1. Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Jugendorganisation „Freie Deutsche Jugend“, kurz FDJ, welche in der Sowjetischen Besatzungszone, später DDR, entstand und enormen Einfluss auf die Jugend nehmen sollte.
Die FDJ hatte im Jahre 1981 2,3 Millionen Mitglieder im Alter von 14 bis 25 Jahren. Diese enorme Zahl machte einen Anteil von 75% dieser Altersgruppe aus. Hinzugerechnet werden müssen ebenfalls die 1,6 Millionen Mitglieder der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“, was die so genannte Kinderorganisation der FDJ war. Zu den Pionieren kamen Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren. Alle Abteilungen zusammengefasst erhält man einen Gesamtanteil von 80% aller Kinder und Jugendlicher der DDR.
Die FDJ funktionierte perfekt entwickelte sich zu einem Subsystem.
Diese Hausarbeit versucht die FDJ so kritisch wie möglich zu begutachten und versucht der Frage auf den Grund zu gehen, inwiefern sie als reine Freizeitanstalt für die Jugendlichen diente oder aber als politisches Instrument der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, kurz SED, ausgenutzt wurde, um indoktrinierend auf die Jugend einzuwirken. Hierbei wird ein Hauptaugenmerk auf die Strukturen der FDJ und die Zusammensetzung ihres Führungskomitees gelegt.
Eine weitere Frage, mit der sich diese Hausarbeit auseinandersetzt, ist diejenige, auf welche Weise die deutsche Jugend nach dem Zweiten Weltkrieg auf eine derart groß angelegte Jugendorganisation reagierte, nachdem die unmittelbar zuvor als Mitglieder der Hitlerjugend regelrecht missbraucht und getäuscht worden waren.
Ferner geht diese Arbeit bei der Entstehungsgeschichte der FDJ auf die Frage ein, ob es ein gesamtdeutsches Konzept der FDJ gab oder es beschränkt war auf den Osten Deutschlands.
2. Die Entstehung
Die sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD), welche den Osten Deutschlands nach seiner Kapitulation kontrollierte, erließ 1945 ein Verbot für alle Jugendorganisationen. Die einzige Organisation, die gegründet werden durfte, war die Freie Deutsche Jugend (FDJ), da sie sich als antifaschistische Organisation verstand. Der Plan, einen solchen Verband entstehen zu lassen, welcher die gesamte Jugend einen sollte unter kommunistischen Anweisungen, bestand bereits 1935. Die KPD-Funktionäre, welche aufgrund des Parteiverbotes im Exil tagten, einigten sich damals darauf, eine
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung
2.1 Die Führung der FDJ
3. Die Jugend und ihre HJ-Vergangenheit
4. Die Freizeitangebote der FDJ
5. Der Anspruch der Überparteilichkeit
6. Fazit
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Jugendorganisation „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der späteren DDR. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit die FDJ als freizeitorientierte Einrichtung fungierte oder primär als politisches Instrument der SED zur ideologischen Indoktrinierung der Jugendlichen eingesetzt wurde.
- Strukturelle Analyse und Führungsebene der FDJ
- Integration ehemaliger Hitlerjugend-Mitglieder
- Sport und Freizeit als Mittel zur politischen Einflussnahme
- Der Widerspruch zwischen proklamierter Überparteilichkeit und realem SED-Einfluss
- Die gesamtdeutschen Ambitionen der FDJ-Gründung
Auszug aus dem Buch
3. Die Jugend und ihre HJ-Vergangenheit
Die Jugend sollte Teil einer antifaschistischen Organisation werden und für dieses Ziel einstehen. Die Frage, mit der die Kommunisten nun konfrontiert waren, war, wie man es schafft mit einer Jugend, die nahezu zu 100 % aus Individuen besteht, die die Hitlerjugend durchgegangen sind. Tatsache ist, dass diese Jugendlichen nicht nur aus Zwang und Gruppendynamik zur HJ gingen (obwohl es verpflichtend war, dementsprechend hätten sie ohnehin keine Alternative gehabt), sondern weil sie Spaß an den Unternehmungen, wie zum Beispiel gemeinsames Wandern, Rudern, Spielen etc., hatten. Viele Jugendliche haben die NSDAP nicht so negativ empfunden, da sie einer „Gehrinwäsche“ unterzogen worden waren. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches waren diese orientierungslos und hoffnungslos. Für die jungen Menschen brach aus psychologischer Hinsicht nicht nur ein System zusammen, sondern auch eine „heile“ Welt.
