Kobo Abe wurde 1924 als Sohn eines Arztes in Tokio geboren und wuchs in der Mandschurei auf. Er studierte Medizin und machte 1948 seinen Abschluss, praktizierte jedoch niemals als Arzt. Stattdessen arbeitete er als freier Schriftsteller, verfasste zunächst Lyrik und zahlreiche Bühnenstücke, hauptsächlich aber Erzählungen und Romane. Darin befindet sich der Einzelne immer in einem Labyrinth oder ist ausgesperrt von allem. Rettung besteht nur darin, dass sich totes Organisches in lebendiges Anorganisches verwandelt. Seine extreme Erzählweise machte Abe weltberühmt und hat Vorbildcharakter für die junge Schriftstellergeneration Japans. „Das Gesicht des Anderen“ und „Die Frau in den Dünen“ wurden von Hiroshi Teshigahara verfilmt und erhielten in Cannes den Kritikerpreis. Abe widmete sein ganzes Leben der Kunst, um seine Werke zu perfektionieren. Durch sie wollte er das Leben der Menschen besser machen. Er war durchaus aufgeschlossen gegenüber Kritik von Kollegen und nützte diese als Anregung, um seinen Stil zu vervollkommnen. Ebenso war der Vertreter der Postmoderne sehr interessiert an den Werken anderer Autoren, insbesondere der Existentialisten wie Heidegger, Nietzsche, Rilke und eben Kafka.
Viele bezeichnen Abe sogar als den „Kafka aus Japan“. Doch kann man ihn wirklich mit Franz Kafka vergleichen? Ahmte er bewusst den Stil Kafkas nach oder sind Gemeinsamkeiten eher zufällig? – Diese Fragen sollen nun hier durch einen Vergleich von Abes „Das Gesicht des Anderen“ mit dem Werk Kafkas geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
A Informationen zu Kobo Abe
B Kobo Abe – der japanische Kafka? Ein Vergleich zwischen Abes „Das Gesicht des Anderen“ und dem Werk Kafkas
I. Analyse des Romans „Das Gesicht des Anderen“
1. Romananalyse
a) Erzählform
b) Chronologie des Erzählens
c) Narrative Tempi
d) Erzählmodus
e) Anfang und Schluss
f) Raum
g) Innen- und Außensicht
h) Sprache
i) Darstellungsform
2. Die Bedeutung der Maske
a) Definition und Geschichte der Maske
b) Die Bedeutung der Maske in „Das Gesicht des Anderen“
II. Ähnlichkeiten und Unterschiede zu Kafkas Werk
1. Ähnlichkeiten
a) Namen
b) Darstellung von Innenwelten durch äußere Faktoren
c) großes Schamgefühl
d) Kommunikationslosigkeit
e) Sprache
f) Motiv der Gefangenschaft
g) Motiv der Heimatlosigkeit
h) Einzelnenperspektive
i) Schluss
2. Unterschiede
a) Zeit
b) Beginn
c) Verwendung von Surrealem und Absurdem
d) Schluss
C Resümee: Ist Abe der japanische Kafka?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Bezeichnung von Kobo Abe als „Kafka aus Japan“ eine berechtigte literarische Einordnung darstellt. Im Zentrum steht die Analyse des Romans „Das Gesicht des Anderen“ in Vergleich zu ausgewählten Werken von Franz Kafka, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Stil, Motivik und Erzählstruktur aufzuzeigen.
- Literarische Analyse von Kobo Abes „Das Gesicht des Anderen“
- Vergleichende Untersuchung der Motivik (Maske, Gefangenschaft, Entfremdung)
- Analyse der narrativen Techniken und Erzählformen
- Gegenüberstellung von Kobo Abe und Franz Kafka
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Maske
Die Bedeutung der Maske wandelt sich innerhalb des Romans „Das Gesicht des Anderen“. Zunächst ist das Erschaffen der Maske für ihn nur ein Spiel, mit dem er die Gesellschaft täuschen kann. Er erhofft sich davon, dass diese ihre ablehnende Bemerkung ihm gegenüber ablegt und er sich wieder ohne aufzufallen in ihr bewegen kann. Er ist sich immer noch sicher, dass ein Gesicht keine wichtige Rolle spielt, es „nichts anderes ist als bloße Maskierung“ und dass nur die inneren Werte eines Menschen zählen.
Bald sieht er zwar ein, dass die Maske nichts anderes ist als die „Fortsetzung einer konsequenten Verteidigungshaltung, die darauf basiert[e], dass der Verlust des Gesichtes nichts Wesentliches sei“, aber immer noch gesteht er der Maske keinerlei Macht zu. Doch schon während der Herstellung der Maske macht sich ein Wandel in der Einstellung des Protagonisten bemerkbar. Er fühlt sich fast wie Gott als er der Maske menschliche Züge verleiht: „Ich formte- als Gesichtsmuskeln- dünne Lehnschichten die ich übereinander legte. Diese Tätigkeit war so erregend, als assistierte ich bei der Geburt eines erwachsenen Menschen.“
Zusammenfassung der Kapitel
A Informationen zu Kobo Abe: Einführung in das Leben und Werk des Autors sowie die Hinführung zur zentralen Fragestellung des Vergleichs mit Franz Kafka.
B Kobo Abe – der japanische Kafka? Ein Vergleich zwischen Abes „Das Gesicht des Anderen“ und dem Werk Kafkas: Übergreifendes Kapitel zur Einleitung des Hauptteils.
I. Analyse des Romans „Das Gesicht des Anderen“: Detaillierte Untersuchung der erzählerischen Mittel und der zentralen Funktion der Maske im Roman.
II. Ähnlichkeiten und Unterschiede zu Kafkas Werk: Systematische Gegenüberstellung von Kobo Abe und Franz Kafka hinsichtlich inhaltlicher Motive und struktureller Merkmale.
C Resümee: Ist Abe der japanische Kafka?: Abschließende Einschätzung zur literarischen Einordnung und Eigenständigkeit von Kobo Abes Werk.
Schlüsselwörter
Kobo Abe, Franz Kafka, Das Gesicht des Anderen, Romananalyse, Maske, Identität, Entfremdung, Kommunikationslosigkeit, Existentialismus, Schamgefühl, Vergleich, Literaturwissenschaft, Moderne, Japanische Literatur, Erzählform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem literarischen Vergleich zwischen dem japanischen Autor Kobo Abe und dem Prager Schriftsteller Franz Kafka.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Entfremdung, das Schamgefühl der Protagonisten, das Motiv der Gefangenschaft sowie die Kommunikationslosigkeit im sozialen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die oft genannte Bezeichnung Abes als „Kafka aus Japan“ gerechtfertigt ist oder ob es sich um zufällige Ähnlichkeiten handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans „Das Gesicht des Anderen“ durchgeführt, die durch einen motivgeschichtlichen und stilistischen Vergleich ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst den Roman von Abe im Detail und stellt danach spezifische Parallelen sowie Unterschiede zu Werken wie „Die Verwandlung“ oder „Der Prozeß“ von Kafka gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Identitätsverlust, Maskierung, Existentialismus, literarische Motivik und der Vergleich zweier bedeutender Autoren der Weltliteratur.
Welche Rolle spielt das Motiv der Maske in Abes Roman?
Die Maske entwickelt sich von einem bloßen Täuschungsinstrument zu einem Eigenleben führenden Objekt, das den Protagonisten zunehmend entfremdet.
Worin unterscheiden sich Abe und Kafka laut der Arbeit primär?
Ein Hauptunterschied liegt in der Zeitstruktur und der Darstellung des Absurden: Während Kafka oft direkt mit dem Absurden beginnt, nähert sich Abe der Thematik über eine realistische, wissenschaftlich anmutende Erzählweise.
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- Magistra Angelika Zahn (Author), 2005, Kobo Abe – der japanische Kafka?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134580