Mit dieser Arbeit möchte ich einen Beitrag zum Verständnis von der Lebenslage der Menschen mit Behinderung leisten. Diese Vorhaben hat folgenden Hintergrund: Vor wenigen Wochen chattete ich, wie so oft, mit einem Bekannten im Internet. Wir tauschten uns über die Neuigkeiten in unserem Leben aus. Ich erzählte meinem Bekannten, dass ich im Rahmen meines Studiums der Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Verhaltensbehindertenpädagogik auf der Suche nach einem Praktikum sei. Auf seine Frage, wo ich das Praktikum absolvieren möchte, antwortete ich: ,,Ich weiß noch nicht wo, aber ich möchte auf jeden Fall mit behinderten Menschen zusammenarbeiten.’’ Sein Kommentar dazu lautete: ,,Das könnte ich nicht!’’. Ähnliche Reaktion erlebe ich nicht selten. Es ist nur ein kleines alltägliches Beispiel, aber es zeigt ein großes gesellschaftliches Problem: die Ausgrenzung behinderter Menschen. Woran liegt es, dass Nichtbehinderte mit Behinderten scheinbar nichts zu tun haben wollen? Denken die Menschen in unserer Gesellschaft nicht nach, wie es Behinderten geht?
Zu Beginn der Arbeit werde ich mich mit der grundlegenden Problematik der sozialen Ungleichheit befassen und damit eine Definition des Begriffes, die historische Entwicklung sozialer Ungleichheit und zwei ausgewählte theoretische Ansätze, vorstellen. Im Speziellen werde ich auf die Lebensumstände der Behinderten und ihre benachteiligte Position innerhalb der Gesellschaft eingehen und diese ausführlich anhand einer Statistik belegen. Zum Abschluss gebe ich einen Einblick in bisherige Maßnahmen um Behinderte besser in unsere Gesellschaft zu integrieren und ihre Lebenslage zu verbessern. Dabei beziehe ich mich ausschließlich auf die Frühförderung, schulische Integration und Berufliche Rehabilitation.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Soziale Ungleichheit
2.1 Der Begriff Soziale Ungleichheit
2.2 Historische Entwicklung in Deutschland
2.2.1 Vorindustrielle Gesellschaft
2.2.2 Frühindustrielle Gesellschaft
2.2.3 Industrielle Gesellschaft bis 1945
2.3 Theoretische Ansätze zu den Ursachen sozialer Ungleichheit
2.3.1 Karl Marx: Klassentheorie
2.3.2 Ulrich Beck: Individualisierungsthese
3 Soziale Ungleichheit und behinderte Menschen
3.1 Der Begriff Behinderung
3.2 Lebenslagen der behinderten Menschen: Ergebnisse des Mikrozensus 2003
3.2.1 Kurze Zusammenfassung der Ergebnisse
4 Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenslagen behinderter Menschen
4.1 Frühförderung
4.2 Schulische Integration
4.3 Berufliche Rehabilitation
4.3.1 Berufsbilduncgswerke (BBW)
4.3.2 Berufsförderungswerke (BFW)
4.3.3 Werkstätte für Behinderte (Wfbs)
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Verständnis für die Lebenslage von Menschen mit Behinderung zu vertiefen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum diese Personengruppe innerhalb der Gesellschaft benachteiligt wird und wie soziale Ungleichheit zu ihrer Ausgrenzung beiträgt.
- Soziologische Analyse von sozialer Ungleichheit
- Statistische Auswertung der Lebensumstände behinderter Menschen (Mikrozensus 2003)
- Theoretische Perspektiven auf Behinderung und Klassentheorie
- Evaluierung von Integrationsmaßnahmen wie Frühförderung
- Darstellung der beruflichen Rehabilitation und deren Problematiken
Auszug aus dem Buch
4.1 Frühförderung
In den 70iger Jahren entwickelte sich ein neues Feld innerhalb der Sozialpädagogik: die Frühförderung. ,,Unter Frühförderung wird ein komplexes System der Beratung, Anleitung und Unterstützung für Eltern verstanden, deren Kinder in den ersten Lebensjahren auf Grund individuell und sozial bedingter Entwicklungsauffälligkeiten und -gefährdungen (Risiken, Behinderung) spezialisierter pädagogischer und therapeutischer Hilfen bedürfen.’’(Speck, Otto: Frühförderung: in Handlexikon der Behindertenpädagogik, S.373) Man erkannte, dass Behinderungen nicht ,heilbar’ sind und man begann nach anderen Möglichkeiten zu suchen, die die Lebenslagen der Behinderten verbessern könnten. Als wichtigste Schwerpunkte gelten hierbei die Förderung der Kinder (im Alter von etwa 0-6), Elternarbeit, interdisziplinäre Kooperation und das Einwirken auf die soziale Umwelt der Betroffenen.
