In österreichischen Unternehmen nimmt Supply Chain Management eine immer
bedeutendere Rolle ein.1 Das Logistikbild hat sich in den vergangenen vier
Jahrzehnten stark verändert. Früher konzentrierte man sich hauptsächlich auf
logistische Abläufe, die im Bereich Marketing als physische Distribution gesehen
werden konnten. Später setzte sich das „Betriebswirtschaftliche Logistikkonzept“
durch, wobei es als Management des gesamten Waren- und dazugehörigen
Informationsflusses innerhalb eines Unternehmens, zwischen dem Unternehmen und
dessen Lieferanten bzw. dessen Kunden definiert wurde.2
Seit Mitte der 80er Jahre hat sich Supply Chain Management im Spannungsfeld
zwischen neuen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen und technologischen
Neuerungen zu einem komplexen Forschungsgebiet der Betriebswirtschaftslehre
weiterentwickelt.3
Bis zum Anfang der 90er Jahre gab es durchschnittlich fünf Publikationen im
Praxisumfeld des Supply Chain Managements pro Jahr. Danach kam es zu einem
rasanten Anstieg an allgemeinen Publikationen bis man mit 400 publizierten
Arbeiten im Jahr 1999 den Höchststand erreichte. Aktuell erscheinen
durchschnittlich 250 bis 300 Werke pro Jahr. Anders sieht es bei den
wissenschaftlichen Arbeiten aus. Lediglich zwischen 150 und 200 Arbeiten wurden
in der Vergangenheit pro Jahr zu diesem Thema veröffentlicht. Des Weiteren bleibt
zu erwähnen, dass sich nur weniger als zehn Prozent der wissenschaftlichen Arbeiten
mit empirischen Untersuchungen zum Thema Supply Chain Management
beschäftigen. Derzeit liegen ungefähr 90 empirische Arbeiten vor, die verschiedene
Facetten des SCM beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Forschungsfrage
1.3 Struktur der Arbeit
2 Entstehung und Entwicklung von SCM
2.1 Historie des Supply Chain Managements
2.2 Entwicklungsstufen der Logistik
2.3 Begriffsdefinition des SCM
2.4 Denkschulen des Supply Chain Managements
3 Bezugsrahmen des Supply Chain Managements
3.1 Konzeptualisierung nach Handfield und Nichols
3.2 Motive für SCM
3.2.1 Steigende Dynamik und Komplexität
3.2.2 Total Cost of Ownership
3.2.3 Bullwhip-Effekt
3.2.4 Transaktionskosten
3.3 Grundprinzipen des SCM
3.4 Ziele des Supply Chain Managements
3.5 Referenzmodelle des Supply Chain Managements
3.5.1 Referenzmodelle im Allgemeinen
3.5.2 Modell von Bowersox
3.5.3 Modell von Cooper / Lambert / Pagh
3.5.4 Modell von Mentzer et al.
3.5.5 Modell von Bechtel und Jayaram
3.5.6 Supply Chain Operations Reference-Modell
3.5.7 Kernelemente der dargestellten Modelle
3.6 Supply Chain Management-Reifegrade
3.7 Umsetzungsgrad von SCM
4 Die Studie von Kotzab et al. (2006)
4.1 Theoretische Grundlage der empirischen Erhebung
4.2 Analyse Erkenntnisse
4.3 Replikationsstudie
4.3.1 Allgemeines
4.3.2 Typen von Replikationen
4.3.3 Problematik der Replikationsstudie
5 Untersuchungsdesign
5.1 Fragebogendesign
5.2 Schriftliche Befragung
5.2.1 Definition der Grundgesamtheit
5.2.2 Ablauf der schriftlichen Befragung
5.2.3 Rücklaufquote
6 Empirische Untersuchung
6.1 Daten der empirische Erhebung
6.1.1 Statistische Unternehmensdaten
6.1.2 Datenbasis für die weiterführenden Analysen
6.2 Faktorenanalyse
6.2.1 Allgemein
6.2.2 Ablauf der Faktorenanalyse
6.2.3 Variablenauswahl und Errechnung der Korrelationsmatrix
6.2.4 Ergebnis der Signifikanzniveaus der Korrelation
6.2.5 Ergebnis der Anti-Image-Korrelation
6.2.6 Weiterer Ablauf der Analyse
6.2.7 Reliabilitätsanalyse
6.3 Regressionsanalyse
6.3.1 Allgemein
6.3.2 Ablauf der Regressionsanalyse
6.3.3 Ergebniss der Regressionsanalyse
7 Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Ausmaß und die Einflussfaktoren des Entwicklungsgrades von Supply Chain Management (SCM) in österreichischen Unternehmen. Basierend auf einer theoretischen Fundierung der verschiedenen SCM-Modelle sowie einer Replikationsstudie (in Anlehnung an Kotzab, Friis und Busk, 2006) wird mittels Faktoren- und Regressionsanalyse erforscht, wie interne und gemeinsame SCM-Voraussetzungen die SCM-Aktivitäten und letztlich den Implementierungsgrad von SCM beeinflussen.
