Über die Kurzgeschichte "A Clean Well-Lighted Place" von Ernest Hemingway


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung
Vorgehensweise

II. Hauptteil
1. Kurze Biografie über Ernest Hemingway
2. Analyse der Kurzgeschichte „A Clean, Well-Lighted Place”
2.1. Inhaltsangabe
2.2. Point of View
2.3. Figurenzeichnung
2.4. Raumentwurf
2.5. Zeitentwurf
2.6. Tone and Style

III. Schluss

IV. Anhang
Bibliografie

I. Einleitung

Vorgehensweise

Die Kurzgeschichte von Ernest Hemingway, „A Clean, Well-Lighted Place”, habe ich eigentlich eher überraschend ausgewählt, da ich nachdem ich meine ‘erste Hemingway- Kurzgeschichte’, „Hills like White Elephants“, gelesen hatte, eher abgeschreckt war. Ich fand die Art, wie Hemingway schrieb, sehr unzugänglich und konnte mich kaum mit der Geschichte identifizieren.

An „A Clean, Well-Lighted Place” hat mich angesprochen, dass die Geschichte einen offensichtlichen Bezug zum Spanischen hat, was mich sehr interessiert. Außerdem fand und finde ich die Stimmung der Kurzgeschichte auf ihre melancholische Art sehr schön; der Zugang zum Verständnis war mir leichter. Darüber hinaus hat es mein Interesse geweckt, mehr über den Hintergrund und die Geschichte an sich zu erfahren; weshalb ich beschlossen habe, mich eingehender mit ihr zu beschäftigen.

Im Folgenden möchte ich auf formale und inhaltliche Aspekte der Kurzgeschichte eingehen, ein sogenanntes ‚close reading’ durchführen. Zunächst werde ich das Leben von Ernest Hemingway kurz darlegen. Im Anschluss daran wird eine Analyse unter den Punkten Inhalt/ Handlung, Point of View, Charakterisierung, Raum- und Zeitentwurf und Stil des Autors zu lesen sein.

Im Schlussteil werde ich zusammenfassend einen Überblick meiner Arbeit geben und meinen Gedankengang veranschaulichen.

Ziel meiner Darlegungen besteht darin, trotz der unterschiedlichen und teilweise auch widersprüchlichen Aussagen der Sekundärliteratur eine eigene Interpretation der Kurzgeschichte zu erstellen, die- ich hoffe- es eventuell auch anderen Lesern ermöglichen wird, die Geschichte besser zu durchdringen.

II. Hauptteil

1. Kurze Biografie über Ernest Hemingway

Geboren wurde Hemingway am 21. Juli 1899 in Oak Park/ Illinois. Nach dem College wurde er Reporter, bevor er sich einige Monate später freiwillig beim Roten Kreuz als Sanitäter im 1. Weltkrieg meldete. Er war zunächst Sanitätsfahrer in Italien und wechselte später zur Infanterie, wo er schwer verwundet wurde. Nach dem Krieg war er als Journalist beim ‚Toronto Star’ beschäftigt, was seinen Schreibstil stark beeinflusste.1

In den Zwanziger Jahren ließ sich Hemingway in Paris nieder, wo er zur Schriftstellergruppe um Gertrude Stein gehörte. Hemingway avancierte zu einer Berühmtheit; jemand, den wir heute mit VIP bezeichnen würden. Er war der zentrale Vertreter der ‚Lost Generation’, eine Generation junger Männer, die durch ihre Kriegserfahrungen desillusioniert waren. Während des Spanischen Bürgerkriegs war Hemingway Kriegsberichterstatter auf der Iberischen Halbinsel; er engagierte sich gegen das Regime General Francos.

1954 Wurde Hemingway der Nobelpreis für Literatur zuerkannt.

Der „Verfall seiner körperlichen Kräfte“ (Köster) und die Depressionen, unter denen er lebte, machten ihm eine normales Leben mehr und mehr unmöglich, so dass er sich am 02. Juli 1961 in Ketchum/ Idaho das Leben nahm.

2. Analyse der Kurzgeschichte „A Clean, Well-Lighted Place“

2.1. Inhaltsangabe

Die Kurzgeschichte “A Clean, Well-Lighted Place” (erstmals erschienen 1933 (Hemingway 141)) dreht sich eigentlich hauptsächlich um das Gespräch zweier Kellner, die sich nachts in dem Café, in dem sie arbeiten, über den letzten Gast, einen alten Mann, unterhalten. Der jüngere der beiden Kellner möchte nach Hause, zu seiner Frau, und wird davon durch den alten Mann, der taub ist und sich betrinkt, abgehalten. Nachdem der alte Mann gegangen und das Café geschlossen ist, geht der ältere Kellner, sinnierend und angetrieben durch seine Schlaflosigkeit, noch in eine Bodega, eine spanische Bar, die er jedoch bald darauf wieder verlässt und in Richtung seiner Wohnung geht.

