Ein Beitrag zur Optimierung der Lehrer-Schüler-Kommunikation

Das Lehrer-Schüler-Training von Thomas Gordon: Chancen und Grenzen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
16 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der psychologische Hintergrund: Humanistische Psychologie
2.1 Die Existenzphilosophie als philosophischer Ursprung
2.2 Humanistische Psychologie – Theorie und Kritik

3 Gordons Kommunikationsmodell
3.1 Die personenzentrierte Gesprächsführung
3.2 Gordons Beitrag zur Optimierung der Lehrer-Schüler-Interaktion

4 Von der Theorie zur Praxis: Die Verbesserung der Kommunikation

5 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Eine Referendarin berichtete in einem Erfahrungsbericht von ihrem Unterricht in einer neunten Klasse. Die Schülerinnen und Schüler hätten keine Motivation, sie würden lieber Karten spielen oder Zeitschriften lesen. Nach geraumer Zeit entschloss sich die Lehrerin, mit der Klasse über die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Unterrichtssituation zu diskutieren. Die Referendarin, sowie die Schülerinnen und Schüler tauschten ihre Gedanken und Gefühle aus und fanden letztlich eine gemeinsame Basis, um den Unterricht zu optimieren (vgl. Wagner 1987, 17f.).

Die Kommunikation zwischen Lehrer und Schülern gab in diesem Fallbeispiel den Ausschlag, um das Lernklima zu verbessern. Auch in anderen Klassen und Schulen lässt die Kommunikation zwischen den Lehrenden und Lernenden deutlich zu wünschen übrig und müsste dringend optimiert werden, um auch das Lehr- und Lernklima zu verbessern.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich auf der Grundlage des Modells von Thomas Gordon (1918-2002) über das Lehrer-Schüler-Training mit unterschiedlichen Möglichkeiten, wie man die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern verbessern könnte.

Die Arbeit wird zunächst die Humanistische Psychologie als psychologischen Hintergrund, sowie den philosophischen Ursprung kurz skizzieren. Dabei ist zu beachten, dass die Beschränkung auf wenige Vertreter der kurz gehaltenen Darstellung entgegen kommt. Da Quitmann Kierkegaard (1813-1855) als „Großvater“ und Heidegger (1889-1976) als „Vater“ der Existenzphilosophie bezeichnet (1996, 67), muss demzufolge nicht extra auf andere Vertreter der Existenzphilosophie eingegangen werden. In einem zweiten Schritt wird die personenzentrierte Gesprächsführung von Rogers (1902-1987) als Grundlage von Gordons Modell thematisiert und im Anschluss das Modell selber vorgestellt. Im letzten Punkt soll dann die Theorie auf die Praxis übertragen werden. Dabei sollen einige Tipps erläutert werden, wie man die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden verbessern könnte.

2 Der psychologische Hintergrund: Humanistische Psychologie

2.1 Die Existenzphilosophie als philosophischer Ursprung

Soeren Kierkegaard war der erste Philosoph, der die Theorien von Platon bis zu Hegel verwarf und eine völlig neue Denkrichtung einschlug. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen standen der Mensch und dessen Existenz, das menschliche Sein. Knapp hundert Jahre nach Kierkegaards Tod griff Martin Heidegger dessen Theorien wieder auf und entwickelte sie zu seiner „Fundamentalontologie“ weiter (vgl. Quitmann 1996, 64).

1927 erschien Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“, das den Menschen als Lebewesen beschrieb, welches in der Lage ist nach dem eigenen „Dasein“ zu fragen. Er setzt sich somit in Beziehung zu anderen Menschen. Heidegger unterscheidet dabei zwischen einer formalen und einer inhaltlichen Ebene. Auf der formalen Ebene steht dem Menschen ein Entscheidungsspielraum als „Möglichkeit“ (ja oder nein) zur Verfügung, auf der inhaltlichen Ebene werden seine Existenz und die damit verbundene Verpflichtung, entscheiden zu müssen, thematisiert. Eine entscheidende und mit der Psychologie verbindende Funktion nimmt der Begriff der „Fürsorge“ bei Heidegger ein. Er unterscheidet dabei „einspringende“ (Person nimmt einer anderen die Verantwortung ab) und „vorausspringende“ (Hilfe zur Selbsthilfe) Fürsorge. Entscheidend für die personenzentrierte Gesprächsführung ist dabei die „vorausspringende“ Fürsorge, da so der Mensch in die Lage versetzt wird, seine Sorge zu durchschauen und sich von ihr zu lösen. Bei Rogers und später bei Gordon spielt diese Annahme eine entscheidende Rolle (vgl. ebd., 78ff.).

Nicht nur Kierkegaard und Heidegger sind Vertreter der Existenzphilosophie, auch Persönlichkeiten wie Martin Buber (1878-1965), Karl Jaspers (1883-1969) oder Jean-Paul Sartre (1905-1980) haben diese Stilrichtung entscheidend mitgeprägt. Wie kann man die Existenzphilosophie nun am treffendsten charakterisieren und in den Kontext der Humanistischen Psychologie bringen? Zusammenfassend muss man betonen, dass die Existenzphilosophie Fragen der menschlichen Existenz in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellt. Fragen nach der Welt oder dem Sein werden zurück gestellt und die Lebenseinstellung, sowie die Handlungsoptionen eines Individuums in den Mittelpunkt gestellt. Genau diesen Punkt greift die Humanistische Psychologie auf und grenzt sich dadurch von der Tiefenpsychologie und dem Behaviorismus ab.