Was die Situation verschlimmern ließ, war die Problematik, dass die ausländischen Medien die deutsche Jugend zu Mitverantwortlichen für den Holocaust erklärten und nicht von ihrer Meinung abrücken wollten. Die Jugendlichen waren perplex, gerieten teilweise in Identitätskrisen und fielen in ein tiefes Loch.
Die Kommunisten wussten, wie sie dieses Phänomen für ihre Idee nutzen konnten und gaben den jungen Menschen sozusagen eine zweite Chance, um ihre „Fehler“ wiedergutzumachen.
Sie ließen sie in die FDJ eintreten, obwohl sie quasi für ein faschistisches System gewirtschaftet hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt den Einfluss der FDJ als Massenorganisation und legt die Forschungsfrage zur kritischen Untersuchung der FDJ als politisches Instrument der SED dar.
2. Die Entstehung: Dieses Kapitel erläutert die Gründung der FDJ nach 1945, die Rolle der SMAD und den gesamtdeutschen Anspruch der Organisation.
2.1 Die Führung der FDJ: Der Abschnitt analysiert den Gründungsprozess auf dem Ersten Parlament der FDJ und die tatsächliche Machtverteilung innerhalb der Führungsgremien.
3. Die Jugend und ihre HJ-Vergangenheit: Hier wird der Umgang mit ehemaligen Hitlerjugend-Mitgliedern und die psychologische Situation der Jugendlichen nach dem Zweiten Weltkrieg thematisiert.
4. Die Freizeitangebote der FDJ: Das Kapitel untersucht die Nutzung von Sport- und Tanzveranstaltungen als Propagandamittel zur Ideologisierung der Jugend.
5. Der Anspruch der Überparteilichkeit: Dieser Teil belegt durch Aussagen von SED-Funktionären, dass der Anspruch der Überparteilichkeit eine Fassade darstellte.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die FDJ als erfolgreich funktionierendes Instrument zur sozialistischen Umerziehung der Jugend diente.
7. Bibliographie: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
FDJ, DDR, SED, Sozialismus, Jugendorganisation, Hitlerjugend, Indoktrination, SMAD, Überparteilichkeit, antifaschistisch, Propaganda, Erich Honecker, Jugendpolitik, Freizeitgestaltung, Nachkriegszeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Rolle und die Funktionsweise der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) in der SBZ und der DDR.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Im Fokus stehen die Entstehungsgeschichte, die Machtstrukturen der Führung, der Umgang mit der HJ-Vergangenheit und die Nutzung von Freizeitangeboten zur Indoktrination.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, ob die FDJ eine reine Freizeitorganisation für Jugendliche war oder als politisches Instrument der SED zur sozialistischen Umerziehung diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Hausarbeit verwendet?
Der Verfasser nutzt eine historisch-kritische Analyse von Primärquellen, politischen Dokumenten, historischen Briefen und Fachliteratur.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Organisation, die gezielte Besetzung von Führungsposten mit SED-Funktionären und die Instrumentalisierung von Sport und Kultur.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Indoktrination, FDJ, SED, Sozialismus und Überparteilichkeit bestimmt.
Wie reagierte die FDJ auf Jugendliche mit einer Vergangenheit in der Hitlerjugend?
Die FDJ nutzte die Orientierungslosigkeit der Jugendlichen nach dem Krieg und bot ihnen durch „Offene Tore“ eine vermeintliche zweite Chance zur Integration.
Wie beurteilt der Autor die „Überparteilichkeit“ der FDJ?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Überparteilichkeit lediglich eine Behauptung war, da die maßgeblichen Positionen von Beginn an durch SED-Funktionäre besetzt wurden.
- Arbeit zitieren
- Mergim Bytyci (Autor:in), 2007, FDJ - Freizeitorganisation oder politische Waffe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134705