- Historische Entwicklung und theoretische Bezugsrahmen des SCM
- Vergleich und Analyse gängiger SCM-Referenzmodelle
- Methodik der Replikationsstudie und Empirisches Untersuchungsdesign
- Identifikation und Gewichtung von SCM-Faktoren mittels Faktorenanalyse
- Quantitative Überprüfung der SCM-Implementierung durch Regressionsanalyse
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Bullwhip-Effekt
Hauptproblem von unternehmensübergreifenden, mehrstufigen Supply Chains ist, dass im Zuge des Informationsflusses vom Kunden über den Einzel- und Großhändler bis zum eigentlichen Hersteller Daten verzögert, verändert oder in vielen Fällen falsch interpretiert werden. Der daraus entstehende Bullwhip-Effekt wurde bereits 1958 von Forrester entdeckt und wird in der Literatur auch oftmals als Whiplash-, Whipsaw-Effekt bzw. Peitschenschlageffekt bezeichnet. Der Bullwhip-Effekt bringt zum Ausdruck, dass unter den Rahmenbedingungen von regional begrenzten Informationen und lokaler Entscheidungsfindung kleine Schwankungen der Kundennachfrage durch jede weitere Stufe der Supply Chain verstärkt werden.
Das bedeutet: „Eine kleine Schwankung der Kundennachfrage führt zu einem überproportionalen und verzögerten Anstieg der Bestellmenge des Einzelhändlers. Diese höhere Nachfrage schaukelt sich entlang der Logistikkette weiter fort.“ So ist es möglich, dass sich leichte Konsumschwankungen des Endverbrauchers von 3 bis 5 Prozent über die gesamte Supply Chain hinweg bis hin zum Rohstofflieferanten zu Bedarfsschwankungen von 30 bis 50 Prozent aufschaukeln (vgl. Abbildung 11). Die Ursache für den Peitschenschlageffekt ist in der mangelnden Koordination der Unternehmen der Supply Chain zu sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Bedeutung des Supply Chain Managements in Österreich und definiert die Forschungsfragen sowie die methodische Struktur der Arbeit.
2 Entstehung und Entwicklung von SCM: Hier wird der historische Kontext von der klassischen Logistik zum modernen SCM dargestellt und verschiedene Denkschulen zur Einordnung des Konzepts beleuchtet.
3 Bezugsrahmen des Supply Chain Managements: Dieses Kapitel analysiert theoretische Konzepte, Motive, Grundprinzipien sowie diverse Referenzmodelle und Reifegrade des SCM.
4 Die Studie von Kotzab et al. (2006): Es werden die theoretischen Grundlagen der verwendeten Basisstudie erläutert und die Replikationsstudie als Forschungsmethode eingeführt.
5 Untersuchungsdesign: Das Kapitel beschreibt den Aufbau des Fragebogens, die Definition der Grundgesamtheit sowie den Ablauf der empirischen Befragung.
6 Empirische Untersuchung: Die Ergebnisse der Datenerhebung werden präsentiert, wobei die statistische Auswertung mittels Faktoren- und Regressionsanalyse detailliert dargelegt wird.
7 Conclusio: Abschließend werden die Forschungsfragen auf Basis der gewonnenen empirischen Ergebnisse beantwortet und ein Ausblick gegeben.
Schlüsselwörter
Supply Chain Management, SCM, Logistik, Prozessorientierung, Bullwhip-Effekt, Referenzmodelle, SCOR-Modell, Faktorenanalyse, Regressionsanalyse, Replikationsstudie, SCM-Reifegrad, Unternehmensintegration, Wertschöpfungskette, Kundennutzen, empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Entwicklungsgrad und die Einflussfaktoren der Umsetzung von Supply Chain Management (SCM) in österreichischen Großunternehmen mittels einer empirischen Replikationsstudie.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf theoretische SCM-Grundlagen, die Analyse von SCM-Referenzmodellen sowie die quantitative Untersuchung der SCM-Implementierung durch statistische Verfahren.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie interne und gemeinsame SCM-Voraussetzungen die SCM-Aktivitäten sowie den gesamten Entwicklungsgrad von SCM in Organisationen beeinflussen und wie diese Faktoren spezifisch zusammengefasst werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor verwendet ein quantitatives Design, basierend auf einer Replikationsstudie, und nutzt Faktoren- sowie Regressionsanalysen zur Auswertung des Fragebogendatensatzes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des SCM, eine detaillierte methodische Beschreibung der Untersuchung und eine umfassende Darstellung der empirischen Ergebnisse inklusive der Gruppenanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Supply Chain Management, Prozessorientierung, SCM-Reifegrade, Faktorenanalyse, Regressionsanalyse und empirische Unternehmensforschung.
Warum wurde eine Replikationsstudie gewählt?
Die Replikationsstudie wurde gewählt, um das in Dänemark entwickelte Modell zur Messung des SCM-Entwicklungsgrades auf österreichische Unternehmen anzuwenden und die Übertragbarkeit bzw. Unterschiede der Ergebnisse zu prüfen.
Welche Rolle spielen die "SCM-Voraussetzungen" im Ergebnis?
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass insbesondere die gemeinsamen (interorganisatorischen) SCM-Voraussetzungen einen stärkeren Einfluss auf SCM-Aktivitäten haben als rein interne Voraussetzungen, für die in Österreich kein signifikanter Einfluss nachgewiesen werden konnte.
- Quote paper
- Matthias Keusch (Author), 2008, Entwicklungsgrad von Supply Chain Management in Österreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134724