Die weltweite Finanzkrise und ihre „Aufarbeitung“ durch die Medien beschäftigt uns momentan mehr denn je: Jede Gewinnwarnung und noch so kleiner Verlust wird als ein neues Anzeichen der ständig fortschreitenden Finanzmarktkrise gesehen und es wird versucht jedes Ereignis in Zusammenhang mit derselbigen zu bringen. Doch woher kommen diese Informationen, woher die ständigen „Insider-Tipps“? Wer beschafft und sichtet die ganzen Bilanzen, behält alle Pressekonferenz im Überblick und sammelt Pressemeldungen und untersucht sie auf ihren Nachrichtengehalt? Die Nachrichtenagenturen sind die „geheimen Helfer“, die hinter allen Zeitungs-, Radio-, Online- oder Fernsehredaktionen stehen. Sie sind die eigentlichen Informationssammler und –beschaffer. Welche Wirkung und welche Reichweite haben aber die Nachrichtenagenturen? Wie ist ihr Einfluss durch die Medien auf die Bevölkerung? Ausgehend hiervon soll der weitere Schwerpunkt der Arbeit vor allem auf der Problematik der Objektivität, beispielsweise durch finanzielle Abhängigkeit oder Einfluss von Regierungen, liegen. Außerdem soll der Einfluss der Nachrichtenagenturen als Gatekeeper und Agenda-Setter beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund und Problematik der Objektivität
3. Nachrichtenfindungsprozess und Gatekeeper-Rolle
4. Agenda Setting
5. Fazit
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentrale Rolle von Nachrichtenagenturen im globalen Mediensystem, wobei der Fokus auf ihrer Funktionsweise als "Gatekeeper" und "Agenda-Setter" sowie der inhärenten Problematik der Objektivität liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Akteure durch ihre Filterfunktion den Informationsfluss beeinflussen und durch ihre Abhängigkeiten von wirtschaftlichen und politischen Faktoren zur Komplexität der Nachrichtenproduktion beitragen.
- Historische Entwicklung der Nachrichtenagenturen und Entstehung von Nachrichtenkartellen.
- Analyse der Objektivitätsproblematik im Kontext finanzieller und politischer Abhängigkeiten.
- Theoretische Fundierung der Gatekeeper-Forschung (White, Gieber, Westley/MacLean, McNelly).
- Untersuchung des Agenda-Setting-Ansatzes und des "Agenda Buildings" durch Nachrichtenagenturen.
- Wechselwirkung zwischen Nachrichtenagenturen, Medienkunden und der öffentlichen Wahrnehmung.
Auszug aus dem Buch
2. Geschichtlicher Hintergrund und Problematik der Objektivität
Die ersten Nachrichtenagenturen gründeten sich ab den späten dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts herausgehend aus den Entwicklungen zwischen der französischen Revolution 1789 und der deutschen Märzrevolution in den Jahren 1848/49, als die Zensur teilweise abgeschafft wurde und Teile der Pressefreiheit, wie wir sie heute kennen, gewährt wurden. So startete Charles-Louis Havas im Jahr 1835 seine Agentur „Agence Havas“ in Paris als erste Nachrichtenagentur im neueren Sinne. Schon 1849 gründete Dr. Bernhard Wolff in Berlin „Wolffs Telegraphisches Bureau“ und nur zwei Jahre später Paul Julius Reuter die „Reuters Telegraphic Company Incorporated“ in London. Diese drei Agenturen lassen sich aus heutiger Sicht als die drei Gründeragenturen schlechthin sehen. Ausgehend von ihnen kann man die Grundprinzipien der meisten Nachrichtenagenturen dieser Zeit vereinfacht wie folgt darstellen:
Die Gründer verfolgten alle nur ein Ziel: Profit und Gewinnmaximierung. Dadurch, dass Informationen an möglichst viele Kunden verkauft werden sollten, würden die Kosten für die Beschaffung somit auf viele Käufer umgelegt werden und so der Gewinn maximiert werden. Ein publizistisches Interesse stand also, wie vielleicht vermutet, nicht im Vordergrund.
Aber natürlich profitierten auch die Kunden von dem Entstehen der Nachrichtenagenturen: Banken und Unternehmen konnten durch die schneller gelieferten Informationen und Börsenkurse zeitnaher auf Angebot und Nachfrage reagieren. Dem entgegen war der Vorteil für die Zeitungen, dass man sich ein teures Korrespondentennetzwerke sparen konnte, da man jetzt Informationen wie auf dem „Großmarkt“ zu pauschalen Preisen beziehen konnten und nicht mehr von eigenen Informanten abhängig war.