2.2 Humanistische Psychologie – Theorie und Kritik

Im Jahre 1961 erschien das erste „Journal of Humanistic Psychology“, in dem ein Text von Abraham Maslow (1908-1970) zu lesen ist, der die Initiatoren des Hefts und deren Intention zur Gründung der Zeitschrift vorstellte. Diesen Text könnte man durchaus als Definition des Begriffes „Humanistische Psychologie“ ansehen. Maslow schreibt, dass jene Psychologen die Zeitschrift gegründet hätten, welche an den menschlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten interessiert seien. Faktoren, wie Selbst oder Liebe, Kreativität oder Selbsttranszendenz hätten keinen Platz in den anderen Schulen der Psychologie und seien deswegen in dieser thematisiert (vgl. Kollbrunner 1989, 72). Carl Rogers sieht in der Humanistischen Psychologie „das Interesse am Menschen und seiner Entfaltung in einer modernen Welt, die offensichtlich darauf aus ist, ihn zu ignorieren oder in seiner Bedeutung herabzusetzen (Rogers 1973, 15).“ Die Humanistische Psychologie ermögliche es dem Menschen, Fähigkeiten zu entfalten, die ihm bei der Gestaltung seines Lebens nutzen können (vgl. Bühler & Allen 1974, 18). Um dies zu realisieren bedient sie sich laut Bugental an der Betrachtung des subjektiven Erlebens, der menschlichen Erfahrung und dem Verhalten (vgl. Kollbrunner 1989, 73).

Was unterscheidet aber die „dritte Kraft“ in der Psychologie vom Behaviorismus und der Tiefenpsychologie? Nach der Theorie der Tiefenpsychologen würden in der Tiefe der Psyche unbewusste Prozesse stattfinden und eine Wirkung auf das bewusste Seelenleben haben. Maßgeblich beeinflusst wurde die Tiefenpsychologie vom Behaviorismus. Das mechanische Menschenbild ist einer der Hauptkritikpunkte am Behaviorismus. Seelische Zustände des Menschen werden ignoriert, es wird der Eindruck vermittelt, der Mensch sei beliebig manipulierbar. Die Humanistische Pschologie versteht sich als Gegenbewegung und forderte, in Charlotte Bühler (1893-1974) personifiziert, die Rückbesinnung auf die Werte des Humanismus. Der Mensch sei laut Bühler in erster Linie ein aktives und sinnvoll handelndes Wesen. Somit seien Tiefenpsychologie und Behaviorismus keine Wissenschaften, die menschlichen Verhalten erklären könnten. Das Bedürfnis nach Spannungsabfuhr, in der Tiefenpsychologie als einzige Grundtendenz angesehen, steht im Gegensatz zum Schlüsselbegriff der Humanistischen Psychologie, der Kreativität. Diese befähigt das Individuum, sich zu entfalten (vgl. Schönpflug 2006, 331f.).

Neben Charlotte Charlotte Bühler, Carl Rogers und Abraham Maslow gibt es selbstverständlich noch andere Vertreter der Humanistischen Psychologie. Dennoch ist es für die Problemstellung dieser Arbeit eher von Vorteil, die Kritik an der Humanistischen Psychologie näher zu beleuchten. Nach Kollbrunner kann man vor allem fünf Faktoren an der Humanistischen Psychologie kritisieren (vgl. Kollbrunner 1989, 530ff.):

1. Unwissenschaftlicher Sprachgebrauch
2. Zerstörung der Objektivität durch Subjekt-Objekt-Vermischung
3. Wertende Forschung durch subjektive Einflüsse
4. Humanistisches Menschenbild ist stets Grundlage der Forschung und verhindert somit eine kritische Auseinandersetzung (was stimmt, was nicht?)
5. Ignoranz des vorher in der Wissenschaft hinlänglich akzeptierten erkenntnistheoretischen Wissen

Hinzuzufügen wäre, dass die Vertreter zwar grundsätzlich Behaviorismus und Tiefenpsychologie verneinen, diese aber zur Erklärung der personenzentrierten Gesprächsführung aber von Nöten wären. Ignoriert werden bei der Theorie dieser Gesprächsführung nämlich die unbewussten Prozesse, die in einem Individuum ablaufen. Außerdem wird der Klient ebenfalls vom Therapeuten beeinflusst – ein Faktor, der am Behaviorismus kritisiert wurde. Die Humanistische Psychologie beschränkt sich darüber hinaus zu sehr auf die naive Erläuterung wünschenswerter Zielzustände und ignoriert dabei die Realität (positives Menschenbild vs. Gewalt und Zerstörung). Da das Gelingen der Selbstverwirklichung letztlich von dem Individuum abhängig ist, werden mögliche äußere Ursachen des drohenden Scheiterns ausgeklammert. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass man eine Individualisierung dadurch gar nicht zulässt, bei allen Menschen seien die Voraussetzungen gleich. Was für einen Mensch gut ist, muss für alle zutreffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ein Beitrag zur Optimierung der Lehrer-Schüler-Kommunikation
Untertitel
Das Lehrer-Schüler-Training von Thomas Gordon: Chancen und Grenzen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Grundlagen psychologischer Beratung in päd. Konfliktfeldern
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V134511
ISBN (eBook)
9783640417483
ISBN (Buch)
9783640412785
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lehrer-Schüler-Kommunikation, Lehrer-Schüler-Training, Gordon
Arbeit zitieren
Robert Griebsch (Autor), 2008, Ein Beitrag zur Optimierung der Lehrer-Schüler-Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134511

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