Die Kellner werden ebenso nicht namentlich benannt wir der alte Mann. Es steht nicht genau fest, wo die Handlung spielt; es muss sich jedoch um ein spanischsprachiges Land handeln, sehr wahrscheinlich sogar Spanien selbst, da im Text spanische Begriffe wie „otro loco más“ (Hemingway 144) oder „copita“ (ebd.) auftauchen und die beiden Kellner einen Soldaten nebst ‚Freundin’ vorbeigehen sehen. Daraus und aus dem Erscheinungsdatum der Kurzgeschichte2 ziehe ich meine Schlussfolgerungen.

Die Geschehnisse werden in chronologischer Abfolge wiedergegeben (Fielitz 102), man könnte die Geschichte daher linear-progressiv nennen (ebd. 107).

Bezeichnend für den Inhalt der Kurzgeschichte ist, dass sie eine Vielzahl von sich entsprechenden Gegensatz-Paaren enthält, auf die ich an späterer Stelle näher eingehen möchte.

2.2. Point of View

Ebenso, wie die Kurzgeschichte sich linear entlang einer Zeitachse entwickelt, kann man auch feststellen, dass sich in ähnlicher Art und Weise, entlang besagter Achse, die Erzählperspektive verändert.

Um den Point of View besser analysieren zu können, halte ich es für wichtig, zunächst einen kurzen Überblick über den formalen Aufbau der Geschichte zu geben. Der knapp vier Seiten lange Text beginnt mit einer kurzen einleitenden Passage durch den nicht näher definierten Erzähler. Im Anschluss daran findet der Leser einen langen Dialog zwischen den beiden Kellnern, der von Zeit zu Zeit wiederum durchbrochen wird, indem der Erzähler erklärt; dabei beschränkt sich dieser jedoch auf „telling“ (Fielitz 71), d.h. es werden hauptsächlich Tätigkeiten der Figuren erzählt und die Figurenrede tritt weit in den Hintergrund. Beim Dialog der beiden Kellner ist es genau anders herum- man würde dies mit „showing“ (ebd.) bezeichnen; der Erzähler tritt in den Hintergrund und vermittelt höchstens noch „one waiter said“ (Hemingway 142). Nachdem das Café geschlossen ist und sich die Kellner verabschiedet haben, beginnt der dritte und letzte Teil3, den ich hier ‚Monolog des älteren Kellners’ nennen möchte.

Der erste Teil ist durch einen Erzähler mit auktorialen Ansätzen geprägt. Hierdurch wird dem Leser eine Außenperspektive der handelnden Personen geboten; der auktoriale Erzähler genießt außerdem den Vorzug, allwissend zu sein und Zugriff auf die Gedanken aller Figuren zu haben, so wie einen Überblick über Zeit- Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft- und Raum. Außerdem zeichnet er sich dadurch aus, dem Leser je nach Belieben oder Anliegen einen Panorama-Blick über die sich gerade ereignende Szene zu geben oder auf eine bestimmte Sache besonders einzugehen, zu ‚zoomen’. Dies passiert auch im ersten Anschnitt von „A Clean, Well-Lighted Place“. Hierdurch ist es dem Erzähler möglich, dem Leser Hintergrundinformationen zu vermitteln.

Im zweiten Teil der Geschichte tritt die für Hemingway typische Erzählsituation zu Tage, die sogenannte Camera-Eye-Technik. Das bedeutet es handelt sich hierbei um eine neutrale und objektive Erzählweise, die fast nur Dialog und kaum Kommentare zulässt. Der Name rührt von der Ähnlichkeit mit der Schnitttechnik des Filmes her, da der Leser den Eindruck eines Drehbuches bekommt, ja sogar die Illusion vermittelt wird, man habe an einem Theaterstück teil, bei dem es ja auch keinen Erzähler gibt. Dies bedeutet aber auch, dass vom Leser ein hohes Maß an Vorstellungskraft und Interpretationsfähigkeit gefordert wird; es werden keine Gefühle oder Gedanken der Figuren ‚auf der Bühne’ dargestellt. Der Nachteil der Camera-Eye-Technik besteht darin, dass man nichts Äußerliches mehr über die Kellner erfährt. Man kann davon ausgehen, dass alle Dialoge in der Kurzgeschichte in dieser Erzählperspektive verfasst sind.

