Diese Hausarbeit entstand auf der Grundlage eines vom Verfasser abgehaltenen Referates im Seminar „Französische Varietätenlinguistik“ im Wintersemester 2008/09 am Institut für Romanistik der Universität Leipzig. Sie setzt sich, im Rahmen des verschiedenen Varietäten außerhalb Frankreichs gewidmeten Seminarteils, mit dem Französischen des Überseedepartements La Réunion im Indischen Ozean auseinander. Nach einem kurzen, einführenden Überblick über die gegenwärtige Verbreitung und Bedeutung der französischen Sprache im indoozeanischen Raum sowie einigen grundlegenden Eckdaten zur Insel La Réunion soll deren heutige diglossische Sprachrealität aus ihrem historischen Entstehen heraus entfaltet werden. Ein sich anschließendes Kapitel wird sich derzeitigen Entwicklungen im Hinblick auf die Herausbildung einer sich von Frankreichs Normvorgaben befreienden regionalen Sprachnorm als Beitrag zur Schaffung einer reunionesischen Identität widmen. Daraufhin soll die Varietät des français régional réunionnais in ihren Unterschieden zum Standard-Französisch der Metropole näher vorgestellt werden. Auf die verwendete Literatur wird am Ende der Arbeit verwiesen. Übersetzungen von französischen Originalzitaten entstammen der Feder des Verfassers.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Frankophonie im Indischen Ozean
3 Französisch auf La Réunion
3.1 Einführendes
3.2 Die Entwicklung des Réunion-Kreolischen und der heutigen sprachlichen Situation
a) La société d’habitation (ca. 1640-1715)
b) La société de plantation (ca. 1715-1800)
c) Von der kreolischen Diglossie zur klassischen kolonialen Diglossie (ca. 1800-1946)
d) „La période de la départementalisation” (seit 1946)
3.3 Le français régional réunionnais
3.3.1 Die Frage der Norm
3.3.2 Beschreibung der Varietät
a) Phonetik/Phonologie
b) Morphosyntax
c) Lexik
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Situation auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean. Das primäre Ziel ist es, das komplexe Verhältnis zwischen dem Standard-Französischen und dem Réunion-Kreolischen als ein linguistisches Kontinuum zu begreifen und die Entwicklung einer spezifischen regionalen Sprachnorm vor dem Hintergrund der Identitätssuche der Inselbevölkerung zu analysieren.
- Die diglossische Sprachrealität auf La Réunion.
- Historische Entwicklung des Réunion-Kreolischen in vier Phasen.
- Charakteristika des "français régional réunionnais".
- Das Konzept des linguistischen Kontinuums und der "insécurité linguistique".
- Einflüsse auf die Sprachwahl und Registerbildung.
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Beschreibung der Varietät
An dieser Stelle nun soll die Varietät des Französischen, welcher man auf La Réunion begegnet, in ihren Merkmalen und Unterschieden zum hexagonalen Standard übersichtsartig näher vorgestellt werden. Dabei sollte der Leser im Hinterkopf behalten, dass die folgende Beschreibung von Einzelphänomenen nur eine Annäherung an die als Kontinuum auftretende sprachliche Realität der Insel sein kann, vom einzelnen Sprecher also je nach Gesprächssituation, Bildungsgrad, ethnischer Zugehörigkeit usw. in ganz unterschiedlichem Maße realisiert wird. Die Wortbeispiele entstammen, soweit nicht anders angemerkt, den Ausführungen von Beniamino und Baggioni oder sind selbstgewählt.
Als interessante Frage stellt sich jeweils, inwieweit die einzelne sprachliche Erscheinung ein Erbe der Varietät des Französischen darstellt, die die Kolonisten aus ihrem Heimatland mitbrachten, oder aber auf Einflüsse der Muttersprachen der Sklaven bzw. Einwanderer zurückgeht.
a) Phonetik/Phonologie
- insgesamt stärker nasaliertes Aussprache als in der Metropole
- durchschnittlich schnellerer Redefluss
- Tendenz zur Assibilation (Zischen) von „t“ und „d“ vor [i], [y] und [j] (lundi: [lœdzi], partir: [partsir], tuer: [tsye])
Da hier eine Gemeinsamkeit mit dem français québécois vorliegt, vermuten Sprachforscher die Wurzeln des Phänomens im Französischen der weißen Siedler, die derselben Region Frankreichs entstammten.
- stärkere Realisierung des „e muet“ (femme: [famə])
- Realisierung des stummen „t“ am Wortende, v.a. bei Personennamen und Ortsbezeichnungen (Payet: [pεjεt])
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der Verfasser erläutert die Entstehung der Hausarbeit aus einem Seminar zur Französischen Varietätenlinguistik und den inhaltlichen Fokus auf La Réunion.
2 Frankophonie im Indischen Ozean: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Rolle des Französischen im indoozeanischen Raum anhand der Beispiele Komoren und Mauritius.
3 Französisch auf La Réunion: Dieses Hauptkapitel analysiert die historische und soziolinguistische Situation auf La Réunion und beschreibt das lokale Französisch.
3.1 Einführendes: Es werden die geographischen und politischen Eckdaten der Insel als Überseedepartement Frankreichs dargestellt.
3.2 Die Entwicklung des Réunion-Kreolischen und der heutigen sprachlichen Situation: Das Kapitel zeichnet die historische Entstehung des Kreolischen in vier chronologischen Phasen nach.
3.3 Le français régional réunionnais: Hier erfolgt eine linguistische Untersuchung der regionalen Varietät und der damit verbundenen Identitätsfragen.
3.3.1 Die Frage der Norm: Es wird untersucht, ob sich eine von der Metropole emanzipierte regionale Sprachnorm auf der Insel herausbildet.
3.3.2 Beschreibung der Varietät: Dieser Abschnitt liefert eine systematische linguistische Analyse der Phonetik, Morphosyntax und Lexik des reunionesischen Französisch.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über das linguistische Kontinuum und die Identitätssuche der Reunionesen zusammen.
Schlüsselwörter
La Réunion, Französisch, Réunion-Kreolisch, Diglossie, linguistisches Kontinuum, Varietätenlinguistik, Sprachnorm, Identitätssuche, Kreolisierung, insécurité linguistique, Sprachkontakt, frankophoner Raum, Regionalsprache, Sprachsoziologie, Code-switching.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle und Ausprägung der französischen Sprache auf der Insel La Réunion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Kreolischen, die aktuelle Sprachsituation (Diglossie) und die Identitätsbildung durch Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die sprachliche Realität auf La Réunion als ein fließendes linguistisches Kontinuum zu beschreiben und die Suche nach einer eigenen regionalen Norm zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen soziolinguistischen Ansatz, um das Sprachgefüge und die historischen Phasen der Sprachgenese einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird die historische Genese des Kreolischen, das Konzept der Diglossie und eine detaillierte Beschreibung der phonetischen, morphosyntaktischen und lexikalischen Besonderheiten behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind La Réunion, Diglossie, Kreolisierung, Sprachkontinuum und réunionesische Identität.
Warum wird das Sprachverhältnis auf La Réunion als "Kontinuum" bezeichnet?
Weil die Grenzen zwischen Standard-Französisch und Kreolisch fließend sind und verschiedene Sprachrealitäten ineinander übergehen.
Was bedeutet der Begriff "insécurité linguistique" in diesem Kontext?
Er beschreibt die Unsicherheit der Sprecher bezüglich der korrekten Sprachnorm im Spannungsfeld zwischen der Identitätssuche und dem Druck der französischen Standardsprache.
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- Anonym (Author), 2009, Französisch im Indischen Ozean - der Fall La Réunion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134567