Islamic Finance: Funktionsweise, Entwicklung und Marktpotenzial in Deutschland


Seminararbeit, 2009

25 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fremdkapitalbasierte Finanzinstrumente des Islamic Finance
2.1 Murabahah
2.2 Istisnaa
2.3 Qard Hassan

3. Eigenkapitalbasierte Finanzinstrumente des Islamic Finance
3.1 Mudarabah
3.2 Musharakah

4. Ein Teilgebiet des Islamic Finance: Islamic Banking

5. Bisherige Entwicklung des Islamic Finance bzw. des Islamic Banking in der Welt und insbesondere in Deutschland

6. Kritische Beurteilung des künftigen Marktpotenzials in Deutschland und der Bedingungen bzw. Herausforderungen für eine weitere Entwicklung des Islamic Finance bzw. Islamic Banking in Deutschland

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Murabahah-Grundmodell

Abbildung 2: Istisnaa-Modell

Abbildung 3: Qard Hassan-Modell

Abbildung 4: Mudarabah-Finanzierung

Abbildung 5: Permanent Musharakah

Abbildung 6: Islamic Finance und das konventionelle Finanzsystem

1. Einleitung

„In Islam, it is ethics that dominates economics and not the other way around.”[1]

Beim Islamic Finance werden Finanzprodukte bzw. -services angeboten, die eine Konformität zum islamischen Recht, der Scharia, aufweisen.[2] Die vorrangigen Rechtsquellen der Scharia sind der Koran sowie die Sunna.[3] Zu den Zielen der Scharia gehören unter anderem die Förderung der Gerechtigkeit und die Wohlstandsmehrung in der Gesellschaft.[4] Finanzinstrumente des Islamic Finance basieren so auf zwei Prinzipien: dem Gewinn- und Verlustaufteilungs-Prinzip und dem Mark-up-Prinzip. Während das erst genannte Prinzip z.B. bei den beiden eigenkapitalbasierten Finanzinstrumenten Mudarabah (Kapitel 3.1) und Musharakah (Kapitel 3.2) angewendet wird, ist dies beim Mark-up-Prinzip z.B. bei dem fremdkapitalbasierten Finanzinstrument Murabahah (Kapitel 2.1) der Fall.[5] Im Rahmen dieser Seminararbeit wird auf die o.g. Finanzinstrumente und auf zwei weitere fremdkapitalbasierte Finanzinstrumente des Islamic Finance – Istisnaa (Kapitel 2.2) und Qard Hassan (Kapitel 2.3) – eingegangen. Um den deskriptiven Teil dieser Seminararbeit so gering wie möglich zu halten und den Schwerpunkt auf die Analyse zu legen, liegt der Fokus dieser Seminararbeit auf den kapitalbasierten Finanzinstrumenten des Islamic Finance. Auf das Leasing und die Services als islamische Investitions- und Finanzierungstechniken kann hier somit (leider) nicht eingegangen werden. Daraufhin wird kurz auf das Islamic Banking als ein Teilgebiet des Islamic Finance eingegangen (Kapitel 4). In Kapitel 5 wird dann aufgezeigt, wie sich Islamic Finance bzw. Islamic Banking bisher entwickelt haben. Hierbei wird ein Blick auf die Welt und insbesondere auf Deutschland geworfen. Im darauf folgenden Kapitel – Kapitel 6 – wird das künftige Marktpotenzial in Deutschland kritisch beurteilt. Außerdem wird in diesem Kapitel geschildert, welche Herausforderungen gemeistert werden müssen, um Islamic Finance bzw. Islamic Banking in Deutschland zu etablieren. Abschließend wird ein Fazit gezogen (Kapitel 7).

2. Fremdkapitalbasierte Finanzinstrumente des Islamic Finance

2.1 Murabahah

Bei Murabahah handelt es sich um einen Verkauf, bei dem der Gewinnaufschlag bekannt ist. Eine Übereinstimmung des einfachen Murabahah mit dem deutschen Abzahlungskauf ist folglich gegeben. Es gibt verschiedene Formen des Abzahlungskaufes: den modifizierten Abzahlungskauf und den Abzahlungskauf für den Besteller. Im Folgenden wird der erste näher erläutert.[6][7]

Nach deutschem Recht ist von einem modifizierten Abzahlungskauf die Rede, wenn die Bank (als dritte Partei) zwischen Verkäufer und Käufer tritt. Während nach deutschem Recht die Finanzierung Bestandteil eines Darlehensvertrages – und somit nicht eines Kaufvertrages – ist, ist sie nach islamischem Recht zwingend im Kaufvertrag zu verankern. Falls ein Bankkunde z.B. die Finanzierung einer bestimmten Maschine benötigt, um seine Geschäftstätigkeit ausüben zu können, so erteilt er seiner Bank im Rahmen des islamisch modifizierten Abzahlungskaufes den Auftrag, ihm diese Maschine zu beschaffen. Hierfür benennt der Bankkunde den gewünschten Verkäufer. Im Anschluss daran erfolgt der Kauf der Maschine durch die Bank gegen Kaufpreisüberweisung an den Verkäufer. Daraufhin verkauft die Bank dem Kunden die Maschine inklusive dem Gewinnaufschlag, der vorher mit dem Kunden vereinbart worden ist. Die Gewinnaufschläge werden oft als Referenz-Zinssatz (z.B. LIBOR) angegeben. Die (Maschinen-)-
Eigentumsübertragung geht also nicht – wie bei konventionellen (westlichen) Kreditgeschäften üblich – direkt vom Verkäufer auf den Käufer über, sondern indirekt über die Bank auf den Käufer (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Murabahah-Grundmodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Gassner; Wackerbeck (2007), S. 53.

Anzumerken ist, dass die Bank bei einem Murabahah-Geschäft vielen Risiken ausgesetzt wird: 1) Risiko der Sachbeschädigung in der Zeit, wo die Bank Eigentümerin der Sache ist, 2) Risiko der Kundenilliquidität, 3) Risiko der Nichtabnahme der Ware durch den Kunden aufgrund von angeblichen Qualitätsmängeln.

Damit ein Murabahah-Geschäft zustande kommen kann, müssen einige Bedingungen erfüllt sein: Es muss sich nach islamischem Recht um einen erlaubten, zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bereits existierenden Vermögensgegenstand handeln. Die Laufzeit des Vertrages ist stets befristet. Nach islamischem Recht dürfen Zahlung und Eigentumsübergang nicht in der Zukunft stattfinden. Folglich ist ein Kaufvertragsabschluss erst dann möglich, wenn die Bank Eigentümerin der Sache (im Beispiel die benötigte Maschine) ist.

Es gibt drei Möglichkeiten für die Bezahlung: 1) unverzügliche, vollständige Zahlung, 2) zukünftige, vollständige Zahlung (deferred payment) und 3) Zahlung in Raten. Das Bereitstellen von Sicherheiten ist verbreitet. Wenn der Kunde insolvent werden sollte, „hat der Verkäufer nach islamischem Recht automatisch Vorrang vor anderen Gläubigern an der Sache“[8] (Eigentumsvorbehalt). Zwar ist es nicht möglich, Verzugszinsen zu erheben, wenn bei Fälligkeit der Kredit seitens des Kreditnehmers nicht zurückgezahlt wird, doch kann im Kontrakt eine Spende für karitative Zwecke vereinbart werden. Diese Spende ist dann zu leisten, wenn der Zahlung zum Fälligkeitszeitpunkt ohne Grund nicht nachgekommen wird. Bei bestehender Notlage ist diese vertragliche Spende nicht zu leisten.

Murabahah-Finanzierungen werden vor allem von den muslimischen Ökonomen kritisiert, die eigenkapitalbasierte Finanzinstrumente (vgl. Kapitel 3) präferieren. Murabahah-Geschäfte würden Darlehensgeschäften ähneln, d.h. Geschäften, die dem Riba-Verbot zuwider laufen. Von der Mehrheit der muslimischen Rechtsgelehrten aber wird Murabahah akzeptiert, weil z.B. in dessen Rahmen – wie oben bereits geschildert – keine Verzugszinsen erhoben werden, was einen deutlichen Unterschied zum konventionellen Darlehensgeschäft darstellt.

[...]


[1] Naqvi (1981), zitiert nach Rice (1999), S. 346.

[2] Vgl. Hardy (2006), S. 199 f., zitiert nach Ebert; Thießen; Thurner (2008), S. 261.

[3] Vgl. Ebert; Thießen; Thurner (2008), S. 261.

[4] Vgl. Haniffa; Hudaib (2007), S. 99.

[5] Vgl. Aggarwal; Yousef (2000), zitiert nach Haniffa; Hudaib (2007), S. 100.

[6] Im Rahmen dieser Seminararbeit ist es (leider) nicht möglich auf alle vorhandenen fremdkapitalbasierten Finanzinstrumente des Islamic Finance einzugehen. Aufgrund der Tatsache, dass Bay Inah und Tawarruq nur von Fall zu Fall zulässig sind, Bay Salam (noch) geringe Bedeutung hat und Arbun umstritten ist, werden sie hier nicht erläutert werden. Zur näheren Auseinandersetzung mit diesen Finanzinstrumenten wird Gassner; Wackerbeck (2007), S. 56-59, empfohlen.

[7] Vgl. Gassner; Wackerbeck (2007), S. 52-55.

[8] Gassner; Wackerbeck (2007), S. 54.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Islamic Finance: Funktionsweise, Entwicklung und Marktpotenzial in Deutschland
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Seminar "Innovative Finanzprodukte"
Note
2,0
Jahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V134649
ISBN (eBook)
9783640426812
ISBN (Buch)
9783640424559
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islamic, Finance, Funktionsweise, Entwicklung, Marktpotenzial, Deutschland
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Islamic Finance: Funktionsweise, Entwicklung und Marktpotenzial in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134649

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