, bei welcher Materialgrundlage den SuS ein tiefenstrukturelleres Lernen erfolgen kann, sodass ich für die Unterrichtspraxis im späteren Lehrerberuf abschätzen kann welche Herangehensweise am gewinnbringendsten sein kann.
In der Dokumentation des Studienprojektes wird zunächst der theoretische Rahmen der Arbeit erläutert. Hierzu wird zunächst die theoretische Fragestellung des Studienprojektes entworfen und in ihren fachdidaktischen Diskurs eingebettet. Als theoretische Grundlage zur Überprüfung und Definition von historischem Lernen wird das FUER-Modell als Grundlage des Forschungsprojektes angeführt und mit seinen einzelnen Komponenten erklärt. In einem weiteren Kapitel werden die Konzeption und Methode des Studienprojektes spezifiziert, indem zunächst das Forschungsdesign illustriert wird und im Anschluss die Erhebungsmethode des Projektes vorgestellt wird. Das Kapitel schließt mit Informationen zur Projektdurchführung ab, indem die Rahmenbedingungen und mögliche Hindernisse der Datenerhebung berücksichtigt werden. Im vierten Kapitel werden die Auswertungen des Forschungsprojektes dargestellt und hinsichtlich ihrer Ergebnisqualität analysiert. In einem letzten Kapitel wird das Studienprojekt hinsichtlich möglicher Durchführungsfehler und hinsichtlich meines Professionalisierungsprozesses reflektiert. Zudem werden Überlegungen angeführt, welche Aspekte in der Forschungsarbeit noch zusätzlich hätten untersucht werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Einbettung des Studienprojektes
2.1 Theoretische Fragestellung
2.2 Theoretische Grundlagen
3 Konzeption und Methode des Studienprojektes
3.1 Forschungsdesign
3.2 Forschungsdurchführung
3.3 Auswertungsmethode
4 Ergebnisdarstellung und -diskussion
5 Fazit und Ausblick
6 Literaturverzeichnis
7 Anhang
I Abbildungen
II Materialien
VI Hinweise zur Transkription von Schüler*Innenaussagen
VII Kodierleitfaden: Hinweise zur Kategorienbildung und Kodierschema
Zielsetzung & Themen
Das Studienprojekt untersucht die Wirksamkeit verschiedener Quellenmaterialien (Zeitzeugeninterviews als Video vs. Transkript) im Geschichtsunterricht, um zu ermitteln, welche Materialgrundlage bei Schülerinnen und Schülern (SuS) der gymnasialen Oberstufe ein tieferes historisches Lernen unter Anwendung des FUER-Modells ermöglicht.
- Analyse des historischen Lernens durch Zeitzeugenquellen
- Vergleichende Untersuchung von Video- und Textmaterial
- Anwendung des FUER-Modells zur Kompetenzmessung (re- und dekonstruktives Arbeiten)
- Reflexion der Lehrprofessionalität und Unterrichtsplanung
- Entwicklung von Anforderungen für historisches Lernen gemäß Zentralabiturvorgaben
Auszug aus dem Buch
Theoretische Einbettung des Studienprojektes
Das Studienprojekt erforscht die Wirksamkeit verschiedener Materialien im Umgang von Zeitzeugenberichten (ZZB) im Geschichtsunterricht und leistet einen didaktischen Beitrag zur Erforschung von historischem Lernen bei SuS einer gymnasialen Oberstufe. Es gilt zu erforschen, inwiefern sich Unterschiede im historischen Lernen zeigen können, wenn verschiedene Ausgangsmaterialien der Zeitzeugenquelle zur Bearbeitung einer Quellenanalyse verwendet werden. Die Zeitzeugenquelle wird in drei verschiedenen Materialformen ausgeteilt, wohingegen das Raster zur Quellenanalyse immer dasselbe war.
Wie BERTRAM in ihrer empirischen Untersuchung zu Zeitzeugen im Geschichtsunterricht illustriert hat, bergen Zeitzeugeninterviews gewisse Risiken, weil für SuS die Differenzierung zwischen einem Zeitzeugenbericht und anderen Quellengattungen häufig missverständlich sind. Andererseits könne ein Zeitzeugeninterview im Geschichtsunterricht ein hohes Motivationspotential und ein Verständnis für die Rekonstruktion von geschichtlichen Ereignissen fördern.
