Autobiografisches Erzählen hat in der psychosozialen Praxis in den letzten Jahren eine steigende Aufmerksamkeit erfahren und Methoden der Biografiearbeit werden in verschiedenen Arbeitsfeldern genutzt. In dieser Arbeit sollen die Möglichkeiten von Methoden der Biografiearbeit im Bereich der Schulsozialarbeit aufgezeigt werden. Konkret wird ein Curriculum vorgestellt, dass für Schülerinnen entwickelt wurde und mit einer Schulklasse erfolgreich durchgeführt wurde.
Im ersten Teil werden die Ziele, Aufgaben und konkreten Umsetzungsformen von Biografiearbeit, sowie Möglichkeiten der Evaluation dargestellt. Biografiearbeit kann sowohl im Kontext als Einzelfallhilfe, als auch präventiv in einer Gruppenar-beit durchgeführt werden.
Das Bedürfnis des Erinnerns und Erzählens wurde in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt aufgrund der neuen Unübersichtlichkeit in unserer Gesellschaft, wieder wichtiger, vor allem auch für Jugendliche, die zur gesunden Identitätsentwicklung ein Gefühl der Kohärenz brauchen. Grundlegend für hoffnungsvolle Zukunfts- und Berufschancen und ein positives Identitätsgefühl Jugendlicher ist, neben dem familiären Umfeld, auch die Schule. Aufgrund der wachsenden Anforderungen der Gesellschaft an die Heranwachsenden und ihre Familien, haben sowohl das Schulsystem, als auch die Soziale Arbeit auf die Veränderungen reagiert und verschiedene Wege gewählt, den dadurch entstandenen Problemen entgegenzuwirken.
Im zweiten Teil wird die Jugendsozialarbeit mit ihren Zielsetzungen als eine Leistung der Jugendhilfe beschrieben. Dabei wird das Einsetzen der Methode Biografiearbeit im Rahmen der Jugendsozialarbeit an Schulen erläutert. Als ein Beispiel hierfür wird im nächsten Kapitel ein Curriculum vorgestellt, welches in der Praxis bereits erfolgreich umgesetzt wurde.
Im dritten Teil wird zunächst ein Überblick über die Rahmenbedingungen zur Durchführung, die Teilnehmergruppe und die Zielsetzungen des Projektes gegeben. Die praktische Umsetzung mit allen angewandten Methoden und Inhalten wird dargestellt und in einem Fazit bewertet.
Unter welchen Bedingungen Biografiearbeit im Rahmen einer Regelschule erfolgreich und im Sinne ihrer Zielsetzungen gewinnbringend umgesetzt werden kann, wird abschließend diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Biografiearbeit
2.1. An wen richtet sich Biografiearbeit?
2.2. Das Konzept der Biografiearbeit und die Identitätsentwicklung
2.3. Biografiearbeit in der Praxis der Sozialen Arbeit
2.4. Methodik der Biografiearbeit mit Gruppen
2.5. Evaluation der Biografiearbeit
3. Jugendsozialarbeit an Schulen und Biografiearbeit
3.1. Zielsetzung der Jugendsozialarbeit an Schulen
3.2. Der Einsatz von Biografiearbeit an Schulen
4. Projekt: Die Entwicklung eines Curriculums „Biografiearbeit“
4.1. Rahmenbedingungen für die Durchführung des Projekts
4.2. Zusammensetzung der Schülerinnengruppe
4.3. Zielsetzung für das Curriculum
4.4. Methodik, Inhalt und Durchführung
4.5. Ergebnisse
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Einsatzmöglichkeiten der Biografiearbeit im Kontext der Schulsozialarbeit, um Kinder und Jugendliche bei ihrer Identitätsentwicklung zu unterstützen. Im Zentrum steht die Vorstellung eines erfolgreich in der Praxis umgesetzten Curriculums, das auf die spezifischen Bedürfnisse einer Schulklasse zugeschnitten wurde.
- Grundlagen und Konzepte der Biografiearbeit im sozialpädagogischen Kontext
- Die Rolle der Biografiearbeit für die Identitätsfindung und Kohärenz bei Jugendlichen
- Methodische Ansätze für die Arbeit mit Gruppen an Regelschulen
- Praktische Umsetzung eines "Lebensbuch"-Projekts zur Stärkung des Selbstwertgefühls
Auszug aus dem Buch
Die Rolle des Moderatoren/ des Zuhörers in der Biografiearbeit
Diese „zehn Gebote“ können schon einen Grundstock für die Biografiearbeit mit Kindern bilden. Wir betrachten sie als Grundregeln für jeden Erwachsenen, der diese Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen beginnt. Des weiteren zählen zu den Grundvoraussetzungen der Kommunikation die drei Begriffe „Empathie“, „Wertschätzung“ und „Echtheit“.
