In dieser Ausarbeitung befassen wir uns mit dem Thema „Märkte und Innovationen
deutscher Biotechnologieunternehmen“. Diese Thematik ist in den letzten Jahren als
Argument für den Standort Deutschland immer bedeutsamer geworden. Die aktuelle
Bundesregierung hat angekündigt auch weiterhin sämtliche Maßnahmen zu
ergreifen, die diesen Wirtschaftszweig fördern können. Dies bezieht sich sowohl auf
die Arbeitsplatzattraktivität, das Investitionsklima fremder Kapitalgeber und
natürlich auf den Ausbau und die Aufrechterhaltung des Forschungsstandorts
Deutschland.
Um die Wichtigkeit und Komplexität dieses Themas aufzudecken, wollen wir
versuchen, das Gebiet der Biotechnologie von allen Seiten zu beleuchten, damit
Gesamtzusammenhänge, auch im nationalen Kontext, deutlich werden. Dies betrifft
Deutschlands weltweite Positionierung, die nationale Standortverteilung, den
Schwerpunkt deutscher Biotechnologieunternehmen sowie wichtige
Rahmenbedingungen. Um übersichtlich zu bleiben, werden wir nicht en detail auf
technische Verfahren oder einzelne Fachbegriffe aus der Welt der Biotechnologie
eingehen. Die im Text unterstrichenen Wörter sind im Glossar näher erläutert.
Wir erhoffen uns, dass der Leser am Ende dieser Arbeit erkennt, dass es sich bei der
Biotechnologie um eine, wenn nicht sogar die Schlüsseltechnologie des 21.
Jahrhunderts handelt - eine Branche, die das Potential besitzt ganze
Wirtschaftszweige, wie z.B. den Pharma- und Medizinsektor auf den Kopf zu stellen.
Deswegen aber nicht zwingend ein Thema, welches einzig in der Wirtschaft weite
Kreise zieht, sondern auch für den Verbraucher und normalen Bürger immer
wichtiger werden wird. Daher ist es geboten, dieses Thema auch auf
gesellschaftlicher Ebene zu diskutieren und mögliche Auswirkungen auf unseren
privaten Bereich zu erörtern. Die Antwort auf die Frage, was Biotechnologie ist, würde unterschiedlich ausfallen,
je nachdem, ob sie aus dem Bereich der naturwissenschaftlichen oder der
ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen gegeben würde. Demzufolge ist es auch unmöglich, einen „Biotechnologen“ zu definieren, geschweige denn, ein
vollständiges und allseits zufriedenstellendes Programm für eine Ausbildung in der
Biotechnologie aufzustellen.
In den 70er Jahren hat die „European Federation of Biotechnology“ folgende
allgemein akzeptierte Definition für die Biotechnologie gegeben, die mittlerweile
weltweit anerkannt wird: [...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DEFINITION BIOTECHNOLOGIE
3 ABGRENZUNG ZUR GENTECHNOLOGIE
4 GESCHICHTE DER BIOTECHNOLOGIE
5 BEREICHE UND GESCHÄFTSFELDER
6 BIOTECHNOLOGIE UND WIRTSCHAFT
7 RAHMENBEDINGUNGEN
7.1 STEUERLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
7.2 RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
7.3 PATENTE
8 FINANZWIRTSCHAFTLICHE ASPEKTE DER BIOTECHNOLOGIEUNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND
8.1 BIOTECH-INVESTOREN
8.2 DIE ENTWICKLUNG AN DER BÖRSE
9 DER BIOTECH-STANDORT DEUTSCHLAND
9.1 ZAHLEN UND FAKTEN
9.2 BESCHÄFTIGUNGSPOTENTIALE UND –PROBLEME IM BEREICH DER BIOTECHNOLOGIE
9.3 REGIONALE VERTEILUNG
9.4 NATIONALE STÄRKEN
9.5 AKTIVITÄTEN DER ÖFFENTLICHEN HAND
10 BIOTECHNOLOGIE IM VERGLEICH DEUTSCHLAND – USA
11 DIE GESELLSCHAFTLICHE MEINUNG ZUR BIOTECHNOLOGIE
12 SCHLUSSBEMERKUNGEN
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Marktstrukturen und das Innovationspotenzial deutscher Biotechnologieunternehmen vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit die Branche trotz hoher Forschungsintensität mit den USA konkurrieren kann und welche ökonomischen sowie politischen Rahmenbedingungen das Wachstum maßgeblich beeinflussen.
