Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, inwieweit die Geistlichen sich in einem Zwiespalt zwischen Amtseid und ‚Aufruhr’ befanden, inwieweit sie die Erhebung und die jeweiligen Verwaltungen unterstützten oder kritisierten und wie sie ihre Positionen begründeten und gegenüber Anschuldigungen verteidigten.
„Wir werden, falls die Landesverwaltung eigenthätiger Weise unseren wackern Geistlichen absetzen sollte, dennoch ihn nicht aus unserer Mitte lassen“, schreibt die Gemeinde Haddeby in einer Erklärung vom 26.10.1849, die in dieser gegen die Entlassung ihres Pastors Haack protestiert und sich treu an seine Seite stellt. Anhand dieser Aussage lässt sich die Bedeutung, welche die Geistlichen für ihre Gemeinden einnahmen, erahnen. Zugleich wird auch ein Konflikt der Geistlichen innerhalb der Schleswig-Holsteinischen Erhebung erkennbar. Durch ihren Amtseid waren die Geistlichen an den König von Dänemark gebunden, derweil ein Großteil ihres Umfeldes die Schleswig-Holsteinische Erhebung unterstützte.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
II.1 Die Geistlichkeit und die Provisorische Regierung
II.2 Die Geistlichkeit und die Gemeinsame Regierung/ die Statthalterschaft
II. 3 Die Geistlichkeit und die Landesverwaltung
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Stellung der schleswigschen Geistlichkeit während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung. Ziel ist es, den Zwiespalt zwischen dem Amtseid gegenüber dem dänischen König und der Unterstützung der Erhebung sowie der politischen Haltung der Geistlichen in den verschiedenen Regierungsphasen zwischen 1848 und 1851 zu analysieren.
- Haltung der Geistlichkeit zur Provisorischen Regierung, Gemeinsamen Regierung und Statthalterschaft.
- Die Rolle des Fürbittengebets als politisches Instrument.
- Der Einfluss der Geistlichen auf ihre Gemeinden und ihr Wirken als politische Akteure.
- Die landesrechtliche Legitimität als zentrales Argument der Geistlichkeit.
- Konsequenzen der Haltung: Amtsentlassungen und passiver Widerstand.
Auszug aus dem Buch
II.3 Die Geistlichkeit und die Landesverwaltung
Die Bedeutung, welche die Geistlichkeit der Landesverwaltung beimaß, wird offenbar durch die bereits am 22. August herausgegebene Erklärung der Geistlichen. Unterschrieben wurde dieser Text von sechs Geistlichen. 194 weitere Geistliche traten ihr bei, was die überwiegende Mehrheit der Geistlichen Schleswigs war. Diese Erklärung und die darin verwendeten Argumente sollen im Folgenden genauer untersucht werden. Ersichtlich wird sogleich, dass – im Gegensatz zu der im August 1848 herausgegebenen Erklärung – der Glauben im Fokus steht.
Einleitend erklären sie ihre Intention, welche sie mit der Verpflichtung ihren Gemeinden gegenüber begründen. Es sei wichtig, sich „selbst ein gutes Gewissen zu bewahren“ und den Gemeinden gegenüber „nicht den Schein eines unsittlichen Hin- und Herschwankens auf uns zu laden“. Weiterhin lässt sich erkennen, dass sie sich auch gegenüber der Kritik, die aus Preußen an dem Verhalten der Geistlichkeit geäußert wird, verteidigen. „Wir sind keine Empörer und haben uns nicht treulos und eidbrüchig gegen unseren Landesherrn in Aufruhr erhoben“. Wieder wird das Argument der landesrechtlichen Legitimität aufgegriffen. Für den bevorstehenden Regierungswechsel knüpften sie ihre Treue an mehrere Bedingungen. Zunächst wird der Statthalterschaft, die zu diesem Zeitpunkt noch regiert, Gehorsam versprochen. Dann forderten sie von dieser „nähere Anweisung, welches Verhalten von uns inne zu halten ist“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Zwiespalt der Geistlichen zwischen Amtseid und Erhebung und stellt die Forschungsfrage nach deren politischer Rolle in den verschiedenen Regierungsphasen.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert chronologisch das Agieren der schleswigschen Geistlichkeit unter wechselnden Regierungen, angefangen bei der Provisorischen Regierung bis hin zur Landesverwaltung, wobei Konflikte wie das Fürbittengebet im Zentrum stehen.
