Athen, ein kleinbürgerlicher Überwachungsstaat

Was machte Athen zu einer Face-to-Face Society?


Essay, 2007
21 Seiten, Note: sehr gut

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Einleitung

Bürger war man nie alleine!

Vor allem nicht in einer antiken Gemeinschaft wie Athen. Im Folgenden soll es daher um das Zusammenleben der Menschen solch einer Gemeinschaft gehen. Untersucht werden soll dabei unter der Fragestellung, was Athen zur einer Face-to-Face Society machte, wie Gemeinschaft in dieser griechischen Polis funktionierte und welche Bedingungen das Leben in einer solchen Gemeinschaft an seine Mitglieder stellte.

In erster Linie wird sich diese Untersuchung auf die klassische Zeit beschränken, jedoch nicht darum herum kommen, Wesenszüge der Athener Gemeinschaft aus ihrer archaischen Vorgeschichte heraus zu erklären und entsprechende Rückblicke vorzunehmen.

In einem ersten Schritt soll daher erst einmal Grundlegendes wie Informationen zu Siedlungsgrö1e, Siedlungsform und den Menschen noch einmal kurz verdeutlicht werden.

Der zweite Schritt greift schlie1lich auf die allgemeinen Informationen zurück und wird so das Prinzip der sozialen Kontrolle als wesentliches Element dieser Face-to-Face Society näher herausarbeiten und so zeigen, dass Athen zwangsläufig aus seinem politischen System heraus immer eine Gemeinschaft sein musste, in der man Face-to-Face lebte.

Diese Abhandlung setzt sich somit zum Ziel, neben einem allgemeinen Überblick zum Leben der Athener in klassischer Zeit, auch eines der wichtigsten Wesensmerkmale dieser Gesellschaft näher auszuarbeiten und so das soziale System dieser Gesellschaft zu präsentieren. Sie wird sich dabei vor allem auf die aktuelle und umfassende Arbeit zur Nachbarschaftsforschung von Winfried Schmitz, als auch auf die zahlreichen Publikationen von David Cohen zur sozialen Kontrolle stützen.

Leben und Gemeinschaft in Attika

Nachbarschaft & Dorfgemeinschaft

Das Leben der Athener darf man sich nicht beschränkt auf ein städtisches Zentrum mit kleinen umliegenden Bauernhöfen vorstellen. Vielmehr muss man ganz Attika als Teil des Stadtstaates Athen betrachten.

Ein Großteil der Bewohner war daher auch nicht in der Kernstadt Athens angesiedelt, sondern bewohnte die weiten Gebiete außerhalb.1 Vorwiegend waren es nämlich auch noch 5. Und 4. Jh. v. Chr. die Bauern, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachten. Sie lebten dabei in unterschiedlich großen, geschlossenen Siedlungen und bewirtschafteten das Land.2

Waren diese Siedlungen anfangs noch relativ klein und im Staatswesen politisch nur unzureichend berücksichtigt, gelangten diese kleinen Kommunen durch die Kleisthenischen Reformen3 schließlich zu eigener politischer Bedeutung innerhalb der Polis.

Mit der Einrichtung der überlieferten 139 Demen schuf Kleisthenes so die kleinsten politischen Verwaltungsbezirke des Staates. Dabei fasste er jedoch nicht wahllos Gemeinden zusammen, sondern formte die neuen Demen aus bereits bestehenden Siedlungen. Dies erklärt vor allem auch, warum es sich nicht um gleichmäßig verteilte Bürgergruppen und Siedlungsbereiche handelt, sondern die Demen alle unterschiedlich groß ausfielen.4

Wie groß nun ein repräsentativer Demos war, bzw. wie viele Bürger, das heißt männliche Vollbürger, dort wohnten ist daher schwer zu sagen. Peter Funke gibt für das 5. Jh. einen ungefähren Wert von 30000 Vollbürgern für ganz Athen an. Rechnet man dies gleichmäßig auf die 139 überlieferten Demen um, so ist in etwa mit 200 männlichen Vollbürgern in einem Demos zu rechnen, bzw. bei 150000 in ganz Athen lebenden Menschen, mit etwa tausend Menschen pro Demos.5

[...]


1 Etwa zwei Drittel der Bewohner Attikas lebten außerhalb von Athen. Dies lässt sich daraus schließen, dass sich die Trittyen nominell gleichmäßig aus der Bevölkerung der Stadt-, Land- und Küstendemen zusammensetze vgl. Funke, Peter: Athen in klassischer Zeit, 2. Aufl., München 2003, S. 20.

2 Schmitz, Winfried: Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft im archaischen und klassischen Griechenland, Berlin 2004, S. 411f.

3 Die Kleisthenischen Reformen, datiert um 508/7, nahmen eine umfangreiche Neuordnung der Bürgerschaft vor. Die Einteilung in neue Stämme, den 10 Phylen und deren Unterteilung in den Trittýes bestehend aus den Regionen Stadt, Land und Küste, mischte die Bevölkerungsgruppen und sollten so den Einfluss der Aristokratie auf die Personenverbände brechen. Die Trittýes bestanden dabei aus mehreren Demen, welche die Grundlage des gesellschaftlichen Lebens bildeten. Jeder Bürger musste fortan einem Demos angehören und führte schließlich identitätsstiftend das Dêmotikón, also den Namen des Demos, als Namenszusatz in seinem eigenen Namen. (Rhodes: Peter J.: Art. Demokratia, in: DNP 6 (1999), Sp. 569 – 570), als auch Bleicken, Jochen: Die athenische Demokratie, 2. überarb. Aufl., Paderborn 1994, S. 38.

4 Kienast, Dietmar: Die Zahl der attischen Demen von Solon bis Kleisthenes, in: Chriron 35 (2005), S. 496, als auch unterstützend Bleicken: Athenische Demokratie, S. 155 – 159.

5 Peter Funke als auch Jochen Bleicken geben diesen Wert für Gesamtbevölkerung an. Hieraus lässt sich eine Idealverteilung auf die 139 überlieferten Demen vornehmen. Diese Gemeinschaften konnten in der Realität aber deutlich kleiner oder größer ausgefallen sein. Verdeutlicht werden soll mit diesem Zahlen lediglich, dass alleine im Idealzustand ein Demos nicht sehr groß war und es in diesen Gemeinden in der Tat möglich war, jeden zu kennen. Bevölkerungszahlen vgl. Funke, Peter: Athen in klassischer Zeit, 2. Aufl., Münschen 2003, S.18 und Bleicken, Jochen: Die athenische Demokratie, 2. überarb. Aufl, Paderborn 1994, S. 84f..

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Details

Titel
Athen, ein kleinbürgerlicher Überwachungsstaat
Untertitel
Was machte Athen zu einer Face-to-Face Society?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V134457
ISBN (Buch)
9783640424276
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Face-to-Face Society, archiaisches Athen, klassisches Athen, Sozialforschung, Altertumsforschung, Leben in der Polis, Leben in der Antike, Liam Hopewell
Arbeit zitieren
Liam Hopewell (Autor), 2007, Athen, ein kleinbürgerlicher Überwachungsstaat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134457

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