Die Anfänge und Entwicklung der Leipziger Universität in ihren ersten zwei Jahrhunderten unter besonderer Berücksichtigung der universitären Reformen im 16. Jahrhundert


Hausarbeit, 2003
22 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.0. Die Gründung der Universität Leipzig
1.1. Die Grundlagen und der organisatorische Aufbau der Universität

2.0. Humanismus und erster Reformversuch 1496
2.1. Herzog Georg von Sachsen und seine Universitätsreform 1502
2.2. Die Reformen sind noch nicht beendet
2.3. Die Auswirkungen von Luthers Thesenanschlag und Melanchthons Wittenberger Antrittsrede auf Leipzig

3.0. Die Einführung des Protestantismus unter Herzog Heinrich und die damit verbundenen Veränderungen an der Universität Leipzig
3.1. Kurfürst Moritz von Sachsen und die kursächsische Landesuniversität bis zu seinem Tod 1553
3.2. Die statuta universitatis scholasticae Lipsicae
3.2.1. Auswirkung der Reformen von 1543/1544
3.3. Die letzten Regierungsjahre von Herzog Moritz

4.0. Die Regentschaft von Kurfürst August
4.1 Die Universitätsreform 1579

5.0. Zusammenfassung
Bibliographie

Einleitung

Obwohl die Leipziger Universität Alma mater Lipsiensis in nur sechs Jahren ihr 600-jähriges Jubiläum feiert, haben sich bisher nur wenige Wissenschaftler an eine Gesamtdarstellung über die Entwicklung der Universität gewagt. Neben den zwei Autoren Herbert Helbig und Lothar Rathmann, wäre da nur noch Konrad Krause zu nennen, dessen erstes, nach der Wiedervereinigung verfasstes, Werk vor wenigen Monaten im Leipziger Universitätsverlag erschienen ist. Einer Leistung, die man sicherlich zu schätzen wissen muss, doch darf man dieses Buch nicht ganz unkritisch in die Hand nehmen. So zeigen einige Nebensätze oder auch ganze Absätze, wie beispielsweise „Teile seines Grabmals konnten vor der Sprengung der Paulinerkirche 1968, einem Akt beschämender Kulturlosigkeit, gerettet werden“[1], dass Krause nicht immer unbedingt die nötige Objektivität für eine neutrale Geschichtsdarstellung mitbringt.

Neben diesen drei Verfassern und ihren Gesamtdarstellungen gibt es recht wenig Literatur, die sich nicht nur mit ganz bestimmten Einzelaspekten der Universitätsgeschichte beschäftigt. Bei meinen nachstehenden Ausführungen über die Entwicklung der Leipziger Universität in ihren ersten zwei Jahrzehnten unter besonderer Berücksichtigung der im 16. Jahrhundert durchgeführten Reformen war mir vor allem Herbert Helbigs Schrift „Die Reformation der Universität Leipzig im 16. Jahrhundert“ eine wichtige Quelle. Obwohl während dieser zwei Jahrhunderte nach ihrer Gründung tiefgreifende und nachwirkende Veränderungen an der Leipziger Alma mater statt gefunden haben, ist er der einzige, der sich so spezifisch mit den statt gefundenen Reformen auseinandersetzt.

Ich werde im Folgendem versuchen, die einzelnen Reformmaßnahmen und ihre Bedeutung für die Weiterentwicklung der Universität dar zu stellen.

1.0. Die Gründung der Universität Leipzig

Die Eröffnung der Leipziger Universität im Jahre 1409 nimmt eine Sonderstellung unter den vorangegangenen Hochschulgründungen im Reichsgebiet ein, denn sie geht weder auf eine landesherrliche Stiftung oder auf eine städtische Gründungsinitiative zurück, noch entwickelte sich die Universität kontinuierlich im Laufe der Jahrzehnte aus bereits bestehenden Lehranstalten. Allein die Initiative von Lehrenden und Lernenden führte zur Errichtung der Alma mater Lipsiensis.