II.1 Die Geistlichkeit und die Provisorische Regierung: In diesem Kapitel wird untersucht, wie die Geistlichen ihre Unterstützung für die Provisorische Regierung mit dem Argument der landesrechtlichen Legitimität und der Treue zum Landesherrn begründeten.
II.2 Die Geistlichkeit und die Gemeinsame Regierung/ die Statthalterschaft: Dieses Kapitel zeigt, dass die Geistlichkeit ihre bisherige Haltung unter diesen Verwaltungen beibehielt, ohne dass es zu signifikantem Protest gegen diese Regierungsformen kam.
II. 3 Die Geistlichkeit und die Landesverwaltung: Hier wird der wachsende Konflikt durch veränderte politische Rahmenbedingungen und religiöse Verordnungen thematisiert, was zu massiven Amtsentlassungen unter den Geistlichen führte.
III. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Geistlichkeit die Erhebung aus einer konservativen, auf landesrechtliche Traditionen gestützten Motivation unterstützte und dabei maßgeblichen Einfluss auf ihre Gemeinden ausübte.
Schlüsselwörter
Schleswig-Holsteinische Erhebung, Geistlichkeit, Landesverwaltung, landesrechtliche Legitimität, Amtseid, Kirchenkampf, Fürbittengebet, Provisorische Regierung, Statthalterschaft, politischer Widerstand, Amtsentlassungen, politische Akteure, 1848er Revolution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Rolle und der Haltung der schleswigschen Geistlichkeit während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung in den Jahren 1848 bis 1851.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der Konflikt zwischen dem kirchlichen Amtseid gegenüber dem dänischen König, die Unterstützung der Herzogtümer-Bewegung und der Einfluss der Geistlichen auf das politische Geschehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszuarbeiten, wie die Geistlichen ihren "Zwiespalt" rechtfertigten, ihre Positionen gegenüber den Regierungen verteidigten und welche Auswirkungen dies auf ihr Amt hatte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung verfolgt einen chronologischen Ansatz und analysiert hauptsächlich zeitgenössische Quellen wie offizielle Erklärungen der Geistlichkeit, Briefe und Verordnungen.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verhaltens der Geistlichen unter verschiedenen Regierungsphasen (Provisorische Regierung, Gemeinsame Regierung und Landesverwaltung) sowie die Eskalation im sogenannten Kirchenkampf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind die Schleswig-Holsteinische Erhebung, landesrechtliche Legitimität, Kirchenkampf und die politische Rolle der Geistlichen als Akteure.
Welche Rolle spielte das Fürbittengebet in dieser Zeit?
Das Fürbittengebet wurde zu einem hochgradig politischen Instrument; die Weigerung, den dänischen König in der gewünschten Form zu nennen, war ein zentraler Streitpunkt und führte zu Amtsentlassungen.
Wieso kam es zu so zahlreichen Amtsentlassungen bei den Pastoren?
Viele Pastoren wurden entlassen, da sie sich den Weisungen der Landesverwaltung widersetzten, ihr Fürbittegebet verweigerten oder sich in den Dienst der Erhebungsbewegung stellten, was als unzulässige politische Betätigung gewertet wurde.
- Citation du texte
- Deborah Rohne (Auteur), 2020, Geistliche im Zwiespalt zwischen Amtseid und Aufruhr. Die Schleswigschen Geistlichen in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848/1851, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1345496