Dies konnten sie auch ohne Vorbehalte tun, da sich die Nachrichtenagenturen als „[…] unsichtbaren, passiven Transmissionsriemen zwischen den Quellen der Information und den zahlenden Kunden […]“ verstanden und ihnen somit ihre Objektivität sehr wichtig war. In ihrer Vorstellung sollten die Informationen, die ihre Korrespondenten überall auf der Welt sammelten, so zu den Kunden gebracht werden, als wären diese selber Augenzeugen gewesen. Zurückführend darauf sollte das Streben nach Objektivität zu einem der Grundprinzipien der Nachrichtenagenturen – damals wie heute – werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Nachrichtenagenturen als "geheime Helfer" ein und umreißt die Problematik ihrer Rolle als Gatekeeper und Agenda-Setter.
2. Geschichtlicher Hintergrund und Problematik der Objektivität: Das Kapitel zeichnet die Entstehung der ersten Nachrichtenagenturen nach und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Gewinnmaximierung, staatlicher Einflussnahme und dem Anspruch auf Objektivität.
3. Nachrichtenfindungsprozess und Gatekeeper-Rolle: Hier werden zentrale theoretische Modelle der Gatekeeper-Forschung vorgestellt, um die Selektionsprozesse und die journalistische Routine in Nachrichtenagenturen zu analysieren.
4. Agenda Setting: Dieses Kapitel erläutert den Agenda-Setting-Ansatz sowie das "Agenda Building" und verdeutlicht, wie Nachrichtenagenturen aktiv zur Themensteuerung in den Medien beitragen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle der Agenturen als "Ventil" im Informationsfluss zusammen und betont ihre mächtige, wenn auch oft verborgene Position im Mediensystem.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Zusammenstellung aller verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literaturangaben.
Schlüsselwörter
Nachrichtenagenturen, Gatekeeper, Agenda Setting, Agenda Building, Objektivität, Informationsfluss, Mediensystem, Nachrichtenfindung, Selektionsprozesse, Journalismus, Pressefreiheit, Korrespondentennetz, Nachrichtenkartell, Medienwirkung, Nachrichtenproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die fundamentale Rolle von Nachrichtenagenturen als zentrale Akteure in der Informationskette, wobei insbesondere ihre historischen Hintergründe sowie ihre Funktionen als Filter und Themensteuerer untersucht werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Gatekeeper-Rolle, die Theorie des Agenda Settings sowie das Spannungsfeld zwischen Objektivitätsanspruch und staatlicher oder wirtschaftlicher Einflussnahme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, die "unsichtbare" Macht von Nachrichtenagenturen aufzudecken und zu erklären, wie sie als Schrankenwärter des Informationsflusses maßgeblich darüber entscheiden, welche Ereignisse Eingang in die Medien finden.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender kommunikationswissenschaftlicher Theorien, die durch die Anwendung von Modellen wie denen von White, Gieber oder McNelly auf die Praxis von Nachrichtenagenturen verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Erläuterung der Gatekeeper-Forschung mit ihren theoretischen Modellen sowie eine Analyse des Agenda-Setting-Ansatzes im Kontext moderner Medienkrisen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nachrichtenagenturen, Gatekeeper-Funktion, Agenda Setting, Objektivität, Informationsselektion und Medienabhängigkeit beschreiben.
Welche Rolle spielten Nachrichtenkartelle in der historischen Entwicklung?
Nachrichtenkartelle wie das der Gründungsagenturen teilten die Welt in Einflusssphären auf, um Konkurrenz zu minimieren und Informationen effizient unter den großen Agenturen auszutauschen, was ihre Marktmacht festigte.
Wie unterscheidet sich "Agenda Setting" vom "Agenda Building"?
Während Agenda Setting den Effekt beschreibt, dass Medienrelevanz die öffentliche Wahrnehmung beeinflusst, bezeichnet Agenda Building den gezielten, bewussten Prozess, durch mediale Berichterstattung die Wichtigkeit bestimmter Themen aktiv zu erhöhen.
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- Maximilian Ott (Author), 2009, Nachrichtenagenturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134665