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Uwe Timms "Morenga". Praktiken des Otherings

Title: Uwe Timms "Morenga". Praktiken des Otherings

Term Paper (Advanced seminar) , 2020 , 26 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: David Gense (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im Fokus dieser Hausarbeit steht das sogenannte "Othering", also das identitätsstiftende "Andersmachen" bzw. Bewerten einer anderen Ethnie oder aber auch Person in Uwe Timms Roman "Morenga".

Um die einzelnen Facetten in ausreichender Trennschärfe hervorzukehren, bedient sich der Autor an dem analytischen Instrumentarium von Gayatri Chakravorty Spivak, das auf den Othering-Begriff Edward Saids zurückgreift. Dabei werden einzelne Passagen und Charaktere herausgegriffen, an denen die unterschiedlichen Dimensionen (insgesamt drei) veranschaulicht werden. Ob es dabei lediglich bei den drei Dimensionen von Spivak bleibt, oder aber Timm das Erfordernis einer differenzierteren Sichtweise aufwirft, ist eine Frage, der sich der Autor im Fazit widmet.

In einer Montage aus Gefechtsberichten, Briefen und Tagebuchaufzeichnungen, historischen Dokumenten und fiktiven Erzählungen illustriert Timm die Vereinnahmung namibischer Völker, die unbekümmerte Abwertung Einheimischer aber auch die Annäherung an die Kultur der Nama, und zwar durch den Protagonisten Gottschalk. Interessant für diese Arbeit sind vor allem jene Momente der Vereinnahmung und Abwertung des Anderen, aber auch jene, in denen dies scheitert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Herkunft des postkolonialen Diskurses

2.2 Germanistische Relevanz des postkolonialen Diskurses

2.3 Postkoloniale Literaturtheorie

2.4 Das Konzept des Otherings

2.4.1 Die Othering-Konzeption nach Spivak

3. Praktiken des Othering in Morenga

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Mechanismen der Identitätskonstruktion und Abwertung in Uwe Timms Roman Morenga vor dem Hintergrund postkolonialer Theorie, wobei insbesondere die Praktiken des sogenannten „Othering“ analysiert werden, um aufzuzeigen, wie Vorurteile und hegemoniale Machtstrukturen das Bild der kolonialisierten Bevölkerung prägten und wie der Roman diese Strategien dekonstruiert.

  • Analyse des "Othering"-Begriffs nach Gayatri Chakravorty Spivak.
  • Untersuchung der deutschen Kolonialgeschichte in Südwestafrika im literarischen Kontext.
  • Dekonstruktion rassistischer Stereotype und Abwertungsmechanismen im Roman.
  • Betrachtung der subversiven Potenziale und des Scheiterns kolonialer Machtansprüche.
  • Rolle der Protagonisten Gottschalk und Wenstrup sowie die Charakterisierung des Widerstandskämpfers Morenga.

Auszug aus dem Buch

Praktiken des Othering in Morenga

„Wer war Morenga?“, heißt es unbeholfen im ersten Kapitel – Der versklavte „Hottentottenboy“ (M, 5) Jakobus ist verschwunden, die Pontoks der versklavten Arbeiter leer; Wo anders wird ein Farmer bedroht und Frau Krabbenhöft zur Flucht geraten. Bereits die ersten Absätze bilden einen „vanishing act“, ausgelöst durch eine unsichtbare Bedrohung. Das, von dem die Deutschen Macht ergriffen haben, ist plötzlich nicht mehr greifbar. Die ersten Beschreibungen zur Fahndung des Übeltäters bleiben distanziert: „Ein Hottentottenbastard (Vater: Herero, Mutter: Hottentottin). Nennt sich auch Marengo. Beteiligte sich am Bondelzwart-Aufstand 1903. Soll an einer Missionsschule erzogen worden sein. […]“ (M, 6) Doch Othering ist dies nicht, sondern der erste bürokratische Ausdruck einer brüchigen Herrscheridentität – die identitätsstiftende Kontrastfolie der Einheimischen ist plötzlich konturlos.

