Anfang März 1138 wählte eine „kleine Minderheit von Fürsten“ den gescheiterten Gegenkönig Konrad, Staufer und Bruder des schwäbischen Herzogs Friedrich, zum zweiten Mal zum Rex Romanorum, womit der für Pfingsten angesetzte ‚offizielle’ Wahltermin offenbar rücksichtslos übergangen wurde. Konrad profitierte dabei maßgeblich von der Unterstützung durch den Trierer Erzbischof Albero und den Kardinalbischof Dietwin, hinter denen Papst Innozenz II. vermutet werden kann, zumal beide Geistliche päpstliche Legaten waren.
Ende des 19. Jahrhunderts wertete Bernhardi diese Vorgänge als „ungesetzliche[…] Handlung“, Rörig beklagte in der Mitte des folgenden Jahrhunderts die grundsätzliche Schwächung und Abwertung des Königs in den „freien Wahlen“ von 1125 und 1138 und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sprach Haverkamp vorsichtig kritisch von der „rigorosen Ausnutzung der noch immer bestehenden Unklarheiten im Wahlverfahren“ durch Konrad III.
War Konrad also ein Thronräuber, der dem Schwiegersohn seines Vorgängers, dem Welfen Heinrich, mit Hilfe einer intriganten Kirche die Macht gestohlen hat? Oder war seine Machtübernahme in Rahmen der Vorstellungen des 12. Jahrhunderts eine zwar ungewöhnliche aber durch den Erfolg legitimierte Handlung? Diese Arbeit will der Frage nachgehen, wie es zu diesem scheinbar seltsamen Verlauf der Geschichte kam, der den einmal Gescheiterten doch noch auf den Thron brachte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. 1125-1138: vom Gegenkönig zum Wahlsieger
3. 1138: Die Wahl
3.1. Eine klerikale Verschwörungstheorie
3. 2. Rechtsgrundlagen
3.3. Konrads Unterstützer
4. Probleme und Varianten der Forschung
5. Exkurs 1127: Die Bedeutung der Gegenkönigserhebung
6. Wieder 1138: Konrad setzt sich durch
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die umstrittene Königswahl Konrads III. im Jahr 1138, bei der er entgegen der ursprünglichen Erwartung gegenüber Heinrich dem Stolzen den Thron bestieg. Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob Konrads Machtübernahme als irregulärer Thronraub zu bewerten ist oder ob sie im zeitgenössischen Verständnis des 12. Jahrhunderts eine legitimierte Handlung darstellte.
- Analyse der politischen Ereignisse vor der Wahl 1138
- Bewertung der Rolle klerikaler Akteure und päpstlicher Einflussnahme
- Diskussion der zeitgenössischen Rechtsgrundlagen der Thronfolge
- Untersuchung der Bedeutung von Konrads früherer Gegenkönigserhebung
- Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Forschungspositionen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Anfang März 1138 wählte eine „kleine Minderheit von Fürsten“ den gescheiterten Gegenkönig Konrad, Staufer und Bruder des schwäbischen Herzogs Friedrich, zum zweiten Mal zum Rex Romanorum, womit der für Pfingsten angesetzte ‚offizielle’ Wahltermin offenbar rücksichtslos übergangen wurde. Konrad profitierte dabei maßgeblich von der Unterstützung durch den Trierer Erzbischof Albero und den Kardinalbischof Dietwin, hinter denen Papst Innozenz II. vermutet werden kann, zumal beide Geistliche päpstliche Legaten waren. Ende des 19. Jahrhunderts wertete Bernhardi diese Vorgänge als „ungesetzliche[…] Handlung“, Rörig beklagte in der Mitte des folgenden Jahrhunderts die grundsätzliche Schwächung und Abwertung des Königs in den „freien Wahlen“ von 1125 und 1138 und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sprach Haverkamp vorsichtig kritisch von der „rigorosen Ausnutzung der noch immer bestehenden Unklarheiten im Wahlverfahren“ durch Konrad III.