Vorgänge an der Prager Universität, gegründet 1348 durch Karl IV, spielten eine nicht unwesentlich Rolle bei der Leipziger Entwicklung 1409. In der ersten Universität des Heiligen Römischen Reiches kam es zu Unstimmigkeiten zwischen dem böhmischen König Wenzel IV und den vier Universitätsnationen über die Beschickung des Konzils in Pisa zur Beseitigung des Schismas. Die sächsische, bayrische und polnische Nationen lehnten die Beschickung des Konzils mit Gesandten ab und hielten somit Papst Gregor XII die Treue. Daraufhin änderte Wenzel IV, trotz Protest, im Kuttenberger Dekret vom Januar 1409 die bisherige Stimmverteilung der Nationen zu Gunsten der böhmischen Nation, was zur Verschärfung des Konfliktes führte. Der neue Rektor wurde, das Kuttenberger Dekret ignorierend, nach dem alten Wahlmodus gewählt. Jedoch nahm ihm bereits am 9.Mai 1409 der königliche Notar die Insignien, das Siegel und die Matrikel der Universität wieder ab und es wurde stattdessen aus der böhmischen Nation ein neuer Rektor eingesetzt. Dies war für zahlreiche Studenten und Magister der übrigen Nationen Anlass, die Prager Universität zu verlassen und sich einen neuen Ort für ihre Studien zu suchen.

Ihr Wahl fiel auf Leipzig. Und das nicht ohne Grund, denn die Stadt zählte bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts zu einem der bedeutenderen Handelsplätzen und konnte diese Stellung auch in der Zukunft weiter ausbauen. Begünstigt wurde der rasche Aufschwung der Stadt durch ihre günstige Lage an den Schnittpunkten alter Handels - und Heerstraßen und durch die erheblichen Geldmittel der rund 5000 Leipziger Einwohner.

Die Stadtväter nahmen die Studenten mit offenen Armen auf. So kaufte der Rat der Stadt bereits am 4.Juli 1409 ein Gebäude und stellte es der studierwilligen Gemeinschaft zur Verfügung. Dort entstand im Laufe der Monate, ohne eigentliche rechtliche Grundlage, die „neue Universitas studii Lipczensis nach den von Prag mitgebrachten Statuten“[2]

Da die Universität als eine kirchliche Anstalt galt, konnten die wettinischen Landesherren Markgraf Friedrich der Streitbare und sein Bruder Wilhelm das studium general in Leipzig nicht allein, sondern nur mit einem päpstliches Privileg bestätigen. Durch maßgebliches Einwirken des markgräflichen Kanzlers Nikolaus Lubich erhielt die Leipziger Universität am 9.September 1409 das Privileg durch Papst Alexander V. Am 2.Dezember 1409 wurde die Universität Leipzig feierlich eröffnet.

1.1. Die Grundlagen und der organisatorische Aufbau der Universität

Die Universität bestand in ihrem Gründungsjahr aus 369 immatrikulierten Studenten, 46 Magistern und dem neu gewählten, schlesischem Rektor Johann Otto von Münsterberg.

Die Verfassung, „mit Willen und Zustimmung der Magister erlassen“[3], setzte die aus Prag mitgebrachte Tradition der Einteilung von Magistern und Scholaren nach Nationen fort und regelte das Miteinander an der Universität. Die drei nicht böhmischen Nationen, also die polnische, sächsische und bayrische Nation, wurden um die meißnische Nation ergänzt. Aus ihrer Mitte wurde, jedes Semester wechselnd, der Rektor der Universität gewählt. Sie kamen außerdem, vom Rektor berufen, zu wichtigen Beschlussfassungen zusammen.

Der Rektor selbst war der höchste Rechtsträger an der Universität. Ihm oblag die Aufsicht über die Einhaltung der Studienordnung und er besaß die Vollzugsgewalt über alle Universitätsverwandte.

Gelehrt und gewohnt wurde in den zwei, vom Landesherrn gestifteten, Fürstenkollegien, die Steuerfreiheit genossen und außerhalb der städtischen Gerichtsbarkeit lagen. Die wirtschaftliche Grundlage der Universität waren 500 Gulden zur Besoldung der zwölf Magister des Großen Fürstenkollegs und der acht Magister des Kleinen Fürstenkollegs. Beide Kollegien erhielten eigene landesherrliche Privilegien und Rechte. Zusätzliche Unterkünfte boten die sogenannten Bursen. In diesen lebten die Studenten, ebenfalls nach Nationen getrennt, mit strengen Regeln und unter Aufsicht eines Bursenaufsehers, der meist ein Magister war. Im Laufe der ersten Jahrzehnte des Bestehen der Universität wurden weitere Kollegien, wie zum Beispiel das Jungfrauen – oder auch Frauenkolleg für gebbürtige Schlesier oder das Bernhardinerkolleg für studierende Zisterzienser, gestiftet. So konnte die Universität ihren Grundbesitz erheblich vergrößern.