Dabei folgt dem sozial dehydrierten Beamtendeutsch, welches zunächst gleichgültig anklingt, die fantastische Kaschierung der eigenen Blöße. Morenga werden – ebenfalls im reduktionistischen Stil eines Telegramms – übernatürliche Kräfte zugeschrieben, die einerseits das eigens empfundene Versagen rechtfertigen: „Er kann in der Nacht sehen wie am Tag. […] Er verwandelt sich in einen Zebrafinken und belauscht die deutschen Soldaten.“ (M, 7) Andererseits wird mit der aufhebenden Gegenüberstellung von Fakt und Fiktion die Unwissenheit der Kolonisatoren zum Ausdruck gebracht (nicht nur aus Erzähl-, sondern auch Autorenperspektive). „Im Grunde ist Morenga, mindestens zur Begegnung mit Gottschalk, nur im Kolonial- und Militärdiskurs präsent, doch im Modus der Abwesenheit, als Obsession, der man einen Körper geben muss“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in Uwe Timms Roman Morenga ein und stellt die kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus in Südwestafrika sowie die literarische Dekonstruktion kolonialer Mythen in den Mittelpunkt.

2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des postkolonialen Diskurses, die Relevanz der postkolonialen Germanistik und definiert das Konzept des „Othering“ mit Fokus auf die drei Dimensionen nach Gayatri Chakravorty Spivak.

3. Praktiken des Othering in Morenga: Der Hauptteil untersucht anhand des Romans, wie die Akteure bürokratische, rassistische und sprachliche Mittel nutzen, um ein koloniales Feindbild zu festigen, und wie der Roman diese Praktiken gleichzeitig als brüchig entlarvt.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Morenga alle von Spivak beschriebenen Formen der Abwertung aufzeigt, aber primär deren Scheitern demonstriert, da sich der „Andere“ der vollständigen Erfassbarkeit entzieht und die koloniale Identität demaskiert wird.

5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Uwe Timm, Morenga, Postkolonialismus, Othering, Gayatri Chakravorty Spivak, Identitätsbildung, deutscher Kolonialismus, Südwestafrika, Literaturtheorie, Rassismus, Dekonstruktion, Machtstrukturen, Kolonialgeschichte, Widerstand, Subalternität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Uwe Timms Roman Morenga unter einer postkolonialen Perspektive und untersucht dabei, wie Praktiken des „Othering“ – also der Ausgrenzung und Abwertung von als fremd definierten Personen – im Roman dargestellt werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Besonders im Fokus stehen die Konstruktion des „Anderen“, die Dekonstruktion kolonialer Machtverhältnisse, rassistische Diskriminierungsformen und der Versuch der Deutschen, ihre Identität durch die Herabwürdigung indigener Bevölkerungsgruppen zu behaupten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die im Roman angewandten Instrumente der Abwertung und Vereinnahmung zu identifizieren und aufzuzeigen, wie der Autor diese Mechanismen durchkreuzt und als Ausdruck einer labilen Herrscheridentität bloßstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt das literaturwissenschaftliche Instrumentarium von Gayatri Chakravorty Spivak, insbesondere deren Analyse der drei Dimensionen des „Othering“, um die diskursiven Praktiken im Roman methodisch greifbar zu machen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert konkrete Romanpassagen, etwa den Umgang mit Sprachunterricht, die bürokratischen Einstufungen von „Rebellen“ und die Wahrnehmung der Protagonisten Gottschalk und Wenstrup sowie deren Kollegen gegenüber den Nama.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Postkolonialismus, Othering, koloniale Identität, Widerstand, deutsche Kolonialmacht und Dekonstruktion charakterisieren.

Wie geht der Roman mit der Figur Morenga um?

Morenga wird als ungreifbarer Mythos inszeniert, der sich den Zugriffen des kolonialen Militärdiskurses entzieht und damit das Scheitern der deutschen Bemühungen verdeutlicht, ihn eindeutig zu kategorisieren.

Welche Rolle spielen die Protagonisten Gottschalk und Wenstrup?

Sie fungieren als Beobachter, die sich zwar teilweise der Kultur der Nama annähern, dabei jedoch selbst mit ihrer eigenen kolonialen Identität und den rassistischen Vorurteilen ihres Umfelds in Konflikt geraten.

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Details

Title
Uwe Timms "Morenga". Praktiken des Otherings
College
University of Paderborn
Grade
1,7
Author
David Gense (Author)
Publication Year
2020
Pages
26
Catalog Number
V1347321
ISBN (PDF)
9783346851772
ISBN (Book)
9783346851789
Language
German
Tags
timms morenga praktiken otherings
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Gense (Author), 2020, Uwe Timms "Morenga". Praktiken des Otherings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1347321
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