War Konrad also ein Thronräuber, der dem Schwiegersohn seines Vorgängers, dem Welfen Heinrich, mit Hilfe einer intriganten Kirche die Macht gestohlen hat? Oder war seine Machtübernahme in Rahmen der Vorstellungen des 12. Jahrhunderts eine zwar ungewöhnliche aber durch den Erfolg legitimierte Handlung? Diese Arbeit will der Frage nachgehen, wie es zu diesem scheinbar seltsamen Verlauf der Geschichte kam, der den einmal Gescheiterten doch noch auf den Thron brachte. Dazu sollen zuerst die wichtigen Ereignisse der Vorjahre beleuchtet werden, dann wird eine Betrachtung der unterschiedlichen Aspekte der Königserhebung vorgenommen werden, um zu einer Einschätzung dieser merkwürdigen Wahl von 1138 zu gelangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Problematik der Königswahl von 1138 ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob es sich um einen „Thronraub“ oder eine legitimierte Machtergreifung handelte.
2. 1125-1138: vom Gegenkönig zum Wahlsieger: Dieses Kapitel skizziert Konrads wechselvolle Karriere, von seinem Scheitern als Gegenkönig bis hin zu seinem überraschenden Erfolg bei der Wahl nach dem Tod Lothars III.
3. 1138: Die Wahl: Hier werden die Hintergründe der Wahl in Koblenz untersucht, wobei besonders die Rolle der Kirche, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Unterstützer Konrads beleuchtet werden.
4. Probleme und Varianten der Forschung: Dieser Abschnitt zeigt auf, dass aufgrund der Quellenlage keine gesicherten Aussagen über den genauen Wahlablauf getroffen werden können und listet verschiedene Forschungshypothesen auf.
5. Exkurs 1127: Die Bedeutung der Gegenkönigserhebung: Das Kapitel analysiert, ob Konrads frühere, gescheiterte Gegenkönigserhebung seine Chancen oder seine Strategie im Jahr 1138 maßgeblich beeinflusst hat.
6. Wieder 1138: Konrad setzt sich durch: Es wird untersucht, wie Konrad trotz der irregulären Umstände der Wahl in Koblenz eine breite Anerkennung durch die Großen des Reiches erreichen konnte.
7. Schluss: Die Zusammenfassung bewertet die relative Machtlosigkeit Konrads im Vergleich zu seinem Kontrahenten Heinrich und stellt fest, dass persönliche Loyalitäten und der Segen der Kirche für seinen Erfolg entscheidend waren.
Schlüsselwörter
Konrad III., Königswahl 1138, Staufer, Welfen, Heinrich der Stolze, Lothar III., Reichspolitik, Gegenkönigtum, Koblenzer Wahl, Papst Innozenz II., Erzbischof Albero, Wahlrecht, Mittelalter, Königserhebung, Legitimität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Umstände der Königswahl von Konrad III. im Jahr 1138, die in der Forschung oft als irregulär oder kontrovers diskutiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Machtkonstellationen zwischen den Häusern Staufer und Welfen, den Einfluss kirchlicher Würdenträger auf den Wahlvorgang sowie das zeitgenössische Verständnis von Thronfolge und Recht.
Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt?
Die zentrale Frage ist, ob Konrads Machtübernahme 1138 als „Thronraub“ gegen den favorisierten Heinrich den Stolzen zu bewerten ist oder als eine legitime Handlung nach den Vorstellungen des 12. Jahrhunderts gelten kann.
Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er zeitgenössische Abläufe rekonstruiert, verschiedene Forschungspositionen (u.a. von Bernhardi, Haverkamp und Schmidt) kritisch gegenüberstellt und die dünne Quellenlage reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Vorgeschichte (1125-1138), die Analyse der Wahl selbst unter Berücksichtigung von Verschwörungstheorien und Rechtsgrundlagen sowie eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Konrads früherer Karriere als Gegenkönig.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Staufer, Welfen, Königswahl, Legitimität, Wahlrecht, Gegenkönigtum und das Verhältnis von Fürsten und Kirche.
Warum spielt der "Reichstag zu Bamberg" eine so wichtige Rolle?
Der Reichstag zu Bamberg wird als entscheidender Wendepunkt dargestellt, an dem Konrad nach seiner umstrittenen Wahl in Koblenz die allgemeine Anerkennung der Großen des Reiches erlangen konnte und so die „Irregularität“ seiner Wahl überwand.
Wie bewertet der Autor Konrads Rolle als "Gegenkönig"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Konrad aus seiner gescheiterten Episode als Gegenkönig von 1127 wertvolle Erfahrungen sammelte und 1138 erfolgreicher darin war, sich einflussreiche Unterstützer aus dem Klerus zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Stefan Krause (Autor:in), 2009, Die Königwahl von 1138, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134700