Von der Prager Universität übernahm man auch die klassische Einteilung in die vier Fakultäten: die Artistenfakultät, die Theologische Fakultät, die Juristische Fakultät und ab 1415 die Medizinische Fakultät. Alle Studenten mit elementaren Vorkenntnissen konnten ihr Studium an der Artistenfakultät, in der die grundlegende Ausbildung in den sieben freien Künsten (artes liberales): Grammatik, Dialektik, Rhetorik (trivium), Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (quadrium) garantiert wurde, beginnen und regulär nach zwei Jahren ihre Baccalareatsprüfung ablegen. Nach zwei weiteren Jahren Studium war die Anmeldung zur Magisterprüfung möglich.

Die Erteilung der Magisterwürde ist gleichzeitig die Berechtigung zur Erteilung von Lektionen an der Artistenfakultät und dies wird zur einjährigen Pflicht, wenn der Student sich zum Weiterstudium an einer der höheren Fakultät entscheidet. 1441 wurde für Studierwillige, die noch nicht über die erforderlichen Grundkenntnisse verfügten, das Pädagogium eingerichtet, um sie so auf den universitären Lehrstoff vorzubereiten.

Nicht nur die Verfassung, sondern auch die Lehrweise der Universität war einer Tradition unterworfen. Im Sinne der Spätscholastik wurde an der Alma mater Lipsiensis darauf geachtet, dass das zumeist enzyklopädisch vermittelte Wissen mit der Kirchenlehre im Einklang stand. Hierbei knüpfte man an die griechischen und arabischen Wissenschaften, vor allem aber an die Naturphilosophie des Aristoteles an. Man kommentierte diese und trug sie nach dialektischer Methode vor. Für die Wissenschaft bedeutete das jedoch sehr schnell Stillstand, denn der scholastischen Universität fehlt „das Begreifen für die Notwendigkeit freier Forschung“[4]. Bernhard Schweitzer beschrieb in seinem Festvortrag die grundsätzliche Haltung der Universität sehr treffend: „Konservativer Zug, Bedächtigkeit in jeder großen Entscheidung, Meidung alles Extremen sind auf Jahrhunderte hinaus, teils weise, teils hemmend, für die neue Universität Leipzig bestimmend gewesen.“[5]

2.0. Humanismus und erster Reformversuch 1496

Das 14. Jahrhundert ist für Kirche, Kultur und Politik mit einigen Veränderungen verbunden. Aus Italien kamen die Ideen des Humanismus nach Deutschland und fanden hier ihre Anhänger fast ausschließlich in den Gelehrtenkreisen. Auch an der Leipziger Universität konnte man den Einfluss dieser Ideen spüren. Der Humanismus forderte die freie Persönlichkeitsbildung des Menschen im Sinne der antiken humanitas und unterstützte dabei eine wissenschaftliche, dass heißt von biblischen und theologischen Richtlinien befreite, Haltung gegenüber der Forschung. Zur Wiederbelebung dieses aus der Antike herrührenden Gedankengutes war die Beschäftigung mit Literatur und Sprache der alten Griechen und Römer unerlässlich.

[...]


[1] s. Bibliographie: Krause, Konrad, S. 59

[2] s. Bibliographie: 2. Helbig, Herbert, S.12

[3] s. Bibliographie: ebenda, S.13

[4] s. Bibliographie: ebenda, S.19

[5] - “ - : 5. Schweitzer, Bernhard, S.8

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Anfänge und Entwicklung der Leipziger Universität in ihren ersten zwei Jahrhunderten unter besonderer Berücksichtigung der universitären Reformen im 16. Jahrhundert
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die mitteldeutschen Universitäten der Frühen Neuzeit im Vergleich
Note
1,8
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V134646
ISBN (eBook)
9783640419623
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anfänge, Entwicklung, Leipziger, Universität, Jahrhunderten, Berücksichtigung, Reformen, Jahrhundert
Arbeit zitieren
M.A. Katja Lindhorst (Autor), 2003, Die Anfänge und Entwicklung der Leipziger Universität in ihren ersten zwei Jahrhunderten unter besonderer Berücksichtigung der universitären Reformen im 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134646

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