- Analyse der Definition und historischen Entwicklung der Biotechnologie.
- Untersuchung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, inklusive Steuer- und Patentrecht.
- Bewertung des Biotech-Standorts Deutschland im internationalen Vergleich zur USA.
- Diskussion der gesellschaftlichen Akzeptanz und ethischer Herausforderungen.
- Betrachtung von Beschäftigungspotenzialen und der Rolle öffentlicher Förderprogramme.
Auszug aus dem Buch
8.2 Die Entwicklung an der Börse
Im Zuge eines generellen „Börsen-Hypes“ im Jahre 1999 gewannen auch die Biotech-Aktien an großer Beliebtheit. So konnte z.B. die Aktie des deutschen Biotech-Unternehmens Morphosys in kurzer Zeit über 600 % Wertzuwachs verzeichnen. Insgesamt erhöhte sich die Marktkapitalisierung in dieser Branche von Ende 1999 bis September 2000 um das dreieinhalbfache. Ende 2001 hingegen lag die Marktkapitalisierung bei dreimal so vielen Firmen im Börsenindex nahe der Zahl von 1999.
Ende 2000 gab es in diesem Börsensegment drei deutsche Schwergewichte, die mit über 1 Mrd. Euro bewertet wurden. Dies waren die Unternehmen Qiagen, Evotec OAI sowie LION bioscience. Am Ende des Jahres 2001 konnte letztendlich nur noch die Firma Qiagen eine Marktkapitalisierung von über 1 Mrd. Euro aufweisen.
Die Mehrheit der börsennotierten Biotechnologieunternehmen notiert heute mit einem Kurs, der unter dem Ausgabekurs liegt. Neben dem bekannten Börsenverfall, der sich seit Anfang 2001 beschleunigte, gibt es noch andere wichtige Gründe, die der Biotechnologie-Branche in Deutschland Schwierigkeiten bereiten. Zum einen gibt es keine einheitlichen Bewertungsrichtlinien, da dieses Verfahren gerade für diese Branche extrem komplex ist. Lange Entwicklungsphasen, keine oder geringe Umsätze ohne Gewinne und größtenteils immaterielle Vermögensgegenstände sind hierfür die Ursache.
Des weiteren sind die Geschäftspläne der Unternehmen häufig unzureichend ausgearbeitet und zu wenig auf die Vermarktung von Produkten orientiert. Ebenso fehlt es den Managern, häufig Professoren oder Ärzten, an dem notwendigen betriebswirtschaftlichen Know-How. Dies alles sind Gründe, die Investoren abschrecken und Kurse der Unternehmen in den Keller fallen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Biotechnologie als strategischer Wirtschaftsfaktor in Deutschland und Erläuterung des Zieles der Arbeit.
2 DEFINITION BIOTECHNOLOGIE: Darstellung der verschiedenen wissenschaftlichen Definitionen unter Berücksichtigung von OECD- und Industriestandards.
3 ABGRENZUNG ZUR GENTECHNOLOGIE: Klärung der wissenschaftlichen Einordnung, wobei die Gentechnik als essentielles Werkzeug der Biotechnologie verortet wird.
4 GESCHICHTE DER BIOTECHNOLOGIE: Historischer Rückblick von frühen Verfahren bis hin zum Durchbruch durch die Entdeckung der DNA im Jahr 1953.