Hier ist ein totaler Gegensatz zum auktorialen Erzähler der ersten Sequenz erkennbar, der sich jedoch im Vergleich mit dem dritten Teil noch verstärkt. Im dritten Teil vollzieht sich der Wechsel der Erzählperspektive nämlich entlang einer nun langsam erkennbar werdenden Linie zum Personalen Erzähler hin. Der Erzähler nimmt hier nun eine Reporterfunktion ein, er berichtet dem Leser deskriptiv die Gedankengänge der Reflektorfigur, die der ältere Kellner darstellt, der in seinen Monolog vertieft ist. Die Funktion hiervon ist, dass dem Leser das Bewusstsein der Figur, um die es geht, nahe gebracht werden soll; eine Identifikation ist somit ebenfalls leichter.

Wie schon erwähnt, ist dieser Wechsel der Erzählinstanz ein funktionaler, d.h. auf ein Ziel ausgerichtet. Der Focus der Geschichte ändert sich; ebenso wie man zu Beginn vielleicht hätte vermuten können, der alte Mann stelle den Protagonisten dar. Um den Perspektiv-Wechsel zu erläutern, kann man sich vorstellen, dass es sich um einen Kunstgriff handelt, der in der Filmbranche schon öfter angewandt wird als in der Literatur: Hemingway hat offensichtlich eine Art ‚close-up’ geschaffen, indem er diese Komplexität der narrativen Instanzen herstellte. Man dringt über den auktorialen Erzähler, mit Hilfe der Camera-Eye-Technik über den personalen Erzähler in das Bewusstsein der eigentlichen Hauptfigur, des älteren Kellners, ein. Hierdurch wird auch das Thema und Anliegen von „A Clean, Well-Lighted Place“ vermittelt.

Ganz interessant ist, dabei zu beobachten, dass nicht nur die Sicht des Lesers durch die vermittelnde narrative Instanz sich verengt, sondern auch die Anzahl der an den Szenen teilnehmenden Personen immer weiter verringert wird; bis zum Schluss nur noch der ältere der beiden Kellner übrig bleibt.

2.3. Figurenzeichnung

Die drei Figuren, bei denen es sich lohnt, eine Charakterisierung zu machen, sind der ältere Kellner, der jüngere Kellner und der alte Mann. Es erscheinen auch noch andere Personen, jedoch reicht hier das Material, dass uns durch die Geschichte vermittelt wird nicht aus, da sie keinen entscheidenden Anteil am Geschehen haben. Da ich mich in meinen Ausführungen hauptsächlich auf den Erzähler, der mal mehr oder weniger Informationen liefert, stützen möchte, stelle ich zuvor erst einmal fest, dass es sich hierbei um einen verlässlichen Erzähler handelt, da kein Grund zu der Annahme besteht, er könnte es nicht sein. Der größte Anteil meiner Auslegungen wird sich auf den Text selbst beziehen. Aus diesem Grunde möchte ich darüber hinaus betonen, dass sich in der Sekundärliteratur besonders zu den Dialogen zwischen den beiden Kellnern keine einhellige Meinung finden lässt, was die Charakterisierung erschwert. Die Dialoge sind teilweise verwirrend gestaltet, man sieht sich nicht nur einmal dem Problem ausgesetzt, nicht zu wissen, welcher der beiden Kellner gerade spricht.

[...]


1 Ich stütze mich hierbei hauptsächlich auf Thomas Köster.

2 Die Kurzgeschichte ist 1933 veröffentlicht worden; da der Spanische Bürgerkrieg (1936-1939) nicht mehr weit war, könnte man davon ausgehen, dass darin die Ursache dafür liegt, dass Soldaten auf den Straßen unterwegs sind. Siehe auch Vonnegut 21.

3 Natürlich sind die Teile nicht homogen von einander abzugrenzen; ich vereinfache hier das Schema der Geschichte, damit ich meinen Standpunkt besser verdeutlichen kann. Der Dialog der Kellner wird beispielsweise durch das Gespräch des jüngeren Kellners mit dem alten Mann unterbrochen (Hemingway 143), da sich aber hierdurch der Point of View nicht ändert, behalte ich es mir vor, dies nicht explizit zu erwähnen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Über die Kurzgeschichte "A Clean Well-Lighted Place" von Ernest Hemingway
Hochschule
Freie Universität Berlin  (John F. Kennedy Institut für Nordamerikastudien)
Veranstaltung
PS 32 210 Einführung in die Literaturwissenschaft
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V134726
ISBN (eBook)
9783640427109
ISBN (Buch)
9783640424832
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Englisch Literaturwissenschaft, Amerikanische Literatur, Ernest Hemingway, Kurzgeschichte, Close Reading, Clean, well-lighted Place
Arbeit zitieren
Katja Buthut (Autor), 2004, Über die Kurzgeschichte "A Clean Well-Lighted Place" von Ernest Hemingway, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134726

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