Eine Referendarin berichtete in einem Erfahrungsbericht von ihrem Unterricht in einer
neunten Klasse. Die Schülerinnen und Schüler hätten keine Motivation, sie würden lieber
Karten spielen oder Zeitschriften lesen. Nach geraumer Zeit entschloss sich die Lehrerin, mit
der Klasse über die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Unterrichtssituation zu
diskutieren. Die Referendarin, sowie die Schülerinnen und Schüler tauschten ihre Gedanken
und Gefühle aus und fanden letztlich eine gemeinsame Basis, um den Unterricht zu
optimieren (vgl. Wagner 1987, 17f.).
Die Kommunikation zwischen Lehrer und Schülern gab in diesem Fallbeispiel den Ausschlag,
um das Lernklima zu verbessern. Auch in anderen Klassen und Schulen lässt die
Kommunikation zwischen den Lehrenden und Lernenden deutlich zu wünschen übrig und
müsste dringend optimiert werden, um auch das Lehr- und Lernklima zu verbessern.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich auf der Grundlage des Modells von Thomas Gordon
(1918-2002) über das Lehrer-Schüler-Training mit unterschiedlichen Möglichkeiten, wie man
die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern verbessern könnte.
Die Arbeit wird zunächst die Humanistische Psychologie als psychologischen Hintergrund,
sowie den philosophischen Ursprung kurz skizzieren. Dabei ist zu beachten, dass die
Beschränkung auf wenige Vertreter der kurz gehaltenen Darstellung entgegen kommt. Da
Quitmann Kierkegaard (1813-1855) als „Großvater“ und Heidegger (1889-1976) als „Vater“
der Existenzphilosophie bezeichnet (1996, 67), muss demzufolge nicht extra auf andere
Vertreter der Existenzphilosophie eingegangen werden. In einem zweiten Schritt wird die
personenzentrierte Gesprächsführung von Rogers (1902-1987) als Grundlage von Gordons
Modell thematisiert und im Anschluss das Modell selber vorgestellt. Im letzten Punkt soll
dann die Theorie auf die Praxis übertragen werden. Dabei sollen einige Tipps erläutert
werden, wie man die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden verbessern könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der psychologische Hintergrund: Humanistische Psychologie
2.1 Die Existenzphilosophie als philosophischer Ursprung
2.2 Humanistische Psychologie – Theorie und Kritik
3 Gordons Kommunikationsmodell
3.1 Die personenzentrierte Gesprächsführung
3.2 Gordons Beitrag zur Optimierung der Lehrer-Schüler-Interaktion
4 Von der Theorie zur Praxis: Die Verbesserung der Kommunikation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Lehrer-Schüler-Training von Thomas Gordon als einen Ansatz zur Optimierung der Kommunikation im schulischen Kontext. Das primäre Ziel besteht darin, auf Grundlage der Humanistischen Psychologie und der personenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers Möglichkeiten aufzuzeigen, wie durch eine wertschätzende und bedürfnisorientierte Interaktion das Lernklima nachhaltig verbessert werden kann.
- Grundlagen der Humanistischen Psychologie und deren philosophische Wurzeln
- Methoden der personenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers
- Anwendung des Kommunikationsmodells von Thomas Gordon im Schulalltag
- Konfliktbewältigung durch die Methode III zur Erzielung von Konsenslösungen
- Die Rolle des Lehrers als Förderer der Schülerautonomie
Auszug aus dem Buch
3.1 Die personenzentrierte Gesprächsführung
Trotz der Kritik ist die These bisher nicht verworfen worden, dass man durch die Möglichkeiten einer personenzentrierte Gesprächsführung die Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler verbessern könnte. Die Sprache als Kommunikationsmittel ist das bedeutendste Bindeglied zwischen den Menschen. In diesem Zusammenhang ist allerdings nicht nur die Verständigung von enormer Bedeutung, sondern auch das Verstehen des jeweiligen Senders (vgl. Pallasch 1995, 154).
Entscheidend geprägt wurde die personenzentrierte Gesprächsführung von Carl Rogers, der als Begründer der Gesprächspsychotherapie angesehen wird. Seine zentrale Hypothese ist, dass die Person, mit der kommuniziert werden soll, Anlagen in sich trägt, sich selbst zu verstehen und somit die eigene Lebens- bzw. Verhaltensweise zu verändern (vgl. Rogers & Schmid 2004, 187). Rogers vertritt dabei eine „phänomenologische Position“ (Weinberger 2004, 23), die alle Äußerungen des Gesprächspartners als Wahrheit vorurteilsfrei annimmt und akzeptiert.