Im Rahmen des Studienprojektes ist es interessant zu erforschen, ob die narrative Kompetenz bei SuS unterschiedlich aufgrund der verschiedenen Quellenmaterialien ausfallen können. Hierfür wurden drei Gruppen gegenübergestellt. Ähnlich wie im Untersuchungsdesign bei BERTRAM wurden die Unterschiede zwischen einem ZZB als Transkription und als Video untersucht, indem Gruppe C ein Zeitzeugenvideo und Gruppe A die Transkription des Videos vorgelegt bekam. Im Rahmen des Studienprojektes war es im Gegensatz zu BERTRAMS Interventionsstudie nicht möglich einen ZZ in die Schule einzuladen, weshalb in Gruppe B sowohl das Video als auch die Transkription zur Quellenanalyse zur Verfügung wurden. Dies bietet eine neue Perspektive für die empirische Forschung und das historische Lernen mit Zeitzeugenquellen, weil die Kombination aus Text- und Videoquelle im direkten Vergleich zu den anderen Gruppen gesehen werden kann. Für das Studienprojekt ist interessant zu erforschen, inwiefern sich zwischen den Gruppen Differenzen bezüglich der Ausreifung eines Sach- und Urteilsurteils aufzeigen lassen. Diese Merkmale werden durch die theoretischen Grundlagen des FUER-Modells zu historischem Lernen und Geschichtsbewusstsein ausgewertet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Forschungsthema ein, welches die Wirksamkeit verschiedener Zeitzeugen-Quellenmaterialien auf das historische Lernen gemäß des FUER-Modells untersucht.
2 Theoretische Einbettung des Studienprojektes: Hier wird die Forschungslücke definiert und das theoretische Fundament durch das FUER-Modell sowie den Stand der fachdidaktischen Forschung zu Zeitzeugeninterviews gelegt.
3 Konzeption und Methode des Studienprojektes: Dieses Kapitel erläutert das methodische Forschungsdesign, die Projektdurchführung im Praxissemester sowie die Kriterien der Auswertung.
4 Ergebnisdarstellung und -diskussion: Hier werden die erhobenen Daten der Schüleranalysen im Hinblick auf ihre Qualität und die Kompetenzentwicklung ausgewertet.
5 Fazit und Ausblick: Dieses Kapitel reflektiert die Ergebnisse, hinterfragt die Validität der gewählten Untersuchungsmethode und diskutiert die Konsequenzen für die zukünftige Unterrichtsgestaltung.
Schlüsselwörter
Historisches Lernen, Zeitzeugenberichte, FUER-Modell, Quellenanalyse, Narrative Kompetenz, Geschichtsbewusstsein, De-Konstruktion, Re-Konstruktion, Oral History, Unterrichtsplanung, Sachkompetenz, Methodenkompetenz, Orientierungskompetenz, Schüler*innen, Zeitzeugeninterviews.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich verschiedene Darbietungsformen von Zeitzeugenberichten (Video vs. schriftliche Transkription) im Geschichtsunterricht auf das historische Lernen der Schülerinnen und Schüler auswirken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Arbeit mit Zeitzeugenquellen, die Förderung der historischen Narrationsfähigkeit sowie die Anwendung des FUER-Modells auf die fachdidaktische Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es herauszufinden, ob die Art des Quellenmaterials (Video, Text oder Kombination) die narrative Kompetenz sowie die Fähigkeit zur Sach- und Werturteilsbildung signifikant beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Studie nutzt ein empirisches Forschungsdesign im Rahmen eines Praxissemesters, wobei SuS in Gruppen unterschiedliche Quellenmaterialien analysieren und die Ergebnisse anschließend qualitativ/quantitativ ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch das FUER-Modell, die detaillierte Beschreibung des Forschungsaufbaus sowie die ausgiebige Datenanalyse der von den SuS verfassten Analysen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Kompetenzbereiche des FUER-Modells, Geschichtsbewusstsein sowie die Unterscheidung zwischen Re-Konstruktion und De-Konstruktion von Quellen.
Warum spielt das FUER-Modell eine so große Rolle?
Das FUER-Modell dient als theoretischer Rahmen, um die verschiedenen Kompetenzen historischen Denkens – insbesondere Sach-, Methoden- und Orientierungskompetenz – operationalisierbar zu machen und zu messen.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Video- vs. Textquelle?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die schriftliche Textgrundlage für eine strukturierte Quellenanalyse oft ergiebiger ist, während Videos zwar emotional stärker binden, aber die kritische Distanz und das analytische Denken erschweren können.
- Citation du texte
- Annika Schiffer (Auteur), 2022, Umgang mit Zeitzeugenberichten im Geschichtsunterricht (Geschichte, Sekundarstufe II, Gymnasium), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1344507