Der Begriff der Sezession ist ein Begriff, abgeleitet aus dem Lateinischen "secessio": Trennung, Abspaltung, der in der bildenden Kunst eine Bewegung bezeichnet, in der sich eine Gruppe aufgrund divergierende Meinungen von einer anderen absetzt und eine neue bildet. Sezessionen im 19. Jahrhundert waren das taktische Vorgehen gegen die Kontrolle der offiziellen Ausstellungen, die eine bis dahin eine zukunftsweisende Rolle im Leben eines Künstlers spielten. Sie versuchen ein eigenes Forum zu schaffen und das Interesse für ihre Arbeit zu erwecken. Zum ersten Mal wurde dies in München umgesetzt, als die Münchner Secession am 4. April 1982, sieben Jahre vor der Berliner Secession, ins Leben berufen wurde.
Doch der Umstand der Mittelmäßigkeit der vorherrschenden Kunst, so wie ihn Julius Elias beschreibt, führt nicht zwangsläufig zu der Bildung einer neuen Künstlervereinigung, tatsächlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Es soll sowohl erläutert werden, welche Ereignisse stattgefunden haben, die wegbereitend für die Berliner Secession waren, als auch die Grundidee der Künstlervereinigung und die Folgeentwicklung, denn aus der Berliner Secession entwickelten sich später die Neue- und Freie Secession.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wegbereiter der Berliner Secession
2. 1 Die Gruppe der Elf
2. 2 Der Munch-Skandal und die Freie Künstlervereinigung
3. Die Secessionen
3.1 Die Berliner Secession
3.1.1 Die Gründung der Berliner Secession
3.1.2 Das Programm der Secession
3.1.3 Die Ausstellungen
3.2 Die Neue- und Freie Secession
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die kunstpolitischen Hintergründe der Berliner Secession um die Jahrhundertwende. Dabei wird analysiert, inwieweit die Bewegung als Reaktion auf die akademische Starrheit des kaiserlichen Deutschlands entstand, wie sie als Forum für die Avantgarde fungierte und welche internen Konflikte schließlich zu ihrer Spaltung und zur Entstehung weiterer Künstlervereinigungen wie der Neuen und Freien Secession führten.
- Die Rolle der "Gruppe der Elf" als direkter Wegbereiter.
- Einfluss des kaiserlichen Regime und der Akademie auf das Kunstleben.
- Der Munch-Skandal und die Gründung der Freien Künstlervereinigung.
- Die Gründung, das Programm und der Ausstellungsbetrieb der Berliner Secession.
- Die Auseinandersetzungen um den Expressionismus und die Spaltung der Gruppe.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Das Programm der Secession
An diesem Tag eröffnete Liebermann die Ausstellung mit einer Rede, in der zum ersten Mal die Idee und das Programm der Secession vorgestellt wurde. Hauptziel war es Ausstellungen zu ermöglichen, in der ausnahmslos jeder begabter Künstler die Chance bekommt Kunst frei zu erschaffen und diese dem Publikum zu zeigen. Dabei soll der Ausstellungsraum klein gehalten werden um eine hohe Qualität zu sichern, im Gegensatz zur "Berliner Kunstausstellung", die ihrer Meinung nach mit Kunst überhäuft wurde und dementsprechend nicht qualitativ sein kann.31 Liebermann fasste in wenigen Worten zusammen: "Bei der Auswahl der Werke, welche unsere Ausstellung schmücken, war nur das Talent, in welcher Richtung es sich auch offenbarte, ausschlaggebend (...). Für uns gibt es keine alleinseligmachende Richtung in der Kunst, sondern als Kunstwerk erscheint uns jedes Werk (...), in dem sich eine aufrichtige Empfindung verkörpert... Im Vertrauen auf die siegreiche Kraft der Jugend und das wachsende Verständnis der Besucher haben wir ein Unternehmen ins Leben gerufen, das einzig und allein der Kunst dienen will.". 32
In diesem Teil der Rede offenbarte sich neben den zu verwirklichenden Idealen der Secession gleichzeitig auch die Kritik an den bestehenden Verhältnissen, sowie auch eine Kampfansage an diese. An dieser Stelle zeigt sich auch der Unterschied zur Münchner Secession, die lediglich aus Protest gegen den "Massenbetrieb" des Salons gegründet wurde, die aber weder für eine bestimmte Stilrichtung kämpfte, noch Kritik gegen die akademische Kunst übte.33
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Sezession im kunsthistorischen Kontext und führt in die Entstehungsgeschichte der Berliner Secession als Avantgarde-Bewegung ein.
2. Wegbereiter der Berliner Secession: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle der "Gruppe der Elf" und den Munch-Skandal als entscheidende Katalysatoren, die den Unmut gegen die konservative Berliner Kunstpolitik manifestierten.