Folgende Merkmale kennzeichnen Rogers Modell:
1. Bestimmte Einstellungen des Therapeuten (Empathie – einfühlendes Verstehen, Akzeptanz – bedingungslose Wertschätzung, Kongruenz – Echtheit) sind die hinreichenden und notwendigen Bedingungen für eine therapeutische Effizienz (vgl. Pallasch 1995, 164f.)
2. Präsenz und Zugänglichkeit als Funktionen des Therapeuten
3. Das Augenmerk des Therapeuten wird auf die Welt des Gesprächspartners (wie sie ihm erscheint) gerichtet
4. Selbstaktualisierende Kraft des menschlichen Organismus, da er entwicklungsorientiert ist (vgl. Rogers 1992, 22)
5. Interesse an der Persönlichkeitsveränderung, die eintritt, wenn Therapeut ein entwicklungsförderndes Klima (durch seine Einstellungen) schaffen kann (vgl. ebd., 23)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht anhand eines Fallbeispiels die Problematik mangelnder Kommunikation im Unterricht und leitet zur Fragestellung der Arbeit über.
2 Der psychologische Hintergrund: Humanistische Psychologie: Dieses Kapitel skizziert die existenzphilosophischen Wurzeln und die theoretischen Grundlagen sowie die Kritik an der Humanistischen Psychologie.
3 Gordons Kommunikationsmodell: Hier werden die personenzentrierte Gesprächsführung nach Rogers und deren spezifische Anwendung durch Thomas Gordon zur Konfliktlösung im Klassenzimmer erläutert.
4 Von der Theorie zur Praxis: Die Verbesserung der Kommunikation: Das Kapitel überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf den pädagogischen Alltag und diskutiert die Rolle des Lehrers als Unterstützer der Schülerentwicklung.
Schlüsselwörter
Lehrer-Schüler-Kommunikation, Thomas Gordon, Humanistische Psychologie, Carl Rogers, personenzentrierte Gesprächsführung, Konfliktlösung, Methode III, aktives Zuhören, Ich-Botschaften, Schulklima, Pädagogik, Existenzphilosophie, Selbstverwirklichung, Lernprozess, Unterrichtsoptimierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Lehrer-Schüler-Training nach Thomas Gordon als Mittel zur Optimierung der Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden, um ein konstruktives Lernklima zu schaffen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Humanistische Psychologie, die personenzentrierte Gesprächsführung nach Rogers und die praktische Anwendung von Kommunikationsmethoden im schulischen Konfliktfall.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erläuterung, wie durch die Anwendung von Gordons Modell, insbesondere der Methode III zur Konfliktlösung, die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung psychologischer und pädagogischer Fachliteratur sowie der Verknüpfung von Theorien mit praktischen Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung über die Humanistische Psychologie und Existenzphilosophie sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion von Gordons Kommunikationsmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kommunikation, personenzentrierte Gesprächsführung, Konfliktlösung, Ich-Botschaften, Aktives Zuhören und das humanistische Menschenbild.
Was unterscheidet die Methode III nach Gordon von anderen Ansätzen?
Die Methode III ist eine Konfliktlösung ohne Niederlagen, bei der alle Beteiligten gemeinsam nach einem Konsens suchen, anstatt einseitige Entscheidungen durch Belohnung oder Bestrafung zu erzwingen.
Wie bewertet der Autor die Umsetzbarkeit des Modells?
Der Autor weist darauf hin, dass die Umsetzung ein einheitliches Erziehungskonzept und einen ehrlichen Umgang erfordert, was in der schulischen Realität aufgrund unterschiedlicher Lehrerstile schwierig sein kann.
Welche Rolle spielen "Ich-Botschaften" in der Kommunikation?
Ich-Botschaften dienen dazu, eigene Gefühle und Bedürfnisse ehrlich zu äußern, ohne den Gegenüber anzugreifen, wodurch die Schüler den Lehrer als authentische Person wahrnehmen.
Warum wird das "Lehrerecho" in der Arbeit diskutiert?
Obwohl das "Lehrerecho" didaktisch oft kritisiert wird, zeigt die Arbeit auf, dass es schüchternen Schülern Sicherheit vermitteln und ihre aktive Teilnahme am Unterricht fördern kann.
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- Robert Griebsch (Author), 2008, Ein Beitrag zur Optimierung der Lehrer-Schüler-Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134511