Empathie bedeutet sich in sein Gegenüber einzufühlen, die Dinge aus seiner Sicht zu betrachten, ohne aber die professionelle Distanz zu verlieren. Man versucht, die Situation auf die gleiche Art und Weise wie das Kind wahrzunehmen, darf aber nicht vergessen, dass man nicht das Kind ist und einen objektiven Blick besitzen muss. Einfühlendes Verstehen meint, „den inneren Bezugsrahmen des anderen möglichst exakt wahrzunehmen, mit all seinen emotionalen Komponenten und Bedeutungen [...]“ (Weinberger, 2004, S.38, zitiert nach Rogers, 1959, S. 37).
Die Kinder sollen in einem Gespräch auch merken, dass sie so angenommen und akzeptiert werden wie sie sind. Der Zuhörer muss das Kind in seinen Einstellungen und Verhaltensweisen achten, auch wenn er anderer Meinung ist (vgl. Weinberger, 2004).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Biografiearbeit im Bereich der Schulsozialarbeit ein und umreißt den Aufbau der Untersuchung sowie das vorgestellte Projekt.
2. Was ist Biografiearbeit: Dieses Kapitel definiert Biografiearbeit als strukturierte Methode zur Vergangenheitsbewältigung und Identitätsförderung und beleuchtet ihre Anwendung in verschiedenen Lebensphasen und psychosozialen Kontexten.
3. Jugendsozialarbeit an Schulen und Biografiearbeit: Es wird die Verknüpfung von Jugendhilfezielen mit Biografiearbeit an Schulen erläutert, wobei insbesondere die präventive Funktion bei psychosozialen Problemen hervorgehoben wird.
4. Projekt: Die Entwicklung eines Curriculums „Biografiearbeit“: Der Hauptteil beschreibt detailliert die Planung, Durchführung und Auswertung eines "Lebensbuch"-Projekts mit einer 6. Klasse, inklusive der angewandten Methoden und der Zielerreichung.
5. Ausblick: Das Fazit bewertet die erzielten Ergebnisse, diskutiert die Übertragbarkeit auf andere Zielgruppen und formuliert Empfehlungen für den Einsatz an Schulen.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Identitätsentwicklung, Schulsozialarbeit, Lebensbuch, Jugendliche, psychosoziale Praxis, Identitätsfindung, Prävention, Gruppendynamik, Selbstwertgefühl, Biografie, Curriculum, Mädchenarbeit, Reflexion, Sozialpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einsatz von Biografiearbeit als pädagogische Methode in der Schule, um Kinder und Jugendliche in ihrer Identitätsentwicklung zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Identitätsbildung, der Stärkung des Selbstbewusstseins, der praktischen Anwendung von biografischen Methoden in Schulgruppen und dem Einbezug der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Demonstration, wie Biografiearbeit präventiv genutzt werden kann, um Schülern bei der Klärung ihrer Lebensgeschichte und der Entwicklung eines stabilen Selbstbildes zu helfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur sowie der praktischen Erprobung und Evaluation eines Curriculums („Lebensbuch“) im Rahmen einer Projektgruppe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird das Projekt „Lebensbuch“ detailliert vorgestellt: von den Rahmenbedingungen der Durchführung in einer 6. Jahrgangsstufe bis hin zu den konkreten Methoden wie Netzwerkanalysen, dem „Lebensspiel“ und der Auswertung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Biografiearbeit, Identitätsentwicklung, Schulsozialarbeit, Lebensbuch, Jugendliche, Selbstwertgefühl und pädagogische Prävention.
Warum ist Biografiearbeit für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen wichtig?
Jugendliche suchen in einer komplexer werdenden Welt nach Orientierung. Biografiearbeit hilft ihnen, ihre Erlebnisse in einen Sinnzusammenhang zu bringen, was ein höheres Wohlbefinden und eine stabilere Identität fördert.
Wie gehen die Kinder mit den Ergebnissen ihrer Arbeit um?
Die Ergebnisse, wie etwa das „Lebensbuch“, sind persönliches Eigentum der Kinder. Die Arbeit betont die Freiwilligkeit und Vertraulichkeit, da das Resultat als Ressource für das Kind dienen soll.
Welche Rolle spielt die Moderatorin in diesem Prozess?
Die Moderatorin agiert als begleitende, stützende und wertschätzende Person, die keinen Druck ausübt, sondern den Raum bietet, damit die Kinder eigenständig ihre Themen und Ausdrucksformen wählen können.
Was ist der Zweck des "Lebensspiels"?
Das Lebensspiel dient der spielerischen Einführung in biografische Themen und soll die Kinder anregen, über verschiedene Aspekte wie Kindergarten, Schule und Familie zu reflektieren, ohne sich überfordert zu fühlen.
- Quote paper
- Michaela Baierl (Author), 2007, Biografiearbeit in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134504