5 BEREICHE UND GESCHÄFTSFELDER: Differenzierung in rote, grüne und graue Biotechnologie sowie deren spezifische Anwendungen und Marktpräsenz.
6 BIOTECHNOLOGIE UND WIRTSCHAFT: Betrachtung der Branche als Schlüsseltechnologie und dritte industrielle Revolution sowie deren wachsender Einfluss auf die Arbeitswelt.
7 RAHMENBEDINGUNGEN: Analyse der steuerlichen, rechtlichen und patentrechtlichen Voraussetzungen für den Unternehmenserfolg.
8 FINANZWIRTSCHAFTLICHE ASPEKTE DER BIOTECHNOLOGIEUNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND: Untersuchung der Investorenlandschaft und der volatilen Entwicklung am Börsenmarkt.
9 DER BIOTECH-STANDORT DEUTSCHLAND: Bestandsaufnahme der regionalen Verteilung, der nationalen Stärken und der staatlichen Förderaktivitäten.
10 BIOTECHNOLOGIE IM VERGLEICH DEUTSCHLAND – USA: Analyse der Wettbewerbsnachteile Deutschlands gegenüber dem US-Markt hinsichtlich Innovationsgeschwindigkeit und Technologietransfer.
11 DIE GESELLSCHAFTLICHE MEINUNG ZUR BIOTECHNOLOGIE: Auswertung von EU-weiten Befragungen zu Ängsten, Erwartungen und dem Vertrauen in die neue Technologie.
12 SCHLUSSBEMERKUNGEN: Fazit zur notwendigen strategischen Neuausrichtung und den zukünftigen Herausforderungen der Branche.
Schlüsselwörter
Biotechnologie, Deutschland, Innovation, Gentechnologie, Pharmaindustrie, Biotechnologieunternehmen, Venture Capital, Börse, Bioinformatik, Standortpolitik, Standortwettbewerb, Forschung, Entwicklung, Markt, Technologietransfer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Märkte und Innovationen deutscher Biotechnologieunternehmen und beleuchtet deren Rolle als zukunftsorientierte Schlüsseltechnologie am Wirtschaftsstandort Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Abgrenzung der Biotechnologie, die wirtschaftliche Lage, steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen, Finanzierungsaspekte sowie den Vergleich mit dem US-amerikanischen Markt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Wichtigkeit und Komplexität der deutschen Biotechnologiebranche aufzuzeigen, Gesamtzusammenhänge im nationalen Kontext zu verdeutlichen und die Wachstumsbedingungen kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autoren nutzen eine deskriptive und analytische Auswertung vorhandener Studien, statistischer Daten sowie aktueller Branchenberichte und Literatur zum Benchmarking der Biotech-Standorte.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der Geschäftsfelder, der Finanzierungssituation durch Investoren sowie der Untersuchung der Standortfaktoren, die den Erfolg deutscher Unternehmen beeinflussen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Schlüsselbegriffe sind Innovationskraft, regulatorische Rahmenbedingungen, Finanzierung (Venture Capital), Bioinformatik, internationale Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz.
Warum hinkt Deutschland im Vergleich zur USA hinterher?
Laut Arbeit liegt dies am späteren Beginn der Kommerzialisierung, einer eher methodisch-technisch ausgerichteten Forschungsmentalität sowie einem langsameren Technologietransfer von der Universität in die Wirtschaft.
Welche Rolle spielt die Gesellschaft?
Die gesellschaftliche Einstellung ist ein kritischer Faktor; die Arbeit zeigt, dass Ängste gegenüber grüner Gentechnik bestehen und ein dringender Bedarf an Aufklärungsarbeit besteht, um die Akzeptanz für Innovationen zu sichern.
- Quote paper
- Thorsten Feldmann (Author), 2003, Märkte und Innovationen deutscher Biotechnologieunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13455