2. 1 Die Gruppe der Elf: Es wird analysiert, wie diese Formation als erste oppositionelle Gruppierung versuchte, moderne Kunst abseits des akademischen Betriebs zu etablieren.
2. 2 Der Munch-Skandal und die Freie Künstlervereinigung: Der Abschnitt beschreibt den Ausbruch des Konflikts im Verein Berliner Künstler anlässlich der Munch-Ausstellung und die darauffolgende Gründung der Freien Künstlervereinigung.
3. Die Secessionen: Hier werden die organisatorische Struktur und die künstlerische Ausrichtung der verschiedenen Secessions-Gruppierungen in Berlin detailliert dargestellt.
3.1 Die Berliner Secession: Eine umfassende Betrachtung der Berliner Secession, ihrer programmatischen Ziele und ihrer Bedeutung für die Etablierung moderner Kunststile wie des Impressionismus.
3.1.1 Die Gründung der Berliner Secession: Dieses Unterkapitel beschreibt die Entstehung der Vereinigung unter Max Liebermann und Walter Leistikow sowie die wichtige Rolle der Gebrüder Cassirer.
3.1.2 Das Programm der Secession: Zusammenfassung der programmatischen Ziele, die Freiheit des künstlerischen Schaffens und die Qualitätssicherung durch begrenzte Ausstellungsräume in den Vordergrund stellten.
3.1.3 Die Ausstellungen: Der Text dokumentiert den Erfolg der Ausstellungen und die zunehmende Akzeptanz modernerer Kunstauffassungen in der Öffentlichkeit und in staatlichen Museen.
3.2 Die Neue- und Freie Secession: Die Analyse der internen Spannungen bezüglich des Expressionismus, die zur Spaltung der Berliner Secession und zur Entstehung neuer, kurzlebigerer Künstlervereinigungen führten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erfolgsperiode der Berliner Secession zusammen und reflektiert die inhärenten Schwierigkeiten von Künstlervereinigungen, ihren eigenen avantgardistischen Anspruch über Generationen hinweg aufrechtzuerhalten.
5. Bibliographie: Auflistung der im Text zitierten Monographien und Ausstellungskataloge zur vertiefenden Lektüre.
Schlüsselwörter
Berliner Secession, Max Liebermann, Impressionismus, Expressionismus, Avantgarde, Kunstgeschichte, Walter Leistikow, Paul Cassirer, Berliner Kunstausstellung, Akademie der Künste, Gruppe der Elf, Munch-Skandal, Freie Künstlervereinigung, Kunstpolitik, Ausstellungsbetrieb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehungsgeschichte, dem Wirken und dem schließlichen Niedergang der Berliner Secession als eine der wichtigsten Bewegungen der modernen Kunst im kaiserlichen Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Konflikt zwischen traditionellen Kunstinstitutionen und der aufkommenden Moderne, die Rolle von Künstlervereinigungen als politisches und ästhetisches Korrektiv sowie der Einfluss einflussreicher Förderer wie der Gebrüder Cassirer.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Berliner Secession als oppositionelle Kraft entstand, den Kunstgeschmack revolutionierte und warum sie letztlich an internen Widersprüchen und dem Generationswechsel scheiterte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Auswertung zeitgenössischer Quellen, kunsthistorischer Literatur und Dokumentationen über die Ausstellungsaktivitäten der damaligen Zeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die Vorläuferorganisationen wie die "Gruppe der Elf", die Gründung und das Programm der Berliner Secession, die Bedeutung ihrer Ausstellungen sowie die späteren Spaltungen durch die Debatte um den Expressionismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Avantgarde, Impressionismus, Künstlervereinigung, Akademie-Kritik und den soziopolitischen Kontext der Kunst um 1900 definiert.
Warum war der Munch-Skandal von 1892 so bedeutend?
Der Skandal diente als "Brandbeschleuniger", da er das tief sitzende Misstrauen zwischen traditionalistischen Vorständen und fortschrittlichen Künstlern öffentlich machte und zur Gründung der ersten oppositionellen Vereinigungen führte.
Welchen Einfluss hatten die Gebrüder Cassirer auf den Erfolg der Secession?
Als Kunsthändler und Verleger brachten sie nicht nur wichtige geschäftliche Kontakte und finanzielle Mittel ein, sondern fungierten auch als strategische Akteure, die die Berliner Secession überregional bekannt machten.
Warum zerbrach die Berliner Secession um 1910?
Der Zerfall war primär auf einen internen Generationen- und Stilkonflikt zurückzuführen: Die Etablierten der Secession konnten sich nicht mit der radikal neuen Ästhetik des Expressionismus anfreunden, was zu Ausschlüssen und Neugründungen wie der Neuen Secession führte.
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- Karin Schwettmann (Autor:in), 2009, Secessionen in Berlin. Wegbereiter der Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134614