Die Frühförderung verbindet verschiedene fachliche Teilsysteme (Medizin, Psychologie, (Sozial-)Pädagogik, Heilpädagogik, Sozialarbeit). Speck erklärt das keines der Teilsysteme den Anspruch für sich erheben darf, dass es allein kompetente Frühförderung betreibe. Als grundlegende Maßnahme zur Erkennung des Gesundheitszustandes des Kindes gibt es die Regeluntersuchungen, z. B. Vorsorgeuntersuchungen an Schulen. Die Ergebnisse sind nicht nur für die Betroffenen selbst von großer Bedeutung, sondern sie sind Vorraussetzung für sozialpolitische Planungen. Im Mittelpunkt der Frühförderung stehen die Frühförderzentren, Sozialpädiatrische Zentren und niedergelassene Ärzte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert das gesellschaftliche Problem der Ausgrenzung Behinderter und definiert den Rahmen der Arbeit hinsichtlich der Untersuchung von Lebenslagen und Integrationsmaßnahmen.
2 Soziale Ungleichheit: Dieses Kapitel erläutert den soziologischen Begriff der sozialen Ungleichheit sowie deren historische Entwicklung und theoretische Ansätze von Marx und Beck.
3 Soziale Ungleichheit und behinderte Menschen: Hier wird der Behinderungsbegriff definiert und anhand des Mikrozensus 2003 die benachteiligte Lebenslage behinderter Menschen statistisch belegt.
4 Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenslagen behinderter Menschen: Dieses Kapitel analysiert konkrete Instrumente wie Frühförderung, schulische Integration sowie verschiedene Formen der beruflichen Rehabilitation.
5 Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die bisherigen Integrationserfolge bei gleichzeitigem Hinweis auf bestehende strukturelle Defizite.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Behinderung, Lebenslagen, Mikrozensus, Frühförderung, schulische Integration, berufliche Rehabilitation, Stigmatisierung, Klassentheorie, Behindertenpädagogik, Teilhabe, Ausgrenzung, Sozialpolitik, Förderbedarf, Leistungsgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung unter dem Aspekt der sozialen Ungleichheit in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind soziale Ungleichheit, die Lebensumstände behinderter Menschen laut Statistik sowie Maßnahmen zur Integration.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Beitrag zum Verständnis der Lebenslage von Behinderten zu leisten und die Auswirkungen ihrer gesellschaftlichen Position aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse soziologischer Theorien sowie der Auswertung statistischer Daten des Mikrozensus 2003.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung sozialer Ungleichheit, der statistischen Lebenslagen-Analyse und den verschiedenen Maßnahmen zur Förderung und Rehabilitation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Ungleichheit, Behinderung, Integration, Frühförderung, berufliche Rehabilitation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Warum spielt der Mikrozensus 2003 eine zentrale Rolle?
Der Mikrozensus liefert die notwendige statistische Datenbasis, um die Benachteiligung behinderter Menschen in Bereichen wie Erwerbstätigkeit und Bildung empirisch zu belegen.
Was ist die Kritik an aktuellen Fördermaßnahmen im beruflichen Kontext?
Die Autorin kritisiert insbesondere die geringe Übergangsquote vom geschützten Werkstattbereich auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sowie die problematische Entlohnungssituation.
Wie bewertet die Autorin die schulische Integration?
Sie beschreibt die schulische Integration als einen Prozess, der zwar angestrebt wird, aber derzeit aufgrund des hohen Selektionsdrucks der Regelschulen noch am Anfang steht.
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- Katharina Kantreiter (Author), 2006, Soziale Ungleichheit und Menschen mit Behinderung. Frühförderung, schulische Integration und Berufliche